Bahnbetriebswerk Treuchtlingen

Das Bahnbetriebswerk Treuchtlingen war neben dem Bahnhof der Stadt Treuchtlingen im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen eine eigenständige Dienststelle der Bahn. Das Betriebswerk wurde wegen seiner zentralen Lage zwischen den Bahnstrecken Treuchtlingen–Nürnberg, Donauwörth–Treuchtlingen, München–Treuchtlingen und Treuchtlingen–Würzburg errichtet.

Lage

Der Bahnhof befindet sich im Norden der Stadt Treuchtlingen. Im Kreuzungsbahnhof treffen vier zweigleisige und elektrifizierte Hauptbahnen aufeinandertreffen. Die Strecken Treuchtlingen–Nürnberg und Treuchtlingen–Würzburg beginnen in Treuchtlingen mit Streckenkilometer 0,0. Die Bahnstrecke München–Treuchtlingen endet am Bahnhof Treuchtlingen bei Kilometer 136,8, die Strecke Donauwörth–Treuchtlingen bei Kilometer 34,5.

Weiter nördlich des Bahnhofsgeländes schloss sich das Bahnbetriebswerk an. Im Norden wurde dieses von der Gstaader Straße und im Westen von der Straße Neufriedenheim abgeschlossen. Im Osten grenzte es an die Bahnstrecke Treuchtlingen–Würzburg.[1]

Bahnhof

Der Bahnhof Treuchtlingen wurde am 2. Oktober 1869 zusammen mit den beiden Eisenbahnstrecken Ansbach–Treuchtlingen und Treuchtlingen–Pleinfeld durch die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen eröffnet. Der Abschnitt Treuchtlingen–Pleinfeld wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Altmühlbahn gebaut. Gegenüber dem Empfangsgebäude entstand ein kleines Bahnbetriebswerk zur Wartung der Züge. 1870 bekam Treuchtlingen eine weitere Anbindung an das Schienennetz mit der Bahnstrecke MünchenIngolstadt–Treuchtlingen–Nürnberg. Am 1. Oktober 1906 nahmen die Bayerischen Staatsbahnen die Bahnstrecke Donauwörth–Treuchtlingen in Betrieb. Der Bahnhof Treuchtlingen wurde mit dem Streckenbau ausgebaut und von sieben auf 15 Gleise erweitert. Bis 1935 elektrifizierte die Deutsche Reichsbahn die Bahnstrecke Nürnberg–Augsburg. Gleichzeitig mit der Elektrifizierung wurde die Zahl der Bahnhofsgleise ab 1934 auf 27 erhöht. Fortan wurden in Treuchtlingen Züge, die von der Bahnstrecke Nürnberg–Augsburg auf die nicht elektrifizierten Strecken in Richtung Würzburg und Ingolstadt wechselten, in Treuchtlingen von Elektro- auf Dampftraktion umgespannt.[2]

Geschichte des Betriebswerkes

Mit der Eröffnung des Bahnhofs nahmen die Bayerischen Staatseisenbahnen 1869 westlich der Bahnsteige ein kleines Bahnbetriebswerk in Betrieb. Dort waren ein Kesselhaus, eine Dreherei und ein Dampfmaschinenraum vorhanden. In diesem Gebäude war auch die Wohnung des Vorstehers. Südlich davon war eine Rädersenkgrube. Um 1880 hatte das Betriebswerk 35 Mitarbeiter, darunter Dreher, Kupfer-, Feuer- und Kesselschmiede sowie zusätzlich 14 Putzer.[3]

Im Zuge des Ausbaus des Bahnhofs bis 1906 wurde die Fläche des Betriebswerks für weitere Gleisanlagen benötigt. Die alten Anlagen wurden abgebrochen und im nördlichen Bahnhofskopf westlich der Gleise von 1905 bis 1906 ein neues Bahnbetriebswerk errichtet. Es war mit einem 29-ständigen Ringlokschuppen mit Drehscheibe und einer sechsständigen Wagenremise, in der Güterwagen kleine Ausbesserungen erhielten, ausgestattet. Später entstand noch ein zweiter neunständiger Ringlokschuppen.

