Antoine Marini
Antoine Marini, latinisiert Anthonius Marini de Gratianopoli (* um 1400 in Grenoble, Dauphiné; † nach 1464), war ein humanistischer Universalgelehrter. Ab 1459 stand er als Erfinder und Diplomat in den Diensten des böhmischen Königs Georg von Podiebrad. Unter anderem bereiste Marini die römische Kurie und verschiedene Höfe in Europa, um mit Blick auf die Stabilisierung des Königtums seines Dienstherrn und die „Türkengefahr“ für das politische Projekt eines Bündnisses europäischer Monarchen zu werben.
Leben
Marini arbeitete in verschiedenen Teilen Europas. Im Jahr 1440 wurde er erstmals erwähnt, als er sich als Alchemist mit der Umwandlung von Metall beschäftigte. Wegen Betrugs landete er in einem Gefängnis der Republik Venedig. In deren Diensten trat er als Ingenieur und Erfinder hervor, so entwickelte er ein Windmühlensystem, eine effektive Methode zur Reinigung von Kanälen und Wasserstraßen, eine Vorrichtung zum Zuwasserlassen von Schiffen und zum Transport von Booten gegen die Strömung. Nachdem er eine Weile in Österreich gewirkt hatte, wo er ein Monopol auf den Bau von Kalk- und Ziegelbrennöfen sowie auf den Bau von Mühlen und Staudämmen innehatte, lebte er ab 1459 in Böhmen. Dort wurde er als Leiter einer Behörde für Bergbau und Münzprägung ein enger Berater des Königs Georg von Podiebrad. Dieser setzte ihn auch für diplomatische Missionen ein, so 1461 als Gesandten an die päpstliche Kurie, um die durch Religionskonflikte belasteten Beziehungen seines Dienstherrn zu Pius II. und seine Kardinäle zu verbessern. Schon zu dieser Zeit entstanden Pläne für ein anti-türkisches Bündnis und einen Staatenbund europäischer Monarchen. Davon konnte er den polnischen König Kasimir IV. Andreas und nach Verhandlungen teilweise auch den ungarischen König Matthias Corvinus überzeugen. Seine Verhandlungen mit der Republik Venedig und mit den Diplomaten des französischen Königs Ludwig XI. scheiterten jedoch.[1][2]
Schrift
- De unione Christianorum contra Turcas. 1461.
Literatur
- Ernest Denis: De Antonio Marini et de Bohemiæ ratione politica, eo oratore. Dissertation, 1878.
- Nicolas Jorga: Un auteur de projets de croisades: Antoine Marini. In: Études d’histoire du Moyen Âge. Études dédiées à Gabriel Monod, Alcan, Paris 1896, S. 445–457.
Einzelnachweise
- ↑ Zdeněk Žalud: Antonio Marini z Grenoblu a jeho spisy pro krále Jiřího. Antonio Marini of Grenoble and his treatises for the King George of Podebrady. Online-Biografie im Portal academia.edu, S. 69–76 (Digitalisat)
- ↑ František Šmahel: Antoine Marini de Grenoble et son Mémorandum sur la nécessité d’une alliance anti-turque. In: Martin Nejedlý, Jaroslav Svátek (Hrsg.): La noblesse e la croisade à la fin du Moyen Âge. Toulouse 2015, S. 205–231