Anna Bilińska

Anna Maria Bilińska-Bohdanowiczowa (* 8. Dezember 1854 in Złotopol, heute Nowomyrhorod, Ukraine als Anna Maria Bilińska; † 18. April 1893 in Warschau, Polen) war eine polnische Malerin des Realismus, die vor allem für ihre Porträts bekannt ist und als eine der ersten international anerkannten polnischen Künstlerinnen gilt.[1]

Leben und Werk

Anna Bilińska wurde im Städtchen Zlotopol (ukrainisch Златопіль), heute ein Stadtteil von Nowomyrhorod, in der Familie eines polnischen Arztes geboren. Dann kam sie nach Wjatka (Russland; heute Kirow), wo sie bei dem polnischen Grafiker Michał Elwiro Andriolli Zeichnen erlernte. 1875 ging sie nach Warschau. 1877 studierte sie in der privaten Zeichnungsklasse bei Wojciech Gerson. Ab 1882 reiste sie nach München, Salzburg, Wien und Italien. Danach kam sie nach Paris, wo sie an der Académie Julian studierte – u. a. gemeinsam mit Marie Bashkirtseff – und auch unterrichtete.[3]

Ihr Selbstporträt von 1887 machte sie international bekannt.[4] Für dieses Bild erhielt sie im Pariser Salon eine Medaille dritter Klasse und erlangte damit internationale Aufmerksamkeit. In den späten 1880er Jahren stellte sie regelmäßig in Paris, London, München, Berlin und anderen europäischen Städten aus. Sie erhielt Porträtaufträge aus adeligen und großbürgerlichen Kreisen und gewann mehrere Auszeichnungen, darunter eine Silbermedaille auf der Weltausstellung 1889 in Paris.

1892 kehrte Bilińska nach Polen zurück, heiratete den Arzt Antoni Bohdanowicz und nahm den Doppelnamen Bilińska-Bohdanowiczowa an. Das Paar ließ sich in Warschau nieder, wo die Künstlerin eine Kunstschule für Frauen nach Pariser Vorbild gründen wollte. Dieses Vorhaben konnte sie jedoch krankheitsbedingt nicht mehr realisieren. Sie starb 1893 an einer Herzkrankheit und wurde auf dem Powązki-Friedhof in Warschau beigesetzt.

Ein berühmtes Porträt der Künstlerin – neben ihren Selbstporträts – ist das 1884 entstandene Gemälde Anna Bilinska ihrer britischen Kollegin Emmeline Deane (Victoria Art Gallery).[5]

Werke (Auswahl)

  • Selbstporträt / Autoportret (1887), Öl auf Leinwand, 90 × 117 cm, Nationalmuseum Krakau
  • Selbstporträt (unvollendet) (1892), Öl auf Leinwand, 113,5 × 163 cm, Nationalmuseum Warschau
  • Straße unter den Linden (1890), Öl auf Leinwand, 60 × 82 cm, Nationalmuseum Warschau
  • Ausblick aus dem Fenster des Konservatoriums (1890)
  • Alter Mann mit Buch, (1880), Öl auf Leinwand, 81 × 69 cm, Gemäldegalerie Lwiw
  • Schwarze mit goldener Kette [polnisch Murzynka], Öl auf Leinwand, 64 × 50,5 cm, seit 2012 im Nationalmuseum Warschau
Das Bild wurde während des Zweiten Weltkriegs gestohlen und galt als verschollen. Es tauchte 2011 bei einer Auktion der Villa Grisebach in Berlin wieder auf.[6]
  • Porträt einer Dame mit Opernglas (1884), Öl auf Leinwand, 72 × 91 cm, Nationalmuseum Warschau
  • Porträt einer Bretonin (1889)
  • Porträt einer jungen Dame mit Rose (1892)

Literatur

  • Magdalena Schlender: Die Selbstbildnisse der polnischen Malerin Anna Bilińska, Hamburg 2005.
Commons: Anna Bilińska – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Anna Bilińska-Bohdanowicz. In: AWARE Women artists / Femmes artistes. Abgerufen am 10. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  2. "Artystka. Anna Bilińska 1854–1893" w Muzeum Narodowym w Warszawie [galeria]. Abgerufen am 10. Dezember 2025 (polnisch).
  3. Agnieszka Morawińska: Polnische Malerei von der Gotik bis zur Gegenwart. Wolfgang Jöhling (Übers.) Auriga, Warschau 1984, ISBN 83-221-0248-8, S. 45.
  4. Rachel Mader: Star der Oberfläche – Selbstinszenierung in der Gegenwart. In: Julia Gelshorn (Hrsg.): Legitimationen. Künstlerinnen und Künstler als Autoritäten der Gegenwartskunst. Peter Lang, 2005, ISBN 978-3-03910-491-8, S. 72 ff.
  5. Anna Bilinska (1857–1893). In: artuk.org. Abgerufen am 16. Dezember 2021 (englisch).
  6. Anna Bilińska-Bohdanowicz’s Negress Back in the National Museum Collection in Warsaw. Abgerufen von culture.pl am 22. Juni 2015.