Bahnhof Hohenstein-Ernstthal

Hohenstein-Ernstthal
Bahnhof Hohenstein-Ernstthal (Juli 2013)
Daten
Betriebsstellenart Bahnhof
Lage im Netz Zwischenbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung DHO[1]
IBNR 8011904
Preisklasse 5
Eröffnung 15. November 1858
Profil auf bahnhof.de Hohenstein-Ernstthal
Lage
Stadt/Gemeinde Hohenstein-Ernstthal
Land Sachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 47′ 56″ N, 12° 42′ 25″ O
Höhe (SO) 345,17 m
Eisenbahnstrecken Bahnstrecken bei Hohenstein-Ernstthal
Bahnhöfe und Haltepunkte in Sachsen
i16i18

Der Bahnhof Hohenstein-Ernstthal ist der Bahnhof der Stadt Hohenstein-Ernstthal in Südwestsachsen. Er besitzt drei Gleise. Der Bahnhof liegt an der Bahnstrecke Dresden–Werdau, von 1913 bis 1960 hatte zudem dem die Straßenbahn Hohenstein-Ernstthal–Oelsnitz auf dem Bahnhofsvorplatz ihren Ausgangspunkt. Bis in die 1990er Jahre war die Station regelmäßiger Fernverkehrshalt. Von 2006 bis 2011 wurde der Bahnhof umgebaut und erhielt dabei sein heutiges Erscheinungsbild. Heute wird er täglich von etwa 85 Regionalzügen bedient.

Geschichte

Erste Bestrebungen für einen Bahnbau der auch Hohenstein-Ernstthal berührenden Niedererzgebirgischen Staatsbahn von Riesa über Chemnitz nach Zwickau gab es 1837. Aus finanziellen Gründen wurde die nur Strecke Riesa–Chemnitz bis 1852 eröffnet. Die Verlängerung nach Zwickau wurde 1855 von den Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen begonnen.[2]

Der Bahnhof, der am Streckenkilometer 98,23 der Strecke Dresden–Werdau liegt, wurde am 15. November 1858 eröffnet. Anfangs gehörte der Bahnhof weder zu Hohenstein noch zu Ernstthal, sondern zu Abtei Oberlungwitz. Das Bahnhofsgrundstück wurde später von Hohenstein abgekauft.[3] Von 1860 bis 1887 befand sich im Bahnhofsgebäude das Postamt von Hohenstein.[4] 1913 umfasste der Bahnhof 13 Gleise.[5] Vom 17. März 1913 bis zum 26. März 1960 war der Bahnhofsvorplatz Ausgangspunkt der Überlandstraßenbahn Hohenstein-Ernstthal–Oelsnitz. Über den Güterbahnhof wurde der Güterverkehr der Straßenbahn abgewickelt, dazu wurden zwei Aufstellgleise, ein Umladegleis, eine hölzerne Umladehalle samt Ladekran sowie ein Gleisanschluss zum Güterschuppen errichtet.

Mit der Elektrifizierung 1965 wurde Wendezugverkehr zwischen Flöha und Hohenstein-Ernstthal aufgenommen.[6] Ab dem Sommerfahrplanwechsel am 30. Mai 1976 verkehrte die Stadtschnellbahn zwischen Flöha und Hohenstein-Ernstthal, die Strecke wurde in circa 45 Minuten befahren.[7] Bis 1978 stand eine Lok der Baureihe 58.30 bis zu sechs Stunden täglich im Rangierdienst im Einsatz, ab 1978 wurde die Baureihe 110 verwendet,[8] auch die Baureihe 106 wurde dafür verwendet.[9]

Am 31. Dezember 2000 wurde der Güterbahnhof geschlossen. Der Bahnhof wird seit dem 14. Dezember 2002 durch ein Elektronisches Stellwerk von Leipzig aus ferngesteuert.[10] Im September 2006 erfolgte der Abriss der beiden Stellwerke und ab 2007 fanden umfangreiche Umbaumaßnahmen statt. Dabei wurde 2007 unter anderem Empfangsgebäude abgerissen und durch einen Flachbau ersetzt und der Bahnhof barrierefrei ausgebaut. Am 9. Juli 2009 wurde dann der umgestaltete Bahnhofsvorplatz eröffnet, auf dem auch ein Turmwagen als Denkmal für die ehemalige Straßenbahn aufgestellt wurde. 2010 wurde mit den Arbeiten zum Bahnsteigumbau begonnen, vorher wurde noch ein Ersatzbahnsteig an der ehemaligen Ladestraße eingerichtet.[11][12] Dabei wurden der Hausbahnsteig und der Mittelbahnsteig komplett abgerissen und durch einen neuen barrierefreien Inselbahnsteig ersetzt. Am 2. August 2011 wurde der neue Bahnhof offiziell eröffnet.[13] Im Dezember 2013 wurde gegenüber dem Bahnhof ein Straßenbahnmodell der Überlandstraßenbahn im Maßstab 1:3,3 aufgestellt.

