Auferstehungskirche (Bad Vilbel)
Die Evangelische Auferstehungskirche, sie trägt den Namen seit 1961, ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude auf dem heutigen Friedhof der Stadt Bad Vilbel im Wetteraukreis (Hessen). Die Kirche gehört zur Auferstehungsgemeinde Bad Vilbel im Dekanat Wetterau in der Propstei Oberhessen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.
Beschreibung
Die unteren Geschosse des quadratischen Kirchturms im Westen stammen aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das Portal ist südwestlich auf die Burg Vilbel hin ausgerichtet. Sein Vestibül im Erdgeschoss wird von einem Sterngewölbe überspannt, dessen Gewölberippen auf Konsolen ruhen. Der Glockenturm wurde mindestens einmal aufgestockt. Das heutige achtseitige, schiefergedeckte, gefaltete Rhombendach konnte auf 1488 datiert werden. Rechts neben dem Hauptportal zeugt ein abgegriffenes Weihwasserbecken von der Zeit als katholisches Gotteshaus.
1697 wurde das im Kern mittelalterliche Langhaus, wie am Portal auf der Nordseite des Langhauses angegeben, beim Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg umgebaut und erhielt einen Chor mit 3/8-Schluss. Im Kirchturm wurde die Kirchenglocke ersetzt. Das Kirchenschiff erhielt eine neue Flachdecke und die über eine äußere Freitreppe zugängliche, hölzerne Empore aus dem Jahr 1566 wurde winkelförmig erweitert.
Bei der umfangreichen Restauration im Jahre 2006 wurde an der alten Nordwand des Langhauses ein mittelalterliches Fresko aufgefunden und teilweise freigelegt, das eine Szene der kaiserlichen Jagd zeigt.
Geschichte
Das Gebäude war im 14. Jahrhundert als Eigenkirche im Besitz der Herren von Vilbel, die an diesem nördlichsten Grenzpunkt des Wildbanns Dreieich als kaiserliche Reichsministerialen eingesetzt waren. Nach dem Tod Walther von Vilbels wurde sie 1443 durch Beschluss des Konzils von Basel als Gemeindekirche mit einem geistlichen Pfarrer besetzt. Das Patronatsrecht wurde Frank XII. von Cronberg (der Reiche) zugesprochen, der die Kirche mit seinem Tod an das Marienstift Lich vererbte. 1471 beauftragte Papst Sixtus VI. mit Einwilligung des Patrons Graf Kuno von Solms, sie in das Marienstift zu inkorporieren. Das Stift übernahm den Ausbau und den Unterhalt der Kirche. 1548 schloss sich die Vilbeler Gemeinde dem lutherischen und 1597 dem calvinistisch reformierten Glauben an. Die Kirche blieb dem Marienstift weiterhin inkorporiert, das selbst evangelisch wurde[1]. Das Stift übernahm auch den Wiederaufbau, nachdem sie im Dreißigjährigen Krieg verwüstet wurde. Sie wurde ab dann bis zum Ende des 17. Jahrhunderts als Simultankirche mit dem Namen St.-Alban-Kirche genutzt. Mit der Wiedererrichtung der katholischen St.-Nikolaus-Kirche in Vilbel wurde sie an die reformierte evangelische Gemeinde übergeben.
Glocken
Seit 1525 ist in Dokumenten ein Glöckner erwähnt. Die Glocken wurden im Dreißigjährigen Krieg geplündert. 1654 erhielt die Kirche beim Wiederaufbau durch das Marienstift Lich eine erste neue Glocke. Ihre Inschrift lautete[2]:
In honorem Dei et parogie Villabellensis commune bonum pastore joh: Wilhelmo Phildio aedile joh: G. Waltero Willio
haec campana cum filia ad latus pendente mater fusavit Frankofurti Per joh: Wagnerum Anno Christi MDCLIV.
Übersetzung: „Zur Ehre Gottes und zum allgemeinen Wohl der Pfarrei Vilbel hat unter Pfarrer Johann Wilhelm Phildius auf Veranlassung von Johann G. Walter Will diese Glocke mit einer seitlich hängenden Tochter aus der Mutter in Frankfurt gegossen von Johann Wagner im Jahr des Herrn 1654.“
Ein Relief zeigte Christus als den guten Hirten.
1704 erhielt die Kirche eine weitere kleine Glocke. Ihre Inschrift lautete:
Gos mich Johan und aus begeren Herren Pfarrer Roth und Vorstöher der Kirch Vilbel Anno 1704 den 17 dag December – Andreas Schneidewind in Frankfurt
Die große Wagner-Glocke zersprang 1885 und wurde umgegossen. Eine Glocke musste im Zweiten Weltkrieg abgeliefert werden. 1956 erhielt die Kirche die heutigen drei Glocken.
Orgel
Die denkmalgeschützte Orgel auf der Empore mit 10 Registern, einem Manual und Pedal wurde 1753/1754 von Johann Georg Zinck gebaut.[3] Der Prospekt, die Balganlage und ein Teil der Pfeifen sind historisch erhalten. Die beiden Bälge werden durch einen Windmotor befüllt, sind aber auch mechanisch bedienbar.
| Disposition | |||
|---|---|---|---|
| Manual C–c3 | Pedal C–c1 | ||
| Bourdon | 8′ | Sub Baß | 16′ |
| Viol di Gamb | 8′ | Violon Baß | 8′ |
| Principal | 4′ | ||
| Gedact | 4′ | ||
| Quinta | 3′ | ||
| Octav | 2’ | ||
| Superoctav | 1’ | ||
| Mixtur 3fach | 1½′ | Pedalkoppel | |
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen II, Regierungsbezirk Darmstadt. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2008, ISBN 978-3-422-03117-3, S. 61.
- Willi Giegerich: Die vorreformatorische St. Alban-Kirche zu Vilbel (= Bad Vilbeler Heimatblätter, Bd. 32). 1986
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Waldemar Küttner, Das Marienstift Lich im Mittelalter, Marburg ,1977, S. 207 ff
- ↑ Dr. Rudolf Adamy, Kunstdenkmäler im Grossherzogtum Hessen, Darmstadt, 1895
- ↑ Krystian Skoczowski: Die Orgelbauerfamilie Zinck. Ein Beitrag zur Erforschung des Orgelbaus in der Wetterau und im Kinzigtal des 18. Jahrhunderts. Haag + Herchen, Hanau 2018, ISBN 978-3-89846-824-4, S. 147–149.
Koordinaten: 50° 11′ 8,4″ N, 8° 45′ 3″ O