Annie Burton

Annie Louise Burton (* um 1858 nahe Clayton, Alabama; † unbekannt) war eine US-amerikanische Schriftstellerin.[1] Sie wurde durch ihre 1909 in Boston erschienene Autobiografie Memories of Childhood’s Slavery Days bekannt.[2]

Leben

Burton wurde als Versklavte auf einer Plantage in der Nähe von Clayton (Alabama) geboren.[1] Nach ihren eigenen Erinnerungen war ihr Vater ein weißer Plantagenbesitzer aus Liverpool (England), der 1875 in Lewisville (Alabama) starb.[3] Ihre Mutter, die als Köchin im Haushalt der Herrin arbeitete, wurde nach einem Streit ausgepeitscht, floh von der Plantage und kehrte erst nach dem Bürgerkrieg zurück, um 1865 ihre Kinder zu sich zu holen.[3] In ihren Erinnerungen beschreibt Burton die frühe Kindheit – trotz Mangels und Gewalt – wiederholt als „glücklich“ und sorglos.[3] Nach dem Krieg lebte sie zeitweise im Haushalt der Musiklehrerin E. M. Williams in Clayton, lernte lesen und schreiben und arbeitete im Haushalt.[3] Später ging sie in den Norden, lebte im Raum Boston (u. a. Newtonville), schloss sich baptistischen Gemeinden an (Tremont Temple) und besuchte die Franklin Evening School.[3] Im Jahr 1888 heiratete sie Samuel L. Burton; über ihr weiteres Leben und ihr Sterbedatum ist nichts Sicheres bekannt.[1]

Wirken

Im Jahr 1909 veröffentlichte Burton ihre Autobiografie Memories of Childhood’s Slavery Days bei Ross Publishing Company in Boston.[2] Der Text ist heute vollständig in Digitalisaten und als E-Book zugänglich.[3] Die Darstellung unterscheidet sich von vielen anderen Sklavereiberichten, weil Burton Teile ihrer Kindheit als vergleichsweise unbeschwert schildert.[4] Zugleich diskutiert sie Emanzipation und den Übergang von Sklaverei zu Freiheit aus einer weiblichen Perspektive der Nachkriegszeit.[5] In der Franklin Evening School entstand – wie sie berichtet – die Idee zu diesem Buch; Lehrkräfte ermutigten sie zum Schreiben.[3] Die Forschung hat Burtons Erzählen als bewusste Strategie gegen gängige Klischees interpretiert.[6]

Einzelnachweise

  1. a b c Burton, Annie L. In: Encyclopedia.com. Abgerufen am 25. September 2025 (englisch).
  2. a b Memories of childhood's slavery days. In: Library of Congress. 1909, abgerufen am 25. September 2025 (englisch).
  3. a b c d e f g Memories of Childhood's Slavery Days. In: Project Gutenberg. 26. Februar 2006, abgerufen am 25. September 2025 (englisch).
  4. Childhood memories of Annie L. Burton. In: New York Amsterdam News. 26. Januar 2023, abgerufen am 25. September 2025 (englisch).
  5. Memories of Childhood’s Slavery Days (Chapter: Reminiscences), 1909. In: Learning for Justice. Abgerufen am 25. September 2025 (englisch).
  6. Her Refusal to Be Recast(e): Annie Burton's Narrative of Resistance. In: The Southern Literary Journal (via JSTOR). 2004, abgerufen am 25. September 2025 (englisch).