August von Bartenstein
August Freiherr von Bartenstein (* 2. Juli 1811 auf Schloss Kottingbrunn[1]; † 12. Mai 1886 in Nikolsburg) war ein österreichischer römisch-katholischer Priester und Prälat.
Leben
August von Bartenstein entstammte der niederösterreichischen Adelsfamilie Bartenstein, sein Urgroßvater war der Staatsmann Johann Christoph von Bartenstein. Er trat 1828 in das österreichische Militär ein, quittierte aber 1839 nach 11 Jahren im Infanterieregiment Nr. 47 im Range eines Leutnants aus gesundheitlichen Gründen den Dienst. Er begann ein Studium der Philosophie an der Universität Wien, wechselte 1841 zum Theologiestudium in Salzburg, das er 1846 in Brünn abschloss, wo er auch die Priesterweihe empfing.
Er war Kooperator an der Magdalenenkirche von Brünn, ab 1851 Pfarrer von Ruprechtshofen. 1861 wurde er zum Propst des Stiftskapitels von Nikolsburg ernannt. Er war Mitglied des Domkapitels von Olmütz[2] und wurde zum Päpstlichen Hausprälaten ernannt. 1866 während der Verhandlungen zum Vorfrieden von Nikolsburg beherbergte er Graf Vincent Benedetti, den französischen Botschafter in Preußen.[3]
Er starb am 12. Mai 1886 in Nikolsburg.[4] Mit seinem Tod erlosch das Geschlecht der Bartenstein im Mannesstamm.
Domizellarstreit
1853 wird Bartenstein vom Olmützer Domkapitel zum Domizellar gewählt, der Kaiser verweigerte aber die Genehmigung. Begründung war, dass man das ganze Institut der adeligen Domizellare ohnehin abschaffen will. Der Fall Bartenstein wurde repräsentativ für die kirchenpolitischen Konflikte der Zeit zwischen liberaler Kirchenreform wie der Abschaffung adeliger Privilegien und konservativer Haltung. Zugespitzt wurde der Konflikt durch die Tatsache, dass Erzbischof von Sommerau, unter dem die Wahl Bartensteins erfolgte, dem vor der Revolution 1848 geflohenen Wiener Hof in seinem Palais in Olmütz Obdach gab, die Verweigerung der Anerkennung der Wahl durch den jungen Kaiser wurde als Kritik am Erzbischof angesehen. Anfang der 1850er Jahre stand das Kaisertum Österreich in Verhandlungen mit der Kurie für ein neues Konkordat, das 1855 abgeschlossen wurde. Der Streit um die Bestätigung von Bartenstein schwelte aber Jahre später noch weiter und wurde 1861 im Ministerrat behandelt. Der Staatsrat empfahl, der Wahl Bartensteins durch das Kapitel zwar weiterhin die Genehmigung zu verweigern, Bartenstein aber als Gnadenakt im Domkapitel zu bestätigen. Diese erfolgte im Dezember 1861.[5]
Wiederaufbau des Heiligen Berges von Nikolsburg
Er ist vor allem für seine Bemühungen um die Wiederherstellung des Wallfahrtsortes auf dem Heiligen Berg bekannt. Im Zuge der Josephinischen Kirchenreform wurde die Sebastianskirche 1786 per Hofdekret gesperrt und verfiel in Folge zur Ruine. Bartenstein begann nach seiner Ernennung zum Propst mit dem Wiederaufbau. 1862 begann er mit der Sammlung von Spenden für die Außensanierung, die 1863 abgeschlossen war. Der Innenraum wurde völlig neu ausgestattet, darunter mit einem Altarbild des Wiener Historienmalers Josef Plank. Alexandrine von Dietrichstein-Proskau-Leslie (1824–1906), Erbtochter des Hauses Dietrichstein und Gattin von Alexander von Mensdorff-Pouilly, spendete nicht nur Geld, sondern ließ die aus der Kirche stammenden Steine, die im Schlosshof von Nikolsburg eingebaut waren, wieder in die Bergkirche bringen. 1865 konnte er den Wiederaufbau abschließen und die Sebastianskirche neu weihen.[6] 40 Prozessionen mit über 10.000 Gläubigen zogen auf den Heiligen Berg und nahmen an diesen Feierlichkeiten teil.[7]
Literatur
- KOUDELA, Miroslav; VRBKA, Jiří. Verbo et exemplo: Geschichte des angesehenen Stiftskapitels und der St.-Wenzels-Kirche in Mikulov: Regionalmuseum in Mikulov, 2007, ISBN 978-80-85088-25-0, S. 58.
- Franz Xaver Haschek: Ursprung und sonstige Schicksale der Sct. Sebastiankirche auf dem heiligen Berge bei Nikolsburg bis zu ihrer Restaurirung im Jahre 1865. Druck von Johann Bezdieka, Nikolsburg 1865 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- Mathias Maria Feyfar: Die erlauchten Herrn auf Nikolsburg: eine geschichtliche Studie auf Original-Urkunden begründet, p. 350. Mayer & Comp, Wien 1879 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
Einzelnachweise
- ↑ Taufbuch der Pfarre Kottingbrunn, Seite 57 (online bei MATRICULA)
- ↑ August von Bartenstein Salzburger Kirchenblatt 27. März 1862 (online bei ANNO).
- ↑ Propst August von Bartenstein und die französische Gesandtschaft Salzburger Kirchenblatt, 25. Oktober 1866 (online bei ANNO).
- ↑ † August von Bartenstein Mährisches Tagblatt, 15. Mai 1886 (online bei ANNO)
- ↑ Protokoll II des zu Wien am 7. Dezember 1861 abgehaltenen Ministerrates unter dem Vorsitze Sr. kaiserlichen Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Rainer
- ↑ Die Wallfahrtskirche auf dem Heiligen Berg Das Vaterland, 14. September 1865 (online bei ANNO).
- ↑ Nikolsburg in Mähren Salzburger Kirchenblatt, 14. September 1865 (online bei ANNO).