Annamaria Kowalsky

Annamaria Kowalsky (* 21. April 1991 in Coburg, Deutschland) ist eine österreichisch-kroatische Komponistin, Musikerin und Künstlerin.

Leben

Annamaria Kowalsky wurde als Kind kroatischer Eltern in Coburg geboren. Sie ist Enkelin der Altistin Marijana Radev.

1995 zog die Familie nach Klagenfurt, nachdem ihr Vater, Alexander Kowalsky, als Chordirektor am Stadttheater Klagenfurt tätig wurde. Von klein auf verbrachte sie viel Zeit im Theater, seit ihrem neunten Lebensjahr wirkte sie bei diversen Produktionen auf der Bühne mit.

Von 1997 bis 2006 erhielt sie Violinunterricht am Kärntner Landeskonservatorium (heute Gustav Mahler Privatuniversität für Musik), 2006 begann sie dort ihr Diplomstudium im Fach Viola, wechselte jedoch 2007 an die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, wo sie 2014 ihren Abschluss machte. Neben Viola studierte sie im Schwerpunkt Alte Musik auch Viola d’amore.

2014 folgte das Doktoratsstudium der Philosophie an der Akademie der bildenden Künste Wien, welches sie 2018 abschloss.

Bildende Kunst

Im Laufe ihres Musikstudiums intensivierte Kowalsky ihre Beschäftigung mit Fotografie und arbeitete ab 2014 zeitweise als Porträtfotografin. Parallel dazu entstanden mehrere Serien surrealistischer Selbstporträts, die mehrfach in Wien ausgestellt wurden.

Aus autodidaktischem Interesse entwickelte sie ihre fotografische Arbeit weiter und wandte sich der Malerei zu. Zunächst entstanden ausschließlich schwarz-weiße Ölbilder, bevor sukzessive Blautöne als dominantes Gestaltungselement Einzug hielten. Ab 2014 arbeitete sie zudem mit Linol- und Holzschnitt, ab 2024 auch mit Keramik.

Im Zuge zahlreicher Auslandsaufenthalte wandte sie sich 2019 der Aquarellmalerei zu, die sie als reisefreundliches Medium etablierte. Ihre zuvor figurativ geprägte Bildsprache löste sich dabei zunehmend in Abstraktion auf.

Für die 2021 entstandene Produktionen der Musikstreamingplatform On Air gestaltete sie die projizierten Visuals für die 4. Symphonie von Brahms, 9. Symphonie von Dvorak und 41. Symphonie von Mozart.[1][2][3] 2022 gestaltete sie kaleidoskopische Visuals, die auf ihren Malereien basieren, für drei Uraufführungen ihrer Werke in New York.[4]

Komposition

2018 entstanden erste Kompositionen, unter anderem auch Dreams of Lunacy, eine Suite, die auf einer ihrer Selbstporträtserien basiert. Im Folgejahr folgte Archipelago, eine weitere solche Suite. Beide Suiten nahm sie selber mit Violine, Viola und Kontrabass auf. Drei der Bilder wurden mit den jeweiligen Teilen Archipelagos 2019 im Museumsquartier Wien ausgestellt.[5]

2020 wurde sie vom Musikverlag Universal Edition unter Vertrag genommen.[6] Sie fungiert seit des Launches deren neuen Publishing Tools scodo im Jahr 2021 als offizielles Testimonial und ist Gesicht der Kampagne.[7]

Kompositionsaufträge folgten u. a. vom Ensemble Kontrapunkte für Wien Modern und deren Zyklus im Wiener Musikverein, dem Swedish Chamber Orchestra/Royal Stockholm Philharmonic Orchestra für das multimediale Projekt Xodus von Martin Fröst und Jesper Waldersten, der amerikanischen Geigerin Anne Akiko Meyers und der Wiener Staatsoper.

Sie wird zunehmend für multimediale Projekte engagiert, so gewann sie beispielsweise den Call des innovativen New Yorker ensembles CreArtBox, welches vier ihrer Werke mit Visuals, die sie dafür kreierte, uraufführte.[8]

Neben der Verbindung von Musik und Bild, beschäftigt sie sich auch intensiv mit der Verwebung olfaktorische Elemente. Das vom Ensemble Kontrapunkte in Auftrag gegebene und 2021 im Musikverein uraufgeführte Stück Olfactospheres war ursprünglich als Klang- und Duftkomposition angelegt, jedoch fiel die Uraufführung in einen Lockdown während der Corona-Pandemie, weshalb die Aufführung ohne Beisein von Publikum von Ö1 aufgenommen und ausgestrahlt wurde.

Arvo Pärt Centre Residency

2021 erhielt sie als Erste die damals neu ins Leben gerufene Residency im Arvo Pärt Centre in Laulasmaa, Estland.[9] Als Grund dafür wurde besonders ihr multimediales Schaffen herausgehoben, da die Residency nicht nur für Komponistin, sondern auch Künstler, Schriftsteller und Architekten konzipiert ist. Sie verbrachte drei Wochen im Sommer dort, es entstanden drei Kompositionen und eine Serie von Aquarellmalereien. Sie verbrachte auch einige Zeit mit Arvo Pärt, der sich wenige Monate später komplett von der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. Ihre bewegenden Eindrücke hielt sie Blogeinträgen fest, die auch vom Arvo Pärt Centre geteilt wurden.[10]

Aufnahmen in den Abbey Road Studios

Im Sommer 2022 nahm sie fünf ihrer Werke unter der Leitung von Johannes Vogel mit Musikern des Philharmonia Orchestras im Studio Two der Abbey Road Studios in London auf. Zwei weitere Werke spielte sie in Wien selber ein. Die Werke wurden auf ihrem Debütalbum Kaleidoscope sowie der EP Olfactospheres 2023 veröffentlicht[11].

