Annett Böhm
| Annett Boehm | |
|---|---|
Annett Böhm, 2007 | |
| Nation | Deutschland |
| Geburtstag | 8. Januar 1980 |
| Geburtsort | Meerane, DDR |
| Größe | 178 cm |
| Beruf | Sportjournalistin |
| Karriere | |
| Graduierung |
6. Dan - Rokudan |
| Verein | Leipziger Sportlöwen e. V. |
| Trainer | Norbert Littkopf |
| Status | zurückgetreten |
| Karriereende | 2009 |
Annett Böhm (* 8. Januar 1980 in Meerane) ist eine ehemalige deutsche Judoka.
Mit sieben Jahren begann Annett Böhm beim PSV Glauchau/Meerane mit dem Judo. Ab 1995 besuchte sie das Sportgymnasium in Leipzig und trainierte am dortigen Olympiastützpunkt.
2009 beendete sie nach 15 Jahren Leistungssport ihre Karriere in der deutschen Nationalmannschaft.
Nach einem Sportstudium an der Universität Leipzig und einem Zweitstudium im Bereich Journalistik war sie freiberuflich als Radio- und Printjournalistin tätig. Seit Mai 2014 ist sie Mitglied im Media Team der Europäischen Judo-Union und kommentiert für die Internationale Judo-Föderation den Live-Broadcast. Die freie Journalistin arbeitet darüber hinaus beim MDR, unter anderem als Sportmoderatorin beim Sachsenspiegel.
Sportlicher Werdegang
| Annett Böhm Medaillenspiegel | ||
|---|---|---|
|
Judo – Frauen bis 70 kg | ||
| Deutschland | ||
| Olympische Spiele | ||
| Bronze | 2004 Athen | –70 kg |
| Weltmeisterschaften | ||
| Bronze | 2003 Ōsaka | –70 kg |
| Junioren-Europameisterschaften | ||
| Silber | 1999 Rom | –70 kg |
| Junioren-Europameisterschaften | ||
| Gold | 1997 Ljubljana | –72 kg |
Ihre ersten Erfolge feierte sie 1997, als sie sich bei den Junioren-Europameisterschaften (JEM) in Ljubljana die Goldmedaille erkämpfte; zwei Jahre später gewann sie Silber.
Im Jahr 2000 wurde sie bei den Europameisterschaften in Breslau fünfte. Ein Jahr später erkämpfte sie sich bei den Deutschen Meisterschaften ihren ersten Meistertitel.
Bei den Judo-Weltmeisterschaften 2003 in Osaka errang Annett Böhm überraschend den dritten Platz. Damit qualifizierte sie sich für die Olympischen Spiele 2004 in Athen.
Bei den Olympischen Spielen erreichte sie mit Siegen über die WM-Fünfte Quin Dongya aus der Volksrepublik China und Catherine Roberge aus Kanada das Halbfinale. Dort unterlag sie der Holländerin Edith Bosch. Im Kampf um Bronze machte Annett Böhm mit der Belgierin Catherine Jacques kurzen Prozess. Nach 38 Sekunden konnte Annett eine Te-Guruma erfolgreich ansetzen und damit den Kampf vorzeitig für sich entscheiden. Sie sicherte sich damit die Bronzemedaille.
Das Jahr 2005 war gekennzeichnet durch mehrere Operationen. Sechs Wochen vor den Judo-Weltmeisterschaften in Kairo (2005) brach sie sich den rechten Mittelfuß. Trotz dieser Verletzung konnte Annett überraschend den fünften Platz erkämpfen.
Das Verletzungspech hielt auch 2006 an. Wegen einer langwierigen Rückenverletzung konnte sie sich nicht für die Teilnahme an den Judo-Europameisterschaften qualifizieren.
Im vorolympischen Jahr gelang Annett Böhm die Qualifikation für die Weltmeisterschaften in Rio de Janeiro (2007). Dort belegte sie den neunten Platz.
2008 konnte Annett Böhm wieder zu ihrer alten Form zurückfinden. Bei den Super World Cups in Paris und Sofia gewann sie jeweils die Bronzemedaille. Damit lag sie in der europäischen Rangliste auf Platz zwei und qualifizierte sich für die Olympischen Spiele 2008 in Peking[1].
Bei den Kämpfen in Peking konnte Annett Böhm die ersten drei Kämpfe vorzeitig mit Ippon für sich entscheiden. Im ersten Kampf gewann sie gegen die Senegalesin Mendy Gisaele mit einem Handwurf (Te-Guruma). Mit einer großen Innensichel (O-Uchi-Gari) besiegte sie im darauf folgenden Kampf Nataliya Smal aus der Ukraine. Das Poolfinale bestritt sie gegen die Spanierin Leire Iglesias. Nach nur wenigen Sekunden gewann Böhm mit einem vollen Punkt (Ippon) durch eine sehenswerte Aushebetechnik (Kata-Guruma).
Damit stand sie im Einzug in das Finale gegen Anaysi Hernandez aus Kuba. Nach einem zu Beginn erzielten Yuko für Tomoe-Nage (Opfertechnik) gelang es Annett Böhm nicht, diese Führung zu halten und unterlag wenig später mit Ippon für einen O-Uchi-Gari (große Innensichel). Im folgenden Kampf um Bronze verlor Böhm mit Yuko (mittlere Wertung) zu Koka (kleine Wertung) gegen die US-Amerikanerin Ronda Rousey.
