Arno Schmidt (Altphilologe)
Arno Schmidt (* 20. April 1934 in Hameln; † 22. September 2025 in Korbach[1]) war ein deutscher Altphilologe, Pädagoge und Professor für Schulpädagogik.[2] Er war Autor wissenschaftlicher und lyrischer Literatur.
Leben
Arno Schmidt wurde als „Sohn eines Musikers und einer Bauerntochter“ in Hameln an der Weser als ältestes von insgesamt drei Geschwistern geboren.[3] Während seine Familie in Hameln blieb, verbrachte er seine Jugendjahre in Weimar, wo sein Großvater, der letzte Weimarer Hofbäcker, gegenüber dem Weimarer Goethe-Wohnhaus eine Bäckerei betrieb.[4] Die damals übliche Aufnahmeprüfung zum Gymnasium bestand er nicht. Seine schulischen Leistungen wurden schließlich so mangelhaft, dass er gegen Ende des Zweiten Weltkrieges eine Hilfsschule besuchen musste. Sein Schulversagen begründete Arno Schmidt unter anderem so: „(…) mit den ersten Schuljahren bis kurz vor Ende des Krieges verbinde ich Prügel und fortwährende Angst.“[5]
Für Weimar ging der Zweite Weltkrieg am 11. April 1945 mit dem Einmarsch der Dritten US-Armee zu Ende. Mit der Einnahme der Stadt durch die US-Soldaten erfolgte auch die Befreiung des KZ Buchenwald. Sein Onkel, der die überlebenden KZ-Häftlinge mit Brot zu versorgen hatte, bestand darauf, dem „Hitlerjungen“ Arno Schmidt das Lager Buchenwald zu zeigen. Schmidt schreibt in seinen Erinnerungen: „Nichts wurde mir erspart: die an Hunger und Entkräftung Sterbenden, die Zellen und Baracken, das Krematorium und dort die Berge von Leichen, die die SS nicht mehr hatte beseitigen können, die Öfen, die Keller, die wie ein Schlachthaus eingerichtet waren (…).“ Er erlebte einen psychischen und physischen Zusammenbruch, der über Wochen dauerte. Das in Buchenwald Erlebte ließ ihn ein Leben lang nicht los; immer wieder versuchte Schmidt das Gesehene in seinen Gedichten zu verarbeiten.[6]
Zum 1. Oktober 1945 – inzwischen stand Weimar unter sowjetischer Verwaltung – wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen. Schmidt besuchte zunächst die „Normalschule“ und ab 1948 die Schiller-Oberschule und hier den altsprachlichen Schulzweig mit Latein und Altgriechisch. Nebenher erlernte er bei einem pensionierten Lehrer auch Hebräisch. 1952 absolvierte er die Reifeprüfung. Im Anschluss daran studierte er an der Hallenser Martin-Luther-Universität lateinische und griechische Philologie sowie Pädagogik. Danach war er Mitarbeiter der Berliner Deutschen Akademie der Wissenschaften und hier in der Sektion Altertumswissenschaften tätig.[7]
Als man sich im Sommer 1958 hinter vorgehaltener Hand erzählte, die Regierung der DDR plane eine hermetische Abschottung gegenüber der Bundesrepublik, entschied sich Arno Schmidt für eine Flucht in den Westen. Hinzu kam, dass dort seine spätere Ehefrau lebte, die er über einen ehemaligen Kommilitonen kennengelernt hatte. Es folgten Lehraufträge an Schulen in Aurich und Diepholz sowie schließlich ein Referendariat in Hildesheim. Im Herbst 1960 trat Arno Schmidt seine erste Planstelle als Studienassessor am Ulrichsgymnasium in Norden an.[8] Während seines zehnjährigen Wirkens in der ostfriesischen Kleinstadt avancierte er zum Studiendirektor. Da es in diesen Jahren ein Überangebot an Latein- und Griechischlehrern gab, erteilte er auch fachfremden Unterricht, darunter in Deutsch und Gemeinschaftskunde. Auf die zunehmende Politisierung der Schülerschaft Ende der 1960er Jahre reagierte Schmidt mit dem Angebot einer „Polit-AG“ sowie mit von ihm organisierten Oberstufenfahrten zu Tagungen des Internationalen Hauses Sonnenberg in St. Andreasberg/Harz.
Schmidts Promotion erfolgte 1964 an der Göttinger Universität. Das Thema seiner Dissertation lautete: Ps.-Galeni liber de humoribus. Critice editus, adnotationibus instructus (Das Buch des Pseudo-Galen über die Körpersäfte. Kritisch herausgegeben und mit Anmerkungen versehen.) Die Arbeit behandelte einen dem griechischen Arzt Galenos von Pergamon zugeschriebenen Traktat.
1970 wechselte Schmidt nach Lüneburg, wo er als Oberstudiendirektor die Leitung des Gymnasiums Johanneum übernahm. Bereits zwei Jahre später wurde er im Niedersächsischen Kultusministerium Leiter des Referats Gymnasien. Schwerpunkte seiner Arbeit waren hier die Koordinierung der niedersächsischen Gymnasien, die Durchführung der damals frisch beschlossenen Oberstufenreform sowie – ab 1976 – der Aufbau einer umfassenden Lehrerfortbildung. Außerdem war er bis 1985 Vizepräsident des Wissenschaftlichen Landesprüfungsamtes für Lehrämter. 1982 habilitierte er sich an der Universität Oldenburg. Von 1985 bis zu seinem Ruhestand 1997 lehrte er als Professor für Theorie und Praxis des Unterrichts an Gymnasien am Fachbereich Pädagogik der Universität Oldenburg. Daneben lehrte er seit dem Sommersemester 1992 auch als Gastprofessor für Gymnasialpädagogik an der Universität Halle, wo er 1994 zum Honorarprofessor ernannt wurde.
