Arne Birkenstock

Arne Birkenstock (* 7. Dezember 1967 in Siegen; † 28. November 2025[1]) war ein deutscher Autor, Regisseur und Filmproduzent.

Leben

Arne Birkenstock studierte Volkswirtschaft, Politik, Geschichte und Romanistik in Köln, Buenos Aires und Córdoba und realisierte während seines Studiums erste TV-Dokumentationen für die Sendereihen Unter deutschen Dächern (ARD) und Menschen hautnah. Gemeinsam mit André Schäfer realisierte er die preisgekrönte Dokumentation Man sieht ja mit den Ohren – Über den Fussballwahnsinn samstags im Radio (1999).

Sein erster Kino-Dokumentarfilm 12 Tangos – Adios Buenos Aires[2] hatte 2005 Premiere. Neben verschiedenen Dokumentationen für das Fernsehen wie die WDR-Reihe 7000 Kilometer Heimweh – Ein Jahr in China[3] oder Sandkastenkrieger über deutsche Unteroffiziere, die an einer Bundeswehrfachschule zu Erziehern ausgebildet werden für die Dokumentarfilmreihe Grand Format auf ARTE (gemeinsam mit Katherina Knees), führte Birkenstock auch bei den Dokumentarfilmen Chandani und ihr Elefant, für den er 2011 den Deutschen Filmpreis in der Kategorie Bester Kinder- und Jugendfilm erhielt, und bei dem Musik-Dokumentarfilm Sound of Heimat – Deutschland singt (gemeinsam mit Jan Tengeler) Regie.

Arne Birkenstocks Kino-Dokumentarfilm Beltracchi – Die Kunst der Fälschung über den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi wurde 2014 mit dem Deutschen Filmpreis in der Kategorie Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Der Film hatte seine internationale Premiere auf dem World Film Festival in Montréal. Die von ihm produzierte Verfilmung des dokumentarischen Theaterprojekts Die Moskauer Prozesse des Schweizer Regisseurs Milo Rau wurde auf dem Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein 2014 mit einer „Besonderen Auszeichnung“ gewürdigt.

Als Produzent produzierte Arne Birkenstock Milo Raus Film und Transmedia-Projekt Das Kongo Tribunal sowie seine Filme „Die Moskauer Prozesse“ und „Das Neue Evangelium“. Mit den Filmemacherinnen Yasemin und Nesrin Şamdereli deren Film „Die Nacht der Nächte“ und arbeitete an weiteren Projekten mit Regisseuren wie Florian Opitz, David Bernet, André Hörmann, Lena Leonhardt, Uli Gaulke und Enrique Sánchez Lansch zusammen.

Arne Birkenstock verfasste Bücher zu Tango und Lateinamerikanische Musik[4][5] Als wissenschaftlicher Autor verfasste Birkenstock außerdem Studien für die Staatskanzlei Nordrhein-Westfalens, den Kölner Kulturrat, das Grimme-Institut und das Bundesfamilienministerium. Er organisierte mehrere kulturpolitische Symposien in seiner Heimatstadt Köln.

Im Januar 2014 wurde Arne Birkenstock von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters für drei Jahre in das Gremium „Produktion programmfüllende Spiel- und Dokumentarfilme (A)“ der kulturellen Filmförderung des Bundes berufen, seit 2016 war er außerdem Mitglied der Fachkommission Non-Fiction bei der Zürcher Filmstiftung.[6] Birkenstock war von 2015 bis 2023 Vorstandsmitglied der Deutschen Filmakademie,[7] er ist außerdem Mitglied in der Europäischen Filmakademie, der Deutschen Akademie für Fernsehen und in der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm, wo er von 2011 bis 2014 Mitglied des Vorstands war. Er engagierte sich im Beirat des Kunstsalon Köln[8] und im Kuratorium von AFS Interkulturelle Begegnungen, mit dem er 1984/85 als Austauschschüler ein Jahr in den USA verbracht hatte.[9] 2021 wurde Birkenstock vom International Documentary Film Festival Amsterdam in die Jury für die „international competition“ berufen.[10]

