Antoniterhof Grossbasel
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| Die Lage des Antoniterhauses Großbasel auf einer Karte der Stadt Basel von um 1650 (nicht genordet!, nach Merian, 1654[1]). |
Der Antoniterhof Grossbasel war eine Niederlassung des Antoniterordens in der St. Johannsvorstadt in Basel (Schweiz). Sie entstand wohl Anfang des 13. Jahrhunderts, hatte innerhalb der Ordenshierarchie aber nie den Rang einer selbständigen Präzeptorei, sondern war direkt der Generalpräzeptorei in Isenheim unterstellt. Zu einem nicht genauer zu bestimmenden Zeitpunkt nach 1534 (und vor 1571) wurde das Haus mit allem Zubehör an Privatleute verkauft.
1462 kaufte die Generalpräzeptorei Freiburg einen Wirtschaftshof im rechtsrheinischen Stadtviertel Kleinbasel der Stadt Basel, sodass es mehrere Jahrzehnte zwei Antoniterniederlassungen mit zwei Antoniterkapellen in Basel gab, die verschiedenen Generalpräzeptoreien des Antoniterordens unterstanden.
Lage
Die Niederlassung der Antonitergeneralpräzeptorei Isenheim lag linksrheinisch in der St. Johannsvorstadt in Basel. Die Lage wird beschrieben als gegenüber der Niederlassung der Johanniter. Die Johanniterkommende lag bei der Gründung ca. 300 m nordwestlich vor der ummauerten Altstadt von Basel an der Straße nach Mülhausen dicht am Rhein. Erst bei der Stadterweiterung von 1361/88 wurde das Areal der Johanniterkommende in den Mauerring miteinbezogen. Dies würde heissen, dass das Antoniterhaus ebenfalls in der St. Johannsvorstadt lag, vermutlich auch an dieser Ausfallstrasse, und wäre vermutlich ebenfalls bei der Stadterweiterung in den Mauerring miteinbezogen worden. Weder von der Johanniterniederlassung noch von der Antoniterniederlassung haben sich oberirdisch Reste erhalten, sodass deren genaue Lage unklar bleibt. Die Kapelle der Antoniterniederlassung war dem Hl. Antonius dem Grossen geweiht.
Geschichte
Die Geschichte dieser Niederlassung ist urkundlich sehr schlecht belegt. Eine erste, direkte urkundliche Nennung (domus seu curia ... dicta ze isenheim) liegt erst von 1332 vor. Nach wenig späteren Nennungen bestand die Niederlassung aus einem Wirtschaftshof mit Garten, einem Spital und einer Kapelle. Hinzu kamen Zinseinnahmen aus einer umfangreichen Schenkung von 1461. Es handelte sich um eine nicht-selbständige Niederlassung, die direkt der Generalpräzeptorei Isenheim unterstellt war. Die Generalpräzeptorei Isenheim hatte als Terminierbezirke die Bistümer Basel, Strassburg, Speyer, Worms, Würzburg und Bamberg.
Die Antoniterniederlassung in Kleinbasel, also die zweite Antoniterniederlassung in Basel, wurde 1462 von der Generalpräzeptorei Freiburg eingerichtet. Kleinbasel gehörte zum Bistum Konstanz, das zum Terminierbezirk der Generalpräzeptorei Freiburg gehörte.
Die linksrheinische Antoniterniederlassung der Generalpräzeptorei Isenheim vor den Toren der Altstadt von Basel (Grossbasel) muss jedoch deutlich älter sein als die erste urkundliche Nennung. Nach den Anfang des 13. Jahrhunderts verfassten Annales Colmarienses et Basileenses, die von Philipp Jaffé editiert wurden,[2] besassen die Johanniter zwei Kapellen in Basel, die von einem Johanniterpriester versorgt wurden. Wenn nötig, sollte ein Antoniter-Spitalbruder namens Gall... beim Gottesdienst aushelfen. Dies setzt eine permanente Antoniterniederlassung in unmittelbarer Nähe der Johanniterkommende voraus. Die Bezeichnung Spitalbruder lässt darauf schliessen, dass die Niederlassung in erster Linie ein Spital war.
