Antoniterhof Kleinbasel
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| Die Lage der Kleinbasler Antoniterniederlassung auf einer Karte der Stadt Basel von um 1650 (nicht genordet!, nach Merian, 1654[1]). |
Der Antoniterhof Kleinbasel war eine Niederlassung des Antoniterordens im Stadtteil Kleinbasel der Stadt Basel (Schweiz). 1462 kaufte die Generalpräzeptorei Freiburg einen Wirtschaftshof im rechtsrheinischen Stadtviertel Kleinbasel. Diese Niederlassung hatte innerhalb der Ordenshierarchie aber nie den Rang einer selbständigen (von einem Präzeptor, also einem Klostervorsteher geleiteten) Präzeptorei, sondern war direkt der Generalpräzeptorei in Freiburg unterstellt. Um 1480 wurde auf dem Areal auch eine Kapelle erbaut. 1545 wurde sie an einen Basler Bürger verkauft.
Auf der linksrheinischen Seite von Basel und nordwestlich schon ausserhalb der Mauern gelegen, existierte bereits seit Beginn des 13. Jahrhunderts eine Niederlassung der Antoniter, die der Generalpräzeptorei Isenheim unterstellt war, so dass es für mehrere Jahrzehnte zwei Antoniterniederlassungen mit zwei Antoniterkapellen in Basel gab, die verschiedenen Generalpräzeptoreien des Antoniterordens unterstanden.
Lage
Der Antoniterhof der Generalpräzeptorei Freiburg lag auf einem Areal zwischen der heutigen Utengasse und der Rheingasse, etwa im Bereich Rheingasse 39 bis 43. Von den Gebäuden haben sich oberirdisch keine Reste erhalten. Die Kapelle war dem Hl. Antonius dem Grossen geweiht.
Geschichte
1453 war Eberhard von Hiltalingen gestorben, und sein Ziegelhof in Kleinbasel, zwischen der Utengasse und der Rheingasse gelegen, fiel nun an Rudolf von Ramstein. Dieser schenkte den Hof 1457 der Kirchenfabrik des Basler Münsters. Der Hof bestand aus einem vorderen Haus und drei hinteren Häusern, zwischen denen ein Garten lag. Die Kirchenfabrik hatte für den Hof wohl keine Verwendung und verkaufte ihn für 300 Goldgulden an den Freiburger Generalpräzeptor Antoine Lyasse. Am 14. April 1462 wurde der Kaufvertrag vor dem Basler Offizial abgeschlossen. Der Generalpräzeptor des Costentzer bistumb und Ordensvikar Antoine Lyasse hatte seinen Vertreter, den Ordensbruder Antoine de la Faye, mit allen Vollmachten ausgestattet. Die Bezahlung sollte wie folgt erfolgen: eine erste Rate von 100 Gulden war zum 11. November 1462 fällig, die restliche Summe sollte in jährlichen Raten von 50 Gulden an den jeweiligen Osterfesten der kommenden vier Jahre erfolgen. Der Kauf sollte also bis Ostern 1466 abgeschlossen sein. Generalpräzeptor Antoine Lyasse nahm diese Ratenzahlung jedoch nicht in Anspruch, sondern bezahlte die 300 Gulden nur vier Tage später in toto. Im Kaufvertrag war ausserdem festgehalten, dass der Orden auf dem Areal ohne weitere Genehmigung eine Kapelle zu Ehren des Hl. Antonius errichten durfte, sofern dies der Bischof von Konstanz erlaubte. Nach Adalbert Mischlewski zeigt dieser Passus, dass der Generalpräzeptor hier nicht nur ein einfaches Terminierhaus errichten wollte, sondern eine grössere Niederlassung. 1464 erwarb der Freiburger Generalpräzeptor das Basler Bürgerrecht für seine Niederlassung.
1480 kam eine Abmachung mit dem Leutpriester der dem Domstift inkorporierten St. Theodor-Kirche in Kleinbasel und dem Generalpräzeptor über die Feier des Patroziniums (17. Januar) und den Weihetag der Kapelle (21. Dezember) zustande, die natürlich bedeutet, dass in diesem Jahr (oder kurz davor) die Kapelle fertig gestellt worden war.
Mit dem Bau der Kapelle wurde vermutlich der Basler Baumeister Jakob Sarbach beauftragt. Mischlewski vermutet, dass es keine kleine Kapelle, sondern ein aufwändig gestaltetes Gebäude war. Von dem Gebäude hat sich lediglich ein 90 × 50 cm grosses Sandsteinrelief mit dem Wappen des Antoine Lysse erhalten, das sich jetzt im Historischen Museum in Basel befindet. Antoine Lyasse resignierte 1483 das Amt des Generalpräzeptors und zog sich in seine Heimat zurück. Er bekam jedoch weiterhin aus dem Einkommen der Generalpräzeptorei eine Pension von 100 Gulden. Sein Neffe Robert Lyasse folgte ihm im Amt des Generalpräzeptors nach.
