Arachnandra drepanocarpa
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Arachnandra drepanocarpa | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name der Gattung | ||||||||||||
| Arachnandra | ||||||||||||
| Barfuss, Leme & W.Till | ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name der Art | ||||||||||||
| Arachnandra drepanocarpa | ||||||||||||
| (Baker) Barfuss & W.Till |
Arachnandra drepanocarpa (Syn.: Vriesea drepanocarpa (Baker) Mez) ist die einzige Art der Pflanzengattung Arachnandra innerhalb der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae).[1][2] Sie ist in Brasilien verbreitet.[1]
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Arachnandra drepanocarpa wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht eine Wuchshöhe von 35 bis 100 Zentimetern.[2]
Bei dieser Trichterbromelie sind 16 bis 20 Laubblätter in einer dichten Blattrosette angeordnet. Die parallelnervigen Laubblätter sind in Blattscheide und -spreite gegliedert. Die grüne bis purpurfarben-rote, relativ dünne Blattscheide ist bei einer Länge von 5 bis 6,5 Zentimetern sowie einer Breite von 3,5 bis 4,5 Zentimetern elliptisch und auf beiden Seiten dicht sowie unauffällig mit hell-braunen Saugschuppen bedeckt. Die einfache, grüne bis rötlich-purpurfarbene, relativ dünne Blattspreite ist bei einer Länge von 11 bis 25 Zentimetern sowie einer Breite von 1 bis 1,8 Zentimetern schmal-lanzettlich und an ihre Basis nicht verschmälert, das obere Ende ist zugespitzt. Die Blattspreite ist hauptsächlich auf der Unterseite spärlich sowie unauffällig mit weißen Saugschuppen bedeckt bis kahl.[2]
Generative Merkmale
Der aufrechte, grüne, kahle, bei einem Durchmesser von 2 bis 4 Millimetern schlanke Blütenstandsschaft 18 bis 35 Zentimeter lang.[2] Von den Hochblätter am Blütenstandsschaft sind die unteren den Laubblättern ähnlich und die oberen nur den Laubblättern fast ähnlich und bei einer Länge von 6 bis 10 Zentimetern sowie einer Breite von 0,6 bis 0,8 Zentimetern schmal-lanzettlich mit zugespitztem obere Ende. Diese verkahlenden, grünen bis rötlich-purpurfarbenen Hochblätter sind aufrecht, außer die obersten, die nur fast aufrecht sind; sie umhüllen die Basis des Blütenstandsschaftes und sind mindestens so lang wie die Internodien.[2]
Der aufrechte, zusammengesetzte, schlanke, zylindrische, ährig-traubige Blütenstand ist aus wenigen unauffälligen Teilblütenständen zusammengesetzt und 13 bis 60 Zentimeter lang. Die primären Tragblätter sind grün, kahl und bei einer Länge von 3,5 bis 8 Millimetern sowie einer Breite von 0,6 bis 0,8 Millimetern länger als die Verzweigungen und schmal-lanzettlich mit zugespitzt-geschwänztem oberen Ende; sie sind aufrecht außer den zurückgekrümmten am oberen Ende. Die drei bis zehn Seitenäste sind 1,5 bis 5 Zentimeter lang und aufrecht; sie enthalten nur bis zu vier Blüten.[2] Die grünen, kahlen Blütenstandsachsen sind bei einem Durchmesser von 1 bis 1,5 Millimetern schlank mit 5 bis 8 Millimeter langen Internodien. Die grünen, häutigen Deckblätter sind gekielt, bei einer Länge von 8 bis 10 Millimetern sowie einer Breite von 5 bis 5,5 Millimetern deutlich kürzer als die Kelchblätter, dreieckig mit spitzem oberen Ende; es sind nur schwach Nerven erkennbar. Die Blüten sind von der Blütenstandsachse mehr oder weniger abstehend und locker angeordnet. Der unauffällige, grüne, kahle Blütenstiel weist am oberen Ende einen Durchmesser vor 4 bis 5 Millimetern auf und ist etwa 3 Millimeter lang.[2]