Infrastruktur

Empfangsgebäude

Zur Betriebseröffnung am 15. November 1858 bestand das Empfangsgebäude nur aus dem späteren Mittelteil. Von 1860 bis 1887 befand sich das Post- und Telegrafenamt im Empfangsgebäude. In den Jahren 1899 bis 1902 wurde das das im Tudorstil errichtete Gebäude erweitert, es wurden zwei Anbauten rechts und links des bestehenden Gebäudes errichtet. Es befanden sich im Gebäude die Fahrkartenausgabe, die Gepäckabfertigung, eine Gaststätte, ein Imbiss, die Auskunft und Toiletten. Außerdem waren zwölf Eisenbahnerwohnungen auf zwei Etagen verteilt. 1985 bekam das Empfangsgebäude seinen letzten Anstrich in Weinrot und Goldgelb. Da das Gebäude immer mehr verfiel, wurde es zunächst wegen Einsturzgefahr gesperrt und 2007 abgerissen.[14]

Bahnhof heute

Der Bahnhof Hohenstein-Ernstthal verfügt heute über drei durchgehende Hauptgleise, das dritte Gleis hat noch die Funktion als Eingleisstelle. Der Inselbahnsteig ist vollumfänglich barrierefrei ausgestattet, sowohl mit Aufzügen als auch mit Markierungen und Riffelplatten für Blinde und Sehbehinderte. Die beiden Bahnsteige sind 170 m lang und 55 cm hoch.[15] Am Bahnhofsvorplatz gibt es außerdem noch eine MRB-Partneragentur (Fahrkartenschalter), einen Warteraum, eine Toilette (Nicht mehr nutzbar), einen Laden für Reisebedarf, Parkplätze und Fahrrad-Stellplätze.

Hohenstein-Ernstthal Ost

Im Nahverkehrsplan des Verkehrsverbund Mittelsachsen für den Nahverkehrsraum Chemnitz/Zwickau mit Gültigkeitszeitraum 2016 bis 2020 war es geplant, in Hohenstein-Ernstthal einen weiteren Haltepunkt (Hohenstein-Ernstthal Ost) zu errichten. Der Standort für den neuen Haltepunkt sollte in der Nähe von der Nutzunger Straße sein.[16]

Verkehrsanbindung

Fernverkehr

Bis in die 1990er Jahre war der Bahnhof regelmäßiger Fernverkehrshalt:

Im Sommerfahrplan 1914 hielt der Schnellzug BreslauDresdenChemnitzHof in Hohenstein-Ernstthal.[17] Im Kursbuch von 1939 gab es direkte Verbindungen nach Breslau, München, Wien und Berchtesgaden.[18] Auch im bereits stark reduzierten Fahrplan 1944/1945 war die Fernverbindung Breslau–Dresden–Chemnitz–Hof–München enthalten.

Nach der politischen Wende 1990 war der Bahnhof Hohenstein-Ernstthal für eine kurze Zeit auch Halt für Interregio-Züge der Linie IR 25.

Folgende Fernverkehrslinien hielten von 1990 bis 1997 am Bahnhof.

Jahr Zugart Lauf Takt
1990/91 Schnellzug Karl-Marx-Stadt – Hohenstein-Ernstthal – Hof – Nürnberg 2 Zugpaare
1991/92 Schnellzug Dresden – Chemnitz – Hohenstein-Ernstthal – Zwickau – Plauen(Vogtl)ob Bf 2 Zugpaare
1992/93 Schnellzug Görlitz – Dresden – Chemnitz – Hohenstein-ErnstthalErfurtKöln 4 Zugpaare
1992/93 Schnellzug Görlitz – Dresden – Chemnitz – Hohenstein-Ernstthal – Zwickau – Plauen ob Bf 4 Zugpaare
1992/93 Schnellzug Görlitz – Dresden – Chemnitz – Hohenstein-Ernstthal – Zwickau – München 6 Zugpaare
1992/93 InterRegio Chemnitz – Hohenstein-Ernstthal – Gößnitz – Erfurt – Aachen 2 Zugpaare
1993/94 InterRegio Dresden – Chemnitz – Hohenstein-Ernstthal – München – Oberstdorf 2 Zugpaare
1994/95 InterRegio Dresden – Chemnitz – Hohenstein-Ernstthal – München – Oberstdorf 2 Zugpaare
1995/96 Schnellzug Dresden – Chemnitz – Hohenstein-Ernstthal – Hof – München 1 Zugpaare
1996/97 InterRegio Dresden – Chemnitz – Hohenstein-Ernstthal – Nürnberg – Karlsruhe 4 Zugpaare
1996/97 Schnellzug Dresden – Chemnitz – Hohenstein-Ernstthal – Zwickau – Reichenbach(Vogtl)ob Bf 1 Zugpaar

