Anna Billian

Anna Margaretha Billian (geborene Hamberg; * 1885; † 18. Dezember 1942 in Neumünster) war eine deutsche Zivilistin aus Tornesch im Kreis Pinneberg. Sie wurde während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und nach ihrer Verhaftung durch die Gestapo im Polizeigefängnis Neumünster in den Tod getrieben. Sie gilt als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung.

Leben

Anna Margaretha Hamberg wurde 1885 geboren. Über ihre frühe Biografie sind nur wenige gesicherte Quellen überliefert. Sie war mit Albert Billian verheiratet, einem bis 1933 in Schleswig-Holstein tätigen Landesrat der SPD mit Schwerpunkt Jugendfürsorge. Das Ehepaar gehörte keiner nationalsozialistischen Organisation an und stand dem NS-Regime politisch ablehnend gegenüber.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Albert Billian 1933 auf Grundlage des „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wegen seiner SPD-Mitgliedschaft aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Infolgedessen verlor das Ehepaar nicht nur seine wirtschaftliche Existenzgrundlage, sondern wurde auch gezwungen, seine bisherige größere Wohnung zu verlassen.

1938 fanden Anna und Albert Billian eine neue Unterkunft in Tornesch, in der heutigen Norderstraße 61, in einer Mietwohnung beim Ehepaar Metta Kaatsch (geb. Groth, 1895–1980) und ihrem Mann, die 1932 aus Berlin zugezogen waren. Das Gebäude ist bis heute erhalten. Zwischen den beiden Ehepaaren bestand ein enges und vertrauensvolles Verhältnis.

Verfolgung

Am 15. Dezember 1942 wurde Anna Margaretha Billian unter Mitwirkung der NSDAP-Ortsgruppe Tornesch aufgrund von Verleumdungen von der Gestapo in ihrer Wohnung verhaftet. Sie wurde in das Polizeigefängnis Neumünster eingeliefert.

Am 17. Dezember 1942 wurde auch ihre Vermieterin Metta Kaatsch von der Gestapo zum Verhör nach Neumünster vorgeladen. In dieser Zeit waren die Kaatschs selbst massiven Repressionen ausgesetzt: Die NSDAP-Ortsgruppe Tornesch leitete Untersuchungen gegen sie ein, es kam zu wiederholten Vernehmungen – unter anderem im Tornescher Gemeindebüro – sowie nahezu täglichen Hausdurchsuchungen zum Jahreswechsel 1942/43.

In der Nacht zum 18. Dezember 1942 nahm sich Anna Margaretha Billian laut Sterbeurkunde im Polizeigefängnis Neumünster in ihrer Zelle das Leben durch Erhängen. Sie war 56 Jahre alt. Ihr Tod steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Haft und den nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen.

Nachwirkung und Quellenlage

Aus dem Nachlass von Metta Kaatsch stammt eine schriftliche Erinnerung an Anna Billian, die 1948 niedergeschrieben wurde. Diese Aufzeichnungen gelangten 2008 über die Nachfahrin Wilgard Kellermann an das Stadtarchiv Tornesch. Auf Grundlage dieser Erinnerungen konnten im Landesarchiv Schleswig sowie beim Standesamt Neumünster Akten eingesehen werden, welche die geschilderten Vorgänge bestätigten und ergänzten.

Das Schicksal von Anna Margaretha Billian verdeutlicht die Verfolgung politisch missliebiger Zivilpersonen und deren Angehöriger im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Ihre Biografie steht exemplarisch für Menschen, die ohne eigenes politisches Amt oder organisatorische Einbindung allein aufgrund ihrer Haltung, ihrer sozialen Beziehungen oder durch Denunziation ins Visier der NS-Behörden gerieten.

Literatur

  • Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! Widerstand und Verfolgung im Kreis Pinneberg 1933–1945. Hamburg 1983.
  • Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein (AKENS): Dokumentationen zur Verfolgung im Kreis Pinneberg.