Anna Diederichs

Anna Diederichs (* 5. März 1935 als Annemarie Mayer in Sigmaringen) ist eine deutsche Textildesignerin, Graphikerin und Plastikerin. Sie ist die Frau des Künstlers Peter Diederichs.[1]

Leben

Anna Diederichs wurde 1935 als zweites von drei Kindern von Karl Mayer und dessen Frau Anna Mayer (geborene Lasser) in Sigmaringen geboren. Sie wuchs in Heubach auf. Von 1955 bis 1958 studierte sie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.[1.1] Sie besuchte die Grundklasse von Hannes Neuner (allgemeine künstlerische Ausbildung) und den Unterricht in Batik und Textilgestaltung bei Trude Barth. Nach ihrem Studium zog Diederichs für kurze Zeit nach München und arbeitete dort im Atelier bei der Designerin Elsbeth Kupferoth. 1963 ließ sich die Künstlerin in Konstanz nieder, wo sie als Stoffentwerferin für der Textildruckerei Herosé tätig war. 1967 wechselte sie erneut ihren Wohnsitz und zog nach Paris, wo sie vor allem für das Modeatelier Dessins Kanitz in der Rue de la Paix arbeitete.[1.2] 1969 kehrte sie nach Konstanz zurück und heiratete noch im selben Jahr den Künstler Peter Diederichs. In der gemeinsamen Ehe war es vor allem Anna, die durch ihre freiberufliche Tätigkeit als Stoffdesignerin den Lebensunterhalt sicherte.[2] Sie entwarf weiterhin Stoffmuster für Kanitz und war regelmäßig für die Textilfirma Medico in Albstadt tätig. Ihr Einkommen ermöglichte es Peter Diederichs, als freischaffender Künstler ohne feste Anstellung zu arbeiten. In den Jahren 1976/77 lebte sie zeitweise in Frankfurt am Main und arbeitete dort am Schauspiel Frankfurt im Bereich Kostümbild, unter anderem für das Theaterstück Der Prozess der Jeanne d’Arc zu Rouen 1431. Von 1977 bis 2005 war sie als freie Graphikerin für das Institut für Demoskopie in Allensbach tätig.[1.3] Nach dem frühen Tod ihres Mannes im Jahr 1982 engagierte sie sich intensiv für dessen künstlerisches Erbe und machte es öffentlich sichtbar.[3] Parallel dazu entwickelte sie ihr eigenes künstlerisches Werk weiter.

Künstlerisches Schaffen

Über den gesamten Zeitraum ihres künstlerischen Wirkens bleiben die Wurzeln von Anna Diederichs in der Textilindustrie erkennbar. Ihre Werke zeichnen sich durch eine flächige Gestaltung aus, die Stofflichkeit selbst ist immer wieder Thema. In ihrer bildnerischen Sprache dominieren serielle Arbeiten, in denen Wiederholung, Variation und Transformation zentrale Rollen spielen.

Zu den frühesten erhaltenen Werken zählen Tuschezeichnungen, die sie bereits unmittelbar nach Abschluss ihres Studiums anfertigte. Ganz im Geiste der 1960er-Jahre erinnern diese Muster und dicht gesetzten Linien an die psychedelische Ästhetik jener Zeit.

Während ihrer Pariser Jahre entwarf Diederichs fantasievolle Stoffmuster mit sicherem Gespür für Linie, Farbe und Struktur. Stilisierte Blüten und Pflanzen, oft vom Art déco inspiriert, waren zu dieser Zeit in der Modeszene sehr gefragt. Seit Mitte der 1970er-Jahre entstanden textile Arbeiten, insbesondere mehrlagige Quilts aus Stofffragmenten der Firma Herosé.

Nach dem Tod ihres Mannes begann für Anna Diederichs eine neue kreative und experimentelle Schaffensphase. Es entstanden Miniaturwelten in Schaukastenform, Buchobjekte sowie seriell angelegte Zeichnungen und Aquarelle. Das Thema von Wiederholung und Variation lässt sich auch in ihren ab den 2010er-Jahren entstandenen Aquarellserien „La Palma“ und „Unterwasser“ wiedererkennen. Hier verbindet sie das Ornamentale mit dem Organischen in flächigen Formen, Spiralen und Raster. Zum schwarzen Faserstift und grauen Bleistift gesellt sich nur ein kräftiges Rot oder ein melancholisches Blau.

In den ab 2015 entstandenen Schaukästen verarbeitet Anna Diederichs alte Puppen, Muscheln, Perlen, Stroh und Kinderspielzeug und bringt somit narrative Elemente in ihre Kunst ein. Diese Assemblagen zeigen eine humorvoll-skurrile Seite ihrer Kunst, die mitunter an die Arbeiten ihres Mannes erinnert.

Neben den Schaukästen schuf sie ab 2018 Buchobjekte. Sie transformierte die Seiten, indem sie sie faltete, übermalte oder einzelne Wörter und Sätze durchstrich. Dadurch werden die Bücher von ihrem Geschriebenen abgesetzt und zur Objektkunst erhoben.[1]

Ausstellungen

  • 6. Februar bis 1. März 2015, Galerie Bagnato Konstanz: Peter Diederichs Bilder und Objekte (Anna Diederichs Wandbehänge)
  • 5. Juli bis 5. Oktober 2025, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz am Bodensee: Im Fremden zu Hause. Peter Diederichs & Anna Diederichs

Literatur

  • Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz (Hrsg.): Im Fremden zu Hause. Peter Diederichs & Anna Diederichs. Konstanz 2025 (Begleitheft zur Ausstellung 5. Juli bis 5. Oktober 2025).
  • Helmut Brandt: Peter Diederichs Mythen in der Galerie am Markt. Hrsg.: Haller Tagblatt. 23. November 1989.
  • Thomas Sieben: Anna und Peter Diederichs – Eine Erinnerung. Hrsg.: Seemoz. Konstanz 30. Juni 2025 (seemoz.de).

Einzelnachweise

  1. a b Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz (Hrsg.): Begleitheft zur Ausstellung „Im Fremden zu Hause. Peter Diederichs & Anna Diederichs“, 5. Juli bis 5. Oktober 2025. Konstanz 2025.
    1. S. 14
    2. S. 14 f.
    3. S.17
  2. Thomas Sieben: Anna und Peter Diederichs – Eine Erinnerung. In: seemoz. 30. Juni 2025, abgerufen am 7. Oktober 2025.
  3. Helmut Brandt: Peter Diederichs Mythen in der Galerie am Markt. In: Haller Tagblatt. 23. November 1989.