Regionalverkehr

Gegenwart

Im Fahrplanjahr 2022 halten am Bahnhof Hohenstein-Ernstthal folgende Linien:

Linie Linienverlauf Takt (min) EVU
RE 3 DresdenFreiberg (Sachs)ChemnitzHohenstein-ErnstthalGlauchau (Sachs)Zwickau (Sachs)Plauen (Vogtl)Hof 060 Mitteldeutsche Regiobahn
RB 30 Dresden – Freiberg (Sachs) – Chemnitz – Hohenstein-Ernstthal – Glauchau (Sachs) – Zwickau (Sachs) 060 (HVZ 30 Chemnitz–Zwickau) Mitteldeutsche Regiobahn

Eingesetzt werden Elektrotriebwagen vom Typ Alstom Coradia Continental. Bis Juni 2016 wurden die Linien von der DB Regio Südost betrieben, die lokbespannte Züge mit Baureihe 143 und Doppelstockwagen einsetzte.

Ehemalige Linien

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2011 bedient der Regional-Express Zwickau/Chemnitz–Göttingen den Bahnhof nicht mehr. Der Verkehrsverbund Mittelsachsen (ZVMS) hat die Halte zwischen Glauchau und Chemnitz eingespart. Bis September 2012 wurde der Bahnhof vom Vogtland-Express Plauen–Berlin Zoologischer Garten einmal täglich hin und zurück bedient.

Öffentlicher Nahverkehr

Am Bahnhofsvorplatz verkehren mehrere Stadtverkehr- und Regionalbuslinien, die von der Chemnitzer Verkehrs-AG und dem Regionalverkehr Westsachsen betrieben werden.

Commons: Bahnhof Hohenstein-Ernstthal – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. BfVerzD. Bahnstatistik.de, abgerufen am 11. Juli 2010.
  2. Steffen Kluttig, Peter Vates:: Der Eisenbahnknoten Glauchau und sein Bahnbetriebswerk. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2019, ISBN 978-3-96564-003-0, S. 6 f.
  3. Historische Rückblicke aus dem Stadtarchiv (Memento vom 15. Mai 2013 im Webarchiv archive.today)
  4. Ein Rundgang in Hohenstein-Ernstthal. Karl-may-gesellschaft.de, archiviert vom Original am 18. Juli 2006; abgerufen am 11. Juli 2010.
  5. Schatz, Scholze, Karkuschke: Die Straßenbahn Hohenstein-Ernstthal – Oelsnitz/E. Verlag Kenning, Nordhorn 2003, ISBN 3-933613-59-0, S. 19.
  6. Kurt Kaiß, Matthias Hengst:: Eisenbahnknoten Chemnitz – Schienennetz einer Industrieregion. Alba, Düsseldorf 1996, S. 92.
  7. Stadtschnellbahnen. bvm-berlin.de, abgerufen am 9. Dezember 2011.
  8. Rainer Heinrich, Heinz Schnabel: Die Baureihe 58.30 – Die Geschichte der „Reko-G12“. EK-Verlag, Freiburg 1999, ISBN 3-88255-158-5, S. 111.
  9. Steffen Kluttig, Peter Vates:: Der Eisenbahnknoten Glauchau und sein Bahnbetriebswerk. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2019, ISBN 978-3-96564-003-0, S. 124.
  10. stellwerke.de: Hohenstein-Ernstthal. Abgerufen am 3. Januar 2026.
  11. Überlandbahn Streckenskizze. Strassenbahn-oelsnitz.de, archiviert vom Original am 13. Februar 2004; abgerufen am 11. Juli 2010.
  12. Baustart für Bahnhofsumbau in Hohenstein-Ernstthal. Tv-zwickau.de, archiviert vom Original am 11. Dezember 2013; abgerufen am 11. Juli 2010.
  13. @1@2Vorlage:Toter Link/www.hitradio-rtl.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
  14. Geschichte vom Empfangsgebäude. antares08.an.ohost.de, archiviert vom Original am 26. April 2012; abgerufen am 24. Januar 2012.
  15. Bahnsteiginformationen zum Bahnhof Hohenstein-Ernstthal. deutschebahn.com, archiviert vom Original am 2. September 2017; abgerufen am 2. September 2017.
  16. Nahverkehrsplane. vms.de, abgerufen am 8. August 2015.
  17. deutsches-kursbuch.de: Hendschels Telegraph, Mai 1914. Abgerufen am 3. Januar 2026.
  18. deutsches-kursbuch.de: Deutsches Kursbuch Sommer 1939. Abgerufen am 3. Januar 2026.