Ausstellungs- und Messe-Ausschuss
| Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e. V. | |
|---|---|
| Rechtsform | eingetragener Verein |
| Gründung | (1949 Neugründung in Frankfurt am Main), 1907 in Berlin |
| Sitz | Berlin |
| Geschäftsstelle | Littenstraße 9, 10179 Berlin |
| Schwerpunkt | Messe, Lobby |
| Vorsitz | Philip Harting (Vorsitzender) |
| Geschäftsführung | Jörn Holtmeier |
| Mitglieder | 67 (2024) |
| Website | https://www.auma.de |
Der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e. V. (AUMA) ist der Interessenverband der deutschen Messewirtschaft. Seine Themen sind Messen und Ausstellungen.
Mitglieder des Vereins sind die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft, die deutschen Messe- und Ausstellungsveranstalter, Fachverbände der messeinteressierten Wirtschaft und Verbände von Dienstleistungsunternehmen in der Messewirtschaft.[1]
Aufgaben und Profil
Der AUMA vertritt als Lobbyorganisation die Interessen seiner Mitglieder auf nationaler und internationaler Ebene gegenüber Politik, Behörden und anderen Organisationen. Der Verein ist im Lobbyregister des Deutschen Bundestags registriert[2] und verfügt über eine Vertretung in Brüssel.[1] Er sammelt Daten über Messen und Ausstellungen weltweit, stellt diese in einer Datenbank zur Verfügung, führt Studien durch (u. a. AUMA-Trends) und berät Verbände, Kammern und Behörden rund um das Thema Messen und Ausstellungen. Darüber hinaus koordiniert und organisiert er die Auslandsmesseaktivitäten deutscher Unternehmen im Rahmen des Auslandsmesseprogramm des Bundes (AMP des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat) und der Programme der Bundesländer[3] und berät diese bei der Entwicklung von Förderprogrammen.[4]
Der AUMA führt die Geschäfte der Gesellschaft zur Freiwilligen Kontrolle von Messe- und Ausstellungszahlen (FKM).[5]
Struktur und Mitglieder
Der Verein wird durch einen maximal 22-köpfigen Vorstand vertreten, an dessen Spitze der Vorsitzende und zwei stellvertretende Vorsitzende von der Mitgliederversammlung gewählt werden. Der Vorsitzende und der zweite Stellvertreter gehören der ausstellenden Wirtschaft an, der erste einer Messegesellschaft.[6] Die Geschäftsstelle wird von einem hauptamtlichen Geschäftsführer geleitet. Die Mitglieder beraten sich in Arbeitskreisen zu Themen wie Auslandsmessebeteiligungen, Informationstechnologie, Messetransparenz und Nachhaltigkeit.[4][7]
Neben den Messe- und Ausstellungsveranstaltern werden die Aussteller und Besucher durch zahlreiche Fachverbände vertreten, unter anderem die Spitzenverbände der Industrie (BDI), des Handwerks (ZDH), des Handels (BGA), der Landwirtschaft (DLG) und des Hotel- und Gaststättengewerbes (DEHOGA). Dazu kommen die Veranstalterorganisationen Gemeinschaft Deutscher Großmessen e.V. (GDG), IDFA Interessengemeinschaft Deutscher Fachmessen und Ausstellungsstädte und FAMA.[8][9]
Geschichte
Der Verein wurde 1907 als Ständige Ausstellungskommission der deutschen Industrie in Berlin gegründet und beschränkte sich auf die Vertretung der ausstellenden Industrie. Durch die Aufnahme weiterer Wirtschaftszweige im Laufe der Jahre wurde auch der Name mehrfach geändert in Ausstellungs- und Messeamt für die Deutsche Industrie und später Deutsches Ausstellungs- und Messeamt. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten gab es für eine Organisation, die auf freiwilliger Basis einen Markt reguliert, keinen Bedarf mehr. Aus dem „Amt“ wurde im Jahr 1934 der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, der von einer wirtschaftspolitisch handelnden Organisation in ein beratendes Gremium umgewandelt wurde. Vornehmliche Aufgabe war die Beratung der Reichsbehörden, insbesondere den Werberat der deutschen Wirtschaft. Der Vorstandsvorsitzende des AUMA war von 1933 bis 1945 der I.G.-Farben-Vorsitzende Georg von Schnitzler, der auch Mitglied im Verwaltungsrat des Werberats war. Ab 1943 musste der AUMA mehrfach umziehen, nachdem die Gebäude, in denen er seine Büros hatte, durch Bombentreffer zerstört wurden. 1945 stellte er seine Tätigkeiten ein.[10][11]
