Anna Spühler

Anna Gustavine Spühler (* 13. März 1872 in Zurzach; † 27. Februar 1967 in Spiez) war eine Schweizer Malerin, Grafikerin, Radiererin und Zeichenlehrerin.

Leben

Anna Spühler war die Tochter von Johann Jakob Spühler (1837–1906) und von Gustavine, geb. Frey. Mit ihren Eltern und zwei Geschwistern zog Anna 1878 nach Aarau. Sie besuchte dort die städtischen Schulen sowie das staatliche Töchterinstitut. Spühler wuchs in einem kunstaffinen Umfeld auf, da ihr Vater selber zeichnete und Gedichte schrieb.[1]

Von 1888 bis 1890 nahm sie bei Max Wolfinger Zeichenunterricht und setzte ihre Studien anschliessend in Genf fort. Sie war zwischen 1890 und 1892 Schülerin von Hugues Bovy (1841–1903) an der École des Beaux-Arts, bildete sich an der École municipale de dessin bei Denise Sarkissoff (1856–1920) sowie an der École des Arts industriels bei Joseph Mittey (1853–1930) weiter.[2] Spühler schloss ihre Ausbildung 1893 bei Johannes Stauffacher[3] am Industrie- und Gewerbemuseum St. Gallen (heute Textilmuseum St. Gallen) ab. Sie erwarb sich damit eine gute Grundlage für ihre spätere kunstgewerbliche Nebentätigkeit.[4]

1894 legte Anna Spühler das aargauische Staatsexamen als Bezirksschullehrerin für Kunstzeichnen ab und war dann von 1895 bis 1905 als Lehrerin am Kantonalen Gewerbemuseum Aarau tätig, wo sie Unterricht an der Malschule für Damen erteilte. Anschliessend wechselte sie als Hilfslehrerin für Kunstzeichnen an die Bezirksschule Aarau, wo sie bis 1919 wirkte. Daneben erteilte sie Privatunterricht im Zeichnen und Malen[5] und schuf Entwürfe für handbedruckte Textilien, welche von der Stoffdruckerei Häusle & Cie. in Aarau in Kollektionen für Tischdecken, Vorhänge etc. umgesetzt und an der Weltausstellung in Mailand 1906 vorgestellt wurden.[6]

Die Lehrtätigkeit liess Spühler genügend Zeit zur Weiterbildung in Landschafts- und Blumenmalerei. Sie unternahm 1898 Studienreisen nach Florenz und Venedig. 1903/04 bildete sie sich in Haimhausen bei München in der Malschule von Bernhard Buttersack (1858–1925) weiter. 1906 reiste sie nach Dresden an die 3. Deutsche Kunstgewerbeausstellung und schrieb darüber einen Artikel in der Aargauischen Gewerbezeitung.[7] Die Reise führte Spühler weiter nach Nürnberg und München.

Nachdem Spühler ihre Unterrichtstätigkeit aufgab, widmete sie sich ganz der Malerei.

«Was ich male? Was mich freut! Einmal ist’s eine schöne Landschaft am See, ein Flusslauf, ein trotziger Schneeberg oder eine Baumgruppe im bunten Herbst, ein leuchtender Blumenstrauss, glühende Rosen oder satte Farben der Alpenblumen; oder es lockt mich, das Helldunkel interessanter Architektur oder eine lichte Stimmung in der Landschaft auf der Kupferplatte festzuhalten.»

Anna Spühler: Schweizerischer Frauenkalender 1927

Sie zog 1921 nach Wengen und drei Jahre später nach Spiez. In dieser Zeit entwarf sie für das Heimatwerk Thun Webmuster, die auch für Trachtenstoffe verwendet wurden.[8]

Spühler war von 1908 bis 1922 Mitglied der Künstlervereinigung Die Walze und nahm regelmässig an deren Ausstellungen teil. Von 1918 bis 1931 war sie ausserdem Mitglied des Schweizerischen Werkbundes.

