Antal II. Esterházy von Galántha

Fürst Antal II. Esterházy von Galántha (* 27. Dezember 1936 in Wien; † 22. September 2025)[1] war das Oberhaupt der ungarischen Magnatenfamilie Esterházy und wurde als Fürst Esterházy de Galantha geführt; vollständig: Fürst Anton II. Rudolf Esterházy de Galántha. Er stammte in direkter Linie vom ungarischen Palatin Nikolaus (Miklós) Esterházy, dem Begründer der fraknóer Linie des Hauses, ab.[2] Historische Zentren der Familie waren Kismarton (Eisenstadt) und Fraknó (Forchtenstein), später Eszterháza (Fertőd).[3] Bereits im 18. Jahrhundert zählte die Familie zu den größten Grundbesitzern Europas; ihr Privatvermögen galt zeitweise als eines der bedeutendsten im Habsburgerreich.[4]

Leben

Seinen Vater, Antal Esterházy, verlor er 1944 im Alter von acht Jahren.[5] Gegen Kriegsende musste er gemeinsam mit seiner Mutter, Gabriella Apponyi, das Land verlassen. Nach Jahren bei den Piaristen in Ungarn setzte er seine Ausbildung in Österreich bei den Jesuiten fort; 1951 kam er nach Belgien und legte 1955 das Abitur auf Französisch ab. Neben seiner ungarischen Muttersprache sprach er fließend Deutsch, Englisch und Französisch. Anschließend erwarb er an der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven) Abschlüsse in Volkswirtschaft und Ingenieurwissenschaften.[3]

Während der Ungarischen Revolution von 1956 half er als Student im Malteser Hilfsdienst ungarischen Flüchtlingen. Seine berufliche Laufbahn begann bei einer belgischen Bank; danach war er für ein US-amerikanisches multinationales Unternehmen tätig. Berufsbedingt reiste er viel, bereiste unter anderem Australien und die Vereinigten Staaten und lebte mehrere Jahre in Singapur. Zur Zeit der politischen Wende kehrte er zunächst nach Budapest zurück, um die Verbindung zu den in Ungarn lebenden Familienmitgliedern zu intensivieren; in den 1990er Jahren zog er endgültig in die Heimat zurück und pflegte zugleich enge Beziehungen nach Kismarton (Eisenstadt).[6]

In der Familie Esterházy wurde der Titel des „erblichen Erstgeborenenfürsten“ nach dem Prinzip der Primogenitur vererbt. Der Fürstenrang wurde 1687 bestätigt, seit 1712 galt, dass ihn jeweils der älteste männliche Erbe führte.[3] Da Paul V. Esterházy de Galantha 1989 ohne Sohn verstarb, ging der Rang den Regeln zufolge auf seinen Neffen Antal Esterházy über.[7] Die Stellung des Familienoberhauptes stand Antal zu; über das Vermögen verfügte jedoch Pauls Witwe, Melinda Ottrubay (Melinda Esterházy), im Rahmen eines Witwen-Nießbrauchs. Zwischen 1994 und 2004 gliederte sie die Esterházy-Güter in drei Privatstiftungen; 1996 wurde die Fürst Esterházy’sche Privatstiftung Schloss Eisenstadt gegründet, deren Begünstigter Anton II. Esterházy und seine Familie wurde.[8] Die Stiftung, die später in F.E. Familienprivatstiftung umbenannt wurde,[9] ist bis heute Eigentümerin des Schlosses Esterházy in Eisenstadt und verwaltet einen Grundbesitz von rund 28.725 Hektar.[10] Die operative Führung lag seit 2001 bei der neu gegründeten Esterhazy Betriebe GmbH,[11] die ab 2002 von Stefan Ottrubay geleitet wurde.[12]

Antal Esterházy bemängelte, dass ihm neben Titel und Repräsentationspflichten kein tatsächlicher Einfluss auf Vermögensfragen zustand. Aufgrund von Differenzen über Vermögensverwaltung und Erbpräsentation zog er sich aus der Leitung der Privatstiftungen zurück; 2004 kehrte er – auf Einladung – lediglich als Schirmherr und Ehrenpatron zum Schloss Fertőd zurück. Zu diesem Zeitpunkt lag die Steuerung der Stiftungen vollständig in den Händen eines professionellen Managements; ihm verblieb eine ausschließlich repräsentative Rolle.[13]

Nach dem Bruch verbrachte er eine seiner prägenden Lebensphasen in Fertőd, im Schloss Esterházy, wo er auf Einladung des ungarischen Staates eine Suite erhielt.

