Anna Maria Priestman
Anna Maria Priestman (* 23. März 1828 in Newcastle upon Tyne; † 9. Oktober 1914 in Bristol) war eine englisch-britische Sozialreformerin und Frauenrechtlerin.[1][2]
Leben
Priestman wurde als siebtes von neun Kindern von Jonathan Priestman (1786–1863), einem wohlhabenden Quäker und Geschäftsmann, und Rachel Bragg (1791–1854), einer Minister der Quäker, geboren. Die Familie lebte im Stadtteil Summerhill in Newcastle.[1]
Priestman spielte zusammen mit Mitgliedern ihrer Familie und der Familie Bright eine wichtige Rolle bei der Gründung einiger der ersten Frauenwahlrechtsvereine in London, Bristol und Bath.[1]
Priestman war eine Unterstützerin der Ladies National Association for the Repeal of the Contagious Diseases Acts („Nationale Vereinigung der Frauen für die Aufhebung der Gesetze über ansteckende Krankheiten“). Diese Gesetze zielten auf eine soziale und gesundheitspolitische Kontrolle von Prostituierten und machten aber allein diese, nicht aber ihre männlichen Klienten, für die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten verantwortlich und untergruben in den Augen der Gegner der Gesetzgebung die Bürgerrechte von Frauen, die von den Behörden in bestimmten Marine- und Militärstädten als Prostituierte eingestuft worden waren. Die Association war 1870 von Josephine Butler gegründet worden. Priestmans Schwester Mary war Sekretärin dieser Organisation und ihre Schwester Margaret Tanner Schatzmeisterin. Alle drei Schwestern unterstützten auch internationale Kampagnen gegen die staatliche Regulierung der Prostitution und setzten die enge Verbindung ihrer Familie zur Abstinenzbewegung fort.[1]
In den frühen 1870er Jahren half Priestman bei der Gründung der National Union of Women Workers in Bristol, einer Gewerkschaft und Vorsorgegemeinschaft für Arbeiterinnen. Sie sorgte sich über die einschränkenden Auswirkungen neuer Arbeitsschutzgesetze auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten für Frauen und argumentierte hier auch mit Erhebungen gegenüber der zuständigen Behörde.[1]
1881 half sie bei der Gründung der Bristol Women's Liberal Association, der lokalen Vorgängerorganisation der Women’s Liberal Federation (WLF). Eines ihrer Motive scheint der Wunsch nach einer engeren Zusammenarbeit der Suffragettenbewegung mit den Liberalen und radikalen Vertretern der Arbeiterklasse gewesen zu sein.[1]
In den 1890er Jahren war Priestman zunehmend unzufrieden mit der Weigerung der Liberal Party, das Frauenwahlrecht in ihr Programm aufzunehmen, und mit der Weigerung der WLF, dies zu einer Testfrage für liberale Kandidaten zu machen, die bei Wahlen um Unterstützung warben. Mit der Unterstützung anderer unzufriedener liberaler Frauen gründete sie die Union of Practical Suffragists (UPS), die als Aktionsgruppe innerhalb der WLF fungieren sollte. Ihre Strategie schien 1903 Erfolg zu haben, als die WLF endlich das Frauenwahlrecht zu einer Testfrage machte und die UPS daraufhin aufgelöst wurde. Ihre Gegner gewannen jedoch wieder die Oberhand, und die Politik der WLF wurde in der Folge wieder rückgängig gemacht. In der Folge wurden Priestman und ihre Schwester Mary Priestman in ihren letzten aktiven Jahren zu lautstarken Unterstützerinnen der militanten Women’s Social and Political Union.[1]
Priestmans Fotografien, Unterlagen zu ihren Reden, Tagebücher und ihre Korrespondenz, darunter Briefe an Margaret Clark Gillett, Alice Clark, Helen Bright Clark, Priscilla Bright McLaren und ihre Schwester Margaret, aus dem Zeitraum von 1837 bis 1913 werden im Nationalarchiv aufbewahrt.[3]
Priestman entschied sich dafür, unverheiratet zu bleiben, und diskutierte ihre Ansichten zur Ehe in ihrer Korrespondenz mit ihrer Cousine und lebenslangen Freundin Jane Pease, die ebenfalls nie heiratete.[2]
Priestman starb 1914, fünf Tage nach dem Tod ihrer Schwester Mary, in ihrem lebenslang gemeinsamen Haus in Bristol, 37 Durdham Park. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs soll für die Schwestern eine zu große Belastung gewesen sein.[1]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h Sandra Stanley Holton: Priestman, Anna Maria (1828–1914). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/57830.
- ↑ a b Sandra Stanley Holton: Quaker Women: Personal Life, Memory and Radicalism in the Lives of Women Friends, 1780–1930. Routledge, London 2007, ISBN 978-0-415-28143-0, S. 110 ff. (google.de).
- ↑ Priestman, Anna Maria, (1828-1914), social reformer and women's rights campaigner. In: GB/NNAF/P234752. National Archives, abgerufen am 23. Oktober 2025.