Areeb Zuaiter

Areeb Zuaiter (arabisch عريب زعيتر; geboren am 17. Juni 1980 in Nablus, Palästina) ist eine palästinensisch-jordanisch-US-amerikanische Filmregisseurin.

Leben und Wirken

Areeb Zuaiter wurde in den Palästinensischen Autonomiegebieten geboren. Ihre Familie übersiedelte nach Saudi Arabien, als sie zwei Monate alt war.[1]

1997 ging sie in den Libanon und studierte dort zunächst Innenarchitektur an der Libanesisch-Amerikanischen Universität in Beirut und parallel ebenfalls das Fach Radio, TV und Film, was sie beides 2003 mit einem Bachelor of Arts abschloss. Von 2004 bis 2006 war sie in der Werbebranche als Regisseurin bei der Firma Telemax Productions beschäftigt.

Für ein Masterstudium an der School of Communication der American University in Washington im Fach Film- und Videoproduktion zog sie 2010 in die Vereinigten Staaten.[2] Das Studium beendete sie 2013. Sie verbrachte von 2011 bis 2012 ein Jahr am Smithsonian National Museum of American History als Goldman Sachs Film and Video Fellow und war von Mai bis Dezember 2011 als Technology Associate bei der Nachrichtenagentur Associated Press tätig.[3] Für das Smithsonian Museum produzierte sie verschiedene Videos über die Sammlung, die Mitarbeitenden und Veranstaltungsreihen. Von 2016 bis 2018 war sie Mitglied der Bewertungsausschüsse für das Rawi Screenwriters Lab, den Filmpreis der Robert Bosch Stiftung und die Med Film Factory.[4]

Zuaiter leitete die regionale Ausbildungsabteilung bei der Royal Film Commission in Jordanien und ist seit 2021 Leiterin der Filmprogrammauswahl beim Amman International Film Festival.[5] Daneben unterrichtet sie als Adjunct Professor seit 2019 Visuelle Kompetenz, Medienproduktion und Geschichte des Dokumentarfilms an der School of Communication der American University und lehrte von 2020 bis 2021 Filmproduktion an der Cathy Hughes School of Communications der Howard University.[6]

Zuaiter ist verheiratet[7] und hat eine Tochter und einen Sohn, die auch kurz im Film Yalla Parkour vorkommen.[8]

Werk

In ihren Filmen beschäftigt sich Areeb Zuaiter mit Fragen kultureller Identität, dem Begriff der Heimat und deren Ausdruck in der Kunst.[1]

Ihr Debütfilm war der Kurzspielfilm Stained. Er entstand nach dem Ende ihres Studiums und gewann den Preis der Jury beim Europäischen Filmfestival im Libanon.[9] Ihr Kurz-Dokumentarfilm Colors of Resistance wurde 2019 bei den London Independent Film Awards als Bester Kurz-Dokumentarfilm ausgezeichnet.[10] Darin befasste sie sich mit Fragen des Überlebens und der Existenz im Kriegs- und Krisengebiet Palästina. Sie porträtiert darin fünf Künstler, einen Maler, einen Komiker, einen Dichter, einen Hip-Hop-Künstler und eine Sängerin, die über ihre Kunst in den Austausch darüber treten, wer sie sind und woher sie kommen. Es geht vordergründig darum, wie sie ihre Identität mit künstlerischen Mitteln zum Ausdruck bringen, ihr Gefühl von Zugehörigkeit zu einem Ort, einem Land, das Identität und Zugehörigkeit verwehrt. Genau wie in Yalla Parkour fließen persönliche Erinnerungen der Filmemacherin an ihre Mutter in den Film ein.[11]

Yalla Parkour aus dem Jahr 2024 war ihr erster abendfüllender Dokumentarfilm.[12] Er feierte seine Weltpremiere beim US-Dokumentarfilmfestival Doc NYC, hatte seine europäische Erstaufführung im Rahmen der 75. Internationalen Filmfestspiele Berlin und wurde nachfolgend unter anderem beim DOK.fest München gezeigt.[13] Darin verarbeitete sie Filmmaterial von Ahmed Matar, das ein Jahrzehnt Parkour-Trainings der Gruppe Gaza Parcour dokumentiert. Seine Videos zeigen, wie palästinensische Jugendliche mit Parkour sich den öffentlichen Raum aneignen – ein Raum, der von Ruinen des schwelenden Konfliktes mit Israel dominiert wird.[14] Areeb Zuaiter trat per Videokonferenz in einen Austausch mit Matar und verknüpfte im Film seine Erfahrungen mit eigenen Reflexionen über die Heimat ihrer Mutter und ihre Kindheit. Der Film erhielt zusätzliche Inspirationen von einem Besuch Zuaiters in Gaza im Jahr 2023, nachdem ihre Mutter gestorben war.[12] Bei einem Publikumsgespräch im Rahmen der Berlinale 2025 verglich Zuaiter die Lage in Gaza mit den Zuständen in einem Konzentrationslager, was nachfolgend als unangemessen kritisiert wurde.[15]

