Bahnstrecke Bühl–Stollhofen
| Bühl (Baden)–Stollhofen | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Streckennummer: | 9423 (Bühl–Anst Trinseo) 9424 9428 (Stollhofen–Söllingen) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kursbuchstrecke: | - | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenlänge: | 12,7 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenklasse: | D4 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Maximale Neigung: | 9,76 ‰ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Minimaler Radius: | 140 m | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckengeschwindigkeit: | 40 km/h | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Zugbeeinflussung: | PZB, IMU | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die Bahnstrecke Bühl–Stollhofen ist eine Nebenbahn in Baden-Württemberg, die ausschließlich im Güterverkehr befahren wird. Die Strecke entstand Anfang der 1970er Jahre durch Umspurung einer meterspurigen Strecke der Mittelbadischen Eisenbahnen (MEG). Die Strecke befindet sich im Eigentum der SWEG Südwestdeutsche Landesverkehrs-GmbH (SWEG).
Geschichte
In den 1960er Jahren entwickelte sich im nördlichen Teil des Streckennetzes der meterspurigen Mittelbadischen Eisenbahnen rund um Schwarzach ein erhebliches Güterverkehrsaufkommen. Die wichtigsten Kunden waren das Mitte der 1960er Jahre in Greffern angesiedelte Werk der Dow Chemical, das 1967 einen Gleisanschluss an die Mittelbadische Eisenbahnen bekommen hatte, der Militärflughafen Söllingen, der Flugbenzin auf der Schiene erhielt, sowie eine Stahlrohrmöbelfabrik in Scherzheim. Ein weiter steigendes Transportaufkommen wurde durch die Erschließung von Kiesgruben im Bereich Greffern und Freistett erwartet[5]. Die Transporte der normalspurigen Güterwagen erfolgten mit Hilfe von Rollwagen, der Übergabebahnhof zur Deutschen Bundesbahn befand sich in Rastatt. Die Strecke führte straßenbündig durch Iffezheim, Hügelsheim und Stollhofen.
Der aufwändige Rollwagenbetrieb, die straßenbündige Streckenführung sowie mehrere Unfälle, bei denen Rollwagen entgleisten und die aufgeladenen Güterwagen umstürzten[6], führten schließlich zum Beschluss, den Meterspurbetrieb einzustellen und die Transporte zukünftig über die umzuspurende Strecke von Bühl nach Greffern abzuwickeln, auf der der Personenverkehr im Jahr 1970 eingestellt worden war. Die Wahl zugunsten der Strecke von Bühl nach Schwarzach anstatt der Strecke von Rastatt nach Schwarzach war in der günstigeren, straßenunabhängigen Trassierung begründet.[5]
Während der Güterverkehr weiterhin auf der Meterspurstrecke von Rastatt aus durchgeführt wurde, begann die Umspurung der Strecke Bühl–Schwarzach–Stollhofen auf Normalspur. Am 26. Juni 1972 wurde der Streckenabschnitt von Bühl bis Stollhofen in Betrieb genommen, der Werkanschluss des Chemiewerks Greffern folgte am 11. September 1972. Mit der Fertigstellung des Anschlussgleises von Stollhofen nach Söllingen im Jahr 1973 war die Umspurung beendet. Die Strecke von Schwarzach nach Scherzheim wurde entgegen der ursprünglichen Planungen nicht umgespurt und verblieb meterspurig.[7] Hierzu entstand in Schwarzach eine Rollwagengrube. Vorübergehend war auch in Stollhofen 1972–1973 eine Rollwagengrube in Betrieb, um die noch nicht umgespurten Strecken nach Söllingen und Greffern bedienen zu können.
Bei der Umspurung hatte man den Streckenverlauf an mehreren Stellen verändert. So entfiel die Anbindung von Vimbuch. Am Bahnhof Schwarzach entstand ein Gleisdreieck, um ohne Fahrtrichtungswechsel von Bühl nach Greffern fahren zu können. Der Bahnhof Stollhofen entstand neu außerhalb des Ortes und erlaubte direkte Fahrten von Bühl nach Greffern. Die Anbindung von Söllingen mit der Pumpstation des Militärflughafens wurden vollständig neu trassiert. Die Trassierung orientierte sich ausschließlich an den Bedürfnissen des Güterverkehrs.
Während sich der Verkehr zum Chemiewerk wie erwartet entwickelte, realisierten sich die avisierten Verkehre durch neu zu erschließende Kiesverkehre nicht. Die Transportmengen nach Scherzheim nahmen stetig ab, so dass die SWEG den verbliebenen meterspurigen Verkehr zwischen Schwarzach und Scherzheim am 31. Dezember 1980 einstellte und die Strecke stilllegte. Durch die Anbindung des Flughafens Söllingen an eine Pipeline entfielen ferner die Flugbenzintransporte zur Pumpstation bei Söllingen. Der sonstige Stückgut- und Wagenladungsverkehr zu den Zwischenbahnhöfen blieb eher unbedeutend.