Obwohl Treuchtlingen nun ein wichtiger Knotenpunkt war, wurden keine Lokomotiven für den hochwertigen Dienst in das neue Betriebswerk verlegt. Neu hinzu kamen Lokomotiven der Baureihe B XI, die bei anderen Betriebswerken durch Heißdampflokomotiven ersetzt wurden. Aus dem Jahre 1914 ist folgender Lokbestand bekannt:[3]

  • B XI – 2 Stück
  • B XI (Verbund) – 8 Stück
  • C III – 4 Stück
  • C IV – 17 Stück
  • D IV – 5 Stück
  • Pt 2/3 – 6 Stück

Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Dollnstein–Rennertshofen am 16. Oktober 1916 wurde in Rennertshofen ein Lokbahnhof eröffnet. Dort waren bis 1957 Lokomotiven der Baureihe Pt 2/3 beheimatet, die durch Schienenbusse der Baureihe VT 95 abgelöst wurden.[3]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die bayerischen Baureihen durch preußische, teilweise fabrikneue Maschinen ersetzt. 1922 erhielt Treuchtlingen elf von Krupp gebaute G 10, denen bis 1926 acht weitere Einheiten folgten. Zum 1. Januar 1926 waren 57 Lokomotiven beheimatet:[3]

  • 38.4 – 12 Stück
  • 54.15 – 10 Stück
  • 5710–35 – 19 Stück
  • verschiedene Tenderloks (Pt 2/3, R 3/3) – 16 Stück

Am 1. April 1932 war das Betriebswerk mit dem Lokbahnhof in Rennertshofen dem Reichsbahn-Maschinenamt Ingolstadt unterstellt.[4]

Nach der Elektrifizierung der Bahnstrecke Nürnberg–Augsburg erhielt der neunständige Ringlokschuppen 1935 mit Ausnahme des Standes 4 eine Oberleitungsspinne über der Drehscheibe. Nur noch teilweise vorhandene Aufschreibungen weisen in diesem Jahr den Bestand von einigen Lokomotiven der Baureihen 17.4 und mindestens vier 56.8–11 als Ersatz für abgegebene 38.4 und 54.15–17 aus. Für den Rangierdienst kamen einige 896 und 897–8 dazu. Für den Schnellzugdienst bekam das Bw erstmals Einzelstücke der Baureihe 184–5, um die Strecke nach Würzburg bedienen zu können.[3]

Hinzu kamen eine Elektrolokomotive der Baureihe E 32 und zwei Exemplare der Baureihe E 44, 1937 folgte eine weitere E 44.

Ab 1938 wurden dem Bw Treuchtlingen weitere fabrikneue E 44 zugeteilt, die im Güterzugdienst eingesetzt wurden. Dafür wurden die Dampflokomotiven der Reihe 5710–35 bis Anfang 1939 abgegeben.[3]

Am 1. April 1941 hatte das Betriebswerk einen Personalstand von 390 Personen.[4]

Während des Zweiten Weltkrieges ließ der hochwertige Reiseverkehr nach, bis er 1943 zum Erliegen kam. Zwischen 1941 und 1943 waren zwei Lokomotiven der Baureihe E 04 in Treuchtlingen beheimatet. Zu den 13 E 44 kamen nun Dampflokomotiven der Baureihen 44 und 52 neu in das Betriebswerk. Bei den Bombenangriffen wurden einige Gebäude und viele Triebfahrzeuge beschädigt.[3]

