Langenthal-Melchnau-Bahn

Langenthal–St. Urban (–Melchnau)
Streckennummer (BAV):414 (Langenthal Gaswerk–St. Urban Ziegelei)
Fahrplanfeld:414
Streckenlänge:(ehem. 11,0 km)
5,98 km
Spurweite:1000 mm (Meterspur)
Stromsystem:1200 V =
Maximale Neigung: 45 
Minimaler Radius:80 m
0,00 SBB von Bern und BLS von Huttwil
Rollschemelanlage (bis 1969)
0,14 Langenthal SBB / ASm 472 m ü. M.
0,46 SBB nach Olten / Depot und Werkstätte
1,10 Langenthal Gaswerk 464 m ü. M.
1,14 ASm nach Niederbipp
1,72 Langenthal Industrie Nord (seit 2006) 458 m ü. M.
Langenthal Industrie Nord Ausweiche
2,82 Roggwil Mumenthal (bis 2013 Hst) 461 m ü. M.
SBB von Bern nach Olten
3,18 Kaltenherberg 454 m ü. M.
4,44 Roggwil Schmitten 456 m ü. M.
5,04 Roggwil Dorf (bis 2017 Bhf) 452 m ü. M.
5,90 Roggwil Buchägerten 452 m ü. M.
6,47 St. Urban 447 m ü. M.
(geplante Umtrassierung)
St. Urban Kloster
6,98 St. Urban Ziegelei [Anm 1] 450 m ü. M.
7,00 St. Urban Ziegelei Ausweiche
7,12 (stillgelegt 1982, zurückgebaut 2015)
7,80 Sängi 468 m ü. M.
9,28 Untersteckholz 492 m ü. M.
11,60 Gjuch 512 m ü. M.
12,14 Melchnau 524 m ü. M.

Anmerkungen
  1. stillgelegt 1982, reaktiviert 1989

Quellen: [1][2][3][4]

Die Bahnstrecke Langenthal–St. Urban–Melchnau – auch heute noch als Langenthal-Melchnau-Bahn bezeichnet – ist eine 1917 eröffnete Meterspurbahn im Kanton Bern in der Schweiz.

Sie geht namentlich auf die ehemalige Bahngesellschaft Langenthal-Melchnau-Bahn (LMB) zurück, welche die von Langenthal Gaswerk über St. Urban nach Melchnau verlaufende ehemals 11,0 km lange Strecke betrieb.

Die LMB fusionierte 1958 mit der Langenthal-Jura-Bahn (LJB) zu den Oberaargau-Jura-Bahnen (OJB). Nach einer Namensänderung 1990 in Regionalverkehr Oberaargau (RVO) fusionierte sie 1999 mit der Biel-Täuffelen-Ins-Bahn (BTI), der Solothurn-Niederbipp-Bahn (SNB) und den Oberaargauischen Automobilkursen (OAK) zur Aare Seeland mobil (ASm), welche die von Langenthal Gaswerk seit 1982 nur noch 6,0 km lange Strecke bis St. Urban Ziegelei[5] betreibt.

Geschichte

Die Eisenbahngesellschaft Langenthal-Melchnau-Bahn wurde am 21. April 1913 im Gasthof Löwen in Melchnau, mit Sitz in Langenthal gegründet.[6] Per 31. Dezember 1917 betrug das Aktienkapital 987'000 Franken, aufgeteilt in 1974 Aktien mit einem Nominalwert von 500 Franken. Sie eröffnete am 6. Oktober 1917[7][8] die von Anfang an elektrisch betriebene Strecke, von Langenthal über Roggwil und St. Urban nach Melchnau. Sie war Eigentümerin der Bahnstrecke von Langenthal Gaswerk, wo sie von der sich ursprünglich im Eigentum der Langenthal-Jura-Bahn befindenden Bahnstrecke Langenthal–Niederbipp abzweigte.