Damit belegte sie bei den Olympischen Spielen in Peking den fünften Platz und war damit beste deutsche Athletin des Deutschen Judo-Bundes (DJB).
Nach über 15 Jahren Leistungssport beendete Annett Böhm im Herbst 2009 ihre Judokarriere in der deutschen Nationalmannschaft.
Beruflicher Werdegang
Im Oktober 2009 schloss Annett Böhm ihr Journalistikstudium, ein Fernstudium der ILS Hamburg erfolgreich ab.
Nach mehreren Praktika in den Sportredaktionen der Deutschen Presse-Agentur (dpa), des MDR und des ZDF, engagierte sie sich bis Sommer 2010 beim Leipziger Ausbildungssender Radio Mephisto 97.6 als Verantwortliche der Sportredaktion.
Nachdem Annett Böhm als freie Journalistin für verschiedene Zeitungen geschrieben hatte, arbeitete sie ab Januar 2011 ein Jahr lang als Volontärin bei der Leipziger Volkszeitung (LVZ). Von März 2012 bis August 2013 absolvierte sie ein Volontariat beim MDR. Seitdem arbeitet sie als freiberufliche Journalistin für den MDR bei den Redaktionen von Hauptsache gesund und für die Sportredaktion[2]. Von 2016 bis 2018 stand sie im Sachsenspiegel vor der Kamera und moderierte dort neben Almut Rudel und Marc Huster den Sport. MDR Sachsenspiegel: Annett Böhm moderiert Sport. In: FLURFUNK. 17. Dezember 2016 (flurfunk-dresden.de [abgerufen am 22. März 2018]).
Derzeit arbeitet sie für das ARD-Mittagsmagazin, Sport im Osten, Kripo Live sowie das Talkformat Riverboat.
Ehrenamtlich engagiert sie sich im Projekt LieDetector, das an Schulen über Fake News und manipulative Inhalte aufklärt.
Seit Mai 2014 ist sie Mitglied im Media Team der Europäischen Judo-Union und unterstützte die Medienarbeit des Kontinentalverbandes[3]. Seit 2018 gehört sie zum Kommentatoren Team der EJU.
Bereits nach den Olympischen Spielen in Peking hat sie angefangen sporadisch die Live-Übertragungen von internationalen Judo-Turnieren als Expertin zu kommentieren. Seit 2015 gehört sie zu den offiziellen Kommentatoren der Internationalen Judo-Föderation (IJF). Zusammen mit Sheldon Franco-Rooks kommentierte sie IJF-Turniere im Live-Stream.[4]
Auch beim Deutschen Judo-Bund ist sie engagiert. Zusammen mit Sören Starke begleitet sie die deutschen Nationalmannschaften (Senioren und Junioren) medial bei den Wettkampfhöhepunkten. 2018 arbeitete sie erstmals als Kommentatorin für den Sportsender Sport1 und kommentierte den Judo Grand Slam in Düsseldorf.
2015, 2016 und 2017 moderierte sie den Mitteldeutschen Olympiaball zusammen mit Roman Knoblauch[5].
Sie engagierte sich beim Verein concept4sport und leitete dort die Medienschulung für Leipzigs Olympiastarterinnen und Olympiastarter im Vorfeld der Spiele 2012.
Im Jahr 2024 war Annett Böhm als Kommentatorin für die ARD tätig und übernahm während der Olympischen Spiele die fachliche Kommentierung der Wettkämpfe im Judo und im Taekwondo.
Sie ist Mitglied bei den Leipziger Sportlöwen e. V., spielt dort aktiv Mattenprellball und arbeitet seit mehreren Jahren als Judo-Trainerin. Zudem unterstützt sie als Schirmherrin den Förderverein Freunde und Förderer des sächsischen Judo-Sports.[6]
Im November 2025 wurde ihr für ihre Verdienste im deutschen und internationalen Judosport vom Deutschen Judo-Bund der 6. Dan[7] verliehen.
Weblinks
- Wettkampferfolge von Annett Böhm 1995–2009 (PDF 68 kB)
- Meinen Startplatz gebe ich nicht her Zeit.de, 27. März 2008
- Annett Böhm beendet ihre Judo-Karriere Leipziger Volkszeitung, 8. Dezember 2009
- Mikrofon statt Matte: Judoka Annett Böhm wird Sport-Journalistin ( vom 24. Januar 2010 im Internet Archive) Leipziger Internet Zeitung, 9. Dezember 2009
Einzelnachweise
- ↑ Artikel vom DJB – Nominierung zu den Olympischen Spielen 2008 ( vom 6. Juni 2008 im Internet Archive)
- ↑ Interview mit Annett Böhm ( vom 8. Juni 2012 im Internet Archive) mdr.de
- ↑ Media – European Judo Union. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 23. März 2018; abgerufen am 22. März 2018.
- ↑ Judo: Judo Grand-Prix Tbilisi 2015: Day 2 – Final Block. 21. März 2015, abgerufen am 22. März 2018.
- ↑ Radio Leipzig. Abgerufen am 22. März 2018.
- ↑ Website des Förderverein Freunde und Förderer des sächsischen Judo-Sports
- ↑ Detail – Artikel. Zwei Wege seit 1995 – und ein gemeinsamer Moment der Anerkennung. In: Webseite der Leipziger Sportlöwen. Abgerufen am 10. Dezember 2025.