Ay, Carmela! Lied der Freiheit

Film
Titel Ay, Carmela! Lied der Freiheit
Originaltitel ¡Ay, Carmela!
Produktionsland Spanien, Italien
Originalsprache Spanisch
Erscheinungsjahr 1991
Länge 103 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Carlos Saura
Drehbuch Rafael Azcona
Carlos Saura
(basierend auf dem Theaterstück von José Sanchis Sinisterra)
Musik Alejandro Massó
Kamera José Luis Alcaine
Schnitt Pablo González del Amo
Besetzung
  • Carmen Maura: Carmela
  • Andrés Pajares: Paulino
  • Gabino Diego: Gustavete
  • Armando De Razza: Leutnant Ripamonte
  • José Sancho: Hauptmann
  • Edward Żentara: Polnischer Soldat

Ay, Carmela! Lied der Freiheit (Spanischer Originaltitel: ¡Ay Carmela!) ist ein spanischer Film in der Regie von Carlos Saura und produziert von Andrés Vicente Gómez. Er kam 1990 in die spanischen Kinos und gewann den Preis für den besten Film bei der fünften Verleihung der Goya-Filmpreise. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von José Sanchis Sinisterra. Der Titel des Films bezieht sich auf den Refrain eines während des spanischen Bürgerkriegs sehr populären Liedes, El paso del Ebro.

Handlung

Carmela, Paulino und der stumme Gustavete sind Künstler, die während des spanischen Bürgerkriegs zur Unterhaltung der republikanischen Seite auftreten. Sie sind eine Gruppe von Komikern, die während des Bürgerkriegs die republikanischen Soldaten 1938 an der Ebro-Front, so gut es geht, unterhalten, aber sie sind es leid, die Gefahren der Front zu ertragen. Carmela, Paulino und Gustavete machen sich auf den Weg nach Valencia, landen jedoch versehentlich im Gebiet der Nationalisten.[1]

Gefangengenommen und in Furcht um ihr Leben, willigen sie ein, unter Leitung eines italienischen Offiziers, als Truppenunterhaltung ein Programm zur Feier der Zusammenarbeit der faschistischen Mächte Deutschland, Italien und Spanien auf die Bühne zu bringen. Als Carmela während der Aufführung sieht, dass republikanische Gefangene polnischer Nationalität auf der Galerie des Publikums zu rebellieren anfangen und misshandelt werden, bricht sie die Parodie ab, beginnt das republikanische Lied “¡Ay, Carmela!” zu singen, worauf sie von einem franquistischen Offizier erschossen wird.

In der Schlusseinstellung besucht Paulino zusammen mit Gustavete, der seine Sprache wiedergefunden hat, Carmelas einfache Grabstätte außerhalb eines Dorffriedhofs und schmückt sie mit Blumen. Gustavete legt seine Tafel mit Carmelas Namen und Lebensdaten nieder. Dann setzen sie ihre Reise fort – während ¡Ay, Carmela! im Hintergrund erklingt.

Deutung

Der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Bert Cardullo behauptet 1992, dass „Ay, Carmela! […] erfolgreich [war], weil es Charaktere nicht zugunsten allegorischer Gestaltung opfert, weil es sich damit begnügt, seine Figuren in einer Geschichte leben zu lassen, anstatt sie in den Dienst der Geschichte oder Politik zu stellen.“[2]

Ganz anders der Hispanist Xosé Pereira-Boán. Er sieht 2019 für die Interpretation zwei zentrale Begriffe, die er in der Handlung des Films ausdeutet: das Pikareske und die Parrhesie. Paulino verkörpert für ihn das erste Prinzip, während Carmela die Parrhesie darstellt.[3] Das anfänglich dominante Prinzip erweist sich in der Ausnahmesituation einer Militärdiktatur „entweder als physiologisch befriedigend oder als künstlerisch nicht existent“. Damit verschiebt sich im Film der ethische[3] Schwerpunkt zur Parrhesie. Pereira-Boán verwendet die Deutung[4] von Michel Foucault und analysiert sie an der Person der Carmela. Carmela prangert die Ungerechtigkeit an, macht sich damit verwundbar und wird von einem Vertreter der tyrannischen Macht beseitigt, weil er die Parrhesie zutiefst ablehnt.

