Anna Prizkau
Anna Prizkau (* 1986 in Moskau) ist eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin.
Leben
Anna Prizkau kam 1994 mit ihrer Familie nach Deutschland. Ihr Vater stammt aus dem heutigen Kasachstan, ihre Mutter aus der heutigen Ukraine. Beide waren Elektroingenieure. Prizkau studierte in Hamburg und Berlin. Seit 2012 schreibt sie als freie Autorin für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) in Berlin über Ausländer, über Deutschland und andere Länder und über Literatur. Von 2016 bis 2024 war sie Redakteurin der F.A.S., für die sie unter anderem aus der Ukraine nach dem russischen Überfall 2022 berichtete.[1]
Im Jahr 2021 las sie auf Einladung von Philipp Tingler beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2021 den Text Frauen im Sanatorium.[2] Sie war 2022 Mitgründerin des PEN Berlin,[3] aus dem sie im November 2023 wieder austrat.[4]
Prizkau lebt in Berlin. Sie ist mit dem Schriftsteller Maxim Biller liiert.[5]
Wirken
Ihr Debütroman Frauen im Sanatorium (2025) spielt in einer deutschen Klinik und befasst sich mit Fragen von Wahrheit und Täuschung sowie von Glück und Unglück.[6] Der Roman versammelt mehrere Frauenfiguren, die sich während eines Klinikaufenthalts begegnen; auch eine Gruppe von Bundeswehrsoldatinnen versucht nach einem Auslandseinsatz, wieder ins Lot zu kommen.[6] Im Zentrum steht eine Ich-Erzählerin namens Anna, deren Biografie Motive der Autorin spiegelt, etwa wiederholte Besuche bei der Mutter in Kliniken.[6] Die Erzählung setzt bewusst falsche Fährten und arbeitet mit einer unzuverlässigen Perspektive, sodass erzählte Wahrheiten und Erfindungen in der Schwebe bleiben.[6] Tonal verbindet das Buch Traurigkeit und Humor und befasst sich mit den Fragen nach der Bedeutung von Glück und Unglück und wie sich eigenes Unglück erzählen lässt.[6] Als prägnante Sentenz wiederholt sich die Aussage „Die Seele besiegt den Körper immer“.[6]
Werke (Auswahl)
- Boss. Erzählung. In: Sagte Sie. 17 Erzählungen über Sex und Macht, Hanser Berlin, Berlin 2018, ISBN 978-3-446-26074-0.
- Fast ein neues Leben. Erzählungen. Matthes und Seitz, Berlin 2020, ISBN 978-3-7518-0600-8.[7]
- Frauen im Sanatorium. Roman, Rowohlt, Hamburg 2025, ISBN 978-3-498-00732-4.
Auszeichnungen (Auswahl)
- 2021: Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover für Fast ein neues Leben[8]
Weblinks
- Literatur von und über Anna Prizkau im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Anna Prizkau bei Perlentaucher
Einzelnachweise
- ↑ Bernhard Heckler: Porträt der aufregenden Schriftstellerin Anna Prizkau: Langweile ich dich? 8. August 2025, abgerufen am 9. September 2025.
- ↑ TEXT Anna Prizkau (D). 18. Juni 2021, abgerufen am 20. Juni 2021.
- ↑ Liste der 370 Mitgründer:innen. Abgerufen am 17. September 2022.
- ↑ deutschlandfunkkultur.de: PEN Berlin: Weniger Herablassung und Arroganz wären gut. Abgerufen am 11. Dezember 2023.
- ↑ Frédéric Schwilden: Heimatgefühle: Deutschland, ich liebe Dich. In: Die Welt. 2. Oktober 2020 (welt.de [abgerufen am 22. Mai 2022]).
- ↑ a b c d e f Ulrich Gutmair: Anna Prizkaus Debütroman: Falsche Fährten. In: taz. 17. Oktober 2025, abgerufen am 18. Oktober 2025.
- ↑ Süddeutsche Zeitung: Keine Zeit für Unglück. Abgerufen am 17. Oktober 2021.
- ↑ Anna Prizkau erhält dritten Literaturpreis der Landeshauptstadt. In: hannover.de. Abgerufen am 30. November 2021.