Arbeiterstandbild (Hannover)
Das Arbeiterstandbild, auch als Hammermann bezeichnet, steht vor dem Werksgelände des früheren Maschinenbauunternehmens Hanomag in Hannover. Es wurde 1941 vom Bildhauer Georg Herting im Sinne der vom NS-Regime propagierten Deutschen Kunst geschaffen.
Die denkmalgeschützte Statue aus Muschelkalk steht an der vierspurigen Göttinger Straße neben dem ehemaligen Haupttor der Hanomag. Der dahinter liegende frühere Produktions- und Verwaltungstrakt wurde in den Jahren 1939 und 1940 von Emil Rudolf Mewes erbaut. Die Kolossalstatue sollte die Monumentalwirkung des Gebäudetrakts unterstreichen.[1]
Die Statue ist die überlebensgroße Darstellung eines Industriearbeiters. Die Figur hält mit der linken Hand einen großen Hammer und stützt die rechte Hand in der Hüfte auf. Der muskulöse Oberkörper und die Arme sind unbekleidet. Der untere Körperbereich ist ab der Brust mit einem schürzenartiges Kleidungsstück bedeckt, das von einem Riemen zusammengehalten wird und Schutzkleidung darstellen könnte.
Das Standbild stellt den „Arbeiter“ heroisierend als Bezwinger der Elemente dar. Diese überhöhte Darstellung der Arbeiterklasse steht im krassen Widerspruch zu den tatsächlichen politischen Verhältnissen in der Zeit des Nationalsozialismus.[2]
Das Arbeiterstandbild zeigt eine heroische Körperlichkeit, klare Konturen sowie demonstrative Stärke und entspricht damit dem Monumentalstil der NS-Zeit. Es glorifiziert „ehrliche“ körperliche Arbeit, was im Nationalsozialismus ein ideologisch aufgeladenes und propagandistisch genutztes Motiv war.[3]
Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten britische Truppen im Juni 1945 das Werksgelände der Hanomag und demontierten Anlagen. Sie wollten auch das Arbeiterstandbild nach England bringen, in dem sie den besiegten deutschen Herkules sahen. Mitarbeiter der Hanomag verhinderten dies, in dem sie die bereits in drei Teile zerlegte und in Kisten verpackte Statue im Bauhof auf dem Hanomag-Werksgelände versteckten. Zwei Jahre nach Abzug der britischen Truppen kam das Standbild zurück an seinen ursprünglichen Aufstellungsort.[4]
Literatur
- Wolfgang Neß (Bearb.): Stadt Hannover, Teil 2. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Band 10.2.) Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig / Wiesbaden 1985, S. 151 (Online)
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Robin Beck: Der Lindener „Hammermann“ als Arbeiterdenkmal für die Hanomag in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 22. Juli 2025
- ↑ Siehe Literatur: Wolfgang Neß (Bearb.): Stadt Hannover, Teil 2. S. 151
- ↑ Der „Hammermann“ von Linden-Süd bei punkt-linden.de
- ↑ Herbert Nolte: Mit Anhängern aus Trümmern. In: Horst-Dieter Görg (Hrsg.): Pulsschlag eines Werkes. 160 Jahre Hanomag. Mundschenk-Verlag, Soltau 1998. S. 36–39.
Koordinaten: 52° 21′ 31,5″ N, 9° 42′ 56,8″ O