Anna Margaretha Gessner-Kitt
Anna Margaretha Gessner-Kitt (* 8. Oktober 1652 in Zürich; † 27. November 1701 ebenda) war eine Schweizer Kochbuchautorin, deren Manuskript umfassende Einblicke in die Konsumkultur und Ernährungsgewohnheiten der Zürcher Bourgeoisie um 1700 gibt.
Kindheit und Familie
Anna Margaretha Kitt wurde in eine Kaufmannsfamilie geboren, die seit 1535 das Bürgerrecht von Zürich besass. Sie war eines von 19 Kindern der Anna Bertschinger und des Leder- und Pelzhändlers Hans Heinrich Kitt. Von ihren Geschwistern erreichten nur Anna Barbara (1651–1732), Rudolf (1660–1727) und Anna (1663–1749) das Erwachsenenalter.[1] Ihr Vater gehörte der Zunft zur Saffran an. Er verwaltete das Gut Schönegg in Erlenbach, das er von seiner Mutter Margaretha Grebel geerbt hatte, und leitete die Geschäfte der Kittenmühle in Herrliberg, die durch seine Frau in Familienbesitz gelangt war. Die Familie Kitt wohnte im Haus Zum Elsässer an der Marktgasse in Zürich.[2]
Anna Margaretha Kitt besuchte die Deutsche Mädchenschule, wo sie Lesen, Schreiben und Rechnen lernte.[1] 1676 heiratete sie den Kaufmann Johann Heinrich Gessner, der aus der alteingesessenen Zürcher Buchdruckerfamilie Gessner stammte. Wenige Jahre nach der Hochzeit trat Gessner in den Dienst des Domkapitels von Konstanz und verwaltete dessen Ländereien in der Umgebung von Zürich. Das Paar lebte in der Kirchgasse in Zürich im Konstanzerhaus, das dem Domkapitel gehörte. Ihre Ehe blieb kinderlos.[2]
Kochbuchmanuskript
Im Todesjahr ihres Mannes 1699 begann Anna Margaretha Gessner Kochrezepte aufzuschreiben.[1] Sie orientierte sich wie damals üblich an der Vier-Säfte-Lehre und wusste von der Wirkung und Heilkraft von Lebensmitteln. Das erste Rezept, "ein herlich essen", widmete sie "krankne leuth und schwangere weiber denen das fleisch erleidett". Nach 71 Fleisch- folgten 52 Fischrezepte, zu denen sie auch Krebse und Schnecken zählte. Gessner hatte auch 42 Rezepte für Geflügel und Singvögel aufgenommen. Neben Pasteten und Torten waren "Küchlinen" wichtig, ebenso wie Milch- und Eierspeisen, Gemüse und Früchte. Dagegen fehlte der traditionelle Haferbrei, der damals weite Teile der Bevölkerung ernährte.[2]
So entstand ein Manuskript mit 470 Rezepten sowie grundlegende Anweisungen für die Zubereitung von Rüben und die Konservierung von Beeren. Es richtete sich an die Oberschicht, da viele der aufgeführten Zutaten teuer waren, wie der Mandelpudding mit Goldlasur. Auch Fleisch und Butter konnten sich viele nicht leisten, ebenso die Gewürze, die Gessner wie den Zucker in vier von fünf Rezepten grosszügig verwendete.
Die Rezeptsammlung gibt Aufschluss über kulinarische Vorlieben und Konsumgewohnheiten der Zürcher Oberschicht am Ende des 17. Jahrhunderts. Gessner unterschied sich von weniger begüterten Zeitgenossen durch ihren Zugang zu Produkten aus den Kolonien und durch das, was der Ökonom Thorstein Veblen später als conspicuous consumption (Geltungskonsum) bezeichnen sollte. Weil das Manuskript ohne Flecken und Gebrauchsspuren aufgefunden wurde, wird vermutet, dass es nie in der Küche verwendet worden war. Möglicherweise verhinderte der Tod von Anna Margaretha Gessner 1701 die Veröffentlichung.
2023 wurde das Kochbuch der Kittin von 1699 publiziert.[3] Es enthält neben der Transkription der Handschrift 42 Rezepte, welche die Herausgeberinnen nachgekocht haben, dazu Essays zur barocken Kochkultur.
Weblinks
- Kochbuch der Anna Margaretha Gessner-Kitt In: Handschriftensammlung der Zentralbibliothek Zürich, Digitalisat auf e-manuscripta.
- Boesch, Ina: Weltwärts. Die globalen Spuren der Zürcher Kaufleute Kitt, 2021.
- Schmid, Denise; Imhof, Mira et al. (Hrsg.): Das Kochbuch der Kittin von 1699, 2023.
- Die barocken Schlemmereien einer Zürcher Bürgersfrau um 1699 In: Zeitblende auf Schweizer Radio und Fernsehen vom 23. September 2023 (Audio).
- Denise Schmid: Ingwer, Artischocken und Zitronen vom Gardasee: was ein Kochbuch über die Oberschicht im Zürich des 17. Jahrhunderts erzählt In: NZZ Digital vom 18. Oktober 2023 (Abo).
Einzelnachweise
- ↑ a b c Ina Boesch: Weltwärts: die globalen Spuren der Zürcher Kaufleute Kitt. Hier und Jetzt, Zürich 2021, ISBN 978-3-03919-528-2.
- ↑ a b c Ina Boesch: Gessner-Kitt, Anna Margaretha. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), 4. August 2025, abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ Anna Margaretha Kitt, Ina Boesch: Das Kochbuch der Kittin von 1699. Hier und Jetzt, Zürich 2023, ISBN 978-3-03919-568-8.