Die Geschäftsführung lag von Beginn weg bei der Langenthal-Jura-Bahn. Sie war für die Betriebsführung zuständig und führte in ihrer Werkstätte in Langenthal neben dem Unterhalt des eigenen Fahrzeugparkes auch den Unterhalt des Fahrzeugparkes der Langenthal-Melchnau-Bahn durch.

Rollschemelverkehr

Um normalspurige Güterwagen auf der Meterspurstrecke zu befördern, wurde 1909 die erste Rollschemelanlage der Schweiz in Langenthal in Betrieb genommen.

Auf der LMB sind seit ihrer Eröffnung ebenfalls Zustellungen bis nach Melchnau möglich.

Strecke

Stilllegung des Abschnitts St. Urban–Melchnau und Teilreaktivierung

Das Stationsgebäude von Melchnau mitsamt der Remise sowie das Haltestellengebäude von Untersteckholz wurden mittlerweile an Privatpersonen verkauft. Der einzige grössere Güterkunde auf dem Teilstück St. Urban–Melchnau war die Landi-Filiale in Melchnau, bevor die Strecke 2012 endgültig stillgelegt wurde.[9]

Am 28. Mai 1989 wurde der kurze Abschnitt von St. Urban nach St. Urban Ziegelei für den Personenverkehr reaktiviert.

Geplante Museumsbahn

Ab 1999 revidierte der Verein Freunde Schweizer Schmalspurbahnen (FSS) in der Remise von Melchnau den ursprünglich durch die Langenthal-Melchnau-Bahn beschafften Motorwagen Ce 2/2 14 mit dem Ziel, diesen auf einer künftigen Museumsbahn St. Urban–Melchnau zu betreiben. Wegen des schleppenden Vorankommens der Revisionsarbeiten infolge der fehlenden finanziellen wie auch personellen Mittel des Vereins kündigte Aare-Seeland mobil dem Verein jedoch den Mietvertrag der Remise in Melchnau. Durch die Stilllegung ist auch das Projekt einer Museumsbahn hinfällig.

Teilumstellung auf Autobusbetrieb

Aufgrund der spärlichen Besiedelung entlang der LMB-Strecke, die in erster Linie Unternehmen entlang der Strecke erschloss, und der langen Fahrzeit nach Melchnau, aufgrund des weit nach Osten ausholenden Bogens den die Strecke beschreibt, wurde am 22. Mai 1982 der Personenverkehr auf dem Abschnitt St. UrbanMelchnau eingestellt. Für den Güterverkehr blieb der Streckenabschnitt unverändert in Betrieb. Die Erschliessung von Melchnau übernahmen Busse, mit denen aufgrund der direkten Linienführung nach Langenthal die Fahrzeit deutlich reduziert werden konnte. Eine neue Autobuslinie von Roggwil über St. Urban erschloss nun Melchnau über Untersteckholz, anderseits erschloss eine ebenfalls neue Autobuslinie Langenthal mit Melchnau direkt über Obersteckholz, also ohne zeitraubenden Umweg über Roggwil und St. Urban.[10]

Die Autobuslinie von Roggwil über St. Urban und Untersteckholz nach Melchnau wurde jedoch nur kurze Zeit betrieben. Damit wurde in der Folge Untersteckholz vom öffentlichen Personenverkehr abgeschnitten.

Rückbau

Von 2015 bis 2016 wurde der Abschnitt St. Urban-Melchnau zurückgebaut. Der Rückbau wurde durch den Verkauf des Trassees und Abbruchmaterial finanziert.[11] Grösster Käufer in Melchnau war die Gemeinde Melchnau, welche das erworbene Land als Realersatz für das zukünftige Hochwasserschutzprojekt tauschen wird.[12]

Stilllegung der Haltestelle Mumenthal und Inbetriebnahme der Haltestelle Langenthal Industrie Nord

Aufgrund des Neubaus der Migros an der Wiesenstrasse in Langenthal wurde der Verkaufsladen in ein Provisorium in der Industrie Nord verlegt (heutiges Ottos-Gebäude). Im Zusammenhang damit wurde am 20. Juli 2006 eine provisorische Haltestelle eingerichtet. Am 2. Oktober 2015 wurde die definitive Haltestelle in Betrieb genommen. Die Haltestelle Mumenthal wurde am 15. Dezember 2013 aufgehoben. Diese darf nicht mit der Haltestelle Hard-Mumenthal verwechselt werden, die sich an der Strecke Langenthal–Aarwangen-Oensingen befindet.