Die tags über geöffneten, stark duftenden,[2] zwittrigen Blüten sind dreizählig mit doppelter Blütenhülle.[2] Die drei nur an ihre Basis für 5 bis 7 Millimeter verwachsenen, fast gleichen, kahlen, grünen Kelchblätter sind bei einer Länge von 15 bis 15,5 Millimetern sowie einer Breite von 4,5 bis 5,5 Millimetern 3,8- bis 4,6-mal länger als breit, lanzettlich mit zugespitztem oberen Ende und überlappen sich dachziegelartig; sie sind nicht gekielt und außer an ihrer dickeren Basis dünn.[2] Die drei freien, weißen Kronblätter sind an ihrer Basis verwachsen und mit ausgebreiteten Kronblättern bei einer Länge von 27 bis 30 Millimetern spatelförmig, ab der Mitte ihrer Länge sind die drei Kronlappen ausgebreitet bis zu zurückgekrümmt und während der Anthese sind die oberen Ende manchmal nach innen gebogen und bilden dann eine offene fächerförmig Blütenkrone. An der Basis auf der Innenseite der Kronblätter befinden sich zwei linealische bis schmal-lanzettliche Schuppen (Ligulae), die nur mit der Basis der Kronblätter verwachsen sind und lang-zugespitzt oder unregelmäßig zweigabelig mit zwei 9 bis 10 Millimeter langen sowie etwa 1 Millimeter breiten Anhängseln enden.[2] Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblätter vorhanden, die kürzere als die Blütenkronblätter sind, aber diese überragen wenn sie ausgebreitet sind; während der Anthese sind die Staubblätter sternförmig ausgebreitet, biegen sich über die Kronblätter und wirken wie eine „Spinne“. Die weißen, stielrunden Staubfäden sind mit der Basis der Kronblätter verwachsen, darüber frei. Die bei einer Länge von 3 bis 4 Millimetern linealischen Staubbeutel sind schon an ihrer Basis deutlich zweiteilig und am oberen Ende bespitzt. Das Konnektiv ist freiliegend und nicht von den Rändern der Pollensäcke bedeckt.[2] Die Pollenkörner sind bei einem Durchmesser von etwa 55 μm (an der längsten Achse) fast kugelförmig, sulcat mit breitem Sulcus.[2] Drei Fruchtblätter sind zu einem fast vollständig oberständigen oder höchstens 1/8 unterständigen Fruchtknoten verwachsen mit vollständig unterständiger Plazentation. Die Samenanlagen sind kurz geschwänzt.[2] Der Griffel ist kürzer als die Kronblätter und etwa so lang wie die Staubblätter. Die weiße Narbe ist längsgefaltet und die etwa 3 Millimeter langen Narbenflächen sind zurückgekrümmt ausgebreitet sowie dicht papillös.[2]
Die bei einer Länge von 32 bis 37 Millimetern fast zylindrische, schlanke, schnabelförmige Kapselfrucht öffnet sich scheidewandspaltig = septizid. Samen sind inklusive der Flughaare 17 bis 22 Millimeter lang, wobei die basalen, schirmartigen, gefiederten Flughaare vielfach länger sind als das Samenkorn und die Flughaare am oberen Ende des Samenkorns sind unscheinbar, ungeteilt, gerade sowie 0,5 bis 1 Millimeter lang.[2]
Vorkommen
Arachnandra drepanocarpa kommt in den brasilianischen Bundesstaaten Santa Catarina, Paraná, São Paulo, Rio de Janeiro, Espírito Santo, Minas Gerais sowie Bahia vor.[1][3]
