Annie Sinanduku Mwange

Annie Sinanduku Mwange ist eine kongolesische Bergarbeiterin und Bürgerrechtlerin, die eine basisorientierte Bewegung gegen Ungleichheit und sexuelle Belästigung von Frauen im handwerklichen Bergbau der Demokratischen Republik Kongo anführt.[1] Sie steht an der Spitze des landesweiten Réseau national de femmes dans les mines (RENAFEM), das Frauen im Bergbausektor vernetzt und ihre Rechte gegenüber Staat und Unternehmen vertritt.[2]

Leben und Wirken

Mwange lebt und arbeitet in der ostkongolesischen Provinz Maniema, insbesondere in der Bergbaustadt Kailo, wo sie eng mit handwerklich arbeitenden Bergbaugemeinden verbunden ist.[2] Nach dem Zweiten Kongokrieg erlebte sie in diesen Regionen anhaltende Gewalt, Ausbeutung und Kinderarbeit, was sie dazu brachte, sich für strukturelle Verbesserungen im Bergbau einzusetzen.[2] Im Jahr 2010 rief sie in Kailo ein Bildungsprogramm für Waisenkinder ins Leben, stellte dabei fest, dass viele Kinder in den Minen arbeiteten, statt zur Schule zu gehen, und gelangte zu der Einsicht, dass Kinderarbeit nur eingedämmt werden kann, wenn Frauen als zentrale Ernährerinnen bessere Einkommensmöglichkeiten und sicherere Arbeitsbedingungen erhalten.[2] Aus dieser Erfahrung heraus gründete sie eine zivilgesellschaftliche Organisation, welche ein Pilotprogramm mit Schulungen zu Gesundheit, Sicherheit und Rechten von Bergbaufrauen rund um Kailo aufbaute.[2] 2017 wurde sie auf einer von der Weltbank unterstützten Konferenz in Lubumbashi zur Leiterin des Führungsteams des neu gegründeten nationalen Netzwerks RÉNAFEM gewählt, welches die Interessen von Frauen im gesamten Bergbau vertritt.[3]

Als Präsidentin von RÉNAFEM koordiniert Mwange ein Netzwerk, das Frauen aus zahlreichen Bergbauprovinzen organisiert, Missstände wie sexuelle Gewalt und unsichere Arbeitsplätze öffentlich macht und Reformen im Sektor einfordert.[4] Gemeinsam mit ihrer Organisation und internationalen Partnern entwickelt sie Schulungen, in denen Bergbaugemeinden lernen, sexueller Gewalt zu begegnen, Hygiene- und Sicherheitsstandards zu verbessern und die Rechte von Frauen im Sektor durchzusetzen; zugleich wurde die Initiative für einen One World Media Women’s Solutions Reporting Award nominiert.[5] Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist das Mère-boss-Konzept, bei dem Frauen Gruben pachten oder erwerben, Arbeitskräfte anstellen und damit die wirtschaftliche und soziale Machtverteilung in den Minen zugunsten von Frauen verändern.[2] Durch solidarische Kredite und Begleitung gelang es ihrem Netzwerk, zahlreiche Frauen im Osten der DR Kongo zu mère boss zu machen, die eigene Gruben betreiben, andere Frauen beschäftigen und so Einkommen, Sicherheit und Verhandlungsmacht stärken.[2]

Ihre Rolle als Leiterin von RÉNAFEM und als Vordenkerin dieses Konzepts wurde von Weltbank, Medien und internationalen Organisationen hervorgehoben, die sie auch im Rahmen von BBC 100 Women 2024 als eine der einflussreichen Frauen im Globalen Süden würdigten.[3][1][4]

Einzelnachweise

  1. a b BBC 100 Women 2024: Who is on the list this year? In: Women’s Rights in China. Abgerufen am 21. November 2025.
  2. a b c d e f g Rise of the ‘mother boss’: how female miners are taking control in DRC. In: The Guardian. Abgerufen am 21. November 2025.
  3. a b Advocacy for Women’s Rights in DRC’s Mines Gains Momentum. In: World Bank. Abgerufen am 21. November 2025.
  4. a b Annie Sinanduku Mwange : Une voix pour les Femmes dans les Mines en RDC. In: Mining & Business. Abgerufen am 21. November 2025.
  5. Les femmes qui transforment le monde. In: European Investment Bank. Abgerufen am 21. November 2025.