Pereira-Boán deutet auch die Schlussszene aus. Während der Pikaro Paulino verstummt ist, findet Gustavete seine Stimme wieder. Für Pereira-Boán verkörpert Gustavete das „Volk“, das den künstlerisch eingeschränkten Paulino antreibt, nicht aufzugeben. Gustavete deponiert gegen das Vergessen auf dem vom Nationalkatholizismus von der Gemeinschaft der Toten ausgeschlossenen republikanischen Grab sein bisheriges Kommunikationsmittel, seine steinerne Tafel als historische Erinnerung („memoria democratica“) an die Republikanerin Carmela („CARMELA 1900-1938“).[3]

Rezeption

„Carlos Saura machte sich daran, eine großartige Adaption des Werks von Sanchis Sinisterra zu erstellen, die er gemeinsam mit Rafael Azcona verfasste. Ay, Carmela ist eine gelungene Kombination aus Tragödie und Komödie, in der Saura seine narrative Meisterschaft unter Beweis stellt und sich dem Bürgerkrieg mit einem zwischen bitter und emotional schwingenden Blick nähert.“

Miguel Ángel Palomo: El Pais, 2024[5]

„Poetisch-realistische Tragikomödie nach einem erfolgreichen Bühnenstück, die sich auf großartige Schauspieler stützen kann, in ihrer gesellschaftskritischen Aussage jedoch zu dezent ausgefallen ist.“

Auszeichnungen

V. Goya-Verleihung 1991

Der Film gewann in 13 (von 17) Kategorien:

Kategorie Namen
Bester Film
Bester Regisseur Carlos Saura
Beste Hauptdarstellerin Carmen Maura
Bester Hauptdarsteller Andrés Pajares
Bester Nebendarsteller Gabino Diego
Bestes adaptiertes Drehbuch Carlos Saura
Rafael Azcona
Bester Schnitt Pablo del Amo
Bestes Szenenbild Rafael Palmero
Beste Produktionsleitung Víctor Albarrán
Beste Kostüme Rafael Palmero
Mercedes Sánchez
Beste Maske José Antonio Sánchez
Paquita Núñez
Bester Ton Gilles Ortion
Alfonso Pino
Beste Spezialeffekte Reyes Abades
Medallas del Círculo de Escritores Cinematográficos 1991[6]
Kagorie Person
Beste Hauptdarstellerin Carmen Maura
Bester Hauptdarsteller Andrés Pajares

Theaterversion

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück ¡Ay, Carmela!, das 1986 von José Sanchis Sinisterra geschrieben und im November 1987 unter der Regie von José Luis Gómez uraufgeführt wurde, der auch die Rolle des Paulino spielte. Verónica Forqué übernahm die Rolle der Carmela.

Einzelnachweise

  1. a b Ay,Carmela. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 6. Oktober 2025.
  2. Bert Cardullo: Grotesqueries. In: The Hudson Review, Spring, 1992, Vol. 45, No. 1, Seiten 101–109.
  3. a b c Xosé Pereira-Boán: De la picaresca a la parresia: desplazamientos éticos en ¡Ay Carmela! In: Romance Studies. Band 37, 2019, S. 95–105, doi:10.1080/02639904.2019.1656418 (spanisch).
  4. Michel Foucault: Discourse and Truth: the Problematization of Parrhesia. Foucault.info, abgerufen am 9. Juli 2010.
  5. Miguel Ángel Palomo: Ay, Carmela. In: El Pais. 2024, abgerufen am 6. Oktober 2025 (spanisch).
  6. Premios del CEC a la producción española de 1991. In: Circulo de Escritores Cinematográficos. 9. Januar 2016, archiviert vom Original am 26. Februar 2021; abgerufen am 9. Oktober 2025 (spanisch).