Bahnstrecke Mänttä–Vilppula

Mänttä–Vilppula
Zug auf der Schmalspurbahn zwischen Mänttä und Vilppula
Streckenlänge:8,0 km
Spurweite:1897–1929: 600 mm
ab 1930: 1524 mm
Streckengeschwindigkeit:50 km/h
282,740 Mänttä
Anschluss Metsä Tissue
281,900 Koskela
279,400 Joenniemi
277,314 Hopunlahti
Bahnstrecke Tampere–Haapamäki von Tampere
274,760 Vilppula
Bahnstrecke Tampere–Haapamäki nach Haapamäki

Quellen: [1], Kilometerangaben ab Helsinki

Die Bahnstrecke Mänttä–Vilppula war ursprünglich eine finnische private Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 600 mm, die zwischen Vilppula und Mänttä öffentlich betrieben wurde und von G. A. Serlachius gegründet worden war. Die acht Kilometer lange Schmalspurbahn wurde zwischen 1897 und 1929 für den öffentlichen Personenverkehr genutzt.

Nach dem Umbau der Strecke auf finnische Breitspur mit 1524 mm und Übergang der Strecke auf die Staatsbahnen Valtionrautatiet übernahmen diese von 1930 bis 1953 den Personenverkehr. Der Güterverkehr wurde 2021 eingestellt.

Geschichte

Die Bahn wurde gebaut, um den Güterverkehr von den Serlachius’schen Fabriken in Mänttä zu bewältigen. Die steigende Nachfrage führte dazu, dass die gesamte Strecke auf Breitspur umgestellt und der Verkehr an die Valtionrautatiet übertragen wurde.

Früher Güterverkehr der Fabriken in Mäntta

Als bedeutendste Leistung von Gustaf Adolf Serlachius gilt sein Einfluss auf die Streckenführung der Österbottenbahn von Tampere nach Norden. Ihm war es zu verdanken, dass die Bahnstrecke am Ostufer des Näsijärvi entlangführte. Dadurch konnten seine Säge- und Holzwerke in Mäntta ab 1883 den Bahnhof Vilppula für den Warentransport nutzen. In den Anfangsjahren erfolgte der Gütertransport zwischen Mänttä und Vilppula mit Pferdewagen, was Dutzenden von Einheimischen Arbeit bot. Dabei wurden Fähren und Boote für den Transport eingesetzt, um Waren über die Flüsse Melasenkoski und Keskikoski zum Sägewerk am Ufer des Kotaselkä in Vilppula zu befördern. Um den Transport zu erleichtern, wurde der Melasenkoski 1895 mit staatlichen Mitteln ausgebaggert, doch die Vorteile waren aufgrund der Fertigstellung der Eisenbahnverbindung nur von kurzer Dauer.[2.1]

Nach der Fertigstellung der Bahnverbindung zwischen Tampere und Haapamäki im Jahr 1882 begannen die Diskussionen über eine Bahnverbindung nach Jyväskylä. Serlachius befürwortete eine Strecke von Vilppula über Mänttä und Jämsä nach Jyväskylä. Um das Projekt zu beschleunigen, berief er am 28. März 1889 eine öffentliche Versammlung in Tampere ein, um das Thema zu erörtern. Sein Vorschlag fand jedoch keine Unterstützung. Die Arbeitsgruppe, die die Bahnstrecke prüfte, kam zu dem Schluss, dass die Fabrik in Mänttä verkehrstechnisch so günstig gelegen sei, dass eine Bahnlinie durch Mänttä nicht notwendig sei. Es wurde als wichtiger erachtet, die Wälder und Höfe der umliegenden Bauern in der Nähe des Bahnanschlusses zu haben. Daher wurde die Bahnlinie schließlich von Haapamäki über Keuruu und Petäjävesi nach Jyväskylä gebaut.[2.2]

