Apfelbaum Bellingrathstraße 1
Der Apfelbaum Bellingrathstraße 1 ist ein als Einzelgehölz ausgewiesenes Naturdenkmal (ND 58) in Tolkewitz im Dresdner Stadtbezirk Blasewitz. Der Kulturapfel der Sorte Blenheim (Malus domestica Bork. ‘Blenheim’) befindet sich neben dem östlichen Giebel des Eckgebäudes Bellingrathstraße 1 auf einem privaten Grundstück. Mit einer Höhe von etwa 12 Metern, einem Kronendurchmesser von etwa 14 Metern und einem Stammumfang von 2,25 Metern stellt er ein weit überdurchschnittlich großes Exemplar dieser Art dar, das zum Zeitpunkt der Unterschutzstellung das größte im Stadtgebiet von Dresden war und nur im Stammumfang durch einen weitgehend abgestorbenen Baum im Stadtteil Söbrigen übertroffen wurde.[1][2]
Geschichte
Die im 18. Jahrhundert als Zufallssämling in der Nähe von Blenheim Palace in der englischen Grafschaft Oxfordshire gefundene Art fand ab dem frühen 19. Jahrhundert wegen des Geschmacks, der Wüchsigkeit und des Ertragsreichtums eine weite Verbreitung. Wann der Baum in der Bellingrathstraße gepflanzt wurde, ist unbekannt. Das Umweltamt der Stadt Dresden ging 2006 davon aus, dass der Baum etwa 80 Jahre alt war.[3] Das zuvor unbebaute Areal der Bellingrathstraße war im ausgehenden 19. Jahrhundert im Besitz der Sächsischen Grund- und Hypothekenbank. Diese veranlasste 1898 die ersten Erschließungsarbeiten, sodass die Bebauung des Grundstücks Bellingrathstraße 1 und des Nachbargebäudes mit den Nummern 3 und 5 um die Jahrhundertwende erfolgte.[4] Beide Gebäude sind als Kulturdenkmale ausgewiesen.[5]
Der Baum hatte über die Jahrzehnte einen guten Wuchs, was einen Mieter dazu veranlasste, die Rinde großflächig zu entfernen, weil er sich durch die vielen Früchte und das Laub gestört fühlte. Die Sorte ist sehr widerstandsfähig, wodurch der Baum diesen erheblichen Eingriff überstehen konnte.[2]
Im Zuge eines Bauantrags erhielt das Dresdner Grünflächenamt Kenntnis über diesen außergewöhnlichen Baum, der für den Bau einer Zufahrt zu einer geplanten Tiefgarage gefällt werden sollte. Wegen seiner besonderen Ausprägung und Eigenart, seiner Seltenheit sowie aus kulturhistorischen und gehölzkundlichen Gründen erließ die Landeshauptstadt Dresden als Untere Naturschutzbehörde am 11. Mai 1998 einen Bescheid zur Unterschutzstellung des Apfelbaums. Der Schutzbereich erstreckt sich auf den gesamten Kronentraufbereich zuzüglich 3 Metern im Umkreis, eingeschränkt durch die bestehenden Fundamente des Hauses und der Einfriedung. Damit einher ging die Baumpflege in den städtischen Aufgabenbereich über.[1][2]
Im Jahr 2012 wurde mit dem Apfelbaum Schafsnase in Bühlau ein weiterer Kulturapfel als Naturdenkmal ausgewiesen.
Fußnoten
- ↑ a b Bescheid Ausweisung des Apfelbaumes auf dem Grundstück Bellingrathstr. 1 in Dresden, Flst. 113, Gemarkung Tolkewitz als Naturdenkmal, Grünflächenamt, Landeshauptstadt Dresden, 11. Mai 1998 (online als PDF; 2 MB).
- ↑ a b c Kurzdokumentation Schutzgebiete nach Naturschutzrecht. In: Themenstadtplan Dresden. Abgerufen am 2. Dezember 2025.
- ↑ Naturdenkmale in Dresden: Von unseren Urgroßeltern gepflanzt. (PDF; 0,4 MB) Poster. Umweltamt, Landeshauptstadt Dresden, 2006, abgerufen am 2. Dezember 2025.
- ↑ Lars Herrmann: Straßen und Plätze in Tolkewitz: Bellingrathstraße. In: dresdner-stadtteile.info. Abgerufen am 2. Dezember 2025.
- ↑ Bellingrathstraße 1 (PDF, inklusive Kartenausschnitt) und Bellingrathstraße 3, 5 (PDF, inklusive Kartenausschnitt).
Weblinks
- Apfelbaum Bellingrathstraße 1 im Themenstadtplan Dresden
- Bäume als Naturdenkmalgehölze (ND) auf treedd.de, unter anderem mit Fotos des Apfelbaums
Koordinaten: 51° 2′ 0,4″ N, 13° 49′ 27,8″ O