Bahnstrecke Herning–Viborg

Herning–Viborg
Alhedebanen
Streckenlänge:47,8 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
von Skjern
von Holstebro
0,0 Herning 53,4 m.o.h.
nach Vejle
nach Silkeborg
Midtjyske Motorvej
5,9 Nybo 45,8 m.o.h.
8,9 Sunds 47 m.o.h.
11,6 Nørremark 49,7 m.o.h.
15,0 Ilskov 53,3 m.o.h.
19,8 Gedhus 55,1 m.o.h.
Flughafen Karup
21,5 Grove 49,8 m.o.h.
22,1 Kølvrå 45,4 m.o.h.
24,3 Karup 37,6 m.o.h.
30,5 Frederiks 65,6 m.o.h.
34,5 Skelhøje 76,5 m.o.h.
38,2 Stanghede 59,7 m.o.h.
40,2 Bækkelund 44,9 m.o.h.
42,2 Kuranstalten (ab 22. Mai 1966 Hald Ege) 34,7 m.o.h.
von Langå
von Mariager
47,8 Viborg 31,2 m.o.h.
nach Ålestrup
nach Struer

Die Bahnstrecke Herning–Viborg war die Eisenbahnstrecke zwischen Herning und Viborg in Dänemark. Sie wurde auch Alhedebanen genannt, weil ihr mittlerer Abschnitt über die flache, baumlose Alhede verlief.

Vorgeschichte

Die Strecke wurde als Staatsbahn geplant, da es unmöglich gewesen wäre, in der dünn besiedelten Gegend Kapital für eine Privatbahn aufzubringen. Gleichzeitig sollte die Strecke eine direkte Verbindung zwischen der Himmerlandsbanerne und Esbjerg über die Bahnstrecke Skanderborg–Skjern schaffen. Tatsächlich spielte dieser Verkehr während der gesamten Betriebszeit der Strecke eine wichtige Rolle.

Die Danske Statsbaner (Dänische Staatsbahnen, DSB) standen dem Projekt skeptisch gegenüber, da der Verkehr über anderen DSB-Strecken abgewickelt wurde und die Strecke angesichts der geringen Bevölkerungsdichte kaum rentabel sein dürfte. Mit dem Eisenbahngesetz vom 27. April 1900 beschloss das dänische Parlament den Bau der Strecke. Es dauerte allerdings einige Jahre, bis die nötigen Mittel dafür bereitgestellt wurden.

Der Großteil der Strecke – von Herning nach Skelhøje – verlief durch flaches Gelände, wo der Bau unproblematisch war. Von Skelhøje musste ein Höhenunterschied von 45 Metern nach Viborg überwunden werden, sodass die Strecke durch Einschnitte und über Dämme geführt werden musste. Die Strecke wurde ohne Telegrafenanschlüsse gebaut, sondern nur mit Telefonen ausgestattet. Es wurden Schienen mit einem Metergewicht von 22,5 kg verwendet, die zwischen 1929 und 1930 durch Schienen mit einem Metergewicht von 37 kg ersetzt wurden. Der höchste Achslast lag bei 16 t.

In den Anfangsjahren war die Bahn als „Konebanen“ (Frauenbahn) bekannt, da die kleineren Haltestellen von weiblichen Angestellten besetzt wurden, die meist Ehefrauen von Bahnhofsvorstehern auf anderen Bahnhöfen waren. Dies war das erste Mal, dass die DSB Frauen für solche Aufgaben einsetzte, und ein Versuch, ein kostengünstigeres Betriebssystem zu schaffen. Die Frauen waren für den Fahrkartenverkauf, die Güterabfertigung und das Stellen von Signalen zuständig. Dieses Konzept war neu für die DSB, wurde aber zuvor bereits bei mehreren privaten Eisenbahnen in Dänemark angewendet. Die Frauen erhielten nur eine kurze Schulung, und das Projekt war nie erfolgreich. Von 1909 bis 1920 wurden die Ehefrauen durch männliche Bahnhofsvorsteher ersetzt. Am Bahnhof Karup, der nie weibliches Personal hatte, wurde ein Denkmal für die „Frauenbahnlinie“ errichtet.

Eröffnung

Die Bahnstrecke wurde am 25. Juni 1906 von Ministerpräsident Jens Christian Christensen eingeweiht. Am folgenden Tag wurde der öffentliche Betrieb mit drei täglichen Zugpaaren aufgenommen. Vor der Anbindung an den Eisenbahnverkehr dauerte die Fahrt bis zu 14 Stunden. Die Strecke war nicht eingezäunt.

Die Bahnstrecke wurde auch zur Kultivierung und Besiedlung der zentraljütländischen Heide errichtet. Mehrere Bahnhöfe wurden auf freiem Feld gebaut, um neue Siedlungen zu schaffen. Die Orte Ilskov, Frederiks und Skelhøje begannen ihre Geschichte im Jahr 1906.

