Armbrust (Panzerabwehrwaffe)

Armbrust
Allgemeine Information
Militärische Bezeichnung Armbrust
Einsatzland Deutschland u. a.
Entwickler/Hersteller Messerschmitt-Bölkow-Blohm
Entwicklungsjahr 1960-Jahre
Produktionszeit 1970-Jahre bis 2000er-Jahre
Waffenkategorie Rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe
Ausstattung
Gesamtlänge 850 mm
Technische Daten
Kaliber 67 mm
Visier Reflexvisier
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Die Armbrust ist eine von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) entwickelte rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe.

Entwicklung

Die Entwicklung der Armbrust fand ihren Anlass in den sehr offensichtlichen Mängeln der gebräuchlichen Panzerabwehrhandwaffen. So können diese nur eingeschränkt aus geschlossenen Räumen oder gar Fahrzeugen abgefeuert werden, da sie die restliche Besatzung erheblich gefährden. Rauch- und Flammenentwicklung verraten zudem die Position des Schützen sehr schnell. Bei MBB wurde zum Ende der 1960er-Jahre versucht, diese Probleme auszuräumen. Das Ergebnis war die leichte Panzerabwehrwaffe Armbrust, die aus kleinen Räumen abgefeuert werden kann. Die Bundeswehr gab aber schwereren Panzerabwehrwaffen wie der Panzerfaust 3 sowie der MILAN den Vorzug und beschaffte die Armbrust nur in kleiner Stückzahl. Daneben übernahmen einige Spezialeinheiten, wie etwa die Delta Force aus den Vereinigten Staaten die Waffe.[1][2][3] Aufgrund des mangelnden wirtschaftlichen Erfolgs verkaufte MBB die Produktions-Lizenz der Armbrust 1988 nach Belgien an Poudreries réunies de Belgique (PRB) und nach Singapur an ST Kinetics. Daraufhin wurde Produktion in Deutschland eingestellt. Bei ST Kinetics wurde die Waffe bis Anfang der 2000er-Jahre produziert. Schätzungen zufolge wurden über 67000 Stück Armbrust hergestellt.[2][3]

Technik

Armbrust ist eine leichte Einweg-Panzerabwehrhandwaffe die Granaten mit Kaliber 67 mm verschießt. Die schussbereite Waffe wiegt 6,3 kg und hat eine Länge von 0,85 m. Mit der Armbrust können gepanzerte Fahrzeuge auf eine Distanz von rund 300 m gekämpft werden. Die Flugzeit der Granate auf diese Distanz beträgt bei rund 1,5 Sekunden und die Mündungsgeschwindigkeit liegt bei 210–220 m/s. Infanterieziele und Feldbefestigungen können auf bis zu 500 m bekämpft werden. Die maximale Flugdistanz der Granate liegt bei 1500 m und die minimale Schussdistanz beträgt 12 m.[3][4][5]

Die Waffe besteht aus einer Granate in einem Transport- und Abschussrohr. Das Rohr ist aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt und hat einen Außendurchmesser von 75 mm. Daran ist ein Visier sowie eine klappbare Schulterstütze und ein Pistolengriff angebracht. Weiter ist an der Waffe ein Trageriemen zum Transport angebracht. Auf der rechten Rohrseite Seite ist das Reflexvisier mit Okular verbaut. Zur Steigerung der Trefferwahrscheinlichkeit kann daran optional der Laseraufsatz vom Typ LATAM oder ein rechnergestütztes, wiederverwendbares Zielsystem aufgesetzt werden. Im Abschussrohr befindet sich die Granate. Dieses hat eine webspindelförmige Geometrie und gleicht einer Mörsergranate. Am Heck der Granate sind sechs ausklappbare Stabilisierungsflächen angebracht, die sich nach dem Verlassen des Abschussrohrs entfalten.[2][3]

Armbrust kann auch aus kleinen, geschlossenen Räumen abgefeuert werden, mit lediglich 0,8 m Freiraum hinter der Waffe. Möglich ist dies durch die Verwendung von rund 5000 kleinen Kunststoffstreifen, die als Gegenmasse im hinteren Ende des Rohres angebracht sind. Beim Abfeuern der Granate fangen diese den Schub des Treibsatzes ab und werden nach hinten aus dem Rohr geschleudert. Die Treibladung befindet sich in einem sog. „schwimmenden Kolben“. Dieser verhindert einen lauten Abschussknall, den verräterischen Flammenausstoß und die Rauchentwicklung. Die leergeschossene Waffe wird nach Gebrauch weggeworfen.[3][4][5]

Armbrust wurde in drei verschiedenen Ausführungen, mit drei unterschiedlichen Granaten produziert. Die Standard-Ausführung verwendet die AT-Granate mit einer Hohlladung als Gefechtskopf. Die Granate hat eine Länge von rund 450 mm und wiegt rund 1 kg. Die Hohlladung kann 300 mm Panzerstahl durchschlagen. Die AP-Granate zur Bekämpfung von Infanteriezielen und Feldbefestigungen verwendet einen Splittergefechtskopf mit Stahlkugeln. Der Splitterwirkungskreis gegen lebende Ziele beträgt rund 14 m. Der dritte Granatentyp trägt anstelle von einem Gefechtskopf Ballast und wird zu Übungszwecken verwendet.[3][4]

Nutzerstaaten

Neben den offiziellen Nutzerstaaten befinden, bzw. befanden sich eine unbekannte Anzahl der Waffen in Bestand von Paramilitärs und Widerstandsgruppen in Bosnien, Kambodscha, Mexiko, Nicaragua, Peru, Sri Lanka sowie in Afrika.[2][4][6]

Literatur

  • Christopher F. Foss, David Miller: Moderne Gefechtswaffen. Verlag Stocker Schmid, Schweiz, 1989, ISBN 3-7276-7092-4.
  • Günter Wollert, Reiner Lidschun, Wilfried Kopenhagen: Schützenwaffen – Illustrierte Enzyklopädie der Schützenwaffen aus aller Welt, Band 1 & 2. Brandenburgisches Verlagshaus, Deutschland, 1999, ISBN 978-3-89488-059-0.
  • Richard D. Jones & Leland S. Ness: Jane's Infantry Weapons 2010–2011. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2011, ISBN 978-0-7106-2908-1.
Commons: Armbrust – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. MBB Armbrust auf www.bellum.nu (Memento vom 10. Juni 2008 im Internet Archive) (englisch)
  2. a b c d Forecastinternational.com: Armbrust (pdf)
  3. a b c d e f Richard D. Jones & Leland S. Ness: Jane's Infantry Weapons 2010–2011. 2011, S. 489.
  4. a b c d Threat Support Directorate: OPFOR Worldwide Equipment Guide (WEG), TRADOC DCSINT, Fort Leavenworth, Sept 2001.
  5. a b Weaponsystems.net: Armbrust
  6. New Straits Times: Khmer Rouge using Missiles made in West. 12. März, 1994 (englisch)