Arboretum Bílá Lhota

Das Arboretum Bílá Lhota ist ein Arboretum in der tschechischen Gemeinde Bílá Lhota im Bezirk Olomouc in Mittelmähren.[1]

Lage und Pflanzenbestand

Das Arboretum befindet sich im Schlosspark von Bílá Lhota und erstreckt sich nördlich des Schlossgebäudes über eine Fläche von rund drei Hektar. Ein Bach durchzieht das Gelände und schafft ein günstiges Mikroklima.

Neben in Tschechien heimischen Laub- und Nadelgehölzen wachsen hier auch seltene europäische und außereuropäische Arten. Insgesamt sind etwa 300 Arten von Laub-, Nadel- und immergrünen Gehölzen aus Südeuropa (hauptsächlich Balkan), Nordamerika (USA, Kanada) und Asien (Japan, China, Korea, Sibirien) vertreten.[2] Den Hauptbestand bilden Eichen, Buchen, Ahorne, Linden und Birken sowie Lebensbäume, Fichten, Zypressen, Kiefern und Douglasien.[2]

Geschichte

In Bílá Lhota wurde bereits Mitte des 15. Jahrhunderts eine Festung urkundlich erwähnt. Diese Festung wurde im 16. Jahrhundert im Renaissancestil zu einem Schloss umgebaut, das allerdings durch spätere Umbauten sein ursprüngliches Aussehen verlor. Der Garten, der Teil der Festung war, wird ebenfalls seit der Mitte des 15. Jahrhunderts erwähnt. Ein Eichenhain um die heutige Reithalle gilt als ältester Teil des Arboretums.

Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis 1840 befanden sich Schloss und Park im Besitz der Familie Speil von Ostheim. Aus dieser Zeit gibt es Berichte über einen beim Schloss vorhandenen Landschaftspark. Eine Tochter des Ritters Ostheim war mit dem Komponisten Conradin Kreutzer, dem Dirigenten der Wiener Staatsoper, verheiratet. Er ließ Erzählungen zufolge sein Klavier unter die jahrhundertealten Eichen im Park stellen und komponierte dort seine Opern.

1870 erwarb ein wohlhabender Mann namens Jan Riedel Schloss und Park. Er ließ den Außenbereich nach seinem Geschmack umgestalten und erweitern. Rings um das Schloss entstand ein „französischer“ Bereich mit einjährigen Blumenbeeten und Palmen in Containern, und der übrige Bereich des Anwesens wurde als englischer Landschaftspark gestaltet.

Den größten Einfluss auf das heutige Erscheinungsbild des Parks hatte Jan Riedels Enkel Quido Riedel (1878–1946), ein Forstwissenschaftler und Dendrologe. Er pflanzte bereits als junger Mann 1898 zahlreiche weitere Bäume und Sträucher und legte 1900 einen Steingarten unter den alten Eichenbäumen an. Nach langjähriger auswärtiger Berufstätigkeit kehrte er 1926 nach Bílá Lhota zurück und gestaltete den Schlosspark nach eigenen Vorstellungen um, insbesondere integrierte er seine Sammlung von seltenen Ziersträuchern und exotischen Baumarten. Ein Renaissance-Portal, das er in Loštice vor dem Abbruch gerettet hatte und als Blickfang im Park aufstellen ließ, zählt heute zu den Attraktionen und ist ein beliebtes Fotomotiv. Von 1938 bis 1940 wurde ein Obstgarten angelegt, der jedoch in strengen Wintern in den 1940er Jahren stark dezimiert wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Besitz der Familie Riedel in staatliches Eigentum über; der Park wurde anschließend wegen Geldmangels vernachlässigt und verwilderte wegen ausbleibender Pflegemaßnahmen stark. Nachdem in den 1960er Jahren Anwohner begonnen hatte, den Park ehrenamtlich zu pflegen, übernahm 1965 das Heimatmuseum in Olomouc (tschechisch Vlastivědné muzeum v Olomouci) die Verwaltung. Es wurden zahlreiche Neupflanzungen durchgeführt und die dendrologische Sammlung wurde erweitert.

1968 wurde der Park als Arboretum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und 1969 zum besonders geschützten Gebiet (tschechisch zvláště chráněné území) erklärt. Heute ist das Arboretum Bílá Lhota als nationales Naturdenkmal (tschechisch Národní přírodní památka) eingestuft.

Nutzung und Besuch

Das Arboretum ist von April bis Oktober zu unterschiedlichen Zeiten öffentlich zugänglich. Es dient Bildungszwecken – die Gehölze sind mit Namensschildern versehen – und ist ein touristisches Ziel in der Region. Ein Rundweg führt zu verschiedenen Stationen im Park, darunter eine Grotte, ein Freiland-Schachspiel, eine Reithalle und mehrere Pavillons.

Zudem finden kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen statt, etwa Filmvorführungen im Rahmen des Sommerkinos oder Malworkshops; auch Trauungen sind möglich.[3]

Literatur

  • Magda Bábková Hrochová: Arboretum Bílá Lhota. Olmütz 2006, ISBN 80-85037-43-2.
Commons: Arboretum Bílá Lhota – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Vlasta Šetelová: Botanische Gärten. SPN, Prag 1977, S. 52–58.
  2. a b Druhová skladba dřevin [Artenzusammensetzung der Baumarten]. In: arboretumbilalhota.cz. Abgerufen am 24. November 2025 (tschechisch, mit Lageplan und Gehölzliste (beides herunterladbar)).
  3. Arboretum Bílá Lhota. In: arboretumbilalhota.cz. Abgerufen am 24. November 2025 (tschechisch).

Koordinaten: 49° 42′ 36,3″ N, 16° 58′ 35,1″ O