Arachnandra drepanocarpa gedeiht epiphytisch in kleinen bis großen Gruppen an den unteren Bereichen von dünneren Baumexemplaren sowie an Ästen im Unterholz von gut geschützten Waldfragmenten des Atlantischen Regenwaldes in Höhenlagen von 0 bis 1100 Metern.[1]
Systematik
Die Erstbeschreibung erfolgte 1888 unter dem Namen (Basionym) Tillandsia drepanocarpa durch John Gilbert Baker in Journal of Botany, Volume 26, S. 41. Das Artepitheton drepanocarpa setzt sich aus den Wörtern drepane / drepanon δρεπάνη / δρέπανον für „Sichel“ und karpos καρπός für „Frucht“ zusammen. Sie war bis 2025 eine Art der Gattung Vriesea. Die Neukombination zu Arachnandra drepanocarpa (Baker) Barfuss, Leme & W.Till wurde 2025 durch Elton M. C. Leme, Walter Till, Heidemarie Halbritter und Michael H. J. Barfuss in Phytotaxa, Volume 279, S. 42 veröffentlicht und damit die Gattung Arachnandra aufgestellt. Der Gattungsname Arachnandra setzt sich aus den altgriechischen Wörtern Arachné für „Spinne“ und andra für „Mann“ zusammen, das bezieht sich auf die spinnenförmige Anordnung der Staubblätter auf der Blütenkrone. Weitere Synonyme für Arachnandra drepanocarpa (Baker) Barfuss, Leme & W.Till sind: Vriesea dusenii L.B.Sm., Tillandsia pabstiana E.Pereira.[1]
Arachnandra drepanocarpa ist die einzige Art der monotypischen Gattung Arachnandra aus der Untertribus Vrieseinae der Tribus Vrieseeae in der Unterfamilie Tillandsioideae innerhalb der Familie der Bromeliaceae.[1][2] Die neue Gattung Arachnandra unterscheidet sich ökologisch und morphologisch deutlich von allen anderen Gattungen der Unterfamilie Tillandsioideae in seiner Merkmalskombination der Kelchblätter, der Kronschuppen, der Form der Blütenkrone, der Lage der Staubblätter, der Pollen, der Narbe und der basalen und apikalen Samenanhängsel. Phylogenetische Unterschiede wurden bei der DNA-Sequenzanalyse deutlich. Monophyletisch ist die Untertribus Vrieseinae erst wenn Arachnandra drepanocarpa die Schwesterposition zu Vriesea s. str. einnimmt und mit Vriesea zusammen mit Arachnandra die Schwestergruppe zu Stigmatodon ist, diese drei Gattungen bilden zusammen die Schwestergruppe zur Klade, die Alcantarea sowie Waltillia enthält.[2]
Quellen
Literatur
- Elton M. C. Leme, Walter Till, Heidemarie Halbritter, Michael H. J. Barfuss: Arachnandra, a new monotypic genus in Tillandsioideae (Bromeliaceae) from the Atlantic Forest in Brazil. In: Phytotaxa, Volume 693, Issue 1, März 2025, S. 1–32. doi:10.11646/phytotaxa.693.1.1
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Eric J. Gouda, Derek Butcher, Kees Gouda: Encyclopaedia of Bromeliads, Version 5, 2013. In „Species Index“ oder „synonyms“ auf Arachnandra drepanocarpa klicken zuletzt eingesehen am 26. Dezember 2025
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p q r Elton M. C. Leme, Walter Till, Heidemarie Halbritter, Michael H. J. Barfuss: Arachnandra, a new monotypic genus in Tillandsioideae (Bromeliaceae) from the Atlantic Forest in Brazil. In: Phytotaxa, Volume 693, Issue 1, März 2025, S. 1–32. doi:10.11646/phytotaxa.693.1.1
- ↑ Datenblatt von Vriesea drepanocarpa (Baker) Mez bei Flora do Brasil, 2020, des Jardim Botânico do Rio de Janeiro mit Verbreitung in Brasilien.