Bahnhof Flöha

Flöha
Empfangsgebäude, Straßenseite (2016)
Daten
Betriebsstellenart Bahnhof
Lage im Netz Trennungsbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 6
Abkürzung DFL
IBNR 8010108
Eröffnung 1. Februar 1866
Profil auf bahnhof.de Floeha
Lage
Stadt/Gemeinde Flöha
Land Sachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 51′ 16″ N, 13° 4′ 30″ O
Höhe (SO) 275 m
Eisenbahnstrecken Bahnstrecken bei Flöha
Bahnhöfe und Haltepunkte in Sachsen
i16i18

Der Bahnhof Flöha ist ein Personenbahnhof an der Bahnstrecke Dresden–Werdau. Von hier aus zweigen auch die Bahnstrecken nach Pockau-Lengefeld und nach Annaberg-Buchholz ab. Bis 1902 hatte der Güterverkehr die größere Bedeutung, danach diente der Bahnhof vor allem dem Personenverkehr. Auch war hier bis in die 1960er Jahre in Flöha eine Lokeinsatzstelle vorhanden.

Die Entwicklung vom unbedeuten Dorf Flöha zu einem Industrieort wurde durch den Bahnbau maßgeblich beeinflusst,[1] nach der Einrichtung der Amtshauptmannschaft Flöha wurde dem Ort 1933 das Stadtrecht verliehen.

Geschichte

Schon in den 1850er Jahren wurde über einen Streckenbau von Chemnitz nach Annaberg nachgedacht. Baubeginn für die Bahnstrecke durch das Zschopautal war 1862, eröffnet wurde die Hauptbahn am 1. Februar 1866.[2] Schon nach der Eröffnung Richtung Annaberg wurde der Bau des Abschnitts Freiberg–Flöha der Bahnstrecke Dresden–Werdau begonnen. 1869 konnte der Abschnitt eröffnet werden.[3] Die Chemnitz-Komotauer Eisenbahngesellschaft begann mit dem Bau der Bahnstrecke Reitzenhain–Flöha 1872, 1875 konnte diese Strecke eröffnet werden.[4] Die Privatbahn hatte einen Bahnhof nördlich des bestehenden Staatsbahnhofs errichten lassen. Da die Gesellschaft aber schon 1876 verstaatlicht wurde, gestaltete sich die Betriebsführung fortan kompliziert. Daher wurde 1878/79 eine Gleisverbindung zwischen der Strecke nach Reitzenhain und dem ehemaligen Staatsbahnhof im Westen geschaffen. Der ehemalige Bahnhof der Privatbahn diente fortan nur noch dem Güterverkehr.[5] Ebenso wurde 1877 das Empfangsgebäude, das sich zwischen Bahnsteig 3/4 und Bahnsteig 5/6 befand, erweitert.

Mit der Eröffnung des Rangierbahnhof Hilbersdorf verlagerte sich ein Teil des Güterverkehrs von Flöha nach Chemnitz. Aber im Personenverkehr blieb der Bahnhof weiter von großer Bedeutung. Da die zweigeteilte Bahnhofsanlage trotz Erweiterungen als Betriebshindernis bestehen blieb, wurde der Bahnhof 1933/34 umfassend umgebaut. Dabei wurde das alte Empfangsgebäude der Staatsbahn im Mai 1934 abgerissen und durch einen am 19. Juni 1934 eröffneten Neubau ersetzt.[6] Dabei wurde Platz für spätere Gleiserweiterungen samt einem Mittelbahnsteig gelassen.[5] Auch die vorher vorhandenen drei Wärterwerke und ein Fahrdienstleiterstellwerk[7][8][9][10] wurden durch ein neues Wärter- und ein neues Fahrdienstleiterstellwerk ersetzt.[11][12]

Die direkte Einfahrmöglichkeit in den Reitzenhainer Bahnhofsteil wurde 1939 abgebaut.[13]

Mit der Elektrifizierung 1965 wurde Wendezugverkehr zwischen Flöha und Hohenstein-Ernstthal aufgenommen,[14] das bestehende Verkehrsangebot wurde 1976 nochmals stärker verdichtet.[15]

Im Güterverkehr wurde der Bahnhof bis zum Mai 1998 bedient. Der Bahnhof wird seit dem 18. Juli 2004 durch ein ESTW von Leipzig aus ferngesteuert.[16][17] Das Stellwerk B2 wurde im Dezember 2007 abgerissen.[18] Der Abriss des Stellwerks W1 erfolgte im Oktober 2016.[19]

Infrastruktur

Der Bahnhof besitzt heute drei überdachte Bahnsteige mit jeweils zwei Bahnsteiggleisen und ein Abstellgleis. Die Bahnsteige erreicht man durch einen quer unter dem Bahnhof vom Empfangsgebäude bis in die Stadt verlaufenden Personentunnel.