1297 widerrief der Basler Bischof Peter von Aspelt alle Sammelprivilegien in seiner Diözese mit Ausnahme der Sammelprivilege der Basler Kathedralkirche und der Antoniter. 1304 schränkte dieser Bischof aber auch das Sammelprivileg der Antoniter insofern etwas ein, dass sie nicht mehr in der Vorhalle des Basler Münsters und in den angrenzenden Strassen sammeln durften. Da diese urkundlichen Belege sich in erster Linie auf die Sammeltätigkeit der Antoniter in der Diözese Basel beziehen, sind sie kein Beleg für die Niederlassung in Grossbasel, sondern eher ein Beleg für die Generalpräzeptorei Isenheim, die erst im letzten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts eingerichtet wurde. Auch die Generalpräzeptorei Freiburg entstand wohl erst in den letzten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts. Wie der Antoniterorden in der Nordschweiz, im Elsass und in Südwestdeutschland vor der Gründung dieser beiden Generalpräzeptoreien organisiert war, ist urkundlich nicht mehr zu klären.[3]
Am 5. Januar 1332 erhielt der Isenheimer Generalpräzeptor Guichard de Pusignan von Heinrich von Eptingen Haus und Hof genannt ze Isenhein, gelegen in der Vorstadt vor dem Kreuztor gegen einen Jahreszins von 12 Schilling zu einem Erblehen. Die Antoniter waren zu dieser Zeit schon länger hier ansässig, denn ihr Haus und Hof war namengebend geworden und drückt deutlich die Unterordnung zur Isenheimer Generalpräzeptorei aus. Im 14. und 15. Jahrhundert änderte sich der Name zu Tönierhof oder ze Sant Anthonien. 1364 verlieh der Rat der Stadt Basel dem Isenheimer Präzeptor Johannes de Varey und seinem Ordenshaus das Basler Bürgerrecht. 1432 wurde der Isenheimer Präzeptor Hugues de Baumont als Vertreter von Abt Jean de Polley von Saint-Antoine für das Konzil von Basel nominiert. Er wird dabei als preceptor S. Anthonii Basiliensis bezeichnet. Ob damit nun die Diözese Basel oder das Haus in Großbasel gemeint ist, lässt sich nicht entscheiden.
Dass die Antoniter in Großbasel ein Spital unterhielten, wird durch eine Urkunde von 1458 belegt. Darin geht es um die Hinterlassenschaft der Else Pröbstlin, einer nach einer Amputation im Spital verstorbenen Frau. Nach der Aussage des Ehemannes hatte er seine Frau in ein kürzlich neu gestiftetes Spital im Basler Antoniterhof gebracht, nachdem sie am Antoniusfeuer erkrankt war und ihr eine Hand amputiert werden musste. Üblicherweise blieben Kranke nach einer Amputation als Pfründner im Spital gegen die Verschreibung ihrer Hinterlassenschaft. Dies war aber unterblieben, da der Isenheimer Präzeptor auf Reisen war und die Pfründnerregelung nicht rechtzeitig vorgenommen hatte. Die Frau war vor seiner Rückkehr verstorben. Dies zeigt auch, dass kein anderes befugtes Leitungspersonal in der Basler Niederlassung vorhanden war. Die Zahl der im Haus lebenden Pfründner ist unklar, vermutlich dürften drei in der Urkunde mit Zeugenaussagen genannte Frauen Pfründnerinnen gewesen sein.
Dass sich an der direkten Unterstellung der Basler Niederlassung unter die Generalpräzeptorei Isenheim auch in den nächsten Jahrzehnten nichts geändert hatte, wird auch durch ein Zinsverzeichnis von 1488 bestätigt, das der Isenheimer Präzeptor Jean d’Orlier anfertigen liess. In der Reformationszeit wurde die Basler Niederlassung durch Schaffner verwaltet. Wilhelm Spuel verwaltete das Amt von 1527 bis 1532, danach amtete Hans Brassel 1534 und 1535.
Die Antoniterkapelle
In der zugehörigen Kapelle besorgte ein Kaplan die Gottesdienste. Die Namen von zwei Kaplänen sind überliefert. Johannes Burkardi aus Moutier-Grandval ist von 1437 bis zu seinem Tod 1471 nachgewiesen; der Kaplan Johannes Rosetti ist nur ein einziges Mal in einer Urkunde von 1488 genannt.