Die SWEG führte den Betrieb im Anschlussverkehr an die Deutsche Bundesbahn durch und stationierte hierfür in Schwarzach eine Diesellokomotive. Der Bahnhof Schwarzach verfügt über einen Lokomotivschuppen mit Werkstatt. Von hier aus disponiert die SWEG darüber hinaus den regionalen Omnibusverkehr. Im Zuge des Baus der Ausbau- und Neubaustrecke Karlsruhe–Basel änderte sich in den 1990er Jahren die Anbindung des Übergabebahnhofs in Bühl, der nun an die Ausbaustrecke angebunden ist.
Im Rahmen einer Potentialuntersuchung ließ das Land Baden-Württemberg im Jahr 2020 untersuchen, welches Fahrgastpotential die Strecke Bühl–Stollhofen bei einer Wiederaufnahme des Personenverkehrs erwarten lässt. Bei einem 60-Minuten-Takt wurde ein tägliches Fahrgastaufkommen von 400 Personenkilometern pro Streckenkilometer errechnet, was als zu niedrig für eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs eingestuft wurde.[8]
Streckenbeschreibung
Die Strecke ist durchgehen eingleisig und nicht elektrifiziert. Sie beginnt an einem dreigleisigen Übergabebahnhof in Bühl, östlich der Gleise der DB InfraGO und ist dort an die Ausbau- und Neubaustrecke Karlsruhe–Basel in nördliche Richtung angebunden.
Die Strecke führt von Bühl aus auf eigenem Gleiskörper in nordwestlicher Richtung in Richtung Schwarzach. In Moos bestand ein zweigleisiger Zwischenbahnhof, der inzwischen allerdings aufgehoben und das zweite Gleis abgebaut wurde. In Oberbruch befindet sich seit 1976 das Ladegleis der Firma Landhandel Droll. Die ehemaligen Bahnhöfe Vimbuch, Balzhofen, Oberbruch und Hildmannsfeld der meterspurigen Strecke wurden an der Normalspurstrecke nicht wieder in Betrieb genommen. In Vimbuch wurde die ehemalige meterspurige Streckenführung durch eine ortsferne, südliche Umfahrung ersetzt.
Der Bahnhof Schwarzach ist als Kopfbahnhof ausgeführt. Er verfügt über zwei Gleise, einen Güterschuppen mit Laderampe und einen Lokschuppen mit Werkstatt. Um Zügen der Relation Bühl–Stollhofen den Fahrtrichtungswechsel zu ersparen, befindet sich östlich des Bahnhofs ein Gleisdreieck. Der Bahnhof Stollhofen befindet sich südwestlich des Ortes. Er verfügt über drei Gleise, darunter ein Stumpfgleis. Hier zweigt das Gleis nach Söllingen ab. Die durchgehende Strecke endet am Übergabebahnhof des Chemieparks Greffern östlich des Ortes.
Das Gleis nach Söllingen verläuft von Stollhofen bis zum Ortseingang von Söllingen auf einer straßenunabhängigen Trassierung und erreicht erst am Ortsrand von Söllingen die ehemalige Meterspurtrasse. Hier endet das Gleis seit einigen Jahren vor einem ehemaligen Bahnübergang. Ursprünglich endete das Gleis am Bahnhof Söllingen stumpf an einer Laderampe. Am südlichen Ortsrand von Söllingen befand sich auf einem heute von einem Discounter genutzten Fläche die Pumpstation mit Ladegleis, in der die Kesselwagen mit Flugbenzin für den Militärflughafen Söllingen entladen wurden.
Die Strecke wird im Zugleitverfahren im Einzugbetrieb betrieben.[4]
Literatur
- Gerd Wolff, Hans-Dieter Menges: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 2 – Baden. Eisenbahn-Kurier-Verlag, Freiburg 1992, ISBN 3-88255-653-6, S. 168–223.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Schienennetz-Nutzungsbedingungen der SWEG Schienenwege GmbH. Besonderer Teil (SNB-BT). Stand 1. September 2025. SWEG Schienenwege GmbH, Lahr 2025, S. 4 (PDF; 557 KB).
- ↑ Eisenbahnatlas Deutschland. 11. Auflage. Schweers + Wall, Köln 2020, ISBN 978-3-89494-149-9.
- ↑ Infrastrukturregister
- ↑ a b Infrastrukturbeschreibung der SWEG
- ↑ a b Schreiben des Staatsministeriums betr. Umstellung der Stammbahn der Mittelbadischen Eisenbahnen AG (MEG) von Schmalspur auf Normalspur. (PDF) Staatsministerium Baden-Württemberg, 29. Januar 1969, abgerufen am 6. Dezember 2025.
- ↑ Kleine Anfrage des Abg. Schroth betr. Transport von Treibstoff auf der Strecke der mittelbadischen Eisenbahnen AG. (PDF) Landtag von Baden-Württemberg, 16. Juni 1970, abgerufen am 6. Dezember 2025.
- ↑ Reiner Schruft: Vergesse Bahnen: Mittelbadische Eisenbahnen. Abgerufen am 6. Dezember 2025.
- ↑ Potenzialanalyse zur Reaktivierung von Schienenstrecken in Baden-Württemberg. (PDF) PTV und Transport Consult GmbH, 29. Oktober 2020, abgerufen am 6. Dezember 2025.