Multidisziplinäres Violinkonzert

Im Herbst 2025 wurde ihr vom Swedish Chamber Orchestra und Västerås Sinfonietta in Auftrag gegebenes Violin Concerto No. 1 von Ava Bahari unter der Leitung von Nicolas Ellis in Örebro uraufgeführt. Das Werk ist als multidisziplinäre Komposition angelegt: begleitend zur Aufführung wurden Kowalskys eigene Malereien projiziert und eine von ihr konzipierte Duftinstallation im Foyer des Konzerthauses präsentiert.[12]

Bühnenwerke

Im Rahmen des Strauss-Jahres 2025 komponierte Kowalsky das Ballett Blind Colours für die Eröffnung der Spielzeit 2025/26 im neuen Saal NEST der Wiener Staatsoper. Das Werk wurde als Teil des Projekts Dances for the Future mit einer Choreografie von Robert Binet von der Jugendkompanie des Wiener Staatsballetts uraufgeführt.[13]

Blind Colours basiert auf einem Gedicht der blinden kanadischen Dichterin Devon Healey und entfaltet eine kaleidoskopische, synästhetische Klangwelt. Die Komposition verbindet subtile tonale Verschiebungen mit farblich und olfaktorisch inspirierten Klangtexturen und thematisiert Wahrnehmung jenseits des Visuellen.[14]

Eine Aufnahme des Werks erschien 2025 beim Label Soundcreation in zwei Fassungen. Die Kammermusikversion für Streichquintett wurde von Annamaria Kowalsky im Overdub-Verfahren selbst eingespielt und zeichnet sich durch eine intime, nuancenreiche Klanggestaltung aus. Parallel dazu wurde eine orchestrale Version realisiert, die den klanglichen Raum des Werks erweitert.[15]

Kompositionen

Orchesterwerke

Symphonieorchester

  • Olfactospheres (2024)
  • Blind Colours (2025)

mit Chor

  • Calamitas (2020)
  • Xodus Hymn (2022)

Streichorchester

  • Dreams of Lunacy (2019)
  • Archipelago (2019)
  • Violin Concerto No. 1 (2024)

Ensemblewerke

  • Rhizom (2019)
  • Olfactospheres (2020)
  • Atmospheres (2021)
  • Heart Meditation (2021)

Kammermusikwerke

  • Reset (2019)
  • Static Pointillism (2019)
  • Five Miniatures (2020)
  • In Circles (2021)
  • String Quartet No. 1 (2021)
  • Duo No. 1: Hall of Mirrors for Violin and Cello (2022)
  • Duo No. 1: Hall of Mirrors for Violin and Viola (2024)
  • Autopoiesis (2024)
  • Blind Colours (2025)

Solowerke

  • Perpetuo (2020)
  • Autopoiesis (2020)
  • Childhood Memories (2021)
  • Six Marbles in the Colour of my Heart (2022)
  • Sei solo la luce (2022)
  • na brodu (2023)

Chorwerke

  • Rewind (2018)

Graphisch notierte Werke

  • Time is relative (2021)
  • Abstract Dualism (2022)

Diskografie

  • 2023: Kaleidoscope (Album, Soundcreation)
  • 2023: Olfactospheres (EP, Soundcreation)
  • 2024: A Bag of Marbles (Album, Soundcreation)
  • 2025: Blind Colours (Single, Soundcreation)

Filmografie (Auswahl)

Auszeichnungen

  • 2023: Staatsstipendium für Komposition des BMKOES
  • 2022: Arbeitsstipendium für Komposition des BMKOES
  • 2021: Arvo Pärt Centre Residency Scholarship
  • 2020: Arbeitsstipendium für Komposition des Landes Kärnten
  • 2020: Arbeitsstipendium für Komposition der Stadt Wien
  • 2019: Startstipendium für Komposition des BMKOES

Einzelnachweise

  1. Johannes Brahms Symphony No. 4 in E minor! Abgerufen am 7. Februar 2023.
  2. Antonin Dvořák’s Symphony No. 9 in E minor. Abgerufen am 7. Februar 2023.
  3. Mozart Symphony No. 41 "Jupiter" in C major. Abgerufen am 7. Februar 2023.
  4. Childhood Memories. Abgerufen am 7. Februar 2023 (englisch).
  5. transformative embodiments. Abgerufen am 7. Februar 2023.
  6. Universal Edition. Abgerufen am 7. Februar 2023 (englisch).
  7. Universal Edition. Abgerufen am 7. Februar 2023 (englisch).
  8. Annamaria Kowalsky – CreArtBox Digital Concert Hall. Abgerufen am 7. Februar 2023 (amerikanisches Englisch).
  9. Arvo Pärt Centre’s first residency scholarship was awarded to Austrian composer Annamaria Kowalsky – Arvo Pärt Centre. Abgerufen am 7. Februar 2023 (amerikanisches Englisch).
  10. Annamaria Kowalsky: Arvo Pärt Centre Blog. 12. Juli 2021, abgerufen am 7. Februar 2023 (englisch).
  11. Kaleidoscope (Immersive Bundle). Abgerufen am 10. September 2023 (britisches Englisch).
  12. Ava. Abgerufen am 11. Oktober 2025 (sv-SE).
  13. Strauss 2225: Dances for the Future. In: Johann Strauss 2025 Wien. Abgerufen am 11. Oktober 2025 (deutsch).
  14. Kowalsky: Blind Colours (2025) für Violine I, Violine II, Viola, Violoncello und Kontrabass. Abgerufen am 11. Oktober 2025 (deutsch).
  15. Blind Colours. Abgerufen am 16. Dezember 2025 (britisches Englisch).