Azra Akšamija

Azra Akšamija (geboren 1976 in Sarajevo) ist eine Künstlerin und Architekturhistorikerin. Sie ist Professorin an der Architekturfakultät des Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Biografie

Akšamija wurde in Bosnien-Herzegowina im ehemaligen Jugoslawien geboren, ist seit 1997 österreichische Staatsbürgerin und lebt in Boston.[1] Sie machte 2001 einen Abschluss im Studiengang Architektur an der Technischen Universität Graz und 2004 einen Master in Architektur an der Princeton University. Sie habilitierte 2011 in Geschichte, Theorie und Kritik der Architektur am MIT. Im Jahr 2011 wurde sie zum Assistant Professor am MIT und 2018 zum Associate Professor mit Festanstellung befördert. 2021 übernahm sie die Rolle der Direktorin des Programms für Kunst, Kultur und Technologie.[2] Es folgte 2024 die Berufung als Professorin an der Architekturfakultät des MIT, wo sie auch Leiterin des Future Heritage Lab ist.[3]

Weiterhin realisiert Azra Akšamija künstlerische Projekte und nimmt an internationalen Ausstellungen teil, darunter Ausstellungen in der Generali Foundation Wien, der Liverpool Biennial, dem Sculpture Center New York, der Secession Wien, der Royal Academy of Arts London, dem Queens Museum of Art in New York, den Design Week Festivals in Mailand, Istanbul, Eindhoven und Amman sowie in der Fondazione Giorgio Cini im Rahmen der 54. Kunstbiennale in Venedig.[4] Sie kuratiert selbst ebenso Ausstellungen. Mit den Projekten will sie Einsichten in soziale Ungereimtheiten des Kolonialismus, Sozialismus und Kommunismus ermöglichen.[2]

Forschungsgebiet

Die Arbeit von Azra Akšamija liegt an der Schnittstelle von Kunst, Design, Denkmalpflege und humanitärer Hilfe. Sie verbindet Kunst und Wissenschaft und steht im Kontext postkolonialer, islamischer Gesellschaften.

Sie untersucht das Potential von Kunst und Architektur bei der Bildung von Verständigung in Gemeinschaften, von kollektiver Erinnerung und Identität. Insbesondere verfolgt sie diese Themen vor dem Hintergrund von Konflikten und Krisen. Sie untersucht, wie kulturelle Vorurteile oder auch der Verfall und die Zerstörung kultureller Infrastrukturen im Zusammenhang mit Konflikten, Migration und Vertreibung das soziale Leben beeinflussen. Mit dem Future Heritage Lab versucht Akšamija, unterschiedliche Personen und Organisationen zusammen zu bringen, um utopische Programme zu entwickeln. Mit dem Mittel des transkulturellen Austausches sollen veränderliche Projekte realisiert werden.[2][4]

Im Rahmen einer dreijährigen Zusammenarbeit zwischen dem MIT Future Heritage Lab, syrischen Flüchtlingen, CARE-Jordan und der Deutsch-Jordanischen Universität entstand das Projekt Design to Live. Es untersuchte, wie syrische Flüchtlinge im jordanischen Lager in Al-Azraq Kunst und Design nutzen, um ihre Handlungsfähigkeit und Menschlichkeit zurückzugewinnen. Die innovative Kreationen der Flüchtlinge verdeutlichen die Kluft zwischen der standardisierten humanitären Hilfe und den soziokulturellen Bedürfnissen. Das Projekt beleuchtet Design als subversive Praxis im durch Konflikte, Klimawandel und Ungleichheit geprägten Weltgeschehen. Es zeigt die Widerstandsfähigkeit und den Einfallsreichtum vertriebener Gemeinschaften, die auf neue Realitäten reagieren.[5]

Auszeichnungen

Sie erhielt 2013 mit dem Architekten Bernardo Bader den Aga Khan Award for Architecture für den Islamischen Friedhof Altach, für den sie die Innenarchitektur der Andachtsräume gestaltete. Im Gebetsraum befindet sich ihre Installation Schindel-Mihrab mit Qibla-Wand. Die Gestaltung ist mehrschichtig. Vor einer gekalkten, weißen Holzwand mit Fenstern hängen drei Metallgewebe. In diese versetzten „Vorhänge“ wurden goldbeschichtete Holzschindeln eingearbeitet. Durch eine Verdichtung der Schindeln zeichnen sich die Worte »Allah« und »Mohammed« in kufischer Schrift ab. Die Installation wirkt sowohl funktionell als Sicht- und Sonnenschutz als auch dekorativ als Objekt mit Licht- und Schattenwürfen. Die Kalligrafie wirkt symbolisch. Auf dem Boden befinden sich sechsreihige Gebetsteppiche, die Frauen in Bosnien von Hand gefertigt haben.[6][7]

2018 wurde sie mit dem Kunstpreis der Stadt Graz ausgezeichnet und erhielt 2020 eine Ehrendoktorwürde des Montserrat College of Art.[8]

Weitere Auszeichnungen und Preise

  • 2002: Lobende Erwähnung bei der 6. Grazer Biennale für Medien und Architektur
  • 2006: Harold und Arlene Schitzer-Preis für Bildende Kunst (3. Preis)
  • 2012: Nominierung für den DETAIL-Preis 2012 für das Projekt Islamischer Friedhof Altach (mit Bernardo Bader)
  • 2012: Internationaler Piranesi-Award für Architektur für das Projekt Islamischer Friedhof Altach (1. Preis, mit Bernardo Bader)
  • 2013: Nominierung für den Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur für das Projekt Islamischer Friedhof Altach (mit Bernardo Bader)
  • 2013: Nominierung für den Prix Ars Electronica (Kategorie: „Digital Communities“), Linz
  • 2013: Aga Khan Award for Architecture für den Entwurf des Gebetsraums auf dem islamischen Friedhof Altach[7]
  • 2018: Kunstpreis der Stadt Graz[7]
  • 2020: Ehrendoktorwürde des Montserrat College of Art[7]
  • 2021: LafargeHolcim Award der Region Naher Osten
  • 2022: Auszeichnung der Architectural League New York als Gewinnerin der Emerging Voices.

