Bahnhof Rotkreuz

Rotkreuz
Gleis 3 an einem nebeligen Abend. Die Bahnsteige besitzen Bildschirme, welche Informationen wie Zugkomposition oder Verspätungen anzeigen.
Daten
Betriebsstellenart Bahnhof
Lage im Netz Kreuzungsbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Perrongleise 5
Abkürzung RK
IBNR 8502202
Eröffnung 1864
Architektonische Daten
Baustil Heimatstil bzw. Strukturalismus
Lage
Stadt/Gemeinde Risch
Ort/Ortsteil Rotkreuz
Kanton Zug
Staat Schweiz
Koordinaten 675051 / 221722
Höhe (SO) 429 m ü. M.
Eisenbahnstrecken Bahnstrecken bei Rotkreuz
Liste der Bahnhöfe in der Schweiz
i16

Der Bahnhof Rotkreuz ([ˈrot.χryʦ]) ist ein S-, Regional- und Fernbahnhof sowie ein offiziell als Rangierbahnhof eingestufter Knotenbahnhof des Einzelwagenverkehrs. Er liegt in der Kleinstadt Rotkreuz in der Gemeinde Risch im Schweizer Kanton Zug. Der Bahnhof in Rotkreuz wurde 1864 an der Strecke LuzernZürich errichtet und ist bis heute, für Personen- und Güterverkehr, einer der wichtigsten Bahnhöfe in der Schweiz. Im Jahr 2024 nutzen eine Million Passagiere den Bahnhof für Busverbindungen.[1] Täglich wird er für Zugverbindungen von durchschnittlich 15'600 Passagieren genutzt und ist somit der zweitgrösste Bahnhof im Kanton Zug.[2] Im Nahverkehr bietet der Bahnhof eine Umsteigemöglichkeit zwischen der Stadtbahn Zug und S-Bahn Aargau. Es bestehen Direktverbindungen zu folgenden Destinationen:

Der Bahnhof liegt seit 1992 im Tarifverbund Zug (TVZG) und seit der Neuordnung der Tarifzonen 2012 in der Zone 621 des TVZG und des Dachtarifverbundes Wirtschaftsraum Zürich (TVWZ) des erweiterten Zürcher Verkehrsverbundes. Durch Busverbindungen ist der Bahnhof auch durch Buslinien des Tarifverbundes Passepartout (TVLU) in der Zone 402 zu erreichen.

Geschichte

Güterverkehr Rotkreuz und Zugsverkehr pro Tag[3]
Jahr Güterverkehr t Reisezüge Güterzüge
1902 6'365 54 13
1910 6'932 55 15
1920 13'404 41 19
1930 15'777 39 61
1940 9'029 59 48
1950 71'462 70 45
1960 46'835 85 87
1970 87'465 87 106
1980 147'942 108 113

Der Bahnhof Rotkreuz wurde 1864 mit dem Bau der Ost-West- und der Nordostbahn auf der Nordseite der Bahnlinie errichtet.

Das neu gegründete Unternehmen der Ost-West-Bahn plante den Bau der Strecke von Lausanne über Luzern – Rotkreuz – Affoltern am AlbisZürich Hauptbahnhof. Dabei wurde die Streckenführung durch das Albistal (Affoltern, Birmensdorf) geplant und nicht wie heute über Baar ZGThalwil. Nach häufigem Besitzerwechsel und Bauverzögerungen wurde die Strecke schlussendlich am 3. Dezember 1862 für Fr. 1’830’000 statt 3'000'000 an die schweizerische Nordostbahn-Gesellschaft verkauft. Dann begann der Bau des Bahnhofs Rothkreuz.

Heftige Diskussionen löste der Ort des Bahnhofs aus. Zwei Standorte, jener nahe der Zollstation (heutiger Kreuzplatz in Rotkreuz) und einer in der Rüti nahe Buonas, standen zur Auswahl. In letzter Minute entschied man sich für den Bau nahe der Zollstation, um sich die Option eines Güterbahnhofs offen zu halten. Der Bahnhof wurde am 29. Mai 1864 eröffnet. Zu Beginn pendelten rund 1000 Fahrgäste über den Bahnhof Rotkreuz nach Zürich und Luzern.