Sie starb hochbetagt nach kurzer Krankheit in Spiez, wo sie seit 43 Jahren lebte.

Werk

Spühlers Arbeiten umfassten naturnahe Landschaften in zeichnerischem Stil, Blumen und Stillleben in Öl und Aquarell. Ihre grafischen Techniken waren vielseitig: Radierung, Kaltnadelradierung, Vernis mou, Aquatinta, Schabkunst sowie Roulette. Radierungen von ihr wurden in die damalige Eidgenössische Kupferstichsammlung der ETH Zürich aufgenommen.[4] Heute sind ihre Werke In den Wässermatten, Halballee in Aarau, Gasse beim Haldentor in Aarau und Landschaft mit einem Bach bei Aarau in der Graphischen Sammlung der ETH Zürich online einsehbar (2025).

Anna Spühler entwarf ausserdem das Umschlag-Titelbild für den Schweizerischen Frauenkalender und wurde bereits 1912 von Maria Waser in einem Artikel über Moderne Schweizer Künstlerinnen gewürdigt. Reproduktionen ihrer Bilder und Radierungen wurden öfters in diesem Jahrbuch publiziert. Für die Sammlung von Gottfried Keller hatte sie 14 Orchideen-Tafeln beigesteuert.

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1899: Turnus-Ausstellung des Schweizerischen Kunstvereins, Stadthaus Winterthur
  • 1916: Gruppenausstellung im Kunsthaus Zürich
  • 1916: Turnus-Ausstellung des Schweizerischen Kunstvereins, Museum und Stadthaus Winterthur
  • 1928: Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit SAFFA, Bern
  • 1930: Bildhauer und Maler im Berner Oberland, Oberländische Gewerbe-Ausstellung Frutigen
  • 1943: Kunstwerke aus bernischem Staatsbesitz: Ankäufe des Regierungsrates in den Jahren 1925–1942, Kunsthalle Bern
  • 2023: Werte im Wandel: die Kunstsammlung Kanton Bern zu Gast im Kunsthaus Interlaken, Kunsthaus Interlaken
  • 2025: Künstlerinnen im Fokus. Zwischen Tradition und Moderne, Schloss Spiez

Schriften

Einzelnachweise

  1. Hans Muggli: Anna Gustavine Spühler (1872–1967). In: kunstbreite.ch. 1. Februar 2013, abgerufen am 4. November 2025.
  2. Anna Gustavine Spühler. In: Laurent Adert u. a. (Hrsg.): Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst: Unter Einschluss des Fürstentums Liechtenstein. Band 2. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1998, ISBN 978-3-85823-673-9.
  3. Anne Wanner-JeanRichard, Marcel Mayer: Sankt-Galler Geschichte 2003. Hrsg.: Silvio Bucher. 1. Auflage. Band 6. Amt für Kultur d. Kantons St. Gallen, St. Gallen 2003, ISBN 978-3-908048-43-5, S. 143–168.
  4. a b Clara Büttiker: Anna Spühler. In: Schweizerischer Frauenkalender. H. R. Sauerländer & Co., Aarau 1927, S. 114–117.
  5. Gabriele Moshammer: Anna Gustavine Spühler. In: Begleitheft zur Ausstellung Künstlerinnen im Fokus. Zwischen Tradition und Moderne, Schloss Spiez, 2025.
  6. Bei unsern Ausstellern in Mailand. (Mailänderbrief für die «Zürcher Nachrichten»). II. In: Neue Zürcher Nachrichten. Nummer 251, 15. September 1905, abgerufen am 7. November 2025.
  7. Anna Spühler: Bericht über die 3. deutsche Kunstgewerbeausstellung in Dresden 1906. Schweizerische Nationalbibliothek, Bern 2011.
  8. Steffisburg. In: Der Bund. Abendausgabe, 2. Mai 1952, S. 4, abgerufen am 6. November 2025.