Der Gütertransport spielte eine wichtige Rolle. Die Frachtmengen nahmen rasch zu: Mergel wurde von der Mergellagerstätte in Kølsen an der Bahnstrecke Viborg–Aalestrup in die Heidegebiete transportiert, die kultiviert werden sollten. Dieser Transport erreichte in den 1920er Jahren seinen Höhepunkt und ging in den 1930er Jahren zurück, belief sich aber auf insgesamt rund 120.000 Wagenladungen.

Als die Strecke eröffnet wurde, bestand der Viehbestand in der Heide fast ausschließlich aus Schafen. Viele Bauernhöfe nutzten die Gelegenheit, sich Rinder und Schweine zuzulegen, da diese leichter zu vermarkten waren. Der wohl ungewöhnlichste Transport der Eisenbahn fand 1913 statt, als der Kaufmann Hans Dall zusammen mit einer samischen Familie 400 Rentiere aus Lappland am Bahnhof Frederiks anliefern ließ, bestimmt für den Rentierpark Kongenshus Mindepark.[1]

Während des Ersten Weltkriegs fuhren Güterzüge mit Heidekraut für Deutschland und Torf für ganz Dänemark ab, hauptsächlich vom Bahnhof Karup. An manchen Tagen wurden 150 Güterwagen abgefertigt. Ein Zug konnte aus 30 Wagen bestehen. 1918 wurden 27 Mio. Tonnen Torf produziert und transportiert.

1917 errichtete der Staat eines seiner beiden Kriegsgefangenenlager in Hald Ege. Die ersten Gefangenen mussten am Bahnhof Viborg aussteigen und zu Fuß zum Lager gehen. Später stiegen diese auf offener Strecke bei Hald Ege vom Zug aus, während die auf Tragen Liegenden am Bahnhof Bækkelund ausgeladen und die letzte Strecke mit Handkarren befördert wurden. Die Heimtransporte erfolgten in Zügen mit ausländischen Wagen und bis zu 480 Personen. Das Lager wurde Ende 1920 geschlossen.

Viele Jahre lang fuhren einige Züge von Viborg weiter nach Aalestrup. In den 1920er Jahren gab es einige Jahre lang einen durchgehenden Zug zwischen Viborg, Herning und Fredericia.

Militärverkehr und Flugplatz Karup

Während des Zweiten Weltkriegs diente die Eisenbahn der Unterstützung der deutschen Besatzungstruppen. Diese errichteten ein 10 Kilometer langes Anschlussgleis von Kølvrågaard nach Westen, wo sie den Fliegerhorst Grove, den größten von den Deutschen angelegten Militärflugplatz in Dänemark, der später zum Flughafen Karup wurde, anlegten.[2]

Um das Flugplatzpersonal zu versorgen, eröffneten die DSB am 16. Juni 1941 in der Nähe des deutschen Flugplatzes eine Haltestelle namens Grove Trinbræt. Die PmHaltestelle bestand aus einem bescheidenen Gebäude mit einem einfachen Bahnsteig, entwickelte sich aber schnell zu einem wichtigen Knotenpunkt für den Transport von Militärpersonal und -ausrüstung.

Zahlreiche Güterzüge brachten Steine, Zement und andere Baumaterialien für dieses Großprojekt. Später trafen Güterzüge mit Flugbenzin und Munition auf dem Flugplatz ein.

Nach dem Krieg gab es hier ein großes Flüchtlingslager für deutsche Flüchtlinge.[2] Später wurde das Gleis für den Transport von Flugbenzin für die dänische Luftwaffe und anderen Gütern zum dänischen Flugplatz genutzt.

Bahnhof Kølvrå

Als in den 1950er Jahren neben dem Militärstützpunkt die Stadt Kølvrå entstand, wurde der Haltepunkt Grove am 23. Mai 1954 in Bahnhof Kølvrå umbenannt. Er entwickelte sich schnell zu einem der verkehrsreichsten Bahnhöfe der Strecke. Um die vielen Fahrgäste, hauptsächlich Wehrpflichtige und Angestellte des Flugplatzes, bewältigen zu können, erhielt Kølvrå am 20. Januar 1956 ein neues Empfangsgebäude mit Bahnhofskiosk, wo Snacks, Zeitungen und andere Dinge des täglichen Bedarfs gekauft werden konnten. Das alte Gebäude wurde überflüssig und kurz darauf abgerissen. Kølvrå mit dem Status „Bahnhof“ verfügte jedoch weder über Ausweich- noch über Kreuzungsgleise, nur über ein einziges Hauptgleis.

Für diese Zielgruppe wurden Eilzüge eingeführt, die nur in Karup, Kølvrå und Gedhus hielten. Ab 1964 führte der Eilzug am Freitag einen durchgehenden Kurswagen, der mit einem anderen Eilzug bis Vejle weiterfuhr, wo Anschluss an einen Schnellzug nach Kopenhagen bestand.

Zwischen 1965 und 1966 wurde der Wartesaal des Empfangsgebäudes als provisorisches Terminal für den neu errichteten Regionalflughafen verwendet. Am Fahrkartenschalter wurden sowohl Zug- als auch Flugtickets verkauft, sodass Reisende Kombitickets für Zug und Flug erwerben konnten.