Die Strecke der Aargauischen Südbahn, einer gemeinsamen Tochter der Centralbahn und der Nordostbahn, AarauRupperswil – Rotkreuz wurde am 1. Dezember 1881 eröffnet. Deren Verlängerung nach Immensee erfolgte am 1. Juni 1882. Dort bestand Anschluss an die am gleichen Tag eröffnete Gotthardbahn. Durch den Bau der beiden Strecken bestanden nun direkte Verbindungen nach Basel und ins Deutsche Reiche einerseits, ins Tessin und weiter nach Italien andererseits. Rotkreuz entwickelte sich deshalb zum Umsteigebahnhof. Schon im Oktober 1887 war die Strecke Rotkreuz – Immensee überlastet. 1889 wurden Pläne für eine Perronüberdachung entworfen, die aber nie zur Ausführung gelangten. Nach einer Volksabstimmung wurden die NOB und die SCB 1902 verstaatlicht, und der Bahnhof Rotkreuz und die angrenzenden Strecken wurden Teil der gesamtschweizerischen SBB.

Im Juli 1922 wurde die Strecke Rotkreuz – Immensee elektrifiziert, im Oktober 1922 die Strecke Luzern – Zug und im Mai 1923 die Strecke Rupperswil – Rotkreuz.

Im Juni 1960 musste im Bahnhof Rotkreuz ein durchgehender Tag-Nacht-Rangierbetrieb eingeführt werden. Der Doppelspurausbau nach Immensee erfolgte 1963, nach Oberrüti – Rupperswil 1968 und nach Gisikon-Root in den 1990er-Jahren und nach Cham, allerdings erst ab der Dienststation Freudenberg, 2008. Im Zuge der Bahn 2000 wird auch der vollständige Ausbau nach Rotsee angestrebt.

Von 1969 bis 1972 wurde das neue Bahnhofsgebäude südlich der Bahnlinie errichtet, und an der Stelle des alten Gebäudes entstand ein neues Rangiergebäude. Die Perrons wurden überdacht. Im Herbst 1973 wurde der Bahnhof mit einer schlichten Einweihung eröffnet; am 26./27. Mai 1974 folgten die Sicherungsanlagen. Mit diesem 30-Millionen-Projekt hat der Knotenpunkt Rotkreuz als Sammel- und Verteilstelle der Zentralschweiz direkte Verkehrsverbindungen zu den bedeutendsten Rangierbahnhöfen der deutschsprachigen Schweiz und des Tessins. Mit der Eröffnung der Brücke der Ortsumfahrung Rotkreuz im Juli 1969 wurde der Bahnübergang geschlossen. An dessen Stelle steht heute das rote Kreuz.

Im Rahmen des Baus der Stadtbahn Zug wurde der Bahnhof 2004 komplett erneuert und mit elektronischen Bildschirmen im Bahnhof, den Unterführungen und den Bahnsteigen ausgestattet. Mit der Eröffnung der Stadtbahn Zug und der S-Bahn Luzern wurde Rotkreuz ein regionaler Umsteigeknoten, der mit der Anbindung der S-Bahn Aargau 2011 noch verstärkt wurde. Seit dem Doppelspurausbau Cham – Freudenberg 2008 verkehren die Stadtbahn Zug und S-Bahn Luzern von Baar im Viertelstundentakt bis nach Rotkreuz und im Halbstundentakt weiter nach Luzern. Seit März 2015 wurde das restliche Teilstück Rotkreuz-Freudenberg ebenfalls auf Doppelspur ausgebaut und ist nun fertiggestellt.

Heutiger Ausbau

Der Bahnhof Rotkreuz ist unterteilt in den Personenbahnhof und den Güterbahnhof.

