Armenische Rennratte

Armenische Rennratte
Systematik
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Rennmäuse (Gerbillinae)
Tribus: Gerbillini
Untertribus: Rhombomyina
Gattung: Rennratten (Meriones)
Art: Armenische Rennratte
Wissenschaftlicher Name
Meriones dahli
Shidlovsky, 1962

Die Armenische Rennratte (Meriones dahli) ist ein in Vorderasien verbreitetes Nagetier in der Gattung der Rennratten. Das Typusexemplar stammt aus den tieferen Lagen eines Gebirges nahe des Ortes Sarıbulaq in Armenien.[1]

Taxonomie

Der Artzusatz im wissenschaftlichen Namen ehrt den norwegischen Zoologen Knut Dahl.[2] Die Populationen wurden zeitweilig als Unterart der Mittagsrennratte (Meriones meridianus) geführt. Eine Studie von Dyatlov und Avanyan (1987) konnte deutliche Unterschiede in der Morphologie und in den Eigenschaften der Chromosomen feststellen, was die eindeutige Anerkennung als Art zur Folge hatte.[1]

Verbreitung

Entgegen ihrem deutschen Namen kommt die Art nicht mehr im südlichen Armenien vor. Diese Population und eine weitere, die bis ins nordwestliche Aserbaidschan reichte, sind vermutlich ausgestorben. Dieses Tier lebt nur noch in zwei disjunkten Populationen im Osten der Türkei. Es bewohnt das Hügelland und Gebirge zwischen 600 und 1000 Meter Höhe. Zwischen beiden Populationen liegt Ackerland. Im Habitat, das einer Steppe gleicht, wachsen Tamarisken, Gräser, krautige Pflanzen sowie Büsche der Gattungen Calligonus und Schafgarben.[3] Der Grund ist überwiegend sandig.[4]

Merkmale

Diese kleine Rennratte erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 102 bis 135 mm, eine Schwanzlänge von 107 bis 134 mm und ein Gewicht von 37 bis 80 g. Es sind 25 bis 36 mm lange Hinterfüße und 13 bis 16 mm lange Ohren vorhanden. laut wenigen Funden scheinen Weibchen etwas größer als Männchen zu sein. Die Oberseite ist mit seidigem und dichtem Fell bedeckt, das eine graubraune Farbe hat. Unterseits kommt weißes Fell vor und der behaarte Schwanz hat am Ende eine Quaste aus längeren Haaren. An den Sohlen der Füße befinden sich viele Haare. Am Schädel ist ein sehr großer Paukenteil des Schläfenbeins auffällig. Der diploide Chromosomensatz beseht aus 50 Chromosomen (2n=50).[4]

Lebensweise

Die Armenische Rennratte ist ab dem späten Nachmittag bis nachts aktiv. Sie gräbt unterirdische Baue, von denen das Quartier für die warme Jahreszeit 4 bis 5 Eingänge hat. Die bis zu sieben Meter langen Gänge führen zu Kammern, die 50 bis 200 cm unter der Oberfläche liegen. In diesem Nest wohnen die Tiere einzeln oder paarweise. Im oftmals komplexeren Winterbau halten sich bis zu fünf Exemplare auf. Dort halten sie ihren Winterschlaf. Da oft mehrere Baue mit einem Abstand von 15 bis 20 Metern in einem Gebiet vorkommen, wird die gesamte Gruppe als Kolonie betrachtet.[3][4]

Im März oder im frühen April findet die erste Paarung statt und nach 20 bis 22 Tagen Trächtigkeit werden 2 bis 7 Nachkommen geboren. Unter guten Voraussetzungen hat ein Weibchen pro Jahr drei Würfe.[3] Die Jungtiere werden etwa einem Monat gesäugt.[4]

Gefährdung

Intensive Nutzung der Region als Weidfläche und das Einsammeln von Feuerholz bedrohen den Bestand. Im Verbreitungsgebiet nimmt das geeignete Habitat nur noch 44 Prozent der ursprünglich bekannten Fläche ein. In Armenien hatte zusätzlich der Abbau von Sand negative Auswirkungen. Viele Sträucher der Gattung Calligonum wurden gerodet. Die Samen dieser Pflanzen waren dort die Hauptnahrungsquelle der Rennratte. Etwa 70 bis 80 Prozent der Wintervorräte in den Bauen kamen von diesen Pflanzen. Die Fläche aller Reviere zusammen sank zwischen 2008 und 2021 von etwa 5000 km² auf 600 km². Die IUCN listet die Art als vom Aussterben bedroht (critically endangered).[3]

Einzelnachweise

  1. a b Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 3. Auflage. 2 Bände. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4 (englisch, Meriones dahli).
  2. Beolens, Watkins & Grayson: The Eponym Dictionary of Mammals. JHU Press, 2009, S. 96 (Dahl).
  3. a b c d Meriones dahli in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2021. Eingestellt von: Dando, T., 2021. Abgerufen am 4. Dezember 2025.
  4. a b c d Don E. Wilson, Thomas E. Lacher Jr., Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 7 - Rodents II. Lynx Edicions, 2017, ISBN 978-84-16728-04-6, S. 644–645 (englisch, Meriones dahli).