Argentinische Botschaft in Berlin
| Argentinische Botschaft in Deutschland | |
|---|---|
| Staatliche Ebene | bilateral |
| Stellung der Behörde | Botschaft |
| Aufsichtsbehörde(n) | Ministerium für auswärtige Angelegenheiten, internationaler Handel und Gottesdienst |
| Bestehen | seit 1900 |
| Hauptsitz | Berlin |
| Botschafterin | Betina Pasquali De Fonseca |
| Website | Argentinische Botschaft in Deutschland |
Die argentinische Botschaft in Berlin ist die diplomatische Vertretung der Republik Argentinien in Deutschland. Sie hat ihren Sitz in der Von-der-Heydt-Straße 2 im Ortsteil Tiergarten des Bezirks Mitte.
Botschafterin ist seit dem 27. August 2025 Betina Pasquali De Fonseca.[1]
Argentinien unterhält Generalkonsulate in Frankfurt am Main und Hamburg sowie ein Konsulat in Bonn.[2]
Geschichte der diplomatischen Beziehungen
Bereits vor 1900 bestanden diplomatische Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und Argentinien. Seit den 1880er Jahren fungierten die in Paris residierenden Gesandten Miguel Cané (1883/84) und Carlos Calvo (bis 1899) auch gegenüber der deutschen Reichsregierung als diplomatische Vertreter ihres Landes, das zuvor bereits konsularisch in Berlin vertreten war.[3] Um die Jahrhundertwende war der in Paris lebende argentinische Dichter und General Lucio V. Mansilla als außerordentlicher Gesandter in Berlin akkreditiert, der ein Büro in Alt-Berlin im Alsenviertel unterhielt, in dem ein Legationsrat und ein Militärattaché für Argentinien tätig waren. Als Konsuln fungierten der Deutsche-Bank-Mitgründer Hermann Wallich und der deutsch-argentinische Großkaufmann Wilhelm Staudt.[4] Das wirtschaftlich aufstrebende Land gehörte in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zu den wichtigsten Getreidelieferanten Deutschlands und war als Abnehmer deutscher Waffen im Rahmen der deutsch-argentinischen Militärkooperation interessant, außerdem ein nicht unbedeutendes Ziel für deutsche Auswanderer. Die ab 1905 kontinuierlich ernannten Gesandten vertraten Argentinien zunächst nicht nur in Berlin, sondern gleichzeitig auch in Russland und Österreich-Ungarn. Der 1910 ernannte Gesandte Luis B. Molina blieb während des Ersten Weltkriegs in Berlin und wurde erst 1924 abgelöst.[5] In seine Amtszeit fielen als Höhepunkt der Beziehungen Argentiniens zum deutschen Kaiserreich die gegenseitigen Besuche hochrangiger diplomatischer Delegationen 1910 und 1913 und als Tiefpunkt die Versenkung der Monte Protegido und die Luxburg-Affäre 1917, die fast zum Kriegseintritt Argentiniens geführt hätte.[6] Zum ersten argentinischen Botschafter wurde 1936 der Gesandte Eduardo Labougle erhoben, gleichzeitig schenkte die Familie Staudt das Palais Staudt (Tiergartenstraße 9) dem argentinischen Staat, der das Gebäude bis zur Zerstörung im Jahr 1943 als Botschaftsgebäude nutzte.[7] In der Zeit des Nationalsozialismus bemühten sich mehrere argentinische Diplomaten in Berlin und Vichy um die Rettung argentinischer Juden vor dem Holocaust, wobei sie zum Teil mit Widerständen innerhalb der eigenen Regierung zu kämpfen hatten.[8]
Am 30. Dezember 1951 nahmen Argentinien und die Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen auf.[9] Die Botschaft hatte ihren Sitz in der Adenauerallee 50/52 in Bonn. Wegen des Umzugs von Bundestag und Regierung nach Berlin verlegte auch die Botschaft Argentiniens ihren Sitz in die neue deutsche Hauptstadt, im Dezember 2000 zunächst in das Gebäude der ehemaligen Botschaft Argentiniens in der DDR in der Dorotheenstraße 89 in Berlin-Mitte,[10] dann in die Kleiststraße 23–26 in Berlin-Schöneberg. Seit 2023 befindet sie sich in der Von-der-Heydt-Straße 2 in Berlin-Tiergarten.
Seit dem 25. Juni 1973 bestanden diplomatische Beziehungen zwischen Argentinien und der DDR.[11] Sie endeten mit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990. Die argentinische Botschaft in Ost-Berlin hatte ihren Sitz in der Clara-Zetkin-Straße 89 (1995 rückbenannt in Dorotheenstraße).[12]
Botschafter
Gebäude
Das fünfgeschossige Gebäude wurde 2019 als Haus der Kreislaufwirtschaft für den Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) fertiggestellt. Es wurde im Industrial Design mit Sichtbeton und Holz-Glas-Fensterbändern errichtet und verfügt über eine Nettonutzfläche von 2000 m².[13][14]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Akkreditierung von Botschafterinnen und Botschaftern. In: bundespraesident.de. 27. August 2025, abgerufen am 27. August 2025.
- ↑ Vertretungen Argentiniens in Deutschland. In: www.auswaertiges-amt.de. Abgerufen am 11. Juni 2023.
- ↑ Tobias C. Bringmann: Handbuch der Diplomatie 1815–1963. Auswärtige Missionschefs in Deutschland und deutsche Missionschefs im Ausland von Metternich bis Adenauer. Saur, München 2001, ISBN 3-598-11431-1, S. 13 f. in der Google-Buchsuche.
- ↑ Auswärtige Gesandtschaften > Argentinien. In: Adreßbuch für Berlin und seine Vororte, 1900, Teil II, S. 13 f..
- ↑ Deutschland und Argentinien. In: Sächsische Elbzeitung, 68. Jg., Nr. 216 (15. September 1924), S. 1.
- ↑ Felipe Pigna: Los mitos de la historia argentina. Band 3, Planeta, Bs. As. 2006, S. 53 ff.; online: Hundimiento del buque argentino Monte Protegido por un submarino alemán – 4 de abril de 1917. In: El Historiador, abgerufen am 12. Oktober 2025.
- ↑ Argentinische Botschaft in Berlin. In: Ibero-Amerikanisches Institut: Sondersammlungen. Abgerufen am 17. März 2024.
- ↑ Gerardo Di Fazio: El honor de diplomáticos argentinos ante el horror nazi: órdenes desafiadas, actos clandestinos y vidas salvadas en la sombra. In: Infobae, 26. Juli 2025, abgerufen am 11. Oktober 2025 (spanisch).
- ↑ Argentinien: Steckbrief. In: www.auswaertiges-amt.de. Abgerufen am 11. Juni 2023.
- ↑ Kerstin Englert, Jürgen Tietz (Hrsg.): Botschaften in Berlin. Gebr. Mann, Berlin 2004, ISBN 3-7861-2494-9, S. 140.
- ↑ Diplomatische Beziehungen DDR-Argentinien. In: Neues Deutschland, 26. Juni 1973, S. 1; online.
- ↑ Diplomatische und andere Vertretungen. In: Fernsprechbuch für die Hauptstadt der DDR, 1989, S. 100.
- ↑ Entsorgerverband eröffnet Neubau in Tiergarten. In: Berliner Morgenpost. 6. Juni 2019, abgerufen am 9. November 2023.
- ↑ Haus der Kreislaufwirtschaft. In: www.bde.de. Abgerufen am 9. November 2023.
Koordinaten: 52° 30′ 25,6″ N, 13° 21′ 16,2″ O