Der Personenbahnhof verfügt über fünf Gleise (1–3, 5–6) mit überdachten Bahnsteigen; Gleis 4 hat keinen Bahnsteig. Diese sind über zwei Unterführungen sowie einer Brücke erreichbar. Der ganze Bahnhof ist rollstuhlgängig gestaltet. Im Empfangsgebäude befinden sich zwei Bahnschalter und zwei Kioske mit Lebensmitteln. Vor dem Bahnhof befindet sich der Bahnhofsplatz, welcher sich mit dem Dorfplatz zu einer grossen Fläche vereinigt. Vor dem Empfangsgebäude befindet sich der Busbahnhof Rotkreuz Bahnhof Süd. Der Bahnhof ist ebenso mit dem Auto erreichbar und bietet auf der Südseite viele Parkplätze. Es besteht ausserdem die Möglichkeit ein Mietfahrzeug zu buchen, welche auf beiden Seiten des Bahnhofs stationiert sind.[4]

Der Güterbahnhof, der westlich des Personenbahnhofs liegt, verfügt über eine siebengleisige Richtungsgruppe und einen Ablaufberg. Das eine der zwei Güterbahnhofsgebäude steht gegenüber dem Bahnhofsgebäude am Gleis 7, das andere neben dem Ablaufberg und der Bahnwartehalle. Betrieblich ist der Güterbahnhof dem Rangierbahnhof Limmattal unterstellt.

Der Busbahnhof Rotkreuz Bahnhof Nord befindet sich auf der Seite des Güterbahnhofgebäudes. In diesem ist die Betriebsfeuerwehr der SBB untergebracht inklusive einem Lösch- und Rettungszug.[5]

Anbindungen

Bahn

Rotkreuz wird durch folgende Fern- und Regionalverkehrsverbindungen bedient.

Regionalverkehr

Der RegioExpress Olten–Arth-Goldau Südbahn-Express wurde im Dezember 2020 eingeführt und bietet an Wochenenden morgens zwei Verbindungen von Olten durchs Freiamt bis Bahnhof Arth-Goldau, wo Anschluss an die Intercity-Züge ins Tessin besteht. Abends bestehen zwei Verbindungen in die Gegenrichtung. Mit diesen schnelleren Verbindungen sparen Reisende aus vielen Teilen des Aargaus rund eine halbe Stunde im Vergleich zum Umweg über Zürich.[6]

Einige Fernverkehrszüge passieren den Bahnhof ohne Halt. Der Halt des stündlich verkehrenden Interregio 70 Luzern – Zürich HB wird auf Seiten der Zuger Regierung angestrebt, jedoch ist ohnehin eine Anpassung des Angebots Luzern – Zürich vorgesehen.

Neben Reisezügen verkehren die meisten Güterzüge der Nord-Süd-Transitachse von Basel über Brugg entlang der Aargauischen Südbahn bis Rotkreuz und dann via Gotthard-Basistunnel nach Italien.

Als aufgrund von Bauarbeiten die Bahnstrecke Zug–Arth-Goldau auf der Ostseite des Zugersees unterbrochen war, hielten zwischen Juni 2019 und Dezember 2020 zusätzlich folgende umgeleitete Linien in Rotkreuz:[7]

  • Zürich HB – Zug – Lugano – Milano Centrale (nur in Richtung Zürich HB)
  • 2 Zürich HB – Zug – Lugano
  • 21 Basel SBB – Luzern – Lugano (nur in Richtung Basel SBB)
  • 46 Zürich HB – Zug – Arth-Goldau – Schwyz – Flüelen – Erstfeld (– Airolo)

Bus

Der Bahnhof verfügt über die beiden Bushaltestellen Rotkreuz, Bahnhof Nord nördlich der Gleisanlagen und Rotkreuz, Bahnhof Süd vor dem Aufnahmegebäude.