Filmografie (Auswahl)

  • 2004: Stained (Kurzspielfilm)
  • 2013: Colors of Resistance (Kurzdokumentarfilm)
  • 2014: Disconnected
  • 2017: From Beneath the Earth
  • 2020: Voices from Exile (Dokuserie, Produktion)
  • 2025: One last Wish (Kurzspielfilm)
  • 2025: Yalla Parkour (Dokumentarfilm)

Preise

  • 2013: Al Ard Film Festival Cagliari, Jury-Preis für den Kurz-Dokumentarfilm Colors of Resistance
  • 2014: Bester Kurz-Dokumentarfilm des Arab Film Festival San Francisco für Colors of Resistance[16]
  • 2015: AFAC – Arab Fund for Arts and Culture Filmförderpreis für das Dokumentarfilmprojekt From Beneath the Earth
  • 2018: Förderstipendium des Doha Film Institute für die Recherche zu einem Dokumentarfilm
  • 2019: Bester Kurz-Dokumentarfilm, London Independent Film Awards für Colors of Resistance
  • 2020: Visiting Artist Award der Penny W. Stamps School of Art & Design der University of Michigan für ihre Arbeit im Bereich soziales Storytelling und Dokumentarfilm
  • 2024: Bester Internationaler Dokumentarfilm beim US-Dokumentarfilmfestival Doc NYC[17]
  • 2025: 2. Platz beim Panorama Publikumspreis in der Kategorie Dokumentarfilm der 75. Internationalen Filmfestspiele Berlin 2025[18]
  • 2025: Firebird Award beim Hong Kong International Film Festival[19]
Commons: Areeb Zuaiter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Delinda C. Hanley: Arab American Women, True Excellence in Our Midst. In: wrmea.org – Washington Report on Middle East Affairs. 29. Januar 2020, abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  2. Colors of Resistance. In: filmfreeway.com. Abgerufen am 8. Mai 2025 (englisch).
  3. Areeb Zuaiter. In: affr.nl. Architecture Film Festival Rotterdam, 7. Oktober 2025, abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  4. Adjunct Instructor. In: american.edu. American University Washington D. C., abgerufen am 18. Mai 2025 (englisch).
  5. Areeb Zuaiter – Head of Programming. In: aiff.jo. Amman International Film Festival, abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  6. Cinematic Portfolio. In: areebzuaiter.com. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  7. Gregg W. Morris, Murtada Elfadi: YALLA PARKOUR Directed by Award Winning Filmmaker Areeb Zuaiter Is a Sublime Story Telling Memoir That Will Have Audiences Wincing, Fidgeting, Gasping in Their SeatsA Must-See Ever There Was One. In: hunterword.com. 8. Dezember 2025, abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  8. Natalia Keogan: “We Need to Keep Working, Otherwise Our Voices Will Be Buried and Unheard.”: Areeb Zuaiter on Her Gaza-Set DOC NYC World Premiere Yalla Parkour. In: filmmakermagazine.com. 16. November 2024, abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  9. Yalla Parkour. In: berlinale.de. Internationale Filmfestspiele Berlin, abgerufen am 11. Dezember 2025.
  10. London Independent Film Awards (2019). In: imdb.com. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (deutsch).
  11. René Wildangel: Am Anfang stand ein Lächeln. In: qantara.de. Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa), 20. Februar 2025, abgerufen am 11. Dezember 2025.
  12. a b Samantha Bergeson: ‘Yalla Parkour’ Trailer: Gazan Youth Athletes Practice Parkour with a Palestinian Spirit. In: IndieWire. 4. November 2024, abgerufen am 11. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  13. Yalla Parkour. In: dokfest-muenchen.de. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
  14. Leila Alder: «Der Film kann an Festivals auf der ganzen Welt reisen, während die Menschen in Gaza gefangen sind» – Areeb Zuaiter im Interview. In: Akutmag. 23. Mai 2025, abgerufen am 11. Dezember 2025.
  15. Gabriel Medrea: Schon wieder Israel-Hass bei der Berlinale. In: bz-berlin.de. 20. Februar 2025, abgerufen am 11. Dezember 2025.
  16. Festivals. In: colorsofresistance.com. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  17. Samantha Bergeson: DOC NYC 2024 Awards: ‘Yalla Parkour,’ ‘Stone Mountain,’ and More Among Winners. In: IndieWire. 25. November 2024, abgerufen am 11. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  18. Pressemitteilung: Berlinale 2025 – Die Panorama Publikums-Preise gehen an Sorda von Eva Libertad und Die Möllner Briefe von Martina Priessner. In: berlinale.de. Internationale Filmfestspiele Berlin, 22. Februar 2002, abgerufen am 12. Mai 2025.
  19. HKIFF49 Announces Winners of Firebird Awards and Fipresci Prize. In: hkiff.org.hk. 20. April 2025, abgerufen am 12. Mai 2025 (englisch).