Bahnhof Güntersberge
| Güntersberge | |
|---|---|
Empfangsgebäude (2017)
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| Daten | |
| Betriebsstellenart | Haltepunkt |
| Bahnsteiggleise | 1 |
| Abkürzung | LGBG[1] |
| IBNR | 8017011[2] |
| Eröffnung | 1890 |
| Lage | |
| Stadt/Gemeinde | Harzgerode |
| Ort/Ortsteil | Güntersberge |
| Land | Sachsen-Anhalt |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 51° 38′ 39″ N, 10° 59′ 6″ O |
| Höhe (SO) | 406 m |
| Eisenbahnstrecken | |
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| Bahnhöfe in Sachsen-Anhalt | |
Der Bahnhof Güntersberge liegt an der Selketalbahn in der Ortschaft Güntersberge der Stadt Harzgerode im Harz in Sachsen-Anhalt. Betrieblich war die Station früher ein Bahnhof, mittlerweile ist sie nur noch Haltepunkt. Das Bahnhofsgebäude mit Gepäckschuppen und Wartehalle ist denkmalgeschützt.
Lage
Er befindet sich südlich des Stadtzentrums von Güntersberge in der Bahnhofstraße. Etwas nördlich führt der Selketalstieg entlang.
Architektur und Geschichte
Am 1. Juni 1890 wurde der Abschnitt Lindenberg–Güntersberge der Selketalbahn eröffnet. Zunächst war Güntersberge nur ein Endbahnhof, denn den bereits seit 1887 geplante Weiterbau Richtung Hasselfelde scheiterte an der Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Braunschweig, dem Hasselfelde angehörte und dem Herzogtum Anhalt, auf dessen Gebiet Güntersberge lag. Erst 1891 konnten entsprechende Verträge geschlossen werden und am 1. Dezember 1891 wurde die Strecke bis Stiege eröffnet.[3] Zur Streckeneröffnung 1890 war das Bahnhofsgebäude samt Anbau fertiggestellt.[4] Andere Angaben nennen als Entstehung des zweigeschossigen Empfangsgebäudes erst die Zeit um 1910.[5] Die Fassade des in Fachwerkbauweise errichteten Baus wird von einem dekorativ gestalten Fachwerk geprägt. Die Empfangsgebäude Straßberg (bis 1952 Lindenberg) und Güntersberge waren nach fast identischen Plänen errichtet worden. Zum Bahnhof gehört neben einem Gepäckschuppen eine eingeschossige Wartehalle. Bereits bei der Eröffnung des Bahnhofs bestand dort eine Gastwirtschaft. Der Wirt, der seit den 1920er Jahren auch Fahrkarten verkaufte, lebte mit seiner Familie in der Mansarde des Bahnhofs. Vorher war Güntersberge mit einem Fahrdienstleiter besetzt, der auch den Fahrkartenverkauf übernahm.[6]
Während der Bahnhof heute vor allem touristische Funktion hat, war er zum damaligen Zeitpunkt ein wichtiger Bahnhof für den regionalen Personenverkehr und Umschlagplatz für Waren. Es waren zwei Hauptgleise und ein zum Güterschuppen und zur Laderampe führendes Nebengleis vorhanden. Südlich des Bahnhofs wurde ein Lokschuppen errichtet. Außerdem bestand am Bahnhof eine Wasserentnahmestelle für Lokomotiven.
In den 1930er Jahren erfolgte ein Anbau. Die Bahnhofsgaststätte hatte die Versorgung der Mitarbeiter eines benachbarten Sägewerks übernommen, außerdem kamen verstärkt Touristen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von März bis April 1946 die Gleise der Selketalbahn in diesem Bereich im Zuge von Reparationsleistungen an die Sowjetunion demontiert. Die Bahnhofsgaststätte wurde weiterhin betrieben und diente der Versorgung einer benachbarten Maschinen-Traktoren-Station. Das Bahnhofsgebäude wurde einem VEB übertragen, der es an Wirte verpachtete. Als erste Wirte nach dem Krieg waren bis zum Anfang der 1970er Jahre Ella Börner und ihr Schwager tätig. Nach Familie Börner erfolgte eine Verpachtung an den FDGB-Feriendienst. Dieser betrieb hier mit Frau Bosse und Frau Waldheim ein Café und Imbiss. Nachdem die beiden in den Ruhestand getreten waren, wurde der Gaststättenbetrieb eingestellt. Der Bahnhof diente danach als Wohnhaus.