Arne Birkenstock war verheiratet, lebte in Köln und hatte zwei Kinder. Im Nebenberuf spielte Birkenstock in der kölschen Mundartband Schmackes Akkordeon. Arne Birkenstock war der älteste Sohn des Kölner Strafverteidigers Reinhard Birkenstock und Enkelsohn des Luftfahrtpioniers Hans Jacobs. Birkenstock starb an Lungenkrebs im Alter von 57 Jahren.[11] Er wurde am 15. Dezember 2025 auf dem Kölner Nordfriedhof beigesetzt.[12]

Auszeichnungen

Werke

Literatur

  • Tango. Geschichte und Geschichten. Deutscher Taschenbuchverlag, München 1999, ISBN 3-423-24182-9 (Sachbuch mit Audio-CD gemeinsam mit Helena Rüegg).
  • Drehbuchausbildung und Drehbuchförderung in Deutschland. Eine Wirkungsanalyse. Studie des KunstSalon e. V. im Auftrag der Staatskanzlei NRW (Januar bis August 2001).
  • Salsa, Samba, Santería. Lateinamerikanische Musik. Deutscher Taschenbuchverlag, München 2002, ISBN 3-423-24341-4 (Sachbuch mit Audio-CD gemeinsam mit Eduardo Blumenstock).
  • Leitbild: Kunststadt – Ausgangslage und Handlungsoptionen für eine strategische Positionierung Kölns als Stadt der Künste. Studie im Auftrag des Kölner Kulturrat e. V., September 2003.
  • Zukunft Familie: Informationen zum 7. Familienbericht des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. (gemeinsam mit Irmela Hannover & Jürgen Kura).
  • Familienbilder und Familienthemen im deutschen Fernsehen. Studie für das Grimme-Institut und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Köln 2005 (gemeinsam mit Irmela Hannover).

