Bäkir Bajachunow
Bäkir Jachijanuly Bajachunow (kasachisch Бәкір Яхиянұлы Баяхунов Bäkır İahiianūly Baiahunov; russisch Бакир Яхиянович Баяхунов, Transkription Bakir Jachijanowitsch Bajachunow, wiss. Transliteration Bakir Jachijanovič Bajachunov; angloamerikanisch auch Bayakhunov; geboren am 15. September 1933 in Alma-Ata, heute Almaty, Kasachische SSR, Sowjetunion) ist ein kasachischer, dunganischer bzw. sowjetischer Komponist und Hochschullehrer.
Leben
Bäkir Bajachunow wuchs mit drei Geschwistern in Alma-Ata auf, der damaligen Hauptstadt der Kasachischen SSR. Sein Vater war Tierarzt, seine Mutter Sanitäterin. Er kam 1941 aufs Gymnasium und studierte von 1951 bis 1954 zunächst an der Geophysikalischen Fakultät des Staatlichen Bergbauinstituts Leningrad.[1] Er begann, als Angehöriger dieser Volksgruppe, sich für die Kultur der Dunganen zu interessieren und wurde auf Empfehlung des Komponisten Jewgeni Grigorjewitsch Brussilowski am Staatlichen Konservatorium Alma-Ata aufgenommen.[2] Dort machte er 1960 im Fach Komposition bei Quddys Qoschamijarow seinen Abschluss.[3] Er setzte seine Studien am Moskauer Konservatorium fort, zu seinen Lehrern dort zählten Michail Iwanowitsch Tschulaki (Komposition), Sergei Sergejewitsch Skrebkow, Wladimir Wassiljewitsch Protopopow (Polyphonie), Dmitri Romanowitsch Rogal-Lewizki und Juri Alexandrowitsch Fortunatow (Instrumentation).[4] Zusätzlich nahm er am Gnessin-Institut Moskau Unterricht bei Genrich Iljitsch Litinski und absolvierte eine pädagogische Ausbildung.[1]
Bajachunow gilt als erster professionell ausgebildeter Komponist der Dunganen.[4][5] Zurück in Alma-Ata, lehrte er am Konservatorium seiner Geburtsstadt von 1963 bis 2008, ab 1970 am zugehörigen Institut für Komposition,[1] ab 1983 als außerordentlicher, ab 1991 als ordentlicher Professor. In den Jahren 2002 bis 2005 leitete er auch die Kompositionsabteilung am Tschaikowski-Musikkolleg.[4]
Darüber hinaus wirkte er als Vize-Vorsitzender des kasachischen Komponistenverbands (1979–1981). 1989 wurde er zum Vorsitzenden des Kulturzentrums der Dunganen gewählt.[1][6]
Schaffen
Sein kompositorisches Werk umfasst Opern, Ballette und Orchesterwerke, darunter sieben Sinfonien, Instrumentalkonzerte, sinfonische Dichtungen und Ouvertüren, ferner Kammer-, Chor-, Vokal- und Klaviermusik.[4] Bajachunow erprobte in seinem Werk Begegnungen westlicher mit östlicher Musik, u. a. in der Klaviersonate Echoes of Mugham (1990)[2] und in der Sonate Two Portraits of Beethoven für Klavier und Pauken (1991).[1] Es finden sich Einflüsse wie kasachischer Kui-Gesang, uigurischer Mugham und indischer Raga.[7]
Er verarbeitet dabei häufig Elemente aus der Kultur der Dunganen, deren Musik er bei Expeditionen in verschiedene Regionen von Kasachstan und Kirgistan dokumentiert und studiert hatte. Zu diesen Kompositionen gehören etwa die sinfonische Dichtung Мынчжанюй (1959), die 1. und 2. Sinfonie (1980, 1984), der Vokalzyklus Lieder über das alte China (1957)[2] und die Dungan Sketches (1981).[8] Bajachunows 3. Sinfonie (1989) beschäftigt sich mit dem Scheltoksan-Unruhen 1986 in Alma-Ata, bei denen mehr als 150 Menschen ums Leben kamen.[9] Zu den Hauptwerken der späteren Jahre zählen die 5. Sinfonie für Orchester und Soloviola Aura des Ostens (2000), die 6. Sinfonie mit dem Titel Die Ökologische (2007), die Kammeroper Auf der Website Mail.Ru (2008) und das Ballett Träume des Korkyt (2011) über einen Poeten des 10. Jahrhunderts.[2]
Auszeichnungen
Bajachunow wurde mit den Ehrentiteln Verdienter Künstler (1983) sowie Volkskünstler (1990) der Kasachischen SSR ausgezeichnet. In postsowjetischer Zeit wurde er mit Medaillen zum 10. Jahrestag der Unabhängigkeit Kasachstans (2001) sowie anlässlich der runden Jubiläen zum Sieg im Großen Vaterländischen Krieg 1941–1945 (2010, 2015, 2020) geehrt.[4]
Literatur
- Баяху́нов Бакир Яхиянович. In: Большая российская энциклопедия. 2005, abgerufen am 9. November 2025 (russisch).
- Композиторский Стиль Бакира Баяхунова. In: mysl.kazgazeta.kz. 2. Mai 2019, abgerufen am 9. November 2025 (russisch).
Weblinks
- Бакир Баяхунов bei Discogs
- Известный дунганский композитор Бакир Баяхунов: «Во мне до сих пор живет мальчишка…» In: kaztag. 19. September 2013, abgerufen am 9. November 2025 (russisch, Interview).
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Bajachunow, Bakir. In: bayakhunov.ru. Abgerufen am 9. November 2025 (russisch).
- ↑ a b c d Баяху́нов Бакир Яхиянович. In: Большая российская энциклопедия. 2005, abgerufen am 9. November 2025 (russisch).
- ↑ Баяхунов, Бакир Яхиянович. In: Большая биографическая энциклопедия. 2009, abgerufen am 9. November 2025 (russisch).
- ↑ a b c d e Dan Albertson, Ron Hannah, Romeo Talento: Bakir Bayakhunov. In: The Living Composers Project. 17. Juni 2022, abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
- ↑ Galiya Akparova: The Problem of the National: The Relationship between Tradition and Innovation in the Chamber-Instrumental Sonatas of Bakir Bayakhunov. In: Nina Nikolaeva, Svetlana Konanchuk, Jörg Jewanski (Hrsg.): Synesthesia: The Synthesis of Arts in World Art Culture. Abstracts from a Conference held in Saint Petersburg, March 4–5, 2019 (= XVIII). Band 15. Wissenschaftliche Schriften der WWU Münster, Dortmund 2019, S. 15–16 (uni-muenster.de [PDF; 3,7 MB; abgerufen am 9. November 2025]).
- ↑ This day in history: 29 years ago, the Dungans of Kazakhstan held the first Republican Constituent Conference. In: assembly.kz. 2. November 2018, abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
- ↑ Баяхунов Бакир Яхиянович. In: Ленинградский геофизик. 2021, abgerufen am 9. November 2025 (russisch).
- ↑ Баяхунов Бакир Яхиянович. In: Большой Энциклопедический словарь. 2000, abgerufen am 9. November 2025 (russisch).
- ↑ Недлина Валерия Ефимовна: Пути Развития Музыкальной Культуры Казахстана На Рубеже Xx-Xxi Столетий [Entwicklungswege der kasachischen Musikkultur an der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert]. Moskauer Konservatorium, 2017 (russisch, mosconsv.ru [PDF; 4,6 MB; abgerufen am 9. November 2025] Dissertation).