Annelise Abels

Annelise Auguste Abels, auch Annelise Schick-Abels (* 23. Juli 1903 in Berlin; † 14. Oktober 1990 in Großbritannien) war eine deutsch-britische Schriftstellerin, die unter den Pseudonymen „Kurd Hartwin“ und „Ann K. Hartwin“ veröffentlichte.

Leben

Annelise Abels wurde als Tochter von Robert Abels (1874–1949), Disponent bei den chemischen Werken in Berlin, und dessen Frau, der Schriftstellerin und Übersetzerin Lucy Abels (auch Lucy Avellis, 1874–1938) in Berlin geboren. Sie hatte einen älteren Bruder: Oskar Abels (1899–1946), der 1938 in die USA auswanderte und später dort starb. Die Eltern waren jüdischer Herkunft, doch der Vater konvertierte um 1903 zum Christentum.

Annelise Abels trat ab etwa 1929 als Diseuse auf und veröffentlichte 1933 ihren ersten Roman: Die Silberfuchsfarm, den sie unter dem Pseudonym „Kurd Hartwin“ veröffentlichte.[1] Er wurde 1937 auch ins Niederländische übersetzt. Da Annelise Abels als jüdische Kulturschaffende im Deutschen Reich mit Berufsverbot belegt wurde, konnte sie ihre schriftstellerische Laufbahn zunächst nicht weiterführen. Erst nach ihrer Emigration im Mai 1939 nach England aufgrund der zunehmenden Judenverfolgung gelang es ihr wieder, Veröffentlichungen vorzulegen.[2] Es entstanden zunächst eine Reihe von Prosaskizzen, die in der deutschsprachigen Exilpublikation Die Zeitung erschienen. Später wurden einzelne Texte von Annelise Abels auch ins Englische übersetzt. Das britische Einreisevisum verpflichtete Abels indes zur Arbeit als Haushaltshilfe und ließ ihr nur wenig Zeit und Kraft zum Schreiben.[1]

Annelise Abels nahm am 6. Mai 1948 die britische Staatsbürgerschaft an.[3]

Wohl ab den 1950er Jahren lebte Annelise Abels mit der ebenfalls aus Berlin stammenden jüdischen Schauspielerin Charlotte Berg (1908–1982) zusammen. Befreundet war sie über lange Jahre auch mit der Berliner Malerin Gertrude Sandmann (1893–1981).[1] Erst 1978 erschien mit Sandra wieder ein Roman von Annelise Abels, diesmal unter dem Pseudonym „Ann K. Hartwin“. Er wurde im West-Berliner Verlag Coming Out verlegt.

Annelise Abels starb am 14. Oktober 1990 in Großbritannien.

Werke (Auswahl)

unter dem Namen Kurd Hartwin:

  • Die Silberfuchsfarm. Cassirer, Berlin 1933.
  • De zilvervosfarm. Scheltema & Holkema’s Boekhandel, Amsterdam 1937.
  • Thomas finds the answer, and other stories. Translated from the German by Livia Laurent (d. i. Eva Meyerhof, geb. Oppenheim). Nicholson & Watson, London (u. a.) 1948 [enthält die Erzählungen „Thomas finds the answer“, „Emma Mechanske“ und „The last ride“].
  • Spiel im Wald. In: Das Karussel. Literarische Monatsschrift, Kassel 1947 (Jg. 2, Nr. 13), S. 34–42.

unter dem Namen Ann K. Hartwin:

  • „Blitz“-Krieg. In: Die Zeitung, 5. August 1941 (Nr. 125), S. 3.
  • Das Schloss im Walde. In: Die Zeitung, 18. November 1941 (Nr. 215), S. 3.
  • Kraft für alle. In: Die Zeitung, 12. Dezember 1941 (Nr. 236), S. 3.
  • „Der Emigrant im Beruf“: Charwoman. In: Die Zeitung, 29. Dezember 1941 (Nr. 248), S. 3.
  • Thomas findet einen Ausweg (Roman in 19 Teilen). In: Die Zeitung, 31. März 1944 (Nr. 369) und folgende.
  • Heimat in Holland. In: Die Zeitung, 11. Mai 1947 (Nr. 427), S. 7.
  • Sandra. Berlin: Verlag Coming Out, 1978.

Literatur

  • Sabine Puhlfürst: „Mehr als bloße Schwärmerei“. Die Darstellung von Liebesbeziehungen zwischen Mädchen/jungen Frauen im Spiegel der deutschsprachigen Frauenliteratur des 20. Jahrhunderts. Die Blaue Eule, Essen 2002.
  • Janin Afken und Benedikt Wolf: Sexual Culture in Germany in the 1970s. A golden Age for Queers? (Gender and Sexualities in History). Palgrave Macmillan, Cham 2020.
  • Doris Hermanns: „Und alles ist hier fremd“. Deutschsprachige Schriftstellerinnen im britischen Exil. AvivA, Berlin 2022, S. 64.
  • Claudia Schoppmann: „Wüsste ich nur, wo deine Spur verrinnt.“ Lesbische Jüdinnen im Nationalsozialismus. In: Raimund Wolfert, Oranna Dimmig und Claudia Schoppmann (Hrsg.): „Damals wurde uns klar, dass Bleiben Lebensgefahr bedeutete“. Eva Siewert und Alice Carlé, eine Liebe während der Shoah (Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Reihe B: Quellen und Zeugnisse, Bd. 14). Lukas Verlag, Berlin 2025, S. 219–238, hier S. 226–227.

Einzelnachweise

  1. a b c Claudia Schoppmann: „Wüsste ich nur, wo deine Spur verrinnt.“ Lesbische Jüdinnen im Nationalsozialismus. In: Raimund Wolfert, Oranna Dimmig und Claudia Schoppmann (Hrsg.): „Damals wurde uns klar, dass Bleiben Lebensgefahr bedeutete“. Eva Siewert und Alice Carl´, eine Liebe während der Shoah. Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Reihe B: Quellen und Zeugnisse, Nr. 14. Lukas Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-86732-477-9, S. 226–227.
  2. Der Oberfinanzpräsident Berlin-Brandenburg, Vermögensverwertungsstelle: Ausbürgerungsurkunde Oskar Abels, Oskar. Hrsg.: Brandenburgisches Landeshauptarchiv. Deutsche Digitale Bibliothek, 1952, S. 8 (deutsche-digitale-bibliothek.de [abgerufen am 22. Dezember 2025]).
  3. Annelise Auguste Abels. In: Digitales Archiv jüdischer Autoren und Autorinnen in Berlin 1933–1945. Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), abgerufen am 22. Dezember 2025.