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Von den in Treuchtlingen stationierten 54 Lokomomotiven waren bei Kriegsende mehr als die Hälfte nicht mehr einsatzfähig. Wegen der Kriegsschäden mussten auf den ehemaligen elektrifizierten Strecken bis zur Instandsetzung Dampflokomotiven aushelfen. Es kamen weitere Exemplare der Reihe 44 und einige der Reihe 39 dazu, so dass im Herbst 1947 73 Lokomotiven im Bestand waren, davon aber 13 Stück z-gestellt. 1950 wurde die Baureihe 39 durch neu zugeteilte Einheitsdampflokomotiven der Baureihe 01 ersetzt, die bis 1965 die von Treuchtlingen ausgehenden nicht elektrifizierten Strecken bedienten. Dem 1950 vorhandenen Bestand von 54 einsatzfähigen Lokomotiven und 3 Z-Lokomotiven stand ein Planbedarf von 25 Dampflokomotiven und zwei Elektrolokomotiven in zehn Dienstplänen entgegen.[3]

Die Baureihe 01 wurde auf Langläufen eingesetzt: 1952: Treuchtlingen–Bebra (308 km), 1954: Treuchtlingen–Koblenz (400 km) und 1955: Treuchtlingen–Mönchengladbach (551 km). Ab 1953 kamen umlaufbedingt neue V 200 aus Hamburg-Altona und Frankfurt, so dass die Langläufe weniger wurden und mit der Elektrifizierung der Strecke Würzburg–Frankfurt endeten. Ziele waren weiterhin Heidelberg, Bebra und Bamberg.[3] 1959 waren 36 Dampf- und 2 elektrische Lokomotiven beheimatet.[3]

1957 wurde die Außenstelle des Betriebswerks in Rennertshofen aufgelöst, nachdem die Baureihe 70 dort durch Schienenbusse der Baureihe VT 95 abgelöst wurden. Mit der Elektrifizierung der Strecke nach Ingolstadt 1960 wurden einige der auf dieser Strecke eingesetzten 01er und 44er arbeitslos und abgestellt. Im September 1960 standen noch 31 Lokomotiven auf der Bestandsliste, von denen ein Teil bis Mai 1962 Vorspanndienste vor Zügen mit Elektrolokomotiven auf dem noch nicht mit Fahrdraht überspannten Abschnitt Ingolstadt–Treuchtlingen leisteten.[3]

Mit der Elektrifizierung nach Würzburg im Mai 1965 endeten das Umspannen der Lokomotiven in Treuchtlingen und der Dampflokeinsatz, sodass das Betriebswerk seine Funktion größtenteils verlor.

Bereits im März 1965 waren 19 Exemplare der Baureihe E 75 in Treuchtlingen eingetroffen, die ab diesem Zeitpunkt in untergeordneten Diensten eingesetzt wurden. Im Mai 1965 betrug der Lokbestand 9 Dampflokomotiven und 22 Elloks.[3]

Am 24. März 1965 verließ die letzte Dampflokomotive der Baureihe 01 das Treuchtlinger Bahnbetriebswerk – gut vier Jahre vor der endgültigen Schließung des einst größten Arbeitgebers des Stadt.[5] Als letzte Dampflokomotive verließ am 4. Oktober 1965 44 518 als ausgemusterte Schrottlokomotive das Betriebswerk.[3]

1967 wurde der große Lokschuppen abgerissen und die beiden Kamine durch eine Pioniereinheit gesprengt.[3]

Am 26. Mai 1968 löste die Deutsche Bundesbahn das Bw Treuchtlingen als eigenständige Dienststelle auf und unterstellte es als Außenstelle dem Bahnbetriebswerk Ingolstadt.[4] Die mit einem Oberlicht versehene Wagenhalle und das dreigeschossige Gebäude der Lokleitung mit Wasserhaus und Nebengebäude blieben erhalten und werden gewerblich genutzt.[2] Die Ziegelsteinbauten von 1906 stehen unter Denkmalschutz.[6]

Im Sommer 1969 wurden im Betriebswerk noch die 18 505 und die Denkmallok 01 220 rollfähig aufgearbeitet. Seither steht die 01 220 gegenüber der Treuchtlinger Senefelder-Schule.[7] Am 17. Juli 1969 wurde sie an ihren jetzigen Standort transportiert.[5] 1972 wurde der E-Lokschuppen abgerissen.