Nach seiner Pensionierung hielt er Vorlesungen über die Entwicklung der antiken Philosophie und ihre Wirkungsgeschichte am Institut für Philosophie der Universität Marburg. Außerdem wandte er sich zunehmend dem Verfassen von Lyrik zu und veröffentlichte zwei Gedichtbände.[9]
Familie
Arno Schmidt war verheiratet und hatte zwei Söhne. Das Ehepaar lebte in Korbach, der Heimatstadt der Ehefrau,[9] wo Schmidt 2025 im Alter von 91 Jahren starb.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Ps.-Galeni liber de humoribus. Critice editus, adnotationibus instructus. Dissertation Göttingen 1964, OCLC 263389935.
- mit Wolfram Flößner und Heinz Seeger: Theorie: Oberstufe. Grundlagen, Bedeutung und Intentionen der neugestalteten gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II. Braunschweig 1977, ISBN 3-14-160065-1.
- Die Ursprünge der Pädagogik oder: Aristoteles, der Humanismus und wir. Oldenburg 1988, OCLC 75027411.
- Das Gymnasium im Aufwind. Entwicklung, Struktur, Probleme seiner Oberstufe. Aachen, 1994.
- Arno Schmidt – * 20. April 1934 (an der Universität Oldenburg seit 1985) [Autobiographischer Aufsatz]. In: Geschichte der Pädagogik an der Universität Oldenburg in Selbstdarstellungen (Hrsg. Bernhard Möller). Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg: Oldenburg, 1999. ISBN 3-8142-0601-0. S. 175–207.
- Die Geburt des Logos bei den frühen Griechen. Logos Verlag: Berlin, 2002. ISBN 978-3-89722-941-9.
- Das Elend des Logos. Antike Philosophie nach Aristoteles (360 v. Chr.-500 n. Chr.). Logos Verlag: Berlin, 2005. ISBN 3-8325-1007-9.
- Der Glanz des Logos. Die Philosophie der Klassiker. Sokrates, Platon und Aristoteles. Berlin 2008, ISBN 3-8325-1734-0.
- Die gymnasiale Oberstufe zwischen fachlicher Atomisierung und pädagogischer Kontinuität. In: Dorit Bosse (Hrsg.): Gymnasiale Bildung zwischen Kompetenzorientierung und Kulturarbeit. Wiesbaden, 2009.
- Gedichtband Schweigende Apfelblüten. Pamela Helmer Verlag: Korbach, 2015.
- Als die Nacht die Welt gebar. Mythen und Philosophie der Griechen und was daraus wurde. Logos Verlag: Berlin, 2018. ISBN 978-3-8325-4728-8.
- Schwer zu ertragen sind Götter, wenn sie sich leibhaftig zeigen. Homer und Troja – Frühe Mythen und ihre Philosophie. Logos Verlag: Berlin, 2020. ISBN 978-3-8325-5029-5.
- Gedichtband Pavane. Pamela Helmer Verlag: Korbach, 2023. ISBN 978-3-931100-60-5.
Literatur
- Bernhard Möller (Hrsg.): Geschichte der Pädagogik an der Universität Oldenburg in Selbstdarstellungen. Band 1. Oldenburg 1999, S. 175–207 (Digitalisat).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Arno Schmidt (Traueranzeige). In: trauer-wlz-online.de. 27. September 2025, abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Pädagoge Arno Schmidt emeritiert. Universität Oldenburg, 24. März 1997, abgerufen am 14. Oktober 2025.
- ↑ Arno Schmidt: Arno Schmidt – * 20. April 1934 (an der Universität Oldenburg seit 1985) [Autobiographischer Aufsatz]. In: Geschichte der Pädagogik an der Universität Oldenburg in Selbstdarstellungen (Hrsg. Bernhard Möller). Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg: Oldenburg, 1999. S. 175
- ↑ Eckdaten und Fakten dieses Abschnitts orientieren sich, sofern nicht anders angegeben, an Cord Wilhelm Kiel: Ein Leben für das Gymnasium, gute Bildung und die Alten Sprachen. Interview mit Prof. Arno Schmidt – Lehrer, Hochschulprofessor, Autor. In: Zeitschrift Gymnasium in Niedersachsen. 3/2021. S. 21
- ↑ Arno Schmidt: Arno Schmidt – * 20. April 1934 (an der Universität Oldenburg seit 1985) [Autobiographischer Aufsatz]. In: Geschichte der Pädagogik an der Universität Oldenburg in Selbstdarstellungen (Hrsg. Bernhard Möller). Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg: Oldenburg, 1999. S. 176f.
- ↑ Arno Schmidt: Arno Schmidt – * 20. April 1934 (an der Universität Oldenburg seit 1985) [Autobiographischer Aufsatz]. In: Geschichte der Pädagogik an der Universität Oldenburg in Selbstdarstellungen (Hrsg. Bernhard Möller). Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg: Oldenburg, 1999. S. 177f.
- ↑ Cord Wilhelm Kiel: Ein Leben für das Gymnasium, gute Bildung und die Alten Sprachen. Interview mit Prof. Arno Schmidt – Lehrer, Hochschulprofessor, Autor. In: Zeitschrift Gymnasium in Niedersachsen. 3/2021. S. 21.
- ↑ Derk de Haan (Hrsg.), Eberhard Rack: 400 Jahre Ulrichsgymnasium Norden. 1567–1967. Verlag Heinrich Soltau: Norden, 1967. S. 63, Sp 1
- ↑ a b Mariane Dämmer: Professor Arno Schmidt aus Korbach hat seinen zweiten Lyrikband veröffentlicht. In: HNA. 14. April 2023, abgerufen am 14. Oktober 2025.