Bahnstrecke Ebermannstadt–Heiligenstadt

Ebermannstadt–Heiligenstadt (Oberfr)
Kursbuchstrecke (DB):414k
Kursbuchstrecke:414m (1946)
414k (Ebermannstadt – Gasseldorf 1946)
Streckenlänge:10,9 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
von Forchheim (Oberfr)
0,0 Ebermannstadt
Wiesent
2,4 Gasseldorf (seit 1922, Bf bis 1968)
nach Behringersmühle
Leinleiter
5,9 Unterleinleiter
7,6 Veilbronn
Leinleiter
Staatsstraße 2187
Leinleiter
10,0 Traindorf
10,9 Heiligenstadt (Oberfr)

Die Bahnstrecke Ebermannstadt–Heiligenstadt (Leinleitertalbahn) war eine Nebenbahn in Bayern. Sie führte von Ebermannstadt aus durch das Leinleitertal nach Heiligenstadt in Oberfranken.

Geschichte

Von 1915 bis 1968 war Heiligenstadt Endstation der Nebenbahnstrecke Heiligenstadt–Ebermannstadt und weiter nach Forchheim. Diese Strecke sollt auch dem Abtransport der Basalt-Vorkommen bei Oberleinleiter, Eisenerz-Funde bei Königsfeld, des Holzes der stauffenbergischen und aufseßischen Wälder, dem eher geringem Getreideumschlag und dem aufkommenden Fremdenverkehr aus dem Großraum Nürnberg in die Fränkischen Schweiz dienen.

Im Juni 1913 begannen die Bauarbeiten. 117.000 Kubikmeter Erde waren zu bewegen, elf Brücken zu bauen, das Bett der Leinleiter musste an fünf Stellen verlegt werden. Dabei fanden über 100 Arbeiter sowie viele Ortsansässige Arbeit.

Im Jahre 1915 konnte das Projekt seiner Bestimmung übergeben werden. Am 4. Oktober 1915 wurde die Lokalbahn Ebermannstadt–Heiligenstadt in Betrieb genommen. Der Lehrer Hans Spörl schreibt dazu:

„Ein Heiligenstädter, Lokführer Fritz Krasser, ein Sohn des früheren Bürgermeisters Friedrich Krasser in Heiligenstadt, der sich seinerzeit schon um den Bahnbau bemühte, hatte gebeten, den ersten Zug in seine Heimatgemeinde führen zu dürfen. Der Wunsch wurde ihm gewährt.“

Weiter heißt es:

„Bürgermeister Richter begrüßte die angekommenen Gäste, hieß sie herzlich willkommen und sprach allen, die an diesem für die Gemeinde Heiligenstadt so bedeutsamen Werke mitgeholfen hatten den heißesten Dank aus. In seinen weiteren Ausführungen zeigte er die Entwicklung des Bahnbaus von seinen Anfängen an bis zur heutigen Eröffnung auf.

Mit Dank zu Gott verband er den Wunsch, die neue Bahn nach Heiligenstadt möge auch weiter in Gottes Hand liegen und zum Segen der Gemeinde Heiligenstadt werden, Während die jubelnde Schuljugend kostenlose Fahrten nach Ebermannstadt und wieder zurück nehmen durfte, fanden sich die Gemeinde-Vertreter mit den Gästen und Gönnern im Gasthof Hösch zu einem Gastmahl zusammen, wo auch in verschiedenen Ansprachen der Bedeutung dieses Festtages gedacht und ein begeistertes ‚Glück Auf!‘ für Heiligenstadt und seine Umgegend zum Ausdruck gebracht wurde. Heiligenstadt ist stolz auf seine Eisenbahn!“