Bau der Schmalspurbahn

Da der Bau einer Bahnverbindung nach Mänttä mit staatlichen Mitteln nicht zustande kam, begann Serlachius 1889 mit der Planung einer Schmalspurbahn zwischen Vilppula und Mänttä. Der Bahnbau erhielt am 22. Januar 1897 die Baugenehmigung des Senats, obwohl die Bauarbeiten bereits 1896 begonnen hatten. Die Strecke wurde im Herbst 1897 fertiggestellt und war 6,7 Kilometer lang. Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt 194.006 Mark, wovon der Staat 60.000 Mark beisteuerte. Der erste Personenzug fuhr am 17. Oktober 1897 von Vilppula nach Mänttä. Im Februar 1898 wurde der provisorische Verkehr aufgenommen, und im Februar 1900, nach einer erneuten Inspektion, die Strecke endgültig für den öffentlichen Verkehr freigegeben.[2.3][3.1]

Serlachius war Eigentümer der Strecke und der Fahrzeuge. 1907 bestand der Wagenpark aus zwei Dampflokomotiven, zwei Personenwagen und 69 Güterwagen. Bis zum Ersten Weltkrieg hatte sich die Anzahl der Lokomotiven auf vier und die der Personenwagen auf drei erhöht, während die der Güterwagen auf 36 gesunken war.

Anfangs wurden auf der Strecke jährlich 8.000 bis 10.000 Fahrgäste befördert. In den 1910er Jahren verdreifachte sich diese Zahl, insbesondere durch den Bau der Zellstofffabrik in Mänttä. Die Fahrgastzahl lag 1920 bereits bei 51.469.

Alle Bahnarbeiter waren bei der Gesellschaft Serlachius Oy angestellt; 1912 waren es zwölf. Zusätzlich erhielt der Bahnhofsvorsteher von Vilppula eine Vergütung für die Überwachung der Verladevorgänge. Trotz der steigenden Fahrgastzahlen bestand die wichtigste Aufgabe der Strecke im Transport der Produkte der Zellstofffabrik Mänttä zum Lager in Vilppula, von wo aus sie auf Wagen der Staatsbahnen Suomen Valtion Rautatiet (SVR) verladen wurden. 1914 ließ Serlachius die Gleise in nördlicher Richtung östlich des Bahnhofs Vilppula verlegen und an deren Ende neue Lagergebäude errichten. Für das Be- und Entladen von Rohstoffen wurde die Strecke zudem nach Süden bis in die Nähe von Vilppulankoski verlängert. Bis 1920 hatte sich das Güterverkehrsaufkommen auf der Strecke gegenüber dem Ausgangswert fast verneunfacht und erreichte 122.000 Tonnen.[3.1][2.3]

Umstellung auf Breitspur

In den 1910er Jahren wuchs die Produktion der Fabriken in Mänttä so stark, dass die Transportkapazität der Schmalspurbahn nicht mehr ausreichte. Daher stellte das Unternehmen 1919 einen Antrag an die Regierung zur Umstellung der Strecke auf finnische Breitspur von 1524 mm, der jedoch abgelehnt wurde. 1925 reichte das Unternehmen einen neuen Antrag ein, der Verhandlungen auslöste. In deren Folge beschloss die Regierung, den Bau der Strecke mit zwei Millionen Mark zu fördern. Der Baubeginn wurde am 10. Februar 1927 beschlossen. Die Breitspurstrecke wurde terminlich so fertiggestellt, dass der Güterverkehr am 1. Januar 1929 und der Personenverkehr am 1. September 1929 aufgenommen werden konnte. Der Bahnhof Mänttä befand sich östlich von Virtasalmi, da eine Verlängerung der Strecke bis Jämsä geplant war.[2.4] Der letzte Zug auf der Schmalspurstrecke fuhr am 10. Mai 1930, der Rückbau wurde am 28. Juni 1930 abgeschlossen.[4.1]

Der Personenverkehr zwischen Mänttä und Vilppula war rege. In den 1930er Jahren gab es neun Zugpaare. Die Fahrgastzahlen ab Mänttä stabilisierten sich bei 30.000. Nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen sie auf fast 80.000. Die Züge wurden vor allem von Arbeitern der Fabriken in Mänttä und Schülern der Gesamtschule in Vilppula genutzt. Die Fabrikarbeiter erhielten für die Zugfahrten Freikarten; die roten galten für alle Züge, die blauen jedoch nur für die Arbeiterzüge.