Der AUMA wurde 1949 in Frankfurt am Main als Interessengemeinschaft der Aussteller und Besucher gegenüber den Veranstaltern neu gegründet. Im Jahre 1951 zog der Verein nach Köln um, mit dem Ziel, näher an der Bundesregierung in Bonn zu sein.[10] Messegesellschaften wurden ab 1956 in den Verein aufgenommen.[12] 1971 trat mit der Verfahrensordnung des AUMA das wichtigste Instrument zur Einflussnahme auf das Messewesen in Kraft. Ziel dieser Verfahrensordnung war es, die „Interessen der Aussteller, Besucher und Veranstalter hinsichtlich Thema, Standort, Dauer und Turnus von Messen und Ausstellungen zu koordinieren, um unwirtschaftliche Überschneidungen zu vermeiden...“.[13] Der AUMA sollte als Schlichter in Konfliktfällen zwischen den Parteien vermitteln. Aufgrund Bedenken hinsichtlich wettbewerbsbeschränkender Funktionen wurde die Verfahrensordnung in Abstimmung mit dem Bundeskartellamt angepasst. Seit Ende der 1980er Jahre fanden keine Einigungsverhandlungen nach der Verfahrensordnung mehr statt. Die Messegesellschaften klären Konflikte untereinander oder lassen den Markt entscheiden.[14]
Seit 1984 liegt die Geschäftsführung der Gesellschaft zur Freiwilligen Kontrolle von Messe- und Ausstellungszahlen beim AUMA. Die ursprünglich brancheninterne Fokussierung des AUMA änderte sich im Laufe der 1980er Jahre und der Verband fing an, die gemeinsamen Interessen seiner Mitglieder auch nach außen zu vertreten, insbesondere bei den Themen Exportförderung, Arbeits-, Umwelt- und Steuerrecht.[15][16] Im Jahr 1990 wurde eine Repräsentanz in Brüssel organisiert, um die Interessen der Messewirtschaft gegenüber der EU-Kommission zu vertreten.[1] 2001 verlegte der AUMA seinen Sitz von Köln nach Berlin.[10]
Im Jahr 2007 feierte der Verband sein hundertjähriges Bestehen mit einem Festakt, bei dem Bundespräsident Horst Köhler den Beitrag der Messen zum wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands hervorhob.[17][18]
Nachhaltigkeit
Im Jahr 2022 haben sich die AUMA-Mitglieder selbst verpflichtet, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu werden. Das Ziel soll unter anderem durch die Sanierung und Modernisierung von Gebäuden sowie durch die Umstellung auf Fernwärme und erneuerbare Energien erreicht werden.[19][20]
Publikationen (Auswahl)
- AUMA (Hrsg.): Studie Mehrwert von Messebesuchen: Wie Einzelreisen vermieden werden. Berlin 2024, (online).
- AUMA (Hrsg.): AUMA-Trends 2025/2026. Berlin 2025, (online).
- AUMA (Hrsg.): Erfolgreiche Messebeteiligung. Berlin 2025, (online).
- AUMA (Hrsg.): Leitlinie zur Berechnung von Treibhausgasen bei Messen. Berlin 2025, (online).
- AUMA (Hrsg.): 100 Jahre AUMA. Berlin 2007, (online).
Weblinks
- Literatur von und über Ausstellungs- und Messe-Ausschuss im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website des AUMA
Einzelnachweise
- ↑ a b c Werner Delfmann: Kölner Kompendium der Messewirtschaft. Das Management von Messegesellschaften. Kölner Wissenschaftsverlag, 2005, ISBN 978-3-937404-20-2, S. 98 ff.
- ↑ Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V. (AUMA). In: Lobbyregister für die Interessenvertretung gegenüber dem Deutschen Bundestag und der Bundesregierung. Deutscher Bundestag, abgerufen am 12. Dezember 2024.