1451 suchte der Isenheimer Generalpräzeptorie Jean Bertonneau an der Kurie in Rom um einen Ablass für die Antoniterkapelle nach. 1462 wird in einem Statut des St. Petersstift in Basel auch die Antoniterkapelle erwähnt.
In der Basler Kartäuserchronik findet sich noch eine typisch reformatorisch-propagandistische Nachricht über die Antoniterkapelle. Die Frau eines lutherisch gesinnten Ratsherrn soll auf die Kanzel der Antoniterkapelle gestiegen und spottweise zu den Altgläubigen gepredigt haben. Am Ende soll sie ihren eigenen Urin als Weihwasser auf die Altgläubigen gespritzt haben. Die Strafe folgte nicht lange danach; die Hand, mit der sie das Weihwasser ausgeteilt hatte, wurde lahm und ihr Mann wurde aus dem Rat verstossen und aller Ehren für verlustig erklärt.[4]
Besitz
Der Basler Schneider Nicolaus Brandenburg schenkte 1461 dem (Gross-)Basler Antoniterhaus umfangreiche Güter bzw. genauer Zinsen in Magstatt-le-Bas und Jettingen. Die Zinsen und die Zinspflichtigen sind im bereits erwähnten Zinsverzeichnis von 1488 genau aufgeführt. Diese Zinseinnahmen aus Magstatt-le-Bas und Jettingen waren 1534 fast noch genau in derselben Höhe abzuliefern wie 1534 aus der Abrechnung des Schaffners Wilhelm Spuel hervorgeht. Vermutlich wurde im Garten des Antoniterhauses auch Wein angebaut.
Das Ende des Antoniterhauses
Wie lange nach 1534 Schaffner Hans Brassel das Haus noch verwaltet hat, ist nicht bekannt. Auch wann genau der Besitz veräussert wurde, ist nicht dokumentiert. Der Wirtschaftshof war aber auf jeden Fall schon vor 1571 verkauft worden, denn in diesem Jahr wurde Haus und Hof Sant Anthonien dem damaligen Besitzer Michael Rappenberger gepfändet. Er war aber schon der zweite Besitzer, sodass der Verkauf schon geraume Zeit vor 1571 erfolgt sein könnte.
Literatur
- Elsanne Gilomen-Schenkel: Basel (Grossbasel). In: Anne-Marie Courtieu-Capt, Kaspar Elm, Veronika Feller-Vest, Elsanne Gilomen-Schenkel, Adalbert Mischlewski. Kathrin Utz Tremp, Josef Zwicker (Bearb.): Helvetia Sacra Abteilung IV, Band 4 Die Antoniter, die Chorherren vom Heiligen Grab in Jerusalem und die Hospitaliter vom Heiligen Geist in der Schweiz, S. 77–85, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel & Frankfurt/Main, 1996 ISBN 3-7190-1512-2
Einzelnachweise
- ↑ Martin Zeiller: Basel. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Helvetiae, Rhaetiae et Valesiae (= Topographia Germaniae. Band 1). 2. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1654, S. T34 (Bildtafel [Wikisource]).
- ↑ Philipp Jaffé: Annales Colmarienses, Basileenses, Chronicon Colmariense. In: Monumenta Germaniae Historica Scriptorum, 17: 183–187, 1861 Online bei Monumenta Germaniae Historica
- ↑ Adalbert Mischlewski: Der Antoniterhof in Kleinbasel.ETH E-Periodica
- ↑ Wilhelm Vischer und Alfred Stern (Hrsg.): Basler Chroniken. Die Chronik des Fridolin Ryff 1514–1541, mit der Fortsetzung des Peter Ryff 1543–1585. Die Chroniken des Karthäuser Klosters in Klein-Basel 1401–1532. Verlag S. Hirzel, Leipzig, 1872 Online bei archive.org, hier S. 489.
Koordinaten: 47° 33′ 49,8″ N, 7° 35′ 1,2″ O; CH1903: 610916 / 268135