Archivo Histórico Nacional
| Archivo Histórico Nacional (AHN) | |
|---|---|
Hauptfassade des Archivs | |
| Archivtyp | Staatsarchiv |
| Ort | Madrid |
| Besucheradresse | Calle Serano 115 |
| Gründung | 28. März 1866 |
| Laufzeit des Archivguts | 9. Jh-heute |
| Träger | Ministerio de Cultura y Deporte (Spanisches Kulturministerium) |
| Leitung | Juan Ramón Romero Fernández-Pacheco |
| Webseite | Offizielle Website |
Archivo Histórico Nacional (kurz: AHN, deutsch: Nationales Historisches Archiv Spaniens) ist das zentrale historische Archiv des spanischen Staates mit Sitz in Madrid. Es wurde am 28. März 1866 durch ein königliches Dekret gegründet und gilt als eines der bedeutendsten Staatsarchive der Welt. Zweck der Institution ist die Sammlung, Bewahrung und wissenschaftliche Erschließung der historischen Dokumente spanischer Behörden, kirchlicher Orden, Adelsarchive sowie zahlreicher privater Sammlungen.
Geschichte
Die Entstehung des Archivs steht im Zusammenhang mit den tiefgreifenden Reformen des 19. Jahrhunderts in Spanien. Durch die sogenannten Desamortización-Gesetze wurden zwischen 1835 und 1837 die Besitztümer und Archive der kirchlichen Orden verstaatlicht und der staatlichen Verwaltung übergeben.[1]
Das Archivo Histórico Nacional wurde am 28. März 1866 durch ein Königliches Dekret gegründet, veröffentlicht in der Gaceta de Madrid vom 31. März 1866.[2][3] Zunächst war das Archiv in der Real Academia de la Historia (Königliche Akademie für Geschichte) untergebracht, in deren Räumen sich bereits zahlreiche Akten aus kirchlichen und staatlichen Quellen befanden. Der ursprüngliche Zweck bestand darin, „die Dokumente der aufgelösten kirchlichen Institutionen zu sammeln und zu ordnen“.[4]
Erweiterung und Professionalisierung (1896–1908)
1896 erfolgte die Verlegung des Archivs in den Palacio de Bibliotecas y Museos in Madrid. Unter der Leitung des Archivars und damaligen Leiters Vicente Vignau Ballester begann eine Phase der Konsolidierung, in der Bestände aus verschiedenen Ministerien zusammengeführt wurden. Bis zu Vignaus Ruhestand im Jahr 1908 wuchs der Bestand auf über 80.000 Akteneinheiten an, und das AHN wurde zu einer zentralen nationalen Dokumentationseinrichtung Spaniens.[1]
Im Jahr 1910 wurde die Abteilung der Spanischen Inquisition aus dem Archivo General de Simancas sowie das Catastro de Ensenada eingegliedert. Dadurch erweiterte sich der Aufgabenbereich erheblich, und das AHN entwickelte sich zu einem Sammelzentrum für historische Dokumente staatlicher Provenienz.[1]
Neubau und Modernisierung (1953–heute)
Nach einem Brand in der Außenstelle Alcalá de Henares, bei dem zahlreiche archivierte Materialien verloren gingen, wurde 1953 ein eigens für archivische Zwecke errichtetes Gebäude in der Calle Serrano 115 eröffnet. Der Neubau, entworfen von Manuel Chumillas, wurde am 13. Oktober 1953 offiziell eingeweiht und ist bis heute der Hauptsitz des Archivs.[4]
Das moderne Gebäude im Stil des Escorial verfügt über acht Ebenen mit einer Lagerkapazität von rund 175 Kilometern Regalen, was etwa 40.000 Quadratmeter Fläche umfasst.[1]
Seit den 1970er Jahren erfolgt eine fortlaufende Digitalisierung. Über das Portal de Archivos Españoles (PARES) werden digitalisierte Bestände der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[1][4]
Bestände und Organisation
Die Archivbestände sind in vier Hauptbereiche gegliedert:
- Staatsverwaltung: Dokumente staatlicher Behörden (13.–20. Jahrhundert), u. a. Consejos Suprimidos (aufgelöste Räte), Estado, Juros (Zinsdokumente), Inquisitionsakten und zeitgenössische Verwaltungsunterlagen.
- Institutionelle Bestände: Materialien öffentlicher Körperschaften, Bildungseinrichtungen und Behörden.
- Private Bestände: Nachlässe und Archive von Regularklerikern und Weltklerus (9.–20. Jahrhundert), u. a. Tombo de Toxos Outos; der Mesta (mittelalterliche Viehwirtschaftsorganisation), Adelsfamilien und privater Stiftungen.
- Sammlungen: Siegelkunde, Handschriften, Kartulare und Kodizes (10.–19. Jahrhundert).
Außenstellen des AHN sind u. a. das Archivo General de la Guerra Civil Española in Salamanca und das Archivo Histórico de la Nobleza im Hospital de Tavera in Toledo.
Leitung
Bekannte Direktoren des Archivs waren:
- Vicente Vignau Ballester (1896–1908)
- Juan Ramón Romero Fernández-Pacheco (seit 2018)
Bedeutung
Das Archivo Histórico Nacional zählt zu den größten Archiven der Welt, neben dem Nationalarchiv Frankreichs, dem Österreichischen Staatsarchiv in Wien und der amerikanischen National Archives and Records Administration. Es gilt als eines der zentralen Gedächtnisinstrumente Spaniens und spielt eine wichtige Rolle in der europäischen Archivlandschaft.
Siehe auch
Literatur
- Archivo Histórico Nacional: Guía. Ministerio de Cultura y Deporte, Madrid 1991. OCLC 23027298.
- Francisco Rodríguez Marín: Archivo Histórico Nacional. Guia histórica y descriptiva de los archivos, bibliotecas y museos arqueológicos de España (in Spanish). Madrid: Tipografia de la Revista de archivos, bibliotecas y museos. pp. 3 ff., 1916
- Die Biblioteca Nacional in Madrid. In: Renate García y Mas, Bibliotheca Ibero-Americana, Band 20, Colloquium Verlag, Berlin 1975.
Weblinks
- Offizielle Website des AHN (spanisch)
- Portal de Archivos Españoles (PARES)
- P. Ruiz Torres: El Archivo Histórico Nacional y los orígenes del medievalismo español (1866–1955), Madrid 2002