Erst zwanzig Jahre nach der Genehmigung der Bahnstrecke Forchheim–Behringersmühle, die zunächst nur bis Ebermannstadt gebaut wurde, erging am 26. Juni 1908 ein Gesetz über deren Verlängerung, die aber nicht im Wiesent­tal weiterführen, sondern bei Gasseldorf in nördlicher Richtung ins Leinleitertal abbiegen und in Heiligenstadt enden sollte. Eine gewünschte Verlängerung über Heiligenstadt hinaus bis zur Hollfelder Bahnstrecke wurde von der Staatsbahn wegen der anspruchsvollen Topographie abgelehnt. Als die 11 km lange Strecke nach Heiligenstadt am 4. Oktober 1915 in Betrieb ging, tobte schon über ein Jahr der Erste Weltkrieg, der dann den weiteren Bahnbau in der Fränkischen Schweiz zunächst unterband, ehe von 1922 bis 1930 schrittweise die Verbindung Gasseldorf–Behringersmühle entstand. Der Reiseverkehr wurde nun auf die Relation Forchheim–Behringersmühle ausgerichtet, die wegen des wildromantischen Wiesenttals bereits in den Eröffnungsjahren den Großteil des Ausflugsverkehrs an Tagestouristen an sich zog. Reisende von und nach Heiligenstadt mussten fortan in Ebermannstadt umsteigen. Der Heiligenstädter Ast sank damit faktisch zur Nebenbahn einer Nebenbahn herab.

In den 1930er-Jahren befuhren täglich sechs, in den 1950er-Jahren bis zu sieben Personenzugpaare die Strecke.

Das hauptsächliche Verkehrsbedürfnis des administrativ (Gericht, Kreisverwaltung, weiterführende Schulen), wirtschaftlich und kulturell auf Bamberg ausgerichteten Marktes Heiligenstadt bediente die Bahnlinie nur unzureichend. Die auf der Straße 24 km messende Entfernung betrug auf der Schiene über das Doppelte, nämlich 54,8 km, und erforderte zweimaliges Umsteigen, in Ebermannstadt und in Forchheim, was eineinhalb Stunden Reisezeit bedingte. Einen erheblichen Teil der ohnedies geringen Verkehrsnachfrage zog die deutlich schnellere direkte Kraftpostlinie ab, die Ende der 1920er Jahre auf der direkten Straßenverbindung eingerichtet wurde. Mit der Zunahme des motorisierten Individualverkehrs in den 1950er-Jahren kam es rasch zum Rückgang der Fahrgastzahlen. Infolgedessen stellte die Deutsche Bundesbahn am 29. Mai 1960 zunächst den Personenverkehr und am 26. Mai 1968 auch den Güterverkehr ein.

Nach der Stilllegung wurde die Strecke abgebaut. Zwischen Unterleinleiter und Heiligenstadt wird die Trasse durch einen Radweg nachgenutzt.

Fahrzeugeinsatz

Im Personenverkehr wurden Dampflokomotiven der Baureihen 64 (selten), 70.0 und 86 und später Dieseltriebwagen der Baureihen VT 86 eingesetzt, letzterer im Pendelverkehr auf den Nebenästen ab Ebermannstadt nach Heiligenstadt (vor allem) und Behringersmühle. Die selteneren Wagenzüge bestanden bis Betriebsende auf dem Heiligenstädter Ast aus wenigen (bereits damals veralteten und unkomfortablen) alten bayerischen Lokalbahnwagen, vereinzelt auch aus zweiachsigen Einheitspersonenwagen („Donnerbüchsen“).

Film

  • Lokalbahn Forchheim–Fränkische Schweiz Ebermannstadt Heiligenstadt Behringersmühle. In: Schienen zum Nachbarn – Nebenbahnen zwischen Nürnberg und Bamberg. Teil 2. AV-Technik Greger, Erlangen 1993, ab min 35:57 (online auf YouTube [abgerufen am 2. November 2022]).

Literatur

  • Günther Klebes: Links und rechts der Wiesenttalbahn. Europäische Bibliothek, Zaltbommel 1984, ISBN 978-90-288-2801-8.
  • Wolfgang Bleiweis, Ekkehard Martin, Stefan Winkler: Fränkische Nebenbahnen einst und jetzt – Oberfranken. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham 1986, ISBN 3-922138-25-X.
  • Ulrich Rockelmann: Spurensuche Abgebaute Bahnstrecken im Raum Nürnberg. Hofmann Verlag, Nürnberg 1999, ISBN 3-87191-270-0.
  • Wolfgang Bleiweis, Hermann Meißner: Lokalbahn Forchheim – Heiligenstadt. Schienenweg entlang von Wiesent und Leinleiter. Verlag Wolfgang Bleiweis, Schweinfurt 2016, ISBN 3-928786-51-2.
  • Dieter Zöberlein: Gemeindechronik Markt Heiligenstadt i. OFr. Heiligenstadt 1995 (Herausgegeben anlässlich der Feier des 450-jährigen Jubiläums der Verleihung des Marktrechtes an Heiligenstadt i. OFr.).