Artur Awanessow

Artur Awanessow (armenisch Արթուր Ավանեսով, wiss. Transliteration Art̕owr Avanesov; geboren am 9. Dezember 1980 in Moskau, Sowjetunion) ist ein armenischer Komponist, Pianist, Musikwissenschaftler und Hochschullehrer.

Leben

Artur Awanessow, in Moskau geboren, lebte ab dem Kindesalter in Armenien.[1] Er erhielt schon ab 7 Jahren[2] Klavierunterricht in Baku, Kapan und Jerewan, wo er ab 1994 die nach Aleksandr Spendiarjan benannte Musikschule besuchte.[3] Von 1997 bis 2002 studierte er am Staatllchen Konservatorium Jerewan die Fächer Komposition bei Stepan Rostomyan und Klavier bei Elena Abajyan.[4] Nach einem postgradualen Studium wurde er 2005 im Fach Musikwissenschaft mit einer Arbeit zum Thema Philosophy and Aesthetics of Zen Buddhism in the Music of XX Century bei Anna Arevshatyan promoviert.[2]

Lehrberuf

Von 2005 bis 2021 lehrte er am Konservatorium Jerewan Komposition sowie Zeitgenössische Musik und leitete 2018 bis 2021 die Kompositionsabteilung. Seit 2013 unterrichtet er auch an der American University of Armenia in Jerewan (AUA),[2] 2019 wurde er zum Associate Professor ernannt.[5]

Komponist

Sein kompositorisches Werk umfasst vor allem Kammermusik, Chor- und Vokalmusik sowie Klavierwerke. In seinen Vertonungen verwendet er Texte u. a. von Rose Ausländer, Stefan George, Luzzasco Luzzaschi, Ezra Pound, Matsuo Bashō, Vardan Areveltsi und Krikor Momdjian.[3] Zu den stilistischen Einflüssen auf sein Werk zählen die Armenische Musik, Raga, Gagaku, Gregorianischer Choral, Renaissance-, Barockmusik und die Musik des Impressionismus.[4]

Als Komponist gewann er 2003 einen 1. Preis beim Benjamin-Britten-Wettbewerb für Namu-Amida-Butsu und 2004 einen weiteren 1. Preis beim Ghasaros-Sarjan-Wettbewerb für Garun a (Spring).[6] Zudem war er Teilnehmer an den ISCM World Music Days 2004 in der Schweiz.[1] Er war 2010 Composer in Residence am Lark Music College in Glendale, Kalifornien. Uraufführungen seiner Werke fanden u. a. 2015 in der Tonhalle Zürich und 2016 im Teatro La Fenice Venedig statt.[2] Als Komponist und Pianist stand er u. a. 2023 an der University of California, Los Angeles (UCLA), im Mittelpunkt eines Porträtkonzerts.[7]

Interpret

Awanessow ist auch als Pianist und Tasteninterpret tätig, absolvierte Meisterkurse beim Lucerne Festival (2003–2005) und in Freiburg im Breisgau mit dem Ensemble Recherche (2007).[8] Er wirkte als Mitgründer bei verschiedenen Ensembles für zeitgenössische Musik mit, u. a. bei AUS in Jerewan (2001–2005), bei der international tätigen Formation Laboratorium (2005–2016), bei dem armenisch-georgisch-schweizerischen Ensemble Convergence (2011–2014)[2] und bei dem Ensemble Assonance (2017–2021).[5] Awanessow war an rund 80 Uraufführungen weltweit beteiligt (Stand 2025).[2]

Er arbeitete als Interpret u. a. mit Pierre Boulez, Krzysztof Penderecki, Kim Kashkashian, Rohan de Saram, Anja Lechner, Tigran Mansurjan und den Seattle Chamber Players zusammen.[9] 2014 wurde er bei der Aram Chatschaturjan Cello Competition als „Bester Begleiter“ ausgezeichnet, 2015 erhielt er für eine Einspielung mit der Sopranistin Mariam Sarkissian einen Orpheus d'Or.[2] Mehrere CDs bei Labels wie Deutsche Grammophon, Brilliant Classics, Albany Records sowie Suoni e Colori dokumentieren sein Wirken.[8]

Musikwissenschaftler

Awanessow war ab 2002 Mitherausgeber der musikwissenschaftlichen Zeitschrift Musical Armenia, in der er etliche Beiträge veröffentlichte, u. a. über Karlheinz Stockhausen und über armenische Komponisten.[6]

Literatur

  • Artur Avanesov. Profile. In: American University of Armenia. Abgerufen am 8. November 2025 (englisch).
  • Dan Albertson, Ron Hannah, Romeo Talento: Artur Avanesov. In: The Living Composers Project. 2. Januar 2017, abgerufen am 8. November 2025 (englisch).

Einzelnachweise

  1. a b Artur Avanesov. In: Classical Archives. Abgerufen am 8. November 2025 (englisch).
  2. a b c d e f g Artur Avanesov. Curriculum Vitae. In: American University of Armenia. Abgerufen am 8. November 2025 (englisch).
  3. a b Dan Albertson, Ron Hannah, Romeo Talento: Artur Avanesov. In: The Living Composers Project. 2. Januar 2017, abgerufen am 8. November 2025 (englisch).
  4. a b Artur Avanesov. In: AUS Quintet Contemporary Music Ensemble. Abgerufen am 8. November 2025 (englisch).
  5. a b AUA’s Artur Avanesov Receives the Title of Docent. In: American University of Armenia. 19. Dezember 2019, abgerufen am 8. November 2025 (englisch).
  6. a b Artur Yuri Avanesov. In: Musical Armenia Vol. 1 No. 56. 2019, abgerufen am 8. November 2025 (englisch).
  7. Armenian Music Program Presents Artur Avanesov, in Concert. In: University of California, Los Angeles (UCLA). Herb Alpert School of Music. 26. Mai 2023, abgerufen am 8. November 2025 (englisch).
  8. a b Artur Avanesov. In: EVN Report. Abgerufen am 8. November 2025 (englisch).
  9. Artur Avanesov. Profile. In: American University of Armenia. Abgerufen am 8. November 2025 (englisch).