Werke (Auswahl)

  • 2002: Arizona Road[7]
  • 2005: Dirndlmoschee[1]
  • 2012: Shingle-Mihrab
  • 2019: T-Serai[9]

Ausstellungen (Auswahl)

Schriften (Auswahl)

  • mit Deniz Turker: Azra Akšamija, Kunstmoschee: 21.7. - 30.9.2007; a project for Secession summer 2007; [anlässlich der Ausstellung Kunstmoschee von Azra Akšamija in der Secession], Secession (Hrsg.), Wien 2007. ISBN 978-3-902592-05-7
  • Mosque Manifesto: Propositions for Spaces of Coexistence. Revolver Publishing, Berlin 2015. ISBN 978-3-95763-299-9
  • Museum Solidarity Lobby. Revolver Publishing, Berlin 2019, ISBN 978-3-95763-463-4
  • als Herausgeberin: Architecture of coexistence: building pluralism. ArchiTangle, Berlin 2020. ISBN 978-3-96680-008-2
  • mit Raafat Majzoub, Melina Philippou (Hrsg.): Design to Live: Everyday Inventions from a Refugee Camp. MIT Press, Cambridge, MA, 2021. ISBN 978-0-26254-287-6
  • mit Maximiliane Baumgartner, Alex Wissel, Madeleine Bernstorff und weiteren: Adjustable monuments, Ausstellungskatalog, Verlag Kettler, Dortmund 2022. ISBN 978-3-98741-038-3

Literatur (Auswahl)

  • Sabine Breitwieser (Hrsg.): Designs für die wirkliche Welt, for the real world. Generali Foundation, Wien, Verlag König, Köln 2002. ISBN 978-3-88375-622-6
  • Barbara Steiner (Hrsg.): Zur politischen Macht Kultureller Territorien. On the political power of cultural territories. Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig in Kooperation mit der Kulturstiftung des Bundes, Verlag König, Köln 2005. ISBN 978-3-88375-925-8
  • Katrin Bucher Trantow, Johannes Rauchenberger, Barbara Steiner (Hrsg.): Glaube Liebe Hoffnung. Katalog Kunsthaus Graz, Universalmuseum Joanneum GmbH, Graz, 2018. ISBN 978-3-506-79281-5
  • T-Serai. Katalog, Sharjah Museum of Islamic Civilization, 2019.
  • Hashim Sarkis (Hrsg.): Biennale Architettura 2021: How Will We Live Together?. La Biennale di Venezia/Silvana Editoriale, Venedig, 2021. ISBN 978-8-83664-859-7
  • Gerfried Stocker, Markus Jandl (Hrsg.): Hope. Who Will Turn the Tide. Katalog Ars Electronica, Festival for Art, Technology & Society in Linz, Hatje Cantz, Berlin 2024. ISBN 978-3-7757-5822-2
  • Andreja Hribernik, Katrin Bucher Trantow, Alexandra Trost (Hrsg.): Azra Akšamija. Sanctuary. Katalog Kunsthaus Graz, VfmK Verlag für moderne Kunst, Wien, 2024. ISBN 978-3-99153-136-4
Commons: Azra Akšamija – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Jüdisches Museum Berlin: Sonderausstellung »Heimatkunde. 30 Künstler blicken auf Deutschland« vom 16. September 2011 bis 29. Januar 2012 - Azra Akšamija. Abgerufen am 12. Januar 2025.
  2. a b c Massachusetts Institute of Technology: Azra Aksamija Promoted to Full Professor. In: act.mit.edu. MIT, abgerufen am 12. Januar 2025 (englisch).
  3. Azra Akšamija | Architecture. Abgerufen am 12. Januar 2025.
  4. a b T-Serai – Textile Systems for Engagement and Research in Artistic Impact. 17. Juli 2019, abgerufen am 21. Juni 2025.
  5. Azra Akšamija, MIT Future Heritage Lab: Design to Live. Everyday Inventions from a Refugee Camp. In: Gerfried Stocker, Markus Jandl (Hrsg.): Hope. Who Will Turn the Tide. Katalog Ars Electronica, Festival for Art, Technology & Society in Linz. Hatje Cantz, Berlin 2024, ISBN 978-3-7757-5822-2, S. 87.
  6. Bernardo Bader Architekten Islamic Cemetery / Altach. In: Wolfgang Fiel (Hrsg.): Volume 2 The Exhibition. Birkhäuser, Berlin / München / Boston 2014, S. 64–65.
  7. a b c d e Azra Aksamija - Generali Foundation. Abgerufen am 12. Januar 2025.
  8. Azra Akšamija | Architecture. Abgerufen am 12. Januar 2025.
  9. a b Ausstellungen. Abgerufen am 12. Januar 2025 (österreichisches Deutsch).
  10. Secessionsgarten. Abgerufen am 21. Juni 2025.
  11. 0136-guggenberger-akcamija - recenseo - Texte zu Kunst und Philosophie. Abgerufen am 21. Juni 2025.
  12. Azra Akšamija | Two Projects at 2021 Venice Biennale. In: Art, Culture, and Technology Program, School of Architecture + Planning. MIT, 2021, abgerufen am 21. Juni 2025 (englisch).