An der Haltestelle Rotkreuz, Bahnhof Nord halten folgende Linien:

An der Haltestelle Rotkreuz, Bahnhof Süd halten folgende Linien:

Tarifverbünde

Der Bahnhof Rotkreuz liegt im Schnittpunkt des 1992 eingerichteten Tarifverbundes Zug (TVZG) (Zone 621), der seit der Neuordnung der Tarifzonen 2012 Teil des Dachtarifverbundes Wirtschaftsraum Zürich (TVWZ) ist, und des Tarifverbundes Passepartout (TVLU) (Zone 28). Zur Zone 621 des TVZG und TVWZ zählt auch Hünenberg, die angrenzenden Zonen vom Bahnhof Rotkreuz sind die Zone 622 des TVZG und TVWZ ab Zythus, die Zone 676 des Tarifverbundes Schwyz (TVSZ) und TVWZ nach Immensee, die Zone 28 des TVLU nach Gisikon-Root, die Zonen 631 und 632 des TVZG bzw. 535 des Tarifverbundes A-Welle (TVA) und TVWZ nach Oberrüti.

Aktuelle Passagierzahlen

Der Bahnhof in Rotkreuz ist der zweitgenutzte Zugbahnhof im Kanton Zug.[2] Der Busbahnhof hingegen belegt nur den vierten Platz. Grund dafür sind die schlechteren Zugverbindungen in den Städten Cham (2. Platz) und Baar (3. Platz).[1] Die Abnahme der Passagiere im Jahr 2022 kann mithilfe der COVID-19-Pandemie erklärt werden. Mittlerweile liegen die Fahrgastzahlen wieder höher als im Jahr 2018. Zwischen 2023 und 2024 stiegen die Fahrgastzahlen bei Zugverbindungen um 3,8 % und bei Busverbindungen um 7,0 %.

Aktuelle Passagierzahlen
Jahr Passagiere Zugverbindungen[2] Passagiere Busverbindungen[1]
2018 5'256'000 -
2021 - 661’126
2022 4'818'000 819'710
2023 5'475'000 935’843
2024 5'694'000 1’006’206

Zukünftige Entwicklung

Im Zuge der Bahn 2000 wurden die Zufahrtstrecken nach Rotkreuz ausgebaut. Ob jedoch der erweiterte Plan der NEAT, in Rotkreuz einen unterirdischen Bahnhof entlang der Strecke Gotthard-BasistunnelZürich HB zu errichten, verwirklicht wird, ist ungewiss. Rotkreuz würde im Falle des Baus des Urmibergtunnels den Bahnhof Arth-Goldau in seiner Knotenfunktion ablösen.

Im Rahmen der Zentrumgestaltung in Rotkreuz wird das Bahnhofsgebäude auf der Südseite abgerissen und durch mehrere Bauwerke, darunter ein Hochhaus, ersetzt. Diese sollten im Jahr 2030 fertiggestellt werden und bieten 120 neue Wohnungen. Ausserdem sollten 750 Veloabstellplätze geschaffen werden.[8]

Literatur

  • Buch Risch von Richard Hediger
  • offizieller Fahrplan vom 15. Oktober 1883
Commons: Bahnhof Rotkreuz – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c 00 Broschüre Zug in Zahlen. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
  2. a b c Ein- und Aussteigende an Bahnhöfen. Abgerufen am 11. Oktober 2025 (it-CH).
  3. Erziehungsrat des Kantons Zug: Zugerland – Ein Heimatbuch, Zug 1983, Verlag Zürcher AG Zug
  4. Bahnhof Rotkreuz | SBB. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
  5. TrainJJ: ▶ 4K SBB Firefighting and Rescue Train LRZ SBB Xtmas 174 006 Windhoff Dräger | Rotkreuz Switzerland. 28. Dezember 2020, abgerufen am 11. Oktober 2025.
  6. «Südbahn-Express» rollt an. In: Der Freiämter. 6. November 2020, abgerufen am 2. Januar 2021.
  7. Zugersee: Substanzerhalt und Doppelspurausbau Walchwil. Schweizerische Bundesbahnen, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 17. Januar 2021; abgerufen am 3. Januar 2021.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/company.sbb.ch
  8. Zwei überzeugende Siegerprojekte für ein gemeinsames Zentrum. Abgerufen am 11. Oktober 2025.