Filmographie

  • Man sieht ja mit den Ohren – Über den Fußballwahnsinn Samstags im Radio in der Reihe Unter deutschen Dächern (1999, ARD/RB, 45 Minuten), Buch & Regie gemeinsam mit André Schäfer
  • Stimmungskanonen – Drei Alleinunterhalter unterwegs in der Reihe Menschen Hautnah (2000, WDR, 45 Minuten), Buch & Regie gemeinsam mit André Schäfer
  • Von Rechthabern und Streithähnen – Beobachtungen in Deutschlands kleinstem Amtsgericht in der Reihe Unter deutschen Dächern (2000, ARD/RB, 45 Minuten), Buch & Regie gemeinsam mit André Schäfer
  • 12 Tangos (Produktion, Buch, Regie), Kino-Dokumentarfilm, 94 Minuten, 2005
  • Die Sandkastenkrieger in der Reihe Grand Format (Buch & Regie gemeinsam mit Katherina Knees), Dokumentarfilm 90 Minuten für Florianfilm, ZDF/ARTE, 2008
  • 7000 Kilometer Heimweh (Buch & Regie gemeinsam mit Jürgen Kura), TV-Dokumentarfilmreihe 4 × 30 Minuten, 2008
  • Kampf um Amazonien 3: Das Gerichtsschiff (Buch, Regie) 2010, TV-Dokumentation, 45 Minuten, 2010
  • Chandani und ihr Elefant (Buch, Regie, Produktion), Kino-Dokumentarfilm, 94 Minuten, 2009
  • Sound of Heimat – Deutschland singt (Buch, Regie, Produktion), Kino-Dokumentarfilm, 94 Minuten, 2012
  • Die Moskauer Prozesse (Produktion), Regie: Milo Rau, Kino-Dokumentarfilm, 91 Minuten, 2014
  • Beltracchi – Die Kunst der Fälschung (Buch, Regie, Produktion), Kino-Dokumentarfilm, 104 Minuten, 2014
  • Schlagerland (Buch&Regie), Produktion: Benjamin Seikel, C-Films Deutschland, TV-Dokumentarfilm, 90 Minuten, SWR/ARD 2017
  • Das Kongo Tribunal (Produktion), Regie: Milo Rau, Kino-Dokumentarfilm, 100 Minuten, 2017
  • Die Nacht der Nächte (Produktion), Regie: Yasemin Samdereli, Kino-Dokumentarfilm, 96 Minuten, 2018
  • Sunset over Hollywood (Produktion), Regie: Uli Gaulke, Kino-Dokumentarfilm, 2018
  • Mamacita (Produktion), Regie: José Pablo Estrada Torrescano, Kino-Dokumentarfilm, 2018
  • Das Neue Evangelium (Produktion), Regie: Milo Rau, Kino-Dokumentarfilm, 100 Minuten, 2020
  • Goldhammer (Produktion), Regie: Pablo Ben Yakov und André Krummel, Kino-Dokumentarfilm, 93 Minuten, 2022
  • Vienna Calling (Produktion), Regie: Philipp Jedicke, Kino-Dokumentarfilm, 85 Minuten, 2023
  • Century of Women / Ihr Jahrhundert – Frauen erzählen Geschichte (Produktion), Regie: Uli Gaulke, Kino-Dokumentarfilm, 97 Minuten, 2023
  • Till Murder Do Us Part: Soering vs. Haysom (Produktion), Regie: Lena Leonhardt und André Hörmann, Dokuserie für Netflix, 4 × 43 Minuten, 2023
  • Capital B: Wem gehört Berlin? (Produktion), Regie: Florian Opitz, Dokuserie für Arte, 5 × 52 Minuten, 2023
  • Stasi FC (Co-Regie, Produktion), Co-Regie gemeinsam mit Dan Gordon und Zakaria Rahmani, Kinodokumentarfilm, 90 Minuten, 2023
  • Pol Pot Dancing (Produktion), Regie: Enrique Sánchez Lansch, Kino-Dokumentarfilm, 101 Minuten, 2024
Commons: Arne Birkenstock – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Mit 57 Jahren: Deutscher Regisseur Arne Birkenstock ist tot. In: t-online.de. 1. Dezember 2025, abgerufen am 1. Dezember 2025.
  2. 12 Tangos - Adios Buenos Aires.
  3. 7000 Kilometer Heimweh - Ein Jahr in China
  4. Tango - Geschichte und Geschichten@1@2Vorlage:Toter Link/www.dtv.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2018. Suche in Webarchiven), DTV München 1999, gemeinsam mit Helena Rüegg
  5. Salsa, Samba, Santería@1@2Vorlage:Toter Link/www.dtv.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2018. Suche in Webarchiven), DTV München 2002, gemeinsam mit Eduardo Blumenstock
  6. Gremien – Zürcher Filmstiftung. Abgerufen am 17. September 2021.
  7. Deutsche Filmakademie Präsidium und Vorstand (Memento vom 23. Februar 2015 im Internet Archive)
  8. Vorstand/Verein/Beirat - KunstSalon. Abgerufen am 17. September 2021 (deutsch).
  9. Das Kuratorium von AFS
  10. Arne Birkenstock. In: Jury for the International Competition at IDFA 2021. IDFA, 2021, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 2. Dezember 2025 (englisch).
  11. Kölner Stadt-Anzeiger Kultur & Medien vom 2. Dezember 2025: Trauer um Kölner Filmemacher. Arne Birkenstock feierte das Leben noch im Angesicht des Todes, von Helmut Frangenberg und Uli Kreikebaum, abgerufen am 3. Dezember 2025
  12. Wir trauern vom 29. November 2025: Traueranzeige seiner Familie, abgerufen am 8. Dezember 2025
  13. Nominierungen zum Deutschen Dokumentarfilmpreis 2015 (Memento vom 27. Mai 2015 im Internet Archive)
  14. KURIER ROMY Akademiepreise 2017: Die Nominierungen. 20. März 2017, abgerufen am 17. September 2021.
  15. CADRAGE - Auszeichnungen und Filmpreise /. Abgerufen am 17. September 2021.
  16. DOK Leipzig Preisträger 2017 (Memento vom 7. Dezember 2017 im Internet Archive)
  17. Semaine de la critique. Abgerufen am 17. September 2021.
  18. Preisträger des Bayerischen Filmpreises bis 2017
  19. Award winner beim San Francisco Dance Film Festival 2024