Arnegg (Blaustein)
Arnegg Stadt Blaustein
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| Koordinaten: | 48° 25′ N, 9° 53′ O |
| Höhe: | 520 m ü. NHN |
| Einwohner: | 1470 (2022)[1] |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1975 |
| Postleitzahl: | 89134 |
| Vorwahl: | 07304 |
Arnegg
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Arnegg ist ein Stadtteil von Blaustein im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg. Durch den Zusammenschluss der Gemeinden Arnegg, Blaustein und Herrlingen erhielt das ehemals selbstständige Arnegg am 1. Januar 1975 seinen jetzigen Status.[2]
Das Dorf Arnegg liegt circa zwei Kilometer westlich von Blaustein am rechten Hangfuß des Blautals.
Geschichte
Arnegg wird erstmals 1292 überliefert. Der Ort entstand im 12./13. Jahrhundert als Burgflecken der gleichnamigen Burg. Burg und Dorf, wahrscheinlich ein Lehen der Grafen von Dillingen und der Grafen von Württemberg als deren Erben, waren schon 1303/04 im Besitz des Ulmer Geschlechts der Seveler.
1338 kaufte Württemberg von Konrad Seveler die Hälfte von Burg und Herrschaft, deren zweite Hälfte über die ulmischen Ausbürger von Stein später ebenfalls an Württemberg kam. 1378 wurde die Burg von der Reichsstadt Ulm zerstört und erst Ende des 15. Jahrhunderts wiederaufgebaut. Württemberg verkaufte 1470 die Herrschaft Arnegg an die Herren von Stadion, denen nach dem Dreißigjährigen Krieg Nikola de Heures, Ehemann einer Stadionschen Erbtochter, die Herrschaft streitig machte.
1700 erwarb die Deutschordenskommende Altshausen die Grundherrschaft von den Herren von Stadion. Der Deutsche Orden erbaute im Dorf ein Amtshaus. Im Jahr 1806 kam Arnegg an Württemberg und wurde dem Oberamt Blaubeuren eingegliedert. 1938 kam Arnegg zum Landkreis Ulm.
Bevölkerungsentwicklung
Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand bis 1970 und ohne die heute zugehörigen Ortsteile. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse oder amtliche Fortschreibungen mit Archivierungen des LEO-BW Online-Informationssystems für Baden-Württemberg.
| Bevölkerungsentwicklung[3] | ||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | 1852 | 1871 | 1880 | 1890 | 1900 | 1910 | 1925 | 1933 | 1939 | 1950 | 1956 | 1961 | 1970 | |||
| Einwohner | 360 | 319 | 341 | 319 | 363 | 393 | 427 | 429 | 560 | 777 | 1164 | 1299 | 1593 | |||
Wappen
| Blasonierung: „In Silber ein schwebendes schwarzes Deutschordenskreuz, darüber eine liegende vierendige schwarze Hirschstange.“[4] | |
| Wappenbegründung: Das Deutschordenskreuz geht zurück auf die Ortsherrschaft der Deutschordenskommende Altshausen. Die Hirschstange verweist auf den Übergang Arneggs an Württemberg. |
Korallenriff von Arnegg
Beim Korallenriff von Arnegg, im Blautal, 10 km westlich von Ulm, handelt es sich um Korallenkalke aus dem stratigraphischen Niveau der Obere-Felsenkalke- bis Liegende-Bankkalke-Formation (Mittlere und Obere Oberjura-Zeit des Meszoikums).[5]
Das etwa 150 Millionen Jahre alte Korallenriff von Arnegg ist einzigartig für die Schwäbische Alb und zählt zu den bedeutendsten Korallenriffen innerhalb der Juraschichten Mitteleuropas. Der direkt am Ortsausgang Richtung Dietingen gelegene Steinbruch bietet einen außergewöhnlichen Einblick in die urzeitliche Unterwasserwelt des flachen Tethys-Schelfmeeres. In Arnegg lassen sich mehrere aufeinanderfolgende Riffgenerationen, sowie ein komplexes Zusammenspiel ökologischer, klimatischer und tektonischer Einflüsse beobachten, wie sie in dieser Form auf der Schwäbischen Alb einzigartig sind. Der hervorragende Erhaltungszustand macht das Arnegger Riff zu einem Schlüsselaufschluss für die regionale und internationale Erdgeschichte.
Wissenschaftliche Arbeiten von Paulsen (1964)[6] und Laternser (2001)[7] belegen eine klare Riff-Sukzession im Steinbruch von Arnegg: von einem Schwammriff über ein Mischriff zu einem reinen Korallenriff. Die Lebensbedingungen wandelten sich dabei von zunächst tieferen, ruhigeren, von Schwämmen dominierten Meeresbereichen an der Basis, zu mächtigen Korallenbänken (Biostrome) im hochenergetischen Flachwasser. Das Gestein zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Vielfalt an Fossilien aus: Korallen, Schwämme, mikrobielle Krusten, zahlreiche Weichtiere und Mikroorganismen sind hier besonders facettenreich und detailgenau erhalten.
Die geologische Besonderheit des Arnegger Riffs liegt in seiner Position auf einer Meeresuntiefe, die durch erhöhte Wasserenergie, Sedimentdurchlauf (Sediment-Bypass) und stabilisierende mikrobiologische Krusten optimale Bedingungen für das Riffwachstum bot.
Der Arnegger Korallenkalk wurde traditionell als Baustein genutzt. Zu den bekannteren Bauwerken, die teilweise aus Arnegger Kalk errichtet wurden, gehören die Bundesfestung Ulm, die Donaubrücke Ulm sowie Teile des Rathauses von Ulm.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
- Ruine Arnegg
- Fossiles Korallenriff Arnegg
- Ehemaliges Amtshaus des Deutschordens
- Die katholische Barockkirche Mariä Himmelfahrt wurde 1737 an Stelle einer älteren Kapelle erbaut.
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Ehemaliges Amtshaus des Deutschordens
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Siehe auch
Sport- und Kulturvereine
- Landfrauenverein Arnegg
- Landwirtschaftlicher Ortsverein Arnegg
- Musikverein Arnegg e. V.[8]
- Narrenzunft Arnegger Weethexen & Hansel e. V.
- Narrenzunft Blautal-Sonna Arnegg e. V.
- NZ Arnegger Weethexen & Hansel e. V.
- Sängerbund Arnegg
- Schützenverein Hubertus Arnegg
- Schwäbischer Theaterverein Arnegg
- Sportverein Arnegg 1923 e. V.
- Treffpunkt Arnegg e. V.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Citypopulation. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 543 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
- ↑ Baden-Württemberg - Bevölkerungsentwicklung Arnegg von 1852 bis 1970.
- ↑ Wappen auf ortswappen.de
- ↑ Korallenkalkstein von Arnegg | LGRBwissen. Abgerufen am 14. November 2025.
- ↑ Manfred P. Gwinner: Paläogeographie und Landschaftsentwicklung im Weißen (Oberen) Jura der Schwäbischen Alb (Baden-Württemberg). In: Geologische Rundschau. Band 58, Nr. 1, Oktober 1968, ISSN 0016-7835, S. 32–41, doi:10.1007/bf01820591.
- ↑ Dein Browser wird geprüft! Abgerufen am 14. November 2025.
- ↑ MV Arnegg. Abgerufen am 1. Juli 2025.