Die jeweils äußeren Bahnsteiggleise 1 und 6 sind nicht elektrifiziert und werden regelmäßig nur von den Zügen der Erzgebirgsbahn von und nach Olbernhau (Gleis 1) sowie Annaberg-Buchholz bzw. Cranzahl (Gleis 6) befahren. Die elektrischen Verkehre im Zuge der Strecke Dresden–Werdau werden überwiegend an den Bahnsteiggleisen 3 und 4, dem mittleren der drei Mittelbahnsteige, abgewickelt. Die Bahnsteiggleise 2 und 5 könnten dafür jedoch auch genutzt werden, Gleis 2 zudem für die Verkehre der Bahnstrecke Olbernhau–Flöha, Gleis 5 auch von und nach Annaberg-Buchholz unt Bf.

Zwischen April 2020 und Dezember 2023 wurden die Bahnsteige modernisiert.[20] Im Zuge dieser Maßnahmen wurden u. a. Aufzüge für den zukünftig barrierefreien Zugang errichtet und die Bahnsteighöhen an die Zustiege der Regionalzüge angepasst.[21] Nachdem die Aufzugsschächte 2020 fertiggestellt worden sind, wurde 2021 der Umbau des mittleren Bahnsteiges realisiert. 2022 und 2023 jeweils wurden die beiden äußeren Bahnsteige erneuert, die Treppenaufgänge saniert.[22]

Seit Dezember 2023 sind die Aufzüge in Betrieb und der Bahnhof Flöha ist, nach jahrelanger Diskussion darüber, barrierefrei erreichbar. Der Bahnhofstunnel wurde ab 2022 schrittweise erneuert, im Frühjahr 2024 konnte diese Baumaßnahme abgeschlossen werden.[23]

Für die Kunstinstallation "Glance" als Wandvertäfelung, die 2022 erstmals angebracht wurde, sind robuste und beschichtete Kunststoffplatten eingesetzt worden, um die Wände der Unterführung so vor Vandalismus und Beschmierungen frei zu halten.[24]

Gebäude

  • Empfangsgebäude (1934), gegenwärtig (Stand 2020) nur gastronomisch genutzt. Ein Fahrkartenschalter befindet sich nicht mehr im Gebäude, sondern befand sich ab 2016 nahe in der Augustusburger Straße 60. Dieser wurde im Januar 2022 geschlossen. Seitdem gibt es nur einen Fahrkartenautomat am ehemaligen Nachtzugang und seit 2014 Hauptzugang vom Busbahnhof aus.
  • Dienstgebäude (erbaut 1893)
  • Güterschuppen auf dem Gelände des Parkplatzes (Obere Güterbahnhofstraße), Abriss August 2009

Bahnbetriebswerk

Schon vor 1872 ließ die Staatsbahn ein Heizhaus errichten.[25] Die Privatbahn ließ in ihrem Bahnhofsteil ebenfalls ein zweigleisiges Heizhaus mit vier Ständen erbauen. 1883 wurde dieses um ein Gleis mit zwei Ständen erweitert.[26] Das Bahnbetriebswerk Flöha existierte mindestens für den Zeitraum bis 1935[27] und von 1946 bis 1950 als selbstständige Dienststelle. Auch die Lokeinsatz Eppendorf auf der Schmalspurbahn Hetzdorf–Eppendorf–Großwaltersdorf gehörte zeitweise zum Bahnbetriebswerk Flöha. Ebenso waren in Flöha die Schiebelokomotiven für den Abschnitt nach Oederan stationiert.

Der Schuppen der Privatbahn wurde 1937 auf 45 Meter verlängert, da man hier fortan Triebwagen stationierte. Bis 1966 waren hier nun Triebwagen der Baureihe VT 137[28] und Kleinlokomotiven[29] beheimatet. Eingesetzt wurden die Triebwagen vor allem auf den Relationen Dresden–Chemnitz, Chemnitz−Leipzig und Leipzig−Dresden.[30]

Der Abriss des ehemaligen Lokschuppens an der Ausfahrt nach Annaberg erfolgte im Oktober 2016.[31]

Verkehrsanbindung

Seit dem Fahrplanwechsel im Sommer 2016 verkehren am Bahnhof Flöha folgende Linien:

Linie Linienverlauf Takt (min) EVU
RE 3 DresdenFreiberg (Sachs)FlöhaChemnitzGlauchau (Sachs)Zwickau (Sachs)Plauen (Vogtl)Hof 060 Bayerische Oberlandbahn
RB 30 Dresden – Freiberg (Sachs) – Flöha – Chemnitz – Glauchau (Sachs) – Zwickau (Sachs) 060 Bayerische Oberlandbahn
RB 80 ChemnitzFlöha – Zschopau – Annaberg-Buchholz – Cranzahl 060 Erzgebirgsbahn
RB 81 Chemnitz – Flöha – Pockau-Lengefeld – Olbernhau-Grünthal 060 Erzgebirgsbahn
Stand: 12. Dezember 2021

Die Linien RE 3 und RB 30 gehören zum sogenannten Elektronetz Mittelsachsen und werden von der Bayerischen Oberlandbahn GmbH unter der Vertriebsmarke Mitteldeutsche Regiobahn bedient.

