Anna Eva Sussmann
Anna Eva Sussmann (geborene Anna Eva Bernheim am 17. Oktober 1863 in Braunschweig; gestorben am 2. April 1942 in Hamburg) war eine deutsche Schriftstellerin und Frauenrechtlerin.
Leben
Anna Eva Bernheim wurde als jüngstes von vier Kindern des Ehepaares Levi Louis Bernheim und Mary Ascher, geb. Levin, geboren. Ihre Geschwister Paul (geb. 1. Februar 1856), Elise (geb. 3. April 1858) und Zippora Cäcilie (geb. 13. September 1859) wurden ebenfalls in Braunschweig geboren.
Louis Bernheim wurde am 6. August 1813 in Einbeck geboren und hatte sich 1852 in Braunschweig als Kaufmann niedergelassen. Bernheims spätere Ehefrau Mary Ascher Levin wurde am 29. Juli 1835 in Straßburg geboren. Die Hochzeit fand 1855 statt.
Zwischen 1853 und 1862 war Bernheim Kompagnon des Bekleidungsgeschäftes Landauer & Bernheim in der Schützenstraße 160/161.[1] Nach seinem Tod am 20. März 1866, im Alter von 62 Jahren, wurde das Geschäft liquidiert. Seine Ehefrau zog anschließend mit den vier Kindern zu ihren Eltern nach Landsberg an der Warthe.[2]
Anna erhielt in ihrer Jugend eine gute, breitangelegte Bildung. Im Alter von 21 Jahren heiratete sie den Hamburger Versicherungsmakler Siegfried Sussmann (1850–1916). Sein Vater war Joseph Sussmann (1807–1880) und seine Mutter Sophie (1824–1897) war ebenfalls eine geborene Bernheim. Ihre Tochter Paula wurde am 15. Januar 1886 und der Sohn John wurde am 30. Dezember 1887 geboren. Anna Sussmann kümmerte sich um die Erziehung der Kinder und widmete sich der Literatur.[3]
Unter dem Namen Anna Sussmann-Ludwigs sowie den Pseudonymen Paul Ludwig und Luis Eva schrieb sie für das Feuilleton größerer Zeitungen. Ihre Themen waren Bildende Kunst und Literatur. Zudem fertigte sie Übersetzungen von Novellen und Romanen aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Spanischen an. Zusammen mit ihrer Tochter Paula unternahm sie viele Reisen. Diese führte sie nach Italien, Norwegen, Schottland und Island. Zudem besuchten sie sämtliche nordeuropäischen Hauptstädte. Ihre Eindrücke hielt sie in Reisebriefen und Reisebeschreibungen fest.[3]
Die Redaktion der „Illustrirten Villen-Zeitung (Hamburger Chronik.)“ übernahm sie am 1. Oktober 1899 für ein Jahr. Die Zeitschrift veröffentlichte Fotos von Villen und Beiträge zur Villen- und Landschaftsarchitektur sowie Fortsetzungsromane und Menüvorschläge für die Villenbesitzer in Hamburg und Umgebung. Unter ihrer Leitung kamen gesellschaftspolitische Themen und Meldungen hinzu. Ein Beitrag zur Frauenbewegung erschien direkt in der ersten von ihr verantworteten Ausgabe. Vermutlich hatte sie ihn selbst verfasst. Sussmann arbeitete als enge Mitarbeiterin mit Julie Eichholz (1852–1918) zusammen, die als Vorsitzende der Ortsgruppe Hamburg des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (1900–1904) und des Verbandes Norddeutscher Frauenvereine (1902–1912) zu den führenden Persönlichkeiten der Hamburger Frauenbewegung gehörte. In wesentlicher Funktion war Anna Sussman im Verein für „Rechtsschutz“ und „Stellenvermittlung“ für weibliches Hauspersonal tätig und sie arbeitete in der Redaktion der „Hamburger Frauen-Zeitung“ mit, die seit 1909 als Organ des aus der „Stellenvermittlung“ hervorgegangenen „Hamburger Hausfrauen Verein“ erschien.[3]
Am 23. März 1915 fiel ihr Sohn John, der wie sein Vater Kaufmann geworden war, im Ersten Weltkrieg. Ihre Tochter Paula, die speziell für Mädchen eingerichtete Realgymnasialkurse besuchte, konnte 1906 die Zugangsberechtigung zur Universität erwerben und studierte anschließend Medizin in Heidelberg, München und Berlin. Sie wurde im September 1911 in Heidelberg promoviert und erhielt am 10. Juni 1912 ihre Approbation. Paula Sussmann heiratete 1912 den Arzt Fritz Tobias und eröffnete mit ihm eine Arztpraxis im Weserbergland. Anna und Siegfried Sussmann zogen im April 1915 in eine Wohnung im I. Stock. Nach dem Tod von Siegfried Sussmann am 16. Mai 1916 zog Anna Sussmann in eine kleinere Wohnung im IV. Stock des Hauses.[3]
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie Opfer der Judenverfolgung des NS-Staates. Sie verlor einiges von ihrem Vermögen durch die Judenvermögensabgabe und musste mehrfach ab 1939 die Wohnungen und Pensionen wechseln, in denen sie zur Untermiete lebte. Zuletzt wohnte sie ab März 1940 in der Haynstraße 10 bei Martha Derenberg. Nachdem sie erfahren hatte, dass sie deportiert werden solle, vergiftete sie sich in der Nacht vom 30. auf den 31. März 1942 mit Schlafmitteln. Sie wurde in das Jüdische Krankenhaus gebracht, dort starb sie am 2. April 1942. Drei Wochen zuvor hatte sie ein Testament verfasst, in dem sie den Jüdischen Religionsverband als Erben eingesetzt hatte.[3]
Ihr wurde in Hamburg ein Frauenort gewidmet, mit dem das Leben und Wirken bedeutender Frauen sichtbar gemacht werden soll. Wie auch in anderen nationalen Projekten der Frauenorte werden Frauen in Deutschland und ihr Lebenswerk als historische Vorbilder geehrt. Vor dem Haus in der Lenhartzstraße 10 wurde für Anna Sussmann ein Stolperstein verlegt.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Reinhard Bein: Sie lebten in Braunschweig. Biografische Notizen zu den in Braunschweig bestatteten Juden (1797 bis 1983). (= Mitteilungen aus dem Stadtarchiv Braunschweig, Nr. 1). Döring Druck, Braunschweig 2009, ISBN 978-3-925268-30-4, S. 228.
- ↑ Reinhard Bein: Sie lebten in Braunschweig. Biografische Notizen zu den in Braunschweig bestatteten Juden (1797 bis 1983). S. 212.
- ↑ a b c d e Heiko Morisse: Anna Eva Sussmann auf Hamburg-Frauenbiogrefien.de, abgerufen am 19. Oktober 2025