Betriebseinstellung und Stilllegung

Im Laufe der 1960er Jahre nahm der Kfz-Verkehr zu, und die Fahrgastzahlen in den Zügen sanken. Dementsprechend wurde die Anzahl der Züge immer weiter reduziert, sodass 1966 täglich weniger Züge verkehrten als bei der Eröffnung der Strecke. Nach einer umfassenden Modernisierung vieler anderer DSB-Strecken wurde der Personenverkehr am 23. Mai 1971 eingestellt. Güterverkehr fand bis zum 28. Mai 1972 auf der Gesamtstrecke statt. Auf dem danach verbliebenen Reststück zwischen Karup und Herning verkehrten Güterzüge bis zum 22. Mai 1977.

Betriebsstellen

  • Nybo billetsalgssted (Nb, Fahrkartenverkaufsstelle), Haltepunkt ab 1. März 1962, stillgelegt am 26. Mai 1963
  • Sunds holdeplads (Un, Halteplatz), Expedition bis 1920, Bahnhof ab 1922, Haltepunkt ab 7. September 1959
  • Nørremark trinbræt (Nøt, Haltepunkt), vom 17. Januar 1929 bis 1955
  • Ilskov holdeplads (Iv), Expedition bis 1915, Bahnhof ab 1922, Haltepunkt ab 1. Dezember 1970
  • Gedhus trinbræt og sidespor (Ghs), Haltepunkt mit Ladegleis für den Mergeltransport ab 30. Juli 1921. Haltepunkt ab 20. Januar 1926
  • Grove sidespor, Anschlussgleis ab 12. Juli 1940 zur Baustelle des Flugplatzes, Sonderzüge für die Wehrmacht ab 3. Mai 1941
  • Grove trinbræt (Got), Haltepunkt ab 16. Juni 1941, Namensänderung in Kølvrå am 23. Mai 1954. Neues Empfangsgebäude ab 20. Januar 1956, ohne Abstell- oder Ladegleise
  • Karup holdeplads (Kp), Bahnhof ab 1922, Wasserturm[1]
  • Frederiks holdeplads (Fe), Expedition bis 1909, Bahnhof ab 1922
  • Skelhøje holdeplads (Sh), Expedition bis 1909, Bahnhof ab 1922
  • Stanghede mergelspor, Haltepunkt mit Ladegleis von 1912 bis 1947
  • Bækkelund holdeplads (Bæ), Expedition bis 1918, Bahnhof ab 1922, Haltepunkt ab 1. Oktober 1949, bis 26. Mai 1963. Der Bahnsteig blieb einige Jahre erhalten und wurde für Ausflugszüge genutzt, Kreuzungsgleis bis 1965. Bækkelund besaß das größte und schönste Bahnhofsgebäude der Strecke, weil es ein beliebtes Ausflugsziel ab Viborg war.
  • Kuranstalten trinbræt, 12. Juni 1930, am 18. Dezember 1932 mit Überdachung versehen, als Hald Ege trinbræt am 22. Mai 1966 umbenannt[3]

Erläuterung: Expedition war in Dänemark eine Betriebsstelle, die mit einem Angestellten mit den Aufgaben eines Fahrdienstleiters besetzt war, wobei die Betriebsstelle nicht den Status eines Bahnhofes hatte.

Empfangsgebäude

Die Empfangsgebäude an den ursprünglichen sieben Bahnhöfen wurden von Heinrich Wenck, dem Chefarchitekten der DSB, entworfen. Die Gebäude in Sunds und Skelhøje (1982) wurden abgerissen.

Stilllegung

Nach der offiziellen Stilllegung der Bahnstrecke am 22. Mai 1977 wurden die Gleise im darauffolgenden Jahr entfernt. Die Gemeinde Karup beschloss, den durch ihr Gebiet verlaufenden Streckenabschnitt als Radweg zu befestigen. Die Arbeiten wurden vom Staat gefördert und 1992 abgeschlossen. 1995 wurde der gesamte alte Bahndamm zwischen Herning und Viborg befestigt. Verkehrsminister Jan Trøjborg eröffnete den Alhedestien, die heutige regionale Radroute 21. Das durchgehende Radwegenetz zwischen Herning und Viborg ist 49 km lang, davon verlaufen 45 km auf der ehemaligen Bahntrasse. Die Bahnmarkierungen wurden alle 200 m wiederhergestellt und dienen als Wegweiser. Die Markierungen enden bei Kilometer 45,8.

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Einzelnachweise

  1. a b Inger Merstrand: Øgenavne. In: karup-by.dk. Lokalhistorisk Arkiv i Karup, abgerufen am 20. November 2025 (dänisch).
  2. a b Quelle: Lexikon der Wehrmacht, Fliegerhorst Grove (Blockierter Link)
  3. Indvidelse af Hald Ege trinbræt. (PDF) In: haldegesamlingen.dk. Abgerufen am 16. November 2025 (dänisch).