Literatur

  • Erich Preuß: Flöha. In: Oliver Strüber [vorm. Erich Preuß] (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe (= 113. Ergänzungsausgabe). GeraMond Verlag, München 2013, ISSN 0949-2127 (1 Bl., 6 S.).
  • Kurt Kaiß, Matthias Hengst: Eisenbahnknoten Chemnitz – Schienennetz einer Industrieregion, Alba, Düsseldorf 1996, ISBN 3-87094-231-2.
  • Stephan Häupel: Die Eisenbahn im Flöhatal und ihre regelspurigen Zweigstrecken. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2008, ISBN 978-3-937496-08-5.
Commons: Bahnhof Flöha – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. www.floeha.de / Lothar Schreiter: Die Elektrifizierung Flöhas. (PDF) Abgerufen am 27. Dezember 2025.
  2. Kurt Kaiß, Matthias Hengst: Eisenbahnknoten Chemnitz – Schienennetz einer Industrieregion. Alba, Düsseldorf 1996, S. 102 ff.
  3. Kurt Kaiß, Matthias Hengst: Eisenbahnknoten Chemnitz – Schienennetz einer Industrieregion. Alba, Düsseldorf 1996, S. 93.
  4. Stephan Häupel: Die Eisenbahn im Flöhatal und ihre regelspurigen Zweigstrecken. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2008, S. 5 ff.
  5. a b Stephan Häupel: Die Eisenbahn im Flöhatal und ihre regelspurigen Zweigstrecken. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2008, S. 74.
  6. Kurt Kaiß, Matthias Hengst: Eisenbahnknoten Chemnitz – Schienennetz einer Industrieregion. Alba, Düsseldorf 1996, S. 104.
  7. stellwerke.de: Flöha Stw 1. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
  8. stellwerke.de: Flöha Stw 2. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
  9. stellwerke.de: Flöha Stw 3. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
  10. stellwerke.de: Flöha Stw 4. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
  11. stellwerke.de: Flöha W1. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
  12. stellwerke.de: Flöha B2. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
  13. Stephan Häupel: Die Eisenbahn im Flöhatal und ihre regelspurigen Zweigstrecken. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2008, S. 75.
  14. Kurt Kaiß, Matthias Hengst: Eisenbahnknoten Chemnitz – Schienennetz einer Industrieregion. Alba, Düsseldorf 1996, S. 92.
  15. www.bvm-berlin.de: S-Bahn Karl-Marx-Stadt. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
  16. Stephan Häupel: Die Eisenbahn im Flöhatal und ihre regelspurigen Zweigstrecken. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2008, S. 76.
  17. stellwerke.de: Flöha. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
  18. www.Sachsenschiene.de: Bahnhof Flöha
  19. Stellwerk wird komplett abgerissen | Freie Presse - Flöha. 14. Oktober 2016, abgerufen am 21. Juni 2020.
  20. Bahnhof Flöha modern und barrierefrei. Abgerufen am 3. Januar 2024 (deutsch).
  21. Bahnhof Flöha: Erster Schacht ist betoniert | Freie Presse - Flöha. Abgerufen am 8. August 2020.
  22. Modernisierung des Bahnhofes Flöha geht weiter. Abgerufen am 14. Januar 2022.
  23. Bahnhof Flöha modern und barrierefrei. Abgerufen am 3. Januar 2024 (deutsch).
  24. Tanja Rochelmeyer - Glance. Abgerufen am 10. April 2025.
  25. Egon Kretzschmar: Die Bahnbetriebswerke in Chemnitz/Karl-Marx-Stadt. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2003, ISBN 3-9808250-8-6, S. 47.
  26. Stephan Häupel: Die Eisenbahn im Flöhatal und ihre regelspurigen Zweigstrecken. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2008, S. 132 ff.
  27. Matthias Hengst: Schmalspurbahn Hetzdorf–Eppendorf–Großwaltersdorf. Bufe-Verlag, Egglham 2000, ISBN 3-922138-65-9, S. 90.
  28. G. Dietz: Das Bw Flöha. In: M. Fuhrmann (Hrsg.): Deutsche Bahnbetriebswerke (und der Triebfahrzeugpark der deutschen Eisenbahnen von 1920 bis heute). GeraMond Verlag, München 1998.
  29. R. Heinrich: Kleinlokomotiven in der Rbd Dresden – Einsatz und Beheimatung von 1930 bis 1995. EK-Verlag, Freiburg 1998, ISBN 3-88255-437-1.
  30. Egon Kretzschmar: Die Bahnbetriebswerke in Chemnitz/Karl-Marx-Stadt. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2003, ISBN 3-9808250-8-6, S. 49.
  31. Stellwerk wird komplett abgerissen | Freie Presse - Flöha. 14. Oktober 2016, abgerufen am 21. Juni 2020.