Ashenda
Ashenda ist ein jährlich begangenes Fest junger Frauen und Mädchen, das vor allem in den nordäthiopischen Regionen Tigray und Amhara gefeiert wird.[1] Es findet traditionell gegen Ende August statt und schließt an das zweiwöchige Fasten Filseta an, das in der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche der Entschlafung und Himmelfahrt Marias gewidmet ist.[2][1] Je nach Region trägt das Fest unterschiedliche Bezeichnungen, darunter Ashendye (Lasta/Lalibela, Gondar), Shadey (Wag Himra/Sekota), Solel (Raya-Kobo) sowie in Teilen Tigrays Ayni-wari bzw. Maria.[1][3] Kernpraktiken sind Gruppengesang und Tanz, Besuche von Haushalten mit kurzen Aufführungen und das Entgegennehmen kleiner Gaben, oft begleitet von Handtrommeln.[1]
Etymologie und Bezeichnungen
Der Name „Ashenda“ verweist auf hohes, grünes Gras, das Teilnehmerinnen zu Büscheln oder als kurzer Überrock („Grasrock“) tragen und das als naturverbundene Symbolik des Festes gilt.[1][3] Es finden sich die Varianten Ashenda/Ashendye/Aynewari Maria/Shadey/Solel als Bezeichnungen.[4]
Zeitpunkt und religiöser Kontext
Filseta dauert in der äthiopisch-orthodoxen Praxis zwei Wochen (vom 7. bis 22. August, gregorianischer Kalender) und erinnert liturgisch an Entschlafung und Himmelfahrt der Gottesmutter Maria.[2] Ashenda wird im Anschluss an Filseta Ende August begangen; die Dauer reicht je nach Ort von wenigen Tagen bis zu längeren, ortsüblichen Festzeiten.[1][3]
Bräuche
Vorbereitungen umfassen das Zusammenstellen traditioneller Kleidung, Kosmetik und Schmuck sowie das Sammeln des namensgebenden Grases für den Festschmuck.[3] Mädchen organisieren sich in Gruppen und wählen eine Koordinatorin (ade guayla, „Mutter des Tanzes“), die Auftritte und Gabenverwaltung abstimmt.[3] Zum Auftakt suchen Gruppen oft Marienkirchen auf und ziehen anschließend singend von Haus zu Haus, wo sie kleine Geld- oder Essensspenden als Zeichen der Wertschätzung erhalten.[3][1] Begleitet werden die Lieder häufig von kleinen Handtrommeln, und die Darbietungen finden auch auf Straßen und Plätzen statt.[1] Das Tragen der zu einem kurzen Überrock verflochtenen Grashalme über dem weißen Habesha-Kleid ist eine weit verbreitete Praxis.[3]
Kleidung, Schmuck und Haartrachten
Dokumentiert sind festliche Kleider wie Tilfi, Zuria und weitere regionale Varianten, die während Ashenda besonders kunstvoll getragen werden.[3] Gebräuchlich sind Halsketten, Ohrringe, Armbänder und Ringe aus Gold, Silber oder Kupfer; die Formen und Benennungen sind in Tigrinya detailliert überliefert.[3] Beliebte Frisuren umfassen u. a. Game, Gilbich, Telela, Ayni-sigem und Albaso, oft ergänzt durch farbige Kopfbänder und Perlen.[3]
Regionale Verbreitung und Varianten
Das Fest ist vor allem in Tigray und Amhara verbreitet; in Amhara heißen verwandte Feiern Ashendye, Shadey oder Solel, während in Teilen Tigrays Ayni-wari bzw. Maria gebräuchlich ist.[1][3] Ablauf, Benennungen und Dauer variieren lokal, während die Grundstruktur aus Gesang, Tanz, Hausbesuchen und Gaben übereinstimmt.[3][1] Zeitgenössische Berichte dokumentieren darüber hinaus städtische Ashenda-Feiern, etwa in Addis Abeba, die traditionelle und urbane Formen verbinden.[5]
Soziale Bedeutung
Forschungen beschreiben Ashenda als eine Zeit erhöhter sozialer Sichtbarkeit, relativer Freiheit und kultureller Selbstbehauptung für Mädchen und junge Frauen.[3] Die Gesänge und Verse thematisieren Identität, Lob, soziale Kommentare und Kritik und werden als Ausdruck weiblicher Handlungsfähigkeit interpretiert.[3]
Gegenwart und Rezeption
Medienberichte heben seit den jüngsten Konfliktjahren sowohl vorsichtige Wiederbelebungen lokaler Feiern als auch urbane Formate hervor.[5] Parallel dazu wird die wachsende Kommerzialisierung – etwa durch Mode, Friseursalons und Ticket-Events – diskutiert, teils verbunden mit Initiativen zur Sicherung und Anerkennung des immateriellen Erbes.[6] UNESCO-Bezugsdokumente beschreiben Ashenda und seine Varianten als Mädchen-Festspiel; Debatten um eine Eintragung werden regional geführt, ohne dass derzeit ein UNESCO-Status besteht.[4][6]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j Ethiopian News Agency (ENA): Ethiopian Girls in the Northern Part of the Country Celebrating ‘Ashenda’ (Shadey, Ashendye, Solel) an Annual Girls’ Festival, 22. August 2025, https://www.ena.et/web/eng/w/eng_7180572 (abgerufen am 30. August 2025).
- ↑ a b Mahibere Kidusan – Ethiopian Orthodox Tewahedo Church: Filseta: The Fast of the Assumption of St. Mary, 7. August 2015, https://eotcmk.org/e/filseta-the-fast-of-the-assumption-of-st-mary/ (abgerufen am 30. August 2025).
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n Selam Balehey / Mulubrhan Balehegn: The Art, Aesthetics and Gender Significance of Ashenda girls’ Festival in Tigray, Northern Ethiopia, 2019 (Kapitel/Manuskript), PDF auf ResearchGate, https://www.researchgate.net/publication/334836277_The_Art_Aesthetics_and_Gender_Significance_of_Ashenda_girls%27_Festival_in_Tigray_Northern_Ethiopia (abgerufen am 30. August 2025).
- ↑ a b UNESCO (Intangible Cultural Heritage): Format for National Register of the Intangible Cultural Heritages of Ethiopia (Ausschnitt zu „Ashenda / Ashendye / Aynewari Maria / Shadey / Solel“), PDF 2019, https://ich.unesco.org/doc/src/46052.pdf (abgerufen am 30. August 2025).
- ↑ a b Abraham Tekle: Celebrating Ashenda: A festival of freedom amid unhealed wounds, conflict, The Reporter (Ethiopia), 24. August 2024, https://www.thereporterethiopia.com/41576/ (abgerufen am 30. August 2025).
- ↑ a b Ruth Berhanu: Ashenda Grows Louder – Tradition Walks a Fashion Runway, Addis Fortune, 23. August 2025, https://addisfortune.news/ashenda-grows-louder/ (abgerufen am 30. August 2025).