- ↑ Georg Walldorf (Hrsg.): Gabler Lexikon Auslandsgeschäfte. 1. Auflage. Gabler, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-322-82853-8, S. 72.
- ↑ a b Harald Kötter, Marco Springer: Die Rolle der Verbände in der deutschen Messewirtschaft. In: Manfred Kirchgeorg, Werner M. Dornscheidt, Norbert Stoeck (Hrsg.): Handbuch Messemanagement. Planung, Durchführung und Kontrolle von Messen, Kongressen und Events. 2. überarbeitete Auflage. Springer Gabler, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-8349-3368-3, S. 104 ff.
- ↑ Unsere Aufgaben. AUMA, abgerufen am 14. November 2025.
- ↑ AUMA: Über uns – Vorstand. Abgerufen am 29. August 2025.
- ↑ Rudolf Sachs, Rudolf Kamphausen: Leitfaden Außenwirtschaft. 6. Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 1996, ISBN 978-3-409-61007-0, S. 20.
- ↑ Harald Kötter, Marco Springer: Die Rolle der Verbände in der deutschen Messewirtschaft. In: Manfred Kirchgeorg, Werner M. Dornscheidt, Norbert Stoeck (Hrsg.): Handbuch Messemanagement. Planung, Durchführung und Kontrolle von Messen, Kongressen und Events. 2. überarbeitete Auflage. Springer Gabler, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-8349-3368-3, S. 90–97.
- ↑ AUMA: Unsere Mitglieder. Abgerufen am 4. September 2025.
- ↑ a b c Peter Neven: Zur Rolle des AUMA als Verband der Messewirtschaft. In: Manfred Kirchgeorg, Werner M. Dornscheidt, Norbert Stoeck (Hrsg.): Handbuch Messemanagement. Planung, Durchführung und Kontrolle von Messen, Kongressen und Events. 2. überarbeitete Auflage. Springer Gabler, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-8349-3368-3, S. 99–101.
- ↑ Peter Neven; Florian Fischer (Hrsg.): 100 Jahre AUMA – Verband für die deutsche Messewirtschaft. M-+-A-Verlag für Messen, Ausstellungen und Kongresse, Frankfurt 2007, S. 44 ff.
- ↑ Carsten Dierig: Vier Namen und ein Jubiläum. In: Die Welt. Axel Springer Deutschland, 2. Mai 2007, abgerufen am 1. Oktober 2024.
- ↑ Michael Peters: Dienstleistungsmarketing in der Praxis – Am Beispiel eines Messeunternehmens. 1. Auflage. Springer Fachmedien, Wiesbaden 1992, ISBN 978-3-8244-0123-9, S. 104 ff.
- ↑ Peter Neven; Florian Fischer (Hrsg.): 100 Jahre AUMA – Verband für die deutsche Messewirtschaft. M-+-A-Verlag für Messen, Ausstellungen und Kongresse, Frankfurt 2007, S. 102.
- ↑ Peter Neven; Florian Fischer (Hrsg.): 100 Jahre AUMA – Verband für die deutsche Messewirtschaft. M-+-A-Verlag für Messen, Ausstellungen und Kongresse, Frankfurt 2007, S. 115.
- ↑ Claus H. Boemer: Der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e. V. (AUMA) und seine Aufgaben. In: Karl-Heinz Strothmann, Manfred Busche (Hrsg.): Handbuch Messemarketing. Springer Fachmedien, Wiesbaden 1992, ISBN 978-3-663-12163-3, S. 596 ff.
- ↑ Der AUMA: 100 Jahre Messeverband in Deutschland. Deutsches Verbände Forum, abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ Horst Köhler: 100 Jahre Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft - Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler beim Festakt in Berlin. 7. Mai 2007, abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ Anja Schneider: Messeveranstalter - Die persönliche Begegnung hat wieder hohen Stellenwert. In: GENIOS BranchenWissen. Nr. 2/2024, 21. Februar 2024
- ↑ Sylvia Lipkowski: Viele Player, viele Hebel. In: tw tagungswirtschaft - The Global Magazine for Meeting Professionals. Deutscher Fachverlag, 22. November 2023, ISSN 0342-7951