Dienststellenleiter

Die Liste der Dienststellenleiter ist erhalten geblieben:[3]

  • 1904–1919: Oberinspektor Weinbauch
  • 1920–1928: Oberinspektor Zottmann
  • 1929–1934: Oberinspektor Kellermann
  • 1935–1939: Oberinspektor Höfelmeyer
  • 1940–1942: Oberinspektor Temesl
  • 1943–1945: Oberinspektor Meier
  • 1945: Baurat Dr. Manz
  • 1946–1949: Amtmann Rosak
  • 1950–1953: Oberinspektor Krichenbauer
  • 1954–1957: Oberinspektor Schneider
  • 1958–1960: Oberinspektor Meilhaus
  • 1960–1962: Oberinspektor Gerold
  • 1962–1964: Inspektor Bachhuber
  • 1. Jan.–31. März 1964: Bundesbahnrat Hahn
  • 1. April–31. Mai 1964: Inspektor Bachhuber
  • 1. Juni–31. Aug. 1964: Bauassessor Lisson
  • 1. Sept.–30. Nov. 1964: Bundesbahnrat Mauker
  • 1. Dez. 1964–31. März 1965: Bundesbahnrat Pfleger
  • 1. April–31. Mai 1965: Bauassessor Görke
  • 1965–1968: Inspektor Belkner

Besonderes

Die Weichen und Signale des Bahnhofs Treuchtlingen wurden von fünf mechanischen Stellwerken gestellt. Stellwerk V war für das Bahnbetriebswerk zuständig und wurde nach dessen Stilllegung 1969 abgebrochen.[8]

Der Personalbestand im Jahre 1961 betrug 340 Personen. Vorkriegsunterlagen sind durch die Kriegswirren nicht mehr vorhanden. 1988 waren im Stützpunkt Treuchtlingen des Bw Ingolstadt 50 Lokführer beheimatet.[3]

Bis zum 31. August 1962 existierte eine Lehrwerkstatt, in der Metallhandwerker ausgebildet wurden.[3]

Literatur

  • Matthias Fuhrmann, Rudolf Inkeller: Das Bw Treuchtlingen. In: Matthias Fuhrmann (Hrsg.): Deutsche Bahnbetriebswerke und der Triebfahrzeugpark der deutschen Eisenbahnen von 1920 bis heute (= Grundwerk u. 82. Ergänzungsausgabe). GeraNova Zeitschriftenverlag, GeraMond-Verlag, München 1991, 2011, ISSN 0949-2119 (24 S.).
Commons: Bahnbetriebswerk Treuchtlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Topographische Karten. In: BayernAtlas. Bayerisches Vermessungsamt, abgerufen am 14. August 2025.
  2. a b 100 Jahre Bahnlinie Treuchtlingen–Donauwörth. In: br-101.de. 2008, abgerufen am 14. August 2025.
  3. a b c d e f g h i j k l m n o p q Bauten der Ludwig-Süd-Nord-Bahn; Strecken im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen; Ausstellung des Verkehrsmuseums Nürnberg in Pleinfelder Schaufenstern zum Museumstag 2009 und zum 160-jährigen Jubiläum des Bahnhofes Pleinfeld, Mai 2009
  4. a b c Eisenbahndirektion München. In: bahnstatistik.de. Abgerufen am 27. August 2025.
  5. a b Benjamin Huck: Treuchtlingen vor 55 Jahren: Als die Dampfloks die Stadt verließen. In: nordbayern.de. 25. März 2020, abgerufen am 23. August 2025.
  6. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Denkmalliste Treuchtlingen (PDF; 371 kB) auf geodaten.bayern.de, abgerufen am 28. Januar 2017.
  7. Denkmalslok. In: tourismus-treuchtlingen.de. Abgerufen am 2. Oktober 2025.
  8. Liste von Stellwerken auf entlang-der-gleise.de, vom 10. Oktober 2013, abgerufen am 28. Januar 2017.