Antike Ksur von Ouadane, Chinguetti, Tichitt und Oualata

Antike Ksur von Ouadane, Chinguetti, Tichitt und Oualata
UNESCO-Welterbe


Verzierter Eingang in Oualata
Vertragsstaat(en): Mauretanien Mauretanien
Typ: Kultur
Kriterien: (iii)(iv)(v)
Referenz-Nr.: 750

UNESCO-Region: Arabische Staaten
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1996  (Sitzung 20)

Die antiken Ksur von Ouadane, Chinguetti, Tichitt und Oualata in Mauretanien wurden 1996 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.[1]

Die Städte waren einst blühende Zentren der Sahara-Kultur. Heute ist ihre Existenz durch den Wegfall der historischen Handelsrouten und insbesondere durch die fortschreitende Desertifikation bedroht.

Lage und Beschreibung

Lage der vier Ksur in Mauretanien

Ouadane und Chinguetti befinden sich in der Region Adrar, Tichitt in der Region Tagant und Oualata in der Region Hodh Ech Chargui.

Typisch sind Patiohäuser (Häuser um Innenhöfe), die dicht entlang enger, teils verwinkelter Gassen angeordnet sind und sich um eine Moschee mit quadratischem Minarett gruppieren.[1] Die Bauten bestehen überwiegend aus lokalem Trockenmauerwerk und Lehm. Besonders die Häuser in Oualata zeichnen sich durch kunstvolle, oft weiße geometrische Reliefverzierungen an den rötlichen Lehmfassaden und in den Innenhöfen aus, die traditionell von Frauen angefertigt werden.

Chinguetti gilt lokal als „Siebte Heilige Stadt des Islam“ und ist vor allem durch seine privaten Bibliotheken bekannt. In der Blütezeit der Stadt existierten etwa 30 Bibliotheken.[2] Heute befinden sich noch 13 in Familienbesitz, von denen zwei der Öffentlichkeit zugänglich sind und insgesamt etwa 6.000 arabische Manuskripte beherbergen. Sie umfassen neben dem Koran auch Werke zu Astronomie, Mathematik, Medizin und Rechtswissenschaften, von denen die ältesten bis ins 11. Jh. zurückreichen.[3][4][5]

Geschichte

Die Ksur entstanden im 11. und 12. Jahrhundert als Karawanenstationen des Transsaharahandels, die den Austausch von Waren wie Gold, Salz und Datteln zwischen dem Maghreb und der Sahelzone ermöglichten. Das heute erhaltene Stadtgefüge entwickelte sich vor allem zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert.[1]

Während Oualata als südlicher Endpunkt der Karawanenrouten zeitweise im Einflussbereich des Malireichs lag und 1352 von dem Reisenden Ibn Battuta beschrieben wurde[6], versuchten Portugiesen im 15. Jahrhundert in Ouadane einen Handelsstützpunkt für den Goldhandel zu etablieren.

Bedrohungen und Schutz

Die Ksur sind durch fortschreitende Desertifikation, Sandverwehungen und Klimawandel gefährdet.[1] Während Chinguetti durch Trockenheit und Sandverwehungen bedroht ist, können in Oualata seltene, aber starke Regenfälle traditionelle Lehmhäuser beschädigen.[7][8][9] Die UNESCO fordert ein besseres Management und Schutzmaßnahmen.[1] Trotz dieser Gefährdungen steht die Stätte nicht auf der Liste gefährdeter Welterbestätten.

Schutzinitiativen wie die „Great Green Wall“ zielen auf Aufforstung ab, um Dünen einzudämmen.[7] Für Management und Erhaltung ist eine nationale Stiftung (National Foundation of Ancient Towns) zuständig, unter Aufsicht staatlicher Kulturbehörden.[1]

Seit 1996 stehen die vier Ksur auf der Welterbeliste. Die UNESCO würdigte die Städte als herausragende Beispiele für traditionelle menschliche Siedlungen in einer Wüstenumgebung, die die Interaktion zwischen der nomadischen Kultur und den sesshaften Händlern über Jahrhunderte bewahrt haben.[1]

Commons: Ancient Ksour of Ouadane, Chinguetti, Tichitt and Oualata – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege

  1. a b c d e f g Ancient Ksour of Ouadane, Chinguetti, Tichitt and Oualata. In: UNESCO World Heritage Centre. Abgerufen am 3. Januar 2026 (englisch).
  2. Olga Khrustaleva: Chinguetti: Mauritania’s ancient Saharan city. In: bbc.com. 10. Juli 2020, abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch).
  3. Mauritanian man saves historical libraries from encroaching desert sands – photos. In: Roya TV. 12. November 2025, abgerufen am 3. Januar 2026 (englisch).
  4. Time capsules: Mauritania's precious Chinguetti manuscripts. In: phys.org. 22. März 2023, abgerufen am 3. Januar 2026 (englisch).
  5. Eromo Egbejule: The man on a mission to save Mauritania’s ‘city of libraries’ from encroaching desert sands. In: The Guardian. 12. November 2025, ISSN 0261-3077 (englisch, theguardian.com [abgerufen am 4. Januar 2026]).
  6. Randall L. Pouwels: Ibn Battuta in Africa and Asia. In: Oxford Research Encyclopedia of Asian History. Oxford University Press, 2019, ISBN 978-0-19-027772-7, doi:10.1093/acrefore/9780190277727.013.328 (englisch, oxfordre.com [abgerufen am 4. Januar 2026]).
  7. a b 'Surrounded by an ocean of sand': Desertification pushes ancient city to the brink of oblivion. In: Euronews. 23. Februar 2025, abgerufen am 3. Januar 2026 (englisch).
  8. Sam Metz: This ancient African city is being lost to the swathes of sand in the Sahara. In: The Independent. 1. März 2025, abgerufen am 3. Januar 2026 (englisch).
  9. Eléonore Sens: Ancient town and its manuscripts face ravages of the Sahara. In: phys.org. 27. Mai 2025, abgerufen am 3. Januar 2026 (englisch).