Die Finnischen Staatsbahnen (Valtionrautatiet) betrieben von 1930 bis 1953 den Personenverkehr zwischen Mänttä und Vilppula mit Reisezügen und von 1953 bis 1969 mit dem Linienbus. Danach wurde der Personenverkehr an die der VR Group gehörende Busgesellschaft Pohjolan Liikenne übertragen.[2.4][5]

Heutiger Zustand

Es gab mehrfach Gespräche, die Strecke Mänttä–Vilppula wieder für den Personenverkehr zu öffnen.[6][7] Durchgehende Züge mit Triebwagen der Baureihe Dm12 bis zum Bahnhof Mänttä wären aus Richtung Orivesi ohne Rangierbewegungen machbar.

Die finnische Eisenbahnverwaltung plant lediglich die notwendigen Reparaturen für den Güterverkehr durchzuführen und keine Haltestellen und Sicherheitseinrichtungen für den Personenverkehr zu installieren. Der einzige Kunde der Strecke, Metsä Tissue, stellte den Schienentransport am 13. September 2021 ein, seitdem ruht der Verkehr auf der Strecke.[8]

  • Liikenne. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 16. Dezember 2004; abgerufen am 15. Januar 2026 (finnisch).

Einzelnachweise

  1. Vilppula–Mänttä. In: vaunut.org. Abgerufen am 14. Januar 2026 (finnisch).
  2. Mauri Mönkkönen: Mäntän historia 1860–1947. Vanhan Ruoveden historia III:8/1 – Mänttä-Vilppula – Ruovesi. Hrsg.: Mäntän kaupunki, Mäntän seurakunta. 1992 (finnisch, antikvariaatti.net).
    1. S. 75
    2. S. 77
    3. a b S. 106
    4. a b S. 281
  3. Mauri Mönkkönen: Vilppulan ja Pohjaslahden historia 1866–1918. Vanhan Ruoveden historia III:4 osa 1. Hrsg.: Vilppulan kunta ja seurakuntayhtymä. 1988, ISBN 951-99992-3-X (finnisch).
    1. a b S. 133
  4. Matti Bergström, Erkki Einola, Olavi Kilpiö: Kapeat kiskot: Suomen yleiselle liikenteelle avatut yksityiset kapearaiteiset rautatiet. 12 – Mäntän rautatie. Hrsg.: Suomen Rautatiemuseo. 1993, ISBN 951-96543-1-3 (finnisch).
    1. S. 143
  5. Mauri Mönkkönen: Vanhan Ruoveden historia. 3, 4, 2,. Vilppulan ja Pohjaslahden historia 1918–1980. Hrsg.: Vilppulan kunta, [Vilppulan] seurakuntayhtymä 1988. 1988, ISBN 951-99992-4-8, S. 116–117 (finnisch).
  6. Mänttä ei saa kiskobussia. In: yle.fi/. 11. Dezember 2009, abgerufen am 14. Januar 2026 (finnisch).
  7. Jouni Tanninen: Kiskobussi ei aja Mäntän keskustaan, kumipyöräbussi hoitaa yhteyden Vilppulan lisääntyviltä junavuoroilta. In: yle.fi. 30. September 2019, abgerufen am 14. Januar 2026 (finnisch).
  8. Sirkka Iso-Ettala: Metsä Tissue lopettaa rautatiekuljetukset ja siirtää kuljetukset kumipyörille. In: mvlehti.fi. Abgerufen am 14. Januar 2026 (finnisch).