Wirken

Er spielte eine prägende Rolle im Leben des Schlosses Esterházy in Fertőd: Als Organisator und Gastgeber unterstützte er Konzerte, historische Vorträge und Gemeinschaftsprogramme;[14] sein öffentliches Wirken zielte auf die Stärkung der zeitgenössischen kulturellen Rolle des Schlossensembles.[5]

Kulturelles Patronat und Haydn-Tradition

Joseph Haydn war über drei Jahrzehnte Kapellmeister am Esterházy-Hof in Eszterháza und begründete mit seinem monumentalen Œuvre sowie der Hofmusikkultur jene Tradition, auf die das Haydneum – Ungarisches Zentrum für Alte Musik – aufbaute.[14] Als Hauptschirmherr des Zentrums unterstützte Antal Esterházy dessen Programme und war regelmäßig bei den Konzerten in Fertőd anwesend.[5]

Privates

Seine erste Ehe schloss er mit Ursula König; später lebte er mit Swetlana Nikolajewna Bardadim zusammen.[15] Im Jahr 2013 heiratete er Svetlana Bardadim.[16]

Sein einziges Kind ist Pál-Antal (Paul-Anton Nikolaus Maximilian Prinz Esterházy von Galántha), Unternehmer und Gründer der Duftmarke Estoras.[17][18]

Sein Enkel Miklós Johann Cedric Maria wurde 2023 geboren,[19] sein Enkel László Clemens Maximilian Maria 2025.[20]

Antal II. Esterházy von Galantha starb am 22. September 2025 im Alter von 88 Jahren.[1]

Die Beerdigung von Antal II. Esterházy fand am 5. Oktober 2025 in Fertőd statt. Im Namen der ungarischen Regierung und des Ministerpräsidenten hielt Staatssekretär Tristan Azbej die Trauerrede. Er betonte, dass Esterházy „sein Leben der Pflege des Geistes des ungarischen Kulturerbes – insbesondere des Schlosses Fertőd – gewidmet habe“ und dass „seine Weisheit, Menschlichkeit und Demut für uns alle ein Vorbild bleiben werden“.[21]

Auszeichnungen und Ehrungen

  • Magyar Érdemrend lovagkeresztje – für seine Verdienste um die Vermittlung der ungarischen Kultur.[22]
  • Ehrenbürger der Stadt Fertőd.
  • Ehrenbürger der Stadt Galánta | Ma7, August 2023.[19]
  • Cziráky Margit-díj (Bagatell Alapítvány életműdíja) | Volksgruppen+1, 2010.
  • Ehrenbürger der Gemeinde Ozora.

Einzelnachweise

  1. a b Eszterháza-központ - Eszterháza-központ. Archiviert vom Original am 22. September 2025; abgerufen am 2. Oktober 2025 (ungarisch).
  2. Esterházy Family | Hungarian Aristocrats & Music Patrons | Britannica. Abgerufen am 1. Oktober 2025 (englisch).
  3. a b c S. Freudensprung-Schöll: Anton Esterhazy gestorben. 23. September 2025, abgerufen am 1. Oktober 2025.
  4. The Esterházy Palace. Abgerufen am 1. Oktober 2025 (englisch).
  5. a b c Elhunyt Esterházy II. Antal herceg, Fidelio, 23. September 2025
  6. Meghalt Esterházy Antal. 22. September 2025, abgerufen am 1. Oktober 2025 (ungarisch).
  7. Esterhazy Foundations commemorate 25 years. Abgerufen am 1. Oktober 2025 (englisch).
  8. Burgenländischer Forstverein: Exkursionsführer, 17. Mai 2000. In: Forstverein. Burgenländischer Forstverein, 17. Mai 2000, abgerufen am 13. Oktober 2025.
  9. F.E. Familien-Privatstiftung Eisenstadt (144716v) - Firmenbuch. Abgerufen am 13. Oktober 2025.
  10. ANNO, Burgenländische Freiheit, 1996-09-18, Seite 8. Abgerufen am 13. Oktober 2025.
  11. Die Esterhazy - Betriebe, auf atlas-burgenland.at
  12. Georg Markus: Die Esterhazys: Machtkämpfe und Intrigen über Jahrhunderte. 23. Januar 2019, abgerufen am 1. Oktober 2025.
  13. Viszály az Esterházy-házban. 17. Oktober 2002, abgerufen am 1. Oktober 2025 (ungarisch).
  14. a b Gyászol Fertőd, elhunyt az Esterházy-család egyik tagja. 22. September 2025, abgerufen am 1. Oktober 2025 (ungarisch).
  15. The Current Prince Esterházy von Galántha And His Family. In: EURO HISTORY. 22. Oktober 2023, abgerufen am 1. Oktober 2025 (englisch).
  16. Orsi, Dani, Édua, Marci és Bálint családi oldala: Herceg Esterhazy Antal és Svetlana esküvője... In: Orsi, Dani, Édua, Marci és Bálint családi oldala. 25. Dezember 2013, abgerufen am 1. November 2025.
  17. Barta Lóránt: Meghalt Esterházy II. Antal herceg. 22. September 2025, abgerufen am 1. Oktober 2025 (ungarisch).
  18. About Us. In: Estoras. Abgerufen am 1. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
  19. a b Galánta és Fertőd gyászolja II. Esterházy Antal herceget, a közvetlen és emberséges arisztokratát | ma7.sk. Abgerufen am 1. Oktober 2025 (ungarisch).
  20. Pfarreiengemeinschaft Neuburg a. d. Kamel: Kirchenanzeiger vom 13.07.2025 bis 27.07.2025. In: https://bistum-augsburg.de. Bistum Augsburg, 13. Juli 2025, abgerufen am 13. Oktober 2025.
  21. Magyar Nemzet: Fertődön vettek végső búcsút II. Antal hercegtől. 5. Oktober 2025, abgerufen am 7. Oktober 2025 (ungarisch).
  22. Magyar Közlöny, 20. August 2015.