Arnold Cook

Arnold Charles Cook (* 5. Mai 1922 in Narrogin; † 30. Juni 1981 in Nedlands, Perth) war ein australischer Wissenschaftler und Dozent für Wirtschaftswissenschaften an der University of Western Australia (UWA). Seit seiner Jugend blind, brachte er 1950 den ersten professionell ausgebildeten Blindenhund aus dem Ausland nach Australien und war maßgeblich an der Gründung des ersten Blindenhunde-Ausbildungszentrums des Landes beteiligt.

Werdegang

Arnold Cook wurde 1922 als Sohn von Charles Ernest Stanley Cook (1900–1969) und dessen Frau Grace, geborene Bell, im ländlichen Western Australia geboren. Seine Eltern trennten sich früh, seine Mutter heiratete erneut und Arnold Cook wuchs bei seinem Vater in Geraldton auf. Im Alter von 15 Jahren erhielt er die Diagnose Retinopathia pigmentosa. Die Krankheit führte zur Erblindung, bis er 18 Jahre alt war. Er erlernte die Brailleschrift und studierte ab 1944 an der University of Western Australia (UWA). Das Studium schloss er 1947 mit Auszeichnung und einem Bachelor of Arts in Wirtschaftswissenschaften ab.[1][2] Während seines Studiums hatte er Enid Doreen Fuller (1926–2012) kennengelernt, eine Kommilitonin, die er im Dezember 1946 heiratete. Aufgrund seiner guten Universitätsleistungen erhielt er ein „UWA-Hackett-Forschungsstipendium für Auslandsstudien“[3] und ging mit seiner Frau nach England, wo er ab 1948 an der London School of Economics and Political Science studierte. Seine Frau unterstützte ihn dabei als seine Lektorin.[4][5]

Während seiner Studienzeit in London 1948 bis 1950 wurde Arnold Cook auf Blindenhunde aufmerksam. Er nahm Kontakt zum Blindenführhundezentrum der britischen „British Guide Dogs for the Blind Association“ (Britische Blindenführhundevereinigung) in Leamington Spa auf, wo er nach seiner Ausbildung in der Zweigstelle in Exeter zunächst einen Deutschen Schäferhund als Blindenführhund erhielt, aber schließlich mit der schwarzen Labradorhündin Dreena, die von Betty Bridge ausgebildet worden war, den passenden Hund fand.[1][2] Durch sie gewann er mehr Mobilität, Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit.[6] 1950 schloss er sein Studium ab.[4]

Im August 1950 kehrte Arnold Cook mit seiner Frau, der kleinen Tochter Susan und seiner ersten Blindenhündin Dreena nach Perth zurück und trat eine Dozentenstelle für Wirtschaftswissenschaften an der UWA an. Als erste Blindenführhündin Australiens[7] weckte Dreenas Anwesenheit in Perth großes Interesse[6] und Cook wurde zu einer bekannten Persönlichkeit, da sie täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln den Arbeitsweg von seinem Zuhause in Belmont und dem Universitätscampus in Nedlands gemeinsam zurücklegten.[5] Cook und seine Frau hatten neben der ältesten Tochter Susan einen Sohn (1953–1956), der im Kleinkindalter starb, und zwei weitere Töchter. Cook studierte 1957 in den USA und erlangte an der Harvard University einen PhD. 1961 promovierte er dort. Später wurde er zum Senior Lecturer an der UWA befördert.[4]

Gründung eines Ausbildungszentrums für Blindenhunde

Aus dem Wunsch, auch anderen Sehgeschädigten mehr persönliche Freiheit zu ermöglichen, setzte Arnold Cook sich ab 1950 für die Gründung der ersten Schule Australiens zur Ausbildung von Blindenführhunden ein. Er nahm Kontakt mit der „Braille Society of Western Australia“ auf und durch deren Kontakte fand sich eine Gruppe von Menschen, die im Dezember 1950 einen Verein gründeten mit dem Ziel, in Perth ein Ausbildungszentrum für Blindenhunde zu schaffen. Mitglieder des ordentlich konstituierten Ausschusses am 4. Januar 1951 waren neben Arnold Cook selbst James Dimmitt, Mitglied des „Legislative Council of Western Australia“ (Präsident), Constance Gibbon von der „Braille Society of Western Australia“ (Ehrensekretärin und zeitweise auch Schatzmeisterin), der ehrenamtliche Anwalt der Braille Society Gerald Keall (Ausschussmitglied), Sam Clarkson, Mitglied des Rotary Clubs von Fremantle und pensionierter Manager der „Commonwealth Oil Refineries“ in Westaustralien (Ausschussmitglied), und P. J. O’Neill, Präsident des Kennel Clubs von Westaustralien (Ausschussmitglied).[5] Die Blindenhundbegleitung stieß bei den sehgeschädigten Westaustraliern auf großes Interesse.[2][6]