Um für ein in Silberhütte bestehendes Werk Kohle anliefern zu können, entschloss sich die Deutsche Reichsbahn, die Lücke in der Eisenbahnstrecke zwischen Straßberg und Stiege wieder zu schließen. Ab 1983 wurde der Bahnbetrieb unter anderem mit Rollwagenbetrieb wieder aufgenommen, allerdings war Güntersberge fortan nur noch ein Haltepunkt, es wurde nur das Hauptgleis wiederaufgebaut. Ein geplantes Anschlussgleis zu einem metallverarbeitenden Betrieb wurde nicht errichtet.[7] Die Bahnhofsgaststätte wurde wieder eröffnet. Erster Wirt war nun Andreas Schumann. Es wurde ein neuer Anbau für die Toiletten errichtet und weitere Umbauten vorgenommen. Schumann gab 1993 aus wirtschaftlichen Gründen auf. Der Nachfolgebetrieb des VEB IOAG, die Galfitc GmbH nutzte das Bahnhofsgebäude zunächst als Lager. Sie ließ das Dach neu decken. Es erfolgten Sanierungsmaßnahmen bis hin zu einer teilweisen Entkernung und Trockenlegung des Fundaments. Eine geplante anderweitige Nutzung konnte die Galfitc aufgrund einer Insolvenz nicht mehr umsetzen.
Das Bahnhofsgebäude stand danach länger leer und erlitt Vandalismusschäden. 2007 wurde es durch neue Betreiber erworben und über eineinhalb Jahre saniert. Am 20. Dezember 2008 erfolgte die Neueröffnung der Bahnhofsgaststätte Zum Bahnhof. Seit August 2010 gibt es zwei Gästezimmer.
Im örtlichen Denkmalverzeichnis ist der Bahnhof unter der Erfassungsnummer 094 84949 als Baudenkmal verzeichnet.[8]
Literatur
- Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt. Band 7.2: Falko Grubitzsch, unter Mitwirkung von Winfried Korf und Theo Gosselke: Landkreis Quedlinburg. Halle 2007, ISBN 978-3-86568-072-3, Seite 131.
Weblinks
- Internetseite des Bahnhofs Güntersberge ( vom 24. Oktober 2020 im Internet Archive)
Einzelnachweise
- ↑ Michael Dittrich: Abkürzungsverzeichnis. Abgerufen am 30. Juli 2017.
- ↑ Michael Dittrich: IBNR-Verzeichnis. Abgerufen am 30. Juli 2017.
- ↑ Dirk Endisch: Von der GHE zur HSB − Band 1: Die Selketalbahn. Verlag Dirk Endisch, Stendal 2011, ISBN 978-3-936893-70-0, S. 80.
- ↑ Geschichtlicher Abriss des Bahnhof Güntersberge auf www.bahnhof-guentersberge.de
- ↑ Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt. Band 7.2: Falko Grubitzsch, unter Mitwirkung von Winfried Korf und Theo Gosselke: Landkreis Quedlinburg. Halle 2007, ISBN 978-3-86568-072-3, Seite 131
- ↑ Dirk Endisch: Von der GHE zur HSB − Band 1: Die Selketalbahn. Verlag Dirk Endisch, Stendal 2011, ISBN 978-3-936893-70-0, S. 167.
- ↑ Dirk Endisch: Von der GHE zur HSB − Band 1: Die Selketalbahn. Verlag Dirk Endisch, Stendal 2011, ISBN 978-3-936893-70-0, S. 168.
- ↑ Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19. 03. 2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Seite 1853 ( vom 28. Juli 2017 im Internet Archive)