Auf der Reichsautobahn

Auf der Reichsautobahn
Daten zum Spiel
Autor Wilhelm Henck
Verlag Aktiengesellschaft für Druck und Verlag,
O. & M. Hausser
Erscheinungsjahr ≥1934
Art Brettspiel
Spieler 3 bis 8
Dauer k. A.
Alter ab 10[1]

Auf der Reichsautobahn mit dem Untertitel „Der Weg zum Ziel, ein deutsches Spiel“, später auch Auf der Reichsautobahn durch Großdeutschland, ist ein zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland Mitte bis Ende der 1930er Jahre bei der Aktiengesellschaft für Druck und Verlag und 1940 aktualisiert im Verlag O. & M. Hausser erschienenes Reise- und Propaganda-Brettspiel.

Geschichte

Das Spiel wurde von Wilhelm Henck (1865–womöglich 1943),[2] Rektor im Ruhestand[3] und Schulbuchautor[2] entwickelt; am 10. September 1934 wurde das Gebrauchsmuster 1312878 „Reisespiel auf Autobahnen“ von Wilhelm Henck aus Kassel eingetragen.[4]

Das Spiel erschien bei der 1923[5] aus „Gebrüder Gotthelft“ entstandenen Aktiengesellschaft für Druck und Verlag in Kassel;[6] die Gebrauchsmusternummer ist auch auf der Spielregel zu finden.[6] Henck hatte bereits zuvor Schulbücher bei dem Verlag veröffentlicht.[7]

Die in dem Spielplan eingezeichneten Autobahnen bei dem ca. 1936 veröffentlichten Spiel entsprachen dabei größtenteils geplanten Strecken, die noch nicht gebaut waren.[8]

Im Jahr 1940, nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, erschien bei O. & M. Hausser eine Neuauflage unter dem neuen Titel Auf der Reichsautobahn durch Großdeutschland, bei dem der Spielplan unter anderem um das Protektorat Böhmen und Mähren sowie das Generalgouvernement auf polnischem Gebiet ergänzt wurde und so die nationalsozialistische Besatzungspolitik als Propaganda wie bei anderen Medien auch in das Spiel eingebracht wurde.[8]

Spielweise

Das Gesellschaftsspiel war für drei bis acht Personen spielbar. Der Spielplan zeigt auf einer Straßenkarte das damalige Deutsche Reich und einige Nachbarstaaten, zudem gehören zum Spielmaterial acht farbige Autofiguren aus Zinn, ein Würfel und ein Set Streckenkarten.[1] Die Spieler nutzen den Würfel, um eine von vier festgelegten Strecken mit ihrem Fahrzeug zurückzulegen, dabei können „Gefahren- und Strafpunkte“ auf der Strecke das Vorankommen behindern.[8]

Jeder Spieler kann dabei eine der folgenden Strecken wählen, wobei sie die Strecken auch in umgekehrter Richtung fahren können:[6]

  1. AachenKönigsberg (schwarze Strecke)
  2. Bad Reichenhall / LindauStralsund (rote Strecke)
  3. BeuthenFlensburg (blaue Strecke)
  4. SaarbrückenDresden (grüne Strecke)

Jede der Strecken besteht dabei aus 28 Ortspunkten und hat 10 „Gefahren- und Strafpunkte“, die es zu überwinden gilt. Nachdem ein Startspieler bestimmt wurde, wird im Uhrzeigersinn gespielt. Der aktive Spieler würfelt mit dem Würfel drei Mal und addiert die Augen. Wenn die Summe dem auf dem Streckenplan angegebenen Wert für die nächste Etappe entspricht, kann er sein Auto vorziehen, und wenn die Differenz dann noch genug Punkten für weitere Streckenabschnitte entspricht, zieht er auch diese vorwärts. Stimmen die Einzelwürfe oder die Gesamtsummen nicht mit den kommenden Streckenabschnitten überein, bleibt er stehen.[6]

Bleibt ein Spieler auf einem gekennzeichneten Gefahren- und Strafpunkt stehen, wird dieser ausgelöst und hat eine negative Wirkung auf den Spieler:[6]

  • Kontrolle – der Spieler muss zurück zu seinem Startort, da die Papiere nicht in Ordnung sind.
  • Motorschaden – der Spieler setzt eine Runde aus.
  • Zündkerzen überprüfen – der Spieler setzt eine Runde aus oder zahlt einen Pfennig in die Reisekasse.
  • Reifenpanne – der Spieler zahlt einen Pfennig in die Reisekasse.
  • Tankstelle – der Spieler zahlt einen Pfennig in die Reisekasse.
  • Federbruch – der Spieler zahlt zwei Pfennige in die Reisekasse.
  • Etwas vergessen – der Spieler muss drei Orte zurück.

Eine Kontrollstrafe kann aufgehoben werden, wenn der Spieler eine wichtige Verkehrsregel kennt und aufsagt.

Das Spiel endet, wenn mindestens drei Spieler ihr Ziel erreicht haben. Mitspieler, die noch nicht im Ziel sind, müssen für jeden Gefahren- und Strafpunkt auf der noch fehlenden Strecke einen Pfennig in die Reisekasse zahlen. Die Reisekasse wird dann im Verhältnis 5:3:2 unter den drei Siegern aufgeteilt.[6]

Belege

  1. a b Auf der Reichsautobahn auf brettspielmuseum.de; abgerufen am 22. November 2025.
  2. a b „Schafft frohe Jugend!“ – Rektor Henck und seine beiden Söhne – Autobiographische Studien IV von Herbert Henck, Urenkel von Wilhelm Henck, abgerufen auf herbert-henck.de am 23. November 2025
  3. Bücher und Zeitschriften. W. Henck: Arbeitsblätter für das Bruchrechnen. in Die badische Lehrerin, 14. Jahrgang, Nr. 19 vom 1. Oktober 1932, abgerufen auf deutsche-digitale-bibliothek.de am 23. November 2025
  4. Jahr 1934; 39 (Heft 39)/1934, „77d. 1312878.“ in Patentblatt 58. Jahrgang, Nummer 39 vom 27. September 1934, Seite 31 bzw. Seite 1181, abgerufen auf register.dpma.de am 23. November 2025
  5. Cassel. Handelsregister. H.-R. B 501 in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 200 vom 30. August 1923, abgerufen auf digi.bib.uni-mannheim.de am 23. November 2025
  6. a b c d e f Spielregel, Digitalisat bei Auf der Reichsautobahn auf brettspielmuseum.de; abgerufen am 22. November 2025.
  7. Wilhelm Henck bei dnb.de, abgerufen am 23. November 2025
  8. a b c Fundstück des Monats April 2024: Die Nazis und die Autobahn, Fundstück aus dem Geschichtsort Villa ten Hompel auf stadt-muenster.de, April 2024; abgerufen am 22. November 2025.