Auf einem angemieteten Gelände mit zwei ausgemusterten, umgebauten Straßenbahnwagen als Seminarraum und als Unterkunft für die aus Großbritannien kommende Ausbilderin Betty Bridge, die schon Cooks Hündin Dreena geschult hatte, nahm der Verein mit Hilfe von Spenden Ende 1951 den Betrieb auf. Weitere Unterstützung kam durch freiwillige Pflegestellen, in denen die geeigneten Welpen aufwuchsen. In diesem Ausbildungszentrum für Blindenführhunde wurden intelligente Hunde bis zu 18 Monaten, ob reinrassig oder nicht, vorzugsweise weiblich und mindestens 50 Zentimeter groß, aufgenommen. Die Blindenhunde wurden geeigneten Bewerbern kostenlos zur Verfügung gestellt, konnten aber bei schlechter Haltung oder Vernachlässigung zurückgefordert werden. Vor der Überlassung des Hundes wurden die zukünftigen Halterinnen und Halter einen Monat lang im Zentrum trainiert. Elsie Mead aus Maylands wurde im August 1952 die erste Besitzerin eines in Australien ausgebildeten Blindenführhundes, eines Australian-Kelpie-Foxterrier-Mischlings namens Beau.[1][5]

Der Verein bemühte sich um öffentlichkeitswirksame Werbung und veranstaltete Spendenkampagnen zur Deckung der laufenden Kosten, unter anderem für Trainer, Hundefutter und Gebäudeunterhaltungskosten, in denen sich auch Arnold Cook, der 1955 Präsident der Organisation war, engagierte. Der Verein wuchs im Laufe der nächsten Jahre, bezog 1955 ein neues Trainingsgelände in Belmont[8] und expandierte 1957 nach Victoria. Bis 1957 war die Organisation landesweit präsent und wurde als „Royal Guide Dog Association“ bekannt. Um Kunden an der Ostküste zu betreuen, wurde 1962 in Kew, Melbourne, die „Royal Guide Dog Association of Australia“ gegründet. Das Angebot wurde später um Autismus-Assistenzhunde erweitert. Schließlich wurde die Organisation zu „Guide Dogs Australia“.[1][4][6]

Weiteres Engagement und Gedenken

Cook war nicht nur Gründer der Blindenführhundebewegung in Australien, sondern wurde in seinem weiteren philanthropischen Engagement Stiftungspräsident der „Retinitis Pigmentosa Foundation of Western Australia“ sowie Schirmherr und Stiftungspräsident der „Western Australian Guild of Blind Citizens“. Arnold Cook starb 1981 zu Hause in Nedlands an einem Herzinfarkt und wurde auf dem Karrakatta Cemetery in Karrakatta in Perth beigesetzt. Im öffentlichen Raum wurden zwei Bronzestatuen aufgestellt, die an ihn erinnern und ihn zusammen mit seiner Hündin Dreena zeigen. Nach seinem Tod veranlasste die Stadt Perth die Aufstellung der ersten Skulptur am Eingang zum Kings Park, die zweite steht seit 2007 im Vorort Victoria Park.[1][4][9]

Commons: Arnold Cook – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Australia’s First Guide Dog. In: State Library of Western Australian. Abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  2. a b c Our history. In: Guide Dogs Victoria. 4. November 2021, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  3. Blind boy wins scholarship. In: The Sydney Morning Herald. 6. Dezember 1947, S. 4, abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
  4. a b c d e Arnold Charles Cook. In: findagrave.com. Abgerufen am 17. September 2025
  5. a b c d Alexandra Hasluck: To Guide and Guard: An early history of Guide Dogs in Australia. (pdf; 168 kB) In: visability.com.au. Association for the Blind of Western Australia, 1966, S. 4–10, archiviert vom Original am 25. März 2019; abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
  6. a b c d History of Guide Dogs WA. In: Guide Dogs WA. 14. Dezember 2022, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  7. Dreena goes to Aust. In: The North Midland Times. 28. Dezember 1950, S. 3, abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
  8. Alexandra Hasluck: To Guide and Guard: An early history of Guide Dogs in Australia. (pdf; 168 kB) In: visability.com.au. Association for the Blind of Western Australia, 1966, S. 10–17, archiviert vom Original am 25. März 2019; abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
  9. Dr Arnold Cook and Dreena. In: Greg James Sculpture. Abgerufen am 18. September 2025 (englisch).