Geplante Verlegung der Strecke zum Kloster St. Urban

Bis frühestens 2030 soll die auf Berner Kantonsgebiet liegende Endstation St. Urban Ziegelei vor das auf Luzerner Boden gelegenem Kloster St. Urban mit der Luzerner Psychiatrie verlegt werden.[13] Mit neuen Bushaltestellen soll so ein regionaler Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs entstehen.

Fahrzeuge

Der auf die Betriebseröffnung beschaffte Fahrzeugpark war im Hinblick auf die an die Langenthal-Jura-Bahn delegierte Betriebsführung auf deren Fahrzeugpark abgestimmt. Die Fahrzeuge entsprachen denselben Normalien und konnten freizügig auf dem gesamten Streckennetz eingesetzt werden.

Die Erstausstattung des Fahrzeugparkes bestand aus den folgenden Fahrzeugen:

Motorwagen und Lokomotiven

Personenwagen

  • C2 16 bis 19 (SWS) 1917

Güterwagen

  • K2 36 und 37 (SIG) 1917
  • L2 46 (SIG) 1917
  • OR 66 bis 68 1917

Aktuelle Fahrzeuge

Literatur

Commons: Langenthal-Melchnau-Bahn – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
  2. Eisenbahnatlas Schweiz, Edition Schweers + Wall, EK-Verlag, 2024, ISBN 978-3-84466-441-6.
  3. map.geo.admin.ch mit Layern: swissTLM3D Eisenbahn (swisstopo), Schienennetz (BAV), Swissimage Zeitreise – Luftbilder (swisstopo) und Zeitreise Kartenwerke – Topografische Karten (swisstopo).
  4. maps.trafimage.ch mit Layern: Infrastruktur SBB/Tochtergesellschaften und Infrastruktur übrige Bahnen.
  5. @1@2Vorlage:Toter Link/www.bav.admin.chTU-Verzeichnis des Bundesamtes für Verkehr, Angaben zur Konzession Nr. 5129 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juni 2017. Suche in Webarchiven) (Abruf am 4. März 2014)
  6. Paul Schneeberger: Die Nebenbahn: Eine Spurensuche im Oberaargau In: Neue Zürcher Zeitung vom 7. Januar 2017
  7. www.pospichal.net, Kapitel Langenthal-Melchnau-Bahn (Abruf am 10. September 2012)
  8. www.aargauerzeitung.ch, Aargauer Zeitung, Aktualisierter Artikel vom 28. Juni 2012 Ende einer Oberaargauer Eisenbahngeschichte@1@2Vorlage:Toter Link/www.aargauerzeitung.ch (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (Abruf am 10. September 2012)
  9. www.uvek.admin.ch, Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, Artikel Bundesrat hebt Konzession für Eisenbahnstrecke nach Melchnau auf. Abgerufen am 10. September 2012.
  10. Paul Schneeberger: Die Nebenbahn: Eine Spurensuche im Oberaargau In: Neue Zürcher Zeitung vom 7. Januar 2017.
  11. ASM transportiert über 6 Millionen Fahrgäste. In: bernerzeitung.ch/. Abgerufen am 28. Juni 2016.
  12. Weichen für einen Konsens gestellt. Abgerufen am 28. Juni 2016.
  13. Aare Seeland Mobil: Planungen für eine neue Bahnhaltstelle in St. Urban verdichten sich. Abgerufen am 9. Juli 2024.