Die Freiburger Generalpräzeptorei kam unter ihm bald in finanzielle Schwierigkeiten, die vielleicht noch vom Bau der Kapelle herrührten, also Schulden, die ihm sein Vorgänger im Amt hinterlassen hatte. Vielleicht war auch die Pension für den Vorgänger nur schwer zu stemmen, oder Robert Lyasse führte einen zu aufwändigen Lebensstil. Die genauen Ursachen lassen sich nicht mehr feststellen. 1494 suchte jedenfalls der Basler Rat um Amtshilfe beim Rat der Stadt Freiburg nach. Der Rat sollte dafür sorgen, dass der Antoniter-Generalpräzeptor von Freiburg und auch etliche andere Freiburger Bürger ihre Schulden bei den Kleinbaslern Bürgern begleichen sollten. Vermutlich hatte der Bau der Kapelle und/oder deren Ausschmückung auch weitere Kosten verursacht. Anscheinend hatte der Brief nicht die gewünschte Wirkung, d. h. die Schulden wurden wohl nicht beglichen. Als 1520 Robert Lyasse auf die Präzeptorei verzichtete und kurze Zeit später mit Claude Lyasse ein weiteres Mitglied der Lyasse-Familie das Amt des Generalpräzeptors in Freiburg übernahm, nutzten die Kleinbasler Bürger die Übergangszeit, drangen in den Antoniterhof ein und beschlagnahmten die Mobilien zur Schuldentilgung. Die finanzielle Situation des neuen Generalpräzeptors Claude Lyasse verschlechterte sich rapide. Die Sammlungen brachten immer weniger ein, und er musste immer weitere Schulden machen. 1521 bat die Stadt Freiburg sogar um Unterstützung beim Mutterkloster in Saint-Antoine-l’Abbaye. 1527 musste Lyasse schliesslich das Antoniterhaus in Konstanz verkaufen. Vermutlich in diese Zeit fällt auch die Veräusserung des Kleinbasler Ordenshauses an Johann Zechen Vorfar weit unter Wert (um ein klein gellt). Die Art der Veräusserung ist nicht bekannt; jedenfalls blieb das Areal im Eigentum des Ordens. Im selben Jahr verstarb Claude Lyasse nach längerer Krankheit.
Der Niedergang des Antoniterordens zeigte sich nun auch darin, dass von Ordensseite kein Nachfolger für das Amt des Generalpräzeptors mehr ernannt wurde bzw. dass sich wohl kein Ordensbruder bereit fand, das Amt zu übernehmen. Die vorderösterreichische Regierung in Ensisheim bestellte nun den Benediktiner und Prior von St. Ulrich und Propst von Sölden Rudolf Ecklin zum Administrator des Freiburger Hauses. Dieser stellte fest, dass das Antoniterhaus in Kleinbasel von Claude Lyasse ohne Erlaubnis des Abtes verkauft worden war. Ecklin bemühte sich 1530 um die Rückgängigmachung des ungesetzlichen Verkaufs, was ihm jedoch nicht gelang. Allerdings wurde nun auch die Stadt Basel wegen eines baufälligen Hauses auf dem Areal des Antoniterhofes aktiv. Das Basler Baugericht verlangte nun von Ecklin innerhalb einer gesetzten Frist, dass er das baufällige Haus reparieren solle, andernfalls würde das Baugericht Abhilfe schaffen. Ecklin erlangte einen Aufschub, aber wie die Sache schliesslich geregelt wurde, ist nicht aktenkundig. Nach dem Tod von Ecklin 1541 übernahm der Rat der Stadt Freiburg direkt die Verwaltung des Antoniterhauses in Freiburg und bemühte sich 1543 erneut um den Rückkauf der unrechtmässig veräusserten Besitztitel in Kleinbasel. Bei einem zweiten Versuch 1544 gelang schliesslich der Rückkauf, nachdem die bisherige Basler Besitzerin gestorben war.
Am 4. März 1545 verkaufte nun die Stadt Freiburg, als Schutz- und Schirmherrin des Freiburger Antoniterhauses den Kleinbasler Besitz, auch Tennger hoff genannt, für 400 Gulden an den Basler Onophrion Holzach. Die letzte Rate dieses Kaufs wurde am 11. November 1550 pünktlich bezahlt. Das war das endgültige Ende der Kleinbasler Antoniterniederlassung.
Literatur
- Elsanne Gilomen-Schenkel: Basel (Kleinbasel). In: Anne-Marie Courtieu-Capt, Kaspar Elm, Veronika Feller-Vest, Elsanne Gilomen-Schenkel, Adalbert Mischlewski. Kathrin Utz Tremp, Josef Zwicker (Bearb.): Helvetia Sacra Abteilung IV, Band 4 Die Antoniter, die Chorherren vom Heiligen Grab in Jerusalem und die Hospitaliter vom Heiligen Geist in der Schweiz, S. 86–90, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel & Frankfurt/Main, 1996, ISBN 3-7190-1512-2
- Adalbert Mischlewski: Der Antoniterhof in Kleinbasel. Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, 81: 25–40, Basel, 1981 Online bei ETH Zürich E-Periodica
- Adalbert Mischlewski: Die Generalpräzeptoreien für die Niederlassungen in der Schweiz. In: Anne-Marie Courtieu-Capt, Kaspar Elm, Veronika Feller-Vest, Elsanne Gilomen-Schenkel, Adalbert Mischlewski. Kathrin Utz Tremp, Josef Zwicker (Bearb.): Helvetia Sacra Abteilung IV, Band 4 Die Antoniter, die Chorherren vom Heiligen Grab in Jerusalem und die Hospitaliter vom Heiligen Geist in der Schweiz, S. 53–75, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel & Frankfurt/Main, 1996, ISBN 3-7190-1512-2
Einzelnachweise
- ↑ Martin Zeiller: Basel. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Helvetiae, Rhaetiae et Valesiae (= Topographia Germaniae. Band 1). 2. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1654, S. T34 (Bildtafel [Wikisource]).
Koordinaten: 47° 33′ 35″ N, 7° 35′